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Interview: TARJA
Titel: Umfassend gefestigt

Die finnische Präsidentin Tarja Halonen nannte sie nicht umsonst „Die Stimme von Finnland“, wie die Hörer mit gutem Geschmack wissen. Nun steht die Veröffentlichung ihres neuen und zweiten Albums „What Lies Beneath“ direkt vor der Tür, unzählige weltweite Fans warten bereits fieberhaft darauf.

Doch Lady Tarja, mittlerweile voll und ganz im Musikbusiness etabliert, zeigt im Interview von vorhergehender Nervosität oder unruhiger Erwartungshaltung überhaupt keine Spur. Ganz im Gegenteil, wie immer sehr gut gelaunt liebt sie es innig, angeregt über ihre neue Musik zu sprechen: Und da gibt es natürlich allerhand zu berichten, schließlich wurde diesmal nicht nur für die reine Studioproduktion in England samt weiterführender klanglicher Aufbereitung in den USA ein wahrlich riesiger Aufwand betrieben.

Interessant: Dass die gebürtige Finnin selbst ein noch größerer Metal-Fan ist als sie noch vor einigen Jahren war, dürfte mittlerweile einschlägig hinreichend bekannt sein – somit kam der etablierte britische Produzent Colin Richardson gerade recht, welcher bereits für berühmte Knallhartkapellen wie beispielsweise Machine Head, Bullet For My Valentine oder auch Slipknot an den Reglern saß.

Die begabte Sopranistin selbst durfte beziehungsweise konnte diesmal sogar selbst aktiv mitbestimmen und mitgestalten, wie sich ihre aktuellen Kompositionen auf dem neuen Edelwerk anhören sollen. Und somit scheint es nicht nur so, als würde die Vokalistin auf „What Lies Beneath“ als eigenständige Künstlerin mehr denn je sie selbst sein. Das umfangreiche kompositorische Versprechen, welches sie 2007 mit „My Winter Storm“ ihren Hörern so verheißungsvoll gab, wird gegenwärtig vollauf eingelöst.

Insgesamt reifer, variantenreicher und hörbar sicherer in Möglichkeiten und Ausdruck zeigt die talentierte Dame und ehemalige Nightwish-Sängerin hierbei auf, dass sie noch lange nicht gewillt ist, ihre Talente unter den Scheffel zu stellen beziehungsweise stellen zu lassen.

Zum Zeitpunkt des Gesprächs weilt Tarja gerade in Los Angeles, um aktiv am Mastering der neuen Veröffentlichung teilzunehmen:

„Man wird es mir nicht anmerken, aber ehrlich gesagt bin ich schon sehr aufgeregt derzeit. Wir haben auch hier schon wieder sehr viel zu tun, und das kostet auch mich ganz schön viel Hingabe und Kraft, nicht zuletzt weil uns das Ganze zum Schluss hin immer eiliger geriet. Denn: Eigentlich war die Produktion etc. bereits für Anfang Mai dieses Jahres angedacht, doch das für mich zuständige Plattenlabel in Deutschland wünschte, dass ich an einem speziellen Song, und zwar dem für die auszukoppelnde Single `Falling Awake` noch mehr beziehungsweise noch tiefgehender arbeiten sollte. Und das drang natürlich in Sachen Zeitkontingent auch in die gesamte Produktionsphase mit ein.“

Derzeit arbeitet sie nach eigener Aussage schon wieder seit längerer Zeit an einem ganz bestimmten neuen Lied, dessen Titel sie jedoch nicht verraten will. „Denn niemand weiß im Moment, welche endgültige musikalische Richtung der Song einschlagen wird, es geht sehr abwechslungsreich zu dabei“, platzt es unter herzlichem Gelächter aus der Berühmtheit heraus.“

Glücklicherweise konnte trotz diverser zeitlicher Engpässe alles am Ende doch noch terminlich passend gestemmt werden, so die Sängerin erleichtert, und nun kann sie sich neben dem aufwändigen Mastering ihrer neuen Veröffentlichung gleich auch noch auf anstehende Konzerte vorbereiten. Sie erzählt mit quirligem Stimmfall:

„Die erste Show von mir fand ja bereits schon in Ungarn statt. Es war eine Mischveranstaltung, ein Mix nämlich aus Rock- und Opern-Festival! Ich trat dort auf dem Miskolc International Opera Festival in der hiesigen Eishalle auf, gab mottogemäß ein `Classic And Divine`-Konzert in der Opera-Rock Show 2010. Vor mir gaben sich Therion und Epica dort bereits die Ehre. Es war einfach fantastisch, samt bestem Wetter – ein sehr guter Auftakt zu meinen sonstigen anstehenden Live-Auftritten. Somit bin ich in Sachen Bühnenpräsentation bereits bestens eingestimmt auf die kommenden Konzerttermine, welche die Veröffentlichung von `What Lies Beneath` flankieren werden!“

Überhaupt, auf das neue Albumwerk beziehungsweise auf jeden einzelnen enthaltenen Song samt jeder gesungenen und gespielten Note ist sie bereits jetzt außerordentlich stolz, so Tarja:

„Neben der ganzen Kompositionsarbeit war ich diesmal ja Stück für Stück auch an der Produktion beteiligt, und es war ebenso spannend wie anstrengend als auch schön und befriedigend für mich, dass ich mich so sehr einbringen durfte in den ganzen dazugehörigen Studioprozess. Nicht minder spannend und aufregend wird es nun auch nachfolgend für mich sein, das Ganze für die Bühnenshows umzusetzen und zu inszenieren. Besonders nach der diesmal wirklich langen Zeit in all den verschiedenen Studioräumen wird das schon recht bald umso mehr Einsatz und Kräfte von mir abfordern. Fest steht: Neue Herausforderungen warten da also in höchstem Maße auf mich und meine gesamte Begleit-Band. Ich freue mich jedenfalls schon riesig drauf!“

Dass ihre neuen Kreationen denn auch nicht selten alles andere als Schmuselieder sind, das kommt laut Tarja nicht von ungefähr. Sie offenbart:

„Ja, wie schon in den letzten Interviews gesagt, meine Melodic Metal-Zeiten gehören halt mehr und mehr der Vergangenheit an. Ich fahre immer mehr auf neuen amerikanischen Metal der teils wirklich sehr harten Gangart ab. Bands wie beispielsweise As I Lay Dying etc. höre ich äußerst gerne. Und ich liebe es, solche Einflüsse zu meiner weiblichen Stimme in meiner Musik umzusetzen. Auf diese Weise bin ich imstande, genau meine eigenen musikalischen Vorlieben, Neigungen und Wünsche zu einer ganz individuellen Tarja-Mischung zu vermengen. Das ist es, was ich heutzutage mache. Und ich mache es sehr gerne!“

Wie sie mir im Anschluss daran bekundet, kennt ihre Dankbarkeit hinsichtlich solcherlei Entfaltungsmöglichkeiten keine Grenzen. Wir erfahren dazu von der erneut sehr sympathisch agierenden Vokalistin:

„Ja, ich weiß das alles auch voll und ganz zu schätzen. Ebenso wertschätze ich die erfreuliche Tatsache, dass mein neues Album eine erneute Chance für mich als Künstlerin ist, um mich repräsentativ nach außen hin darzustellen, zu vermitteln und vor allem: Den Hörern auf klarer kreativer Linie neue und gute, frische und inspirative Musik bieten zu können, ihnen allen eine Freude damit bereiten zu können.“

Wir unterhielten uns gleich im Anschluss auch noch ein klein wenig über ihre allerneuesten Promo-Fotos, welche überraschend explizit eine sichtlich mehr entschlossene, eine deutlich mehr gefestigte Tarja präsentieren. Die sehenswert Abgelichtete konkretisiert dazu sogleich, hörbar sprunghaft:

„Die hat Paul Harries aus England gemacht, mit dem ich bereits schon sehr zufrieden stellend vor zwei Jahren arbeitete, um Aufnahmen zu `My Winter Storm` in London zu machen. Er ist wirklich ein großes Talent und ich bin sehr froh, dass er bei den aktuellen Fotos ganz genau verstanden hat, wie ich meine Musik nun sehe und wie ich nun im Zuge dessen auch am liebsten gesehen werden will. Denn: Ganz egal, ob die Hörer meinen neuen Songs nun eine positive oder negative Message abgewinnen können – meine Kompositionen haben in allererster Linie eine klare Botschaft. Sie überbringen absolute Entschlossenheit! Und das könnte man gerne auch nennen: `Take it or leave it!`“ Gute Einstellung.

© Markus Eck, 13.07.2010

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