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Interview: THEATRES DES VAMPIRES
Titel: Blut ist Leben

Vor kurzer Zeit erschien in Form von „Jubilaeum Anno Dracula 2001“ endlich wieder ein neues Lebenszeichen dieses mystisch-musikalischen italienischen Vampirtheaters, welches seinem unheimlich blutigen Image schon seit vielen Jahren in verblüffender Art und Weise treu bleibt.

Und auch auf ihrer aktuellen Veröffentlichung zelebrieren Theatres Des Vampires ihre zeit- und grenzenlose Version von vampireskem und epischem Horror Dark Metal, der sich auch ungeniert vieler Elemente aus der Black Metal-Ecke bedient. Eine wahrhaft sinistre Mischung von erhabener und beseelter Erscheinung.

Auf dem aktuellen Release haben die stellenweise doch sehr mit schwarzer Erotik kokettierenden Sonnenhasser den Anteil schwärmerisch-sehnsüchtiger Bestandteile in ihren Kompositionen um ein Vielfaches angehoben, was der auf „Jubilaeum Anno Dracula 2001“ als Oktett agierenden Horde sehr gut zu Gesicht steht. Erneut gewährt mir Oberblutsauger und Tastenmann Necros eine Audienz in seinen spirituellen Welten.

„Unser letztes Album `Bloody Lunatic Asylum` wurde sowohl von Presse als auch Fans gleichermaßen gut aufgenommen. So erwarte ich mir selbiges für `Jubilaeum Anno Dracula 2001`. Wir in der Band sind sowieso der Überzeugung, daß das neue Album insgesamt gesehen sogar noch besser als unser letztes ist.“

Necros strotzt geradezu vor künstlerischem Selbstbewußtsein, was das neue Werk der Bluttrinker angeht.

„`Jubilaeum Anno Dracula 2001` ist eigentlich gar kein volles Album, wenn man es genau nimmt. Sondern eher ein Sieben-Tracker mit einer Gesamtspieldauer von 40 Minuten. Aber die Qualität der enthaltenen Musik entschädigt dafür doppelt.“

Die CD kann auch gleichzeitig einen Einblick in die zukünftige Direktive von Theatres Des Vampires aufzeigen.

„So haben wir diesmal mehr orchestrale Parts als jemals zuvor in unserer Historie verwendet und auch die Atmosphäre weist eine unglaubliche Dichte auf. Insgesamt gesehen ist die Platte aber gleichzeitig auch unsere bisher boshafteste und bösartigste Veröffentlichung.“

Gleichzeitig ist dieser Diskus aber auch ihre emotionalste Scheibe. Der Keyboarder sieht überhaupt keinen Grund, seine Band mit den ebenso dunkel musizierenden Landsleuten von Death SS zu vergleichen. Und er räumt nachfolgend gleich mit diesem – für ihn leidigen – Thema auf:

„Ich mag die Jungs wirklich, aber unser Stil ist da doch weitaus differenzierter. Ich weiß nicht, warum man uns immer wieder mit der Band vergleicht. Weil wir ebenso aus Italien kommen? Und auch auf Horror-Atmosphäre stehen? Deren Sänger Steve Silvester singt in einer mehr an die 1970er angelehnten Ausführung. So klingt seine Stimme meiner Meinung nach wie ein Mix aus Ozzy and Alice Cooper. Unser Vokalist Lord Vampyr singt jedoch überwiegend in einer schwarzmetallischen Stimmlage, welche er auch manchmal mit epischem Klargesang veredelt; ähnlich wie im Gothic Rock-Genre. Death SS machen einen melodiösen Horror Power Metal, während Theatres Des Vampires einen Stilmix aus Gothic- und Black Metal spielen. Ich persönlich hörte jedenfalls noch niemals weder symphonische Parts, noch Black Metal-Screams, noch gregorianische Chöre, wie wir sie manches Mal verwenden, in den Songs von Death SS.“

Leider wurde die damals parallel zum letzten Albumrelease geplante Tour von Theatres Des Vampires aufgrund technischer Probleme genauso schnell gecancelt, wie sie verkündet wurde. Necros erläutert:

„Ja, leider kam die Tour aufgrund einer Vielzahl an technischen Schwierigkeiten nicht zustande. Der Hauptgrund ist, daß wir ja zu acht sind und von daher schon mal sehr große Bühnen und viel Platz benötigen, um unsere Präsenz darauf zu entfalten. Dementsprechend große Bühnen bedeuten jedoch in aller Regel auch immer einen höheren finanziellen Aufwand als kleinere. Wir sind immer noch ziemlich verärgert darüber, hoffen aber gleichzeitig, zukünftig in dieser Richtung mehr zu bieten. Wir sind ja deswegen nicht gänzlich untätig. So gehen wir derzeit beispielsweise für einige kleinere Gigs hier in Italien auf die Bretter. Am neunten Februar 2002 werden wir dann in London und nachfolgend einigen anderen Plätzen in England auftreten. Wenn diesmal alles wie geplant läuft, werden wir sogar auch für einige Konzerte zu euch nach Deutschland kommen. Ganz sicher werden wir aber im Mai auf einem von Metal Forces organisierten Festival in Lörrach auftreten.“

Die Antwort auf die Frage, wo die Band denn nun am allerliebsten ihre düstere Kunst zum Besten geben würde, kommt prompt:

„Bei euch in Deutschland natürlich, wir lieben euer Land!“

Genau das will ich hören. Ein Live-Set der Band ist außerdem sehr sehenswert.

Denn bei der Vielzahl der verwendeten Effekte benötigt das Ensemble gar einen eigenen Bühnendesigner.

„Unsere Bühnendekoration ist von David Bracci kreiert worden, einem der Effekt-Spezialisten von Dario Argento. Wir verwenden daher neben den üblichen Stilmitteln auch noch einige Horror-Effekte, um das richtige Feeling zu unseren blutigen Songs zu verbreiten. Denn wir wollen den Fans, die wegen uns die Show besuchen, so viel als möglich bieten. Trotzdem legen wir auch großen Wert auf qualitatives musikalisches Equipment. Da wir ja nicht nur mit der ausgefeilten Show überzeugen wollen, sondern in erster Linie mit unserer Musik. Aber auf jeden Fall werden die Besucher der nächsten Shows eine faustdicke Überraschung erleben.“

Man darf also gespannt sein. Necros ist wie der Rest der Truppe konsequenter Individualist und garantiert kein Künstler, der an der Kritik anderer verzweifelt. Er stellt hierzu klar: „Die Leute, die unser Tun lieben, bedeuten mir wirklich etwas. Dagegen sind mir diejenigen, die uns hassen und auch über uns hetzen, total egal. Schließlich wollen wir mit unseren Fans eine Einheit sein. Es gilt: Carpe noctem, bis zum letzten Tropfen Blut.“

© Markus Eck, 15.01.2002

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