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Interview: THERION
Titel: Anspruch auf Außergewöhnlichkeit

Ein weiter künstlerischer Weg liegt mittlerweile hinter Bandgründer und -leader Christofer Johnsson. Und es hat sich für den Schweden vollauf gelohnt.

Denn Therion mauserten sich nach der 1987er Gründung zu einer der musikalisch und lyrisch wertvollsten Symphonic Dark Metal-Truppen Skandinaviens überhaupt, wenn nicht gar weltweit.

Was da also anfänglich von hageren Jungspunden mit umso fetterer Begeisterung noch unter dem ersten Bandnamen Blitzkrieg als brachiales Old School Death Metal-Fest gefeiert wurde, das brachte Komponist und Gitarrist Johnsson über die Jahre mit intuitivem kreativen Feingespür bis an die Spitze des Genres.

Der spielfreudige Blondschopf, der gegen Ende September 2006 seine bisher gewohnten Sängerpflichten endgültig abgeben wird, spricht gerne mit mir über die aktuelle Veröffentlichung der offiziellen Therion-DVD namens „Celebrators Of Becoming“.

„Die Fans können sich auf eine wahre Hammerpackung gefasst machen: Das aufwändige Set wird ganze vier DVDs und zwei CDs enthalten – insgesamt also über zehn Stunden Videomaterial und zwei Stunden Live-Audio-Inhalt. Eigentlich wollten wir eine solche DVD ja schon seit längerer Zeit auf den Markt bringen, aber leider gab es immer wieder Verzögerungen“, erläutert Christofer gut gelaunt.

Daher entschlossen sich Therion aufgrund der beachtlich langen Wartezeit und der somit aufgestauten allgemeinen Erwartungshaltung, den Fans etwas ganz Besonderes zu offenbaren. Er knüpft an:

„Und unser Stammlabel war von der Idee ebenso begeistert wie wir. Als wir die über 106 Shows umfassende Welttour zum letzten Release ´Lemuria/Sirius B` absolvierten, wurde wirklich eine Unmenge an Videomaterial aufgenommen. Daraus konnten wir zur Genüge schöpfen, um die DVDs mit entsprechend bildgewaltigen Eindrücken zu füllen.“

Wie der Schwede im Weiteren berichtet, nahm er sich für die Auswahl und Zusammenstellung des Film- und Audio-Materials nach Möglichkeit die nötige Zeit und Ruhe.

„Ich werde dieses Jahr meinen 34. Geburtstag erleben und bin mittlerweile seit 19 Jahren als Musiker aktiv. Da stellt sich mit der Zeit schon eine gewisse Routine ein. Insgesamt bin ich bislang an über 20 Alben beteiligt gewesen, meine anderen Band-Projekte mit eingeschlossen. Verrückt mache ich mich auf jeden Fall also nicht mehr mit solchen Dingen. Ganz im Gegenteil, ich werde eher ruhiger und zurückgezogener. Demnächst werde ich sogar das Gesangsmikro aus der Hand geben. Ich fühle mich nicht mehr gut dabei, das ganze Jahr über meine Stimme zu trainieren, um mich dann auf einer Tour jeden Abend in verräucherten Clubs und Hallen gesanglich zu verausgaben. Es kostet mich jedes Mal eine Unmenge an physischer und psychischer Energie, so brauche ich nach Tourende immer länger zur körperlichen Regeneration. Einen anderen Grund gibt es für die Quittierung meiner Gesangstätigkeit nicht. Therion ist zu meinem Leben geworden, daher sollten hierin keinerlei halbe Sachen gemacht werden.“

Der aktuelle Titel „Celebrators Of Becoming“ ist laut Aussage des Frontmannes das Ergebnis einer beinahe verzweifelten Suche.

„Nicht mal die Jungs und Mädels unseres offiziellen Fanclubs wurden sich darüber einig, wie die DVD-Box denn nun heißen sollte. Jeder wollte eben seinen Vorschlag durchsetzen. Nach einigem hin und her insistiere ich schließlich auf einen Auszug aus dem Text des Therion-Tracks `Cults Of The Shadow`, sonst wäre die Diskussion um den Titel wohl ewig weitergegangen. Ich nahm die Sache wie immer eher gelassen. Außerdem ahnte ich das ganze Hickhack ohnehin schon im Voraus, denn dasselbe Titel-Problem zeichnete sich bereits schon damals bei unserem Live-Album ab.“

Mit dem bisherigen Werdegang seiner neuzeitlich klanglich überaus anspruchsvollen Symphonic Metal-Kapelle ist der Chef zwar nicht immer glücklich gewesen, aber er hat sich zumindest damit abgefunden. Christofer resümiert:

„Als wir damals anfingen, waren wir eine weitere brutale Death Metal-Combo unter vielen, also überhaupt nichts Besonderes. Das merkten wir recht schnell und fingen an, Keyboards in unseren Sound einzubauen; zu der Zeit praktisch undenkbar. Dennoch, auf einmal war Therion etwas ganz Spezielles geworden, das von vielen Seiten mit allerlei Aufmerksamkeit bedacht wurde – das gefiel mir schon besser. Wir wurden dafür entweder gehasst oder geliebt, aber auf keinen Fall links liegengelassen. Und dies hat sich bis heute nicht geändert. Gut so.“

Das aktuelle Front-Cover der neuen umfangreichen Silberscheiben-Kollektion wurde von Thomas Ewerhard kreiert.

Christofer ist sehr angetan davon, wie er bekundet.

„Ich gab Thomas eigentlich wie immer bisher ziemlich freie Hand, was die grafische Gestaltung anbelangt. Er hat bereits diverse Album-Cover für Therion gemacht, was jedes Mal zu unserer vollsten Zufriedenheit verlief.“

Und Ewerhards Talente scheinen tatsächlich wie geschaffen für die optischen Belange von Therion zu sein.

„Denn die gelieferten Ideen passen perfekt zu unserer Musik – Thomas erstellt dabei nicht nur tolle Bilder, sondern beschäftigt sich zuvor auch intensiv mit der zugrunde liegenden Musik und ihren Inhalten. So stellend die Türme im Hintergrund des Covers beispielsweise einen Bezug zu den Lyriken und zur Konzeption unseres vorhergehenden Doppel-Albums `Lemuria/Sirius B` her. Wer das Cover dieser Veröffentlichung genauer anschaut, wird diese interessante Übereinstimmung rasch bemerken.“

© Markus Eck, 20.04.2006

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