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Interview: THE UNGUIDED
Titel: Lieber unabhängig

Richard Sjunnesson liebt das Neue, das Wilde, und er kann schier gar nicht genug kriegen davon.

Bei Sonic Syndicate lernte der Schwede laufen. Mit The Unguided rennt er. Und sein kreativer Hunger wird auch immer größer. Zusammen mit seinem Bruder, dem Gitarristen Roger, verließ der Schreisänger die erste Gruppe, um 2010 die neue Formation aus der Taufe zu heben. Klarsänger Roland Johansson desertierte damals bei der Gelegenheit gleich flott mit, um nun mit Richard erneut für prickelnd spannende Vokalpassagen zu sorgen.

Das neue Album „Fragile Immortality“ folgt dem 2011er Debüt „Hell Frost“ auf großhymnischem Fuße: Gehörig innovativ und durchschüttelnd dynamisch angezettelter Melodic Death Metal voller Feuerungen und Neuerungen.

„Bereits 2008 begannen Roger und ich erstmals konkret damit, über ein Nebenprojekt von Sonic Syndicate zu reden. Ziel war es, sich darin vermehrt dem Metal an sich zu widmen. Das Ganze sollte auch letztlich viel mehr werden als nur ein Hobby und wir sehnten uns zu dem Zeitpunkt ohnehin bereits danach, die Dinge mehr selbst in der Hand zu haben. Sinnbildlich gesagt wollten wir uns dahin zurückbringen, wo wir in Sachen Motivation und Enthusiasmus standen, als wir Sonic Syndicate gründeten. Weil es uns bei der Vorgängergruppe jedoch nicht gestattet war, derlei Side-Projects am Laufen zu haben, mussten wir uns gedulden. Bis ich 2010 dann eben dort meinen Dienst quittierte“, erläutert Richard mit einem breiten Grinsen im Gesicht, merklich überzeugt von seinem Tun.

„Mit dem Debütalbum konnten wir uns noch nicht soweit aus dem Fenster lehnen wie jetzt mit ,Fragile Immortality‘. Wir wollten als Newcomer erstmal beweisen, was wir so draufhaben. Ein wenig gingen wir damit schon auf Nummer Sicher. Mit der neuen Veröffentlichung zeigen wir jedoch jetzt viel mehr auf als noch zuvor. Das musikalische Spektrum wurde weiter gedehnt, um neben unseren schöpferischen auch unsere unterschiedlichen experimentellen Bedürfnisse so befriedigend als nur möglich zu stillen. Das neue Album markiert für uns einen ganz schön weiten Schritt nach vorne, denke ich. Melodischer Metal, wie wir ihn favorisieren. Man stelle sich die ersten Platten von Sonic Syndicate vor, allerdings mit sehr viel mehr Ideen und Variantenreichtum ,gewürzt‘, dann kann man sich unseren neuen Sound doch ganz gut vorstellen.“

Der Sänger, voller Leuchten und Glanz in den Augen, bringt ergänzend das Thema ‚Reife’ an.

„Wir sind älter, erfahrener und überlegter geworden, was natürlich entsprechend in die neuen Metal-Songs einfloss. Nun geht es ein wenig intellektueller zu. Wir präsentieren Stücke, die regelrecht berauscht sind von Electronics und mit die mit großen Arrangements versehen sind. Die Zugänglichkeit erlitt dadurch allerdings keinerlei Einbußen. Wir lernten eine Menge nach dem Release von ,Hell Frost‘. Für die neue Scheibe versuchten wir das Ganze noch differenzierter und mannigfaltiger werden zu lassen.“

Das Songwriting begann in den ersten Wochen 2012 und dauerte bis Mitte des letzten Jahres an.

Richard resümiert:

„Es zog sich ziemlich hin, doch das nahmen wir gerne in Kauf. Denn wir wollten unseren neuen Nummern großzügig erlauben, sich in aller nötigen Zeit von den ersten Demoversionen bis zur finalen Erscheinung weiter nach vorne zu entwickeln. Ganz im Gegensatz zum Vorgänger eben, der nach der Gründung von The Unguided rückblickend eigentlich doch ziemlich schnell auf den Markt kam. Wir wollten eben so rasch als möglich eine eigene Fanbase etc. aufbauen. Diesmal war von dem ganzen diesbezüglichen Druck der Anfangstage allerdings nichts mehr vorhanden.“


Komponiert wurden die rahmenden Rohgerüste der frischen Lieder zwar hauptsächlich von Axeman Roger, doch jedes Bandmitglied arbeitete entsprechend des jeweiligen Könnens daran mit.

„Bei uns ist jeder Mann in der Band genauso wichtig wie der andere. Jeder von uns hat seine Schlüsselfunktionen. Und alle wurden wir dem gerecht, was die Bandgemeinschaft für ,Fragile Immortality‘ erwartete. Ich verfasse die Songtexte und arbeite danach zusammen mit Roland an Melodien und Gesangsrhythmen, was punktuell gleich auch immer dokumentierend aufgenommen wird. Alles in allem ist es der Arbeitsweise ziemlich ähnlich, die wir bereits schon in Sonic Syndicate an den Tag legten. Wir schrieben so gemeinsam beinahe 100 % des Materials von deren ersten drei Alben.“


Für die beachtlich aufwändig und komplex gewordenen Vokal-Arrangements investierten die beiden beteiligten Kehlenkönner eine Unmenge an Zeit und Mühe, wie Richard noch voller Freude offenbart.

„Wir hatten niemanden vor oder hinter uns. Keinen ungeduldigen, quengeligen oder wichtigen Produzenten also, der uns regulierte, weil wir tatsächlich alles komplett im Alleingang produzierten. Es gingen viele komplette Wochenenden dafür drauf, und das bei Tag und Nacht! Es kostete uns viel Kraft, machte uns aber riesige Freude. Und das hört man dem neuen Werk letztlich auch gänzlich an!“

© Markus Eck, 15.01.2014

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