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Interview: TARABAS
Titel: Aus reiner Freude an der Musik

Beinahe wie aus dem Nichts platzten diese Magdeburger Mannen mit ihrem ruppigen Material in meine Schwermetallwelt hinein: Wikingisch erklingender Melodic Pagan Metal, dessen Melodien zuweilen sehr gut gelungen sind.

Stilistisch angelehnt am melodischen Todesmörtel, bieten Tarabas mit ihrer bulligen Kunst eine runde Mischung. Auch gesanglich tut sich auf dem aktuellen Album „Aus alter Zeit“ so Einiges, Liebhaber rauer und bissiger Vokalisierungen kommen daher gut auf ihre Kosten. Bleibt somit zu hoffen, dass das Schaffen von Tarabas nicht als klitzekleine Fußnote in der harten Metal-Historie endet.

Um da ein wenig entgegen zu wirken, nahm ich die beiden Gitarristen und Schreihälse Alexander May, mit Spitznamen Kutte genannt, und Karl-Ludwig Stephan alias Ludo für ein Interview in die Pflicht, an welchem sich gerne auch noch Tarabas-Trommelstockschwinger Cassian „Cas“ Heim beteiligte.

Gerade Kutte fühlt sich im Moment richtig gut, wie er mir erfreut berichtet:

„Ja, gegenwärtig läuft alles recht positiv für uns. Wir werden sehen, wo das alles noch hinführen mag.“ Und Bandkollege Ludo ist laut seiner Aussage sehr froh, dass die CD endlich veröffentlicht wurde und die Resonanz bis jetzt ziemlich positiv ausgefallen ist.

Wie mir Kutte nachfolgend berichtet, war er damals eines schönen Sommerabends im Jahr 2003 mit dem Bassisten Steve in der Kneipe zugegen:

„Und wir hatten damals auch recht gut unseren Durst gestillt [lacht]! In einer bierseligen Laune haben wir halt über Metal und Ähnliches philosophiert bis wir zum Thema kamen, endlich mal selber Musik zu machen. Woraufhin ich und Steve beschlossen aktiv zu werden und damit sozusagen den Grundstein legten. Nach kurzer Suche kamen noch Ludo und ein Drummer hinzu, der allerdings dann später durch unseren Cas ersetzt worden ist. Einige Proben später kam der Punkt der Namensgebung ins Gespräch und wir beschlossen den Namen meines damaligen Soloprojektes – woher auch der Schriftzug und der Schädel stammen – Tarabas zu übernehmen.“

Mit der Entwicklung des Werdegangs als Band über die Jahre ist der Gitarrist bis heute eigentlich recht zufrieden. „Soweit so gut! Ich denke wir können stolz darauf sein was wir bis jetzt erreicht haben. Die Band funktioniert, unsere erste CD ist draußen, wir haben bereits ein Label hinter uns stehen – und nicht zu vergessen sehr tolle Fans!“

Laut Ludo, welcher wie Kutte ebenfalls ganz zufrieden mit dem Erreichten ist, blieben jedoch auch einige kritische Phasen nicht aus: „Aber der Ehrgeiz, mit dieser Musik etwas zu erreichen, schlichtete bis jetzt jeden Streit. Der Musikstil war nie eine Debatte bei uns und entwickelte sich somit aus den Interessen jedes Einzelnen. Ich denke der Stil wird sich auch nicht großartig ändern, aber technisch werden die Lieder in Zukunft anspruchsvoller. Denn auch wir entwickeln uns mit der Musik weiter. Das Ziel unserer Band ist und bleibt Musik zu machen an der wir Freude haben. Natürlichen wollen wir auch, dass andere Leute sich an dieser Musik erfreuen und Ihren Geschmack erweitern beziehungsweise bereichern.“

Kutte ist ausgesprochener Individualist – er macht sich eigentlich nie großartige Gedanken darüber, wenn er ein neues Stück für Tarabas schreibt, sondern setzt da viel lieber stets genau das um, was ihm gerade so im Kopf rumschwirrt: „Der größte Einfluss dabei ist wohl die Musik die auch selber gerne höre, allerdings ist das so ein Riesenspektrum das ich mich da nicht festlegen könnte.“

Ludo ergänzt: „Ich orientiere mich eigentlich nicht an anderen Bands wenn es um unsere Musik geht, aber es fließt wahrscheinlich unterbewusst immer der eigene Musikgeschmack mit ein. Öfters war in den Reviews von einer Parallele zu Iron Maiden die Rede. Das fand ich lustig, denn mit Iron Maiden habe ich damals angefangen Metal zu hören und sie sind auch heute noch für mich eine der Größen an sich in Sachen Heavy Metal.“

Jetzt endlich bringt sich auch Drummer Cas ins Gespräch mit ein: „Ich versuche stets mich von verschiedenen Musikstilen die mir gefallen inspirieren zu lassen. Das Outro von `Dekaden des Leids` ist zum Beispiel eine von Haydn inspirierte Hommage an die Klassik. Es soll immer Metal bleiben, aber um Abwechslung sind wir alle bemüht.“

Kutte fasziniert am melodischen Death Metal die Intensität des Death Metal gepaart mit der Schönheit der Melodie, wie er bekennt.

„Mir selbst ist Melodie an sich sehr wichtig, da es meistens auch die Stellen sind, die einem im Kopf hängen bleiben. Wenn man dann noch einen kräftigen Dampfhammer dazu bringt um die Matte schön kreisen zu lassen, bekommt man genau das was ich damit verbinde! Fucking good Metal!“

Ludo hingegen fasziniert das Zusammenbringen von harten, schnellen und rhythmischen Riffs mit schneiden Melodien beziehungsweise sanften und klarten Parts:

„Der Gesang ist wie alles eine Geschmackssache, aber was wäre Death Metal ohne Growls und Screams“, stellt er eine Gegenfrage.

Für Cas wiederum ist die stilistische Bezeichnung der Musik von Tarabas ein „weites Feld. Hauptsache die Musik wird nicht langweilig!“

Kutte liebt Hypocrisy, Iron Maiden, Megadeth, um hier nur mal ein paar zu nennen. „Würde aber glaube zu viel werden, alles hier aufzulisten, da ich ein echter Metal Maniac bin.“

So gehört sich das auch. Ludo´s ewige Metal-Favoriten sind „Iron Maiden, Judas Priest, Kataklysm, Hypocrisy und natürlich Kiss und Guns N' Roses.“ Cas informiert dazu: „Ich liebe Manowar, Sigh, Impaled Nazarene, Candlemass und neuerdings auch Solstice.“

Da die Songtexte immer derjenige aus der Gruppe schreibt, der auch das betreffende Lied an sich komponiert hat, verteilt sich das Liedertexten laut Kutte immer unterschiedlich. „Meine Texte drehen sich zumeist darum, was mich gerade so beschäftigt. Die Bandbreite ist dabei sehr weitgreifend, allerdings sollte der Text auch immer zur Musik passen. Ich träume gerne vor mich hin und lasse mich gerne von der Musik in andere Welten entführen, was ich dann versuche in den Texten unterzubringen. Generell habe ich meist keine klare Linie, aber jeder Song behandelt immer eine bewusste Thematik, wobei auch noch recht viel Interpretationsmöglichkeit für den Hörer offen bleibt.“

Ludo´s Texte gehen teils auf wahre sowie frei erfundene Themen zurück. Er erzählt: „Wenn ich allerdings Texte mit wahrem Hintergrund schreibe dann beschäftige ich mich schon ausführlich mit diesen Themen.“

Für den guten Kutte ist es jedenfalls von großer Relevanz, mit der Band eine Möglichkeit zu haben um sich selbst zu verwirklichen. „Musik ist die wohl intensivste Form um sich ausdrücken zu können. Damit Menschen zu berühren die man nicht mal kennt ist eine harte Vorstellung. Warum diese Art von Klängen? Weil ich selber diese Art der Musik am liebsten höre und mich in ihr am besten mitteilen kann.“

Und Ludo´s größter Antriebsmotor ist, selber Spaß an der Musik zu haben, die er kreiert. „Wahrscheinlich kommt noch der Wunsch, Menschen mit unserer Musik zu begeistern, hinzu.“

Ich fragte anschließend explizit nach, mit welchen Worten die Magdeburger Schwermetall-Kerle Außenstehenden die Charakteristiken ihrer gespielten Musik erklären. Kutte hierzu: „Gute Frage! Am einfachsten wäre Metal! Die Einflüsse, die jeder von uns noch mit einbringt sind dabei sehr vielschichtig. Wir hatten mal versucht das zu definieren was bei einem mit `Melodic Pagan Death Metal` endete, wobei das dem auch nicht wirklich gerecht wird. Ich denke das sollte jeder für sich selbst entscheiden, denn letzten Endes ist nicht wichtig was für einen Stil wir haben, sondern ob man die Art von Musik mag oder eben halt nicht.“

Ludo hingegen, ziemlich ratlos dazu, fand es schon immer interessant, dass Außenstehende die Musik von Tarabas besser erklären können als er selbst:

„Daher kann ich nichts Genaues dazu sagen, denn ich wüsste nicht mit welchen Worten.“

Dass sehr viele ärgerlich unbedarfte und stilistisch unwissende Schmierfinken in diversen Metal-Medien die bulligen Kreationen der Truppe total in die Old School Death Metal-Ecke gestellt haben, stört die Musiker nicht besonders. Kutte:

„Ich persönlich finde ja auch nicht, dass wir dieser Bezeichnung gerecht werden, da wir uns dafür zu sehr in den Bereichen des Pagan Metal und auch der Melodien bewegen. Solange wir immer als Metal-Band gesehen werden ist das aber auch soweit okay für mich. Da ich selber ein Fan dieser Art von Metal bin, stört es mich genau genommen nicht besonders damit verglichen zu werden. Dabei kann man aber auch wieder auf die Frage davor zurückkommen, das das Ganze liegt glaube ich letztlich lediglich im Auge des Betrachters.“

Ludo fand betreffende fälschlich gemachte Einschätzungen gar toll: „Es klingt dadurch vertraut und wiederum neu. Ich finde es besser als mit irgendwelchen Nu Metal-Bands verglichen zu werden, was allerdings auch kaum möglich wäre.“

Wie auch immer, laut Ludo werden Tarabas erstmal ein paar Gigs spielen um Fans zu werben und um weitere Werbung für das aktuelle Album zu machen. „Ein zweites Album soll es natürlich auch noch geben und wir sind schon fleißig am Lieder schreiben. Schön wäre es wenn Tarabas in dieser Besetzung noch lange bestehen bleibt und wir uns einen guten Namen in der Metal-Szene machen könnten.“

Laut anschließender Aussage von Kutte werden die Tarabas-Bühnenattacken sogar von mal zu mal besser: „Natürlich müssen wir uns als Band erst noch richtig aufeinander einspielen, aber das klappt mittlerweile alles so wie es sein soll. Da die Fans ja nun auch endlich unsere Texte zur Verfügung haben, stieg der Mitsingfaktor immens – was bei den Live-Auftritten auch immer stärker durchbricht! Hier an dieser Stelle daher auch noch mal ein Riesenlob an unsere Fans, die uns bei den Konzerten immer fleißig unterstützt haben und das Spielen zu einer wahren Freude werden ließen! Ich hoffe es werden noch viele Anhänger dazukommen. Eine ausgedehnte Tour wäre mal eine super Sache, die ich mir sehr wünschen würde. Allerdings liegt das noch in einer ungewisser Zukunft. Solange werden wir aber versuchen jeden Auftritt mitzunehmen, den wir geboten bekommen. Also immer her damit!“

Bis auf zwei Live-Auftritte lief es für die Jungs bis jetzt eigentlich ganz gut, so Ludo´s Ansicht hierüber. „Und die Leute waren immer schön am bangen. Wir machen uns nun aber mehr Gedanken über eine Bühnenshow beziehungsweise über eine einheitliche Performance, um auch in diesem Bereich professioneller zu werden.“

Kutte möchte weiterhin versuchen sein Leben bestmöglich auf die Reihe zu bekommen und guten Metal zu machen, wie er abschließend feststellt. „Ich will möglichst viel von der Welt sehen und andere Menschen mit unserer Musik begeistern.“

Ludo möchte gern sein Studium erfolgreich abschließen und im Leben nicht hängen bleiben. „Was Tarabas angeht, hoffe ich noch auf viele, viele Gigs und eine gute Anzahl von musikalisch ausgereiften Alben.“ Diesem Wunsch schließt sich der Autor doch nur zu gerne an.

© Markus Eck, 07.09.2007

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