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Interview: THE SINS OF THY BELOVED
Titel: Einnehmende Seelenfänger

Ein exzellentes Hörerlebnis der wirklich besonderen und vor allem nachhaltigen Art ermöglichte einem das Norweger Nobel-Ensemble The Sins Of Thy Beloved vor nicht allzu langer Zeit. Die schier erdrückende Brillanz ihres hoch aus der Masse herausragenden Debütalbums „Lake Of Sorrow“ kann eine regelrecht paralysierende Aura entwickeln.

„Until The Dark“, der unumstrittene Hit auf „Lake Of Sorrow“, lief 1998 tagelang bei mir rauf und runter und gefiel dabei sogar mit jedem Hören immer noch besser. „Until The Dark“ ist also imstande, schon recht bald absolutes Suchtpotential zu offenbaren.

Die dominante Prägnanz des melodramatischen Septetts wird vom betörend-anmutigen weiblichen Gesang erzeugt, welcher in seiner unverfälschten Reinheit feuchte Augen auszulösen vermag.

Ein seltenes Kunststück, möchte man meinen. Und doch eigentlich, wenn man es genau nimmt, das Hauptanliegen dieser Stilistik, die sich Gothic Metal nennt.

Mit opulent agierenden Violinen und Geigen, die einen dominanten Stützpfeiler im Soundkonstrukt des gefühlvollen Orchesters darstellen und einer rundum atmosphärischen Dichte, die durch die Vielzahl der involvierten Musiker entsteht, erreichen The Sins Of Thy Beloved als eine der wenigen und geradezu auserlesenen Bands des Genres eine verzehrende Wirkung während des Lauschens ihrer orchestralen Dramen.

Mit dem Tasteninstrument können The Sins Of Thy Beloved ebenfalls hervorragende, stark differierende Gefühlsebenen kreieren, die der Akustik der Norweger noch zusätzliche Tiefe zu verleihen imstande sind.

Jetzt erscheint endlich der keinen Deut schlechter ausgefallene Follow-Up mit dem Namen „Perpetual Desolation“. Und die Band konnte den mit dem Debüt abgesteckten Claim noch einmal erweitern und ausbauen.

Die bei jedermann entstandene Neugierde auf die internen Gegebenheiten der „Glorreichen Sieben“ soll das folgende Interview ein wenig befriedigen. Ola packt mit nordischer Kühle aus. Erzähle mir doch bitte etwas über deinen Seelenzustand. Eure Musik ist so sehr melancholisch. Bist du ein selbst auch so ein depressiver Charakter?

„Wir sind beileibe kein Haufen todtrauriger und unglücklicher Menschen. Ganz im Gegenteil. So bin ich auch ein ziemlich glücklicher Kerl, den sein Leben freut. Es wundert mich, daß so viele von unserer Musik auf uns schließen.“

Gibt es aufgrund der Vielzahl der beteiligten Musiker des Öfteren Probleme bezüglich stark differierender verschiedenartiger Wünsche?

Oder herrscht bei euch stets die ganz große Harmonie vor?

„Wir kommen alle außerordentlich gut miteinander aus und haben einen Riesenspaß bei den Rehearsals, was, wie ich denke, eine sehr wichtige und gute Sache ist. Wir nehmen uns die Zeit und führen auch anregende Gespräche miteinander. Auch verjuxen wir uns gegenseitig sehr viel, was die Stimmung immer sehr gut werden läßt. Wenn wir uns nur immer 100%ig auf die Arbeit konzentrieren würden, würden wir lange nicht so spannungsfrei und locker miteinander harmonieren. Wir alle leben in der selben Gegend, nur jeweils fünf Minuten voneinander entfernt. Und wir kennen uns alle schon seit vielen Jahren. So würde ich also schon sagen, daß wir enge Freunde sind. So gibt es bei uns auch keine Riesendiskussionen über das Komponieren und wie es zu erfolgen hat.“

Wie holst du dir Befriedigung? Einzig aus der Musik? Oder auch damit, dir ganze Hektoliter von kaltem Gerstensaft hinter die Binde zu brettern? Oder was? „Gute Musik zu spielen, ausgiebig zu touren und ausgelassene Partys zu feiern befriedigt mich schon enorm.“

Wie steht es mit anderen Bands vergleichbaren Kalibers?

Pflegt ihr spezielle Kontakte mit befreundeten Truppen oder macht ihr nur ganz euer eigenes Ding? Rivalitäten?

„Wir stehen in Kontakt mit mehreren verschiedenen Bands. Speziell in unserem lokalen Bereich und auch mit den Bands, mit denen wir gespielt und getourt haben. Hier in Stavanger gehen wir manchmal ordentlich mit denen einen heben, wollen Spaß haben und treffen uns dann noch mit anderen Bands. Rivalitäten kennen wir nicht, da wir aufgrund der Qualität unserer Musik ein ziemliches Ansehen genießen.“

Die Violine ist sehr prägnant in euren Liedern und mittlerweile zu einem richtigen Trademark geworden. Mein Favorit ist der Knüller „Until The Dark“ vom Debütalbum. Ist es denn sehr schwierig, Stücke zu komponieren, die dieses Instrument beinhalten?

„Wir denken, die Violine ist ein sehr wichtiges Instrument in der Band. Unter Zuhilfenahme von Pete haben wir einen wirklich einzigartigen Stil kreiert, nicht so wie der Großteil der anderen Gothic Kapellen. Unter Berücksichtigung des Faktes, daß die Verwendung so einer Violine eine großartige Atmosphäre in die Stücke einbringen kann und die Musik zweckmäßigerweise sehr romantisch macht, wollen wir auch daran festhalten. Pete ist einfach ein phantastischer Musiker; er spielt schon seit 29 Jahren. Wenn er manchmal einfach so vor sich hin spielt, komponiert er schon die eine oder andere sehr brauchbare Melodie. Meistens spielt er sowieso seine eigenen Ideen in unseren Rehearsals, was für uns immer wieder angenehme Überraschungen mit sich bringt.“

Erzähle von deinem allerbesten Erlebnis auf Tour, das du jemals hattest! In welchem Land, in welcher Stadt und wann tobte der Mob am meisten?

„Es war eine ganze Tour. Wir waren als Co-Headliner im April und Mai 1999 zusammen mit Tristania, Trail Of Tears, Anticrisis und Siebenbürgen unterwegs, was ein wirklich großartiges Erlebnis für uns alle darstellte. Wir rissen 18 Gigs in 19 Tagen quer durch Europa runter. Es ist immer wieder ergreifend, dein Material vor immer wieder neuem Publikum zu spielen. Die tobende Meute zu hören; zu sehen, wie einige durchgeknallte Metalheads total ausflippen, headbangen und die Songs mitsingen, bereitet uns größte Freude. Die meisten der Konzertbesucher in Europa waren wirklich großartig.“

Hast du manchmal das Gefühl, der Realität entfliehen zu müssen? Was möchtest du dann gerne sein?

Beispielsweise ein mächtiger und herrschender König mit nicht zu zählenden Feinden oder lieber ein einfacher und eher armer Mann, der in Frieden lebt und unter dem Baum seine Flöte spielt? „Nein, nicht im Geringsten. Ich habe niemals das Gefühl, der Realität entfliehen zu müssen, weil ich mich in ihr sehr wohl fühle.“

Welches Ziel hast du in deinem Leben noch nicht erreicht? Erzähle mir von deinen Zielen. So viele Frauen als möglich flachlegen? Oder ein Superstar in aller Munde zu sein, der mit allem, was er macht, in die Zeitungen kommt?

„Mein Ziel für die Zukunft ist es, weiterhin Metal zu spielen und so viel Spaß als möglich damit zu haben. Das zukünftige Ziel für die Band ist, so viel als möglich zu touren und eine Menge weiterer Alben aufzunehmen.“

© Markus Eck, 02.06.2000

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