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Interview: SYMBIOTIC SYSTEMS
Titel: Zwischen hart und sanft

Das Newcomer-Quintett aus Hannover debütierte kürzlich mit dem Album „Unheard-Of Tales“.

Letzteres bietet betont emotional vorgetragenen Gothic Rock mit modernen Elementen, welcher von Sängerin Diana Pretz mit größtmöglicher Hingabe versehen wird.

Überhaupt gehen Symbiotic Systems außerordentlich behutsam vor bei ihrem musikalischen Tun, was ihren neuen Songs eine nicht wenig befriedende Wirkung ermöglicht.


„Einen so weiten Weg zusammen zu gehen schweißt einerseits zusammen, beinhaltet aber andererseits natürlich auch Konfliktpotential. Es gibt Situationen in denen wir einfach nicht auf einen Nenner zu kommen scheinen, was bei so unterschiedlichen Personen auch zu erwarten ist. Andererseits kommt gerade durch diese Diversität enorm viel Kreativität und Inspiration in die Band und hilft uns dabei, Neues zu schaffen“, beschreibt Gitarrist und Sänger Jan Jamaszyk das kreative Credo seiner Formation.

Symbiotic Systems hatten ohnehin schon seit Längerem die Idee eines Konzeptalbums, so Jan.

„Und Märchen bieten musikalisch wie thematisch eben sehr viele Möglichkeiten. Wir haben uns dabei oft an den ursprünglichen Märchen orientiert, da diese oft noch einiges dunkler und blutiger sind als die Grimm'schen Versionen - und das passt natürlich gut zu unserem Stil. [grinst] Ein Beispiel: Die Geschichte vom Rotkäppchen endet nicht ganz so rosig wie man denkt.“

Während der männliche Bandanteil dabei nicht ganz so literaturaffin ist und sich eher zu Informationszwecken beliest, lesen Frontfrau Diana und Tieftönerin Leonie schon umso lieber.

„Leonie zum Beispiel ist gerade völlig versessen auf die ,Song Of Ice And Fire‘-Bücher. Mit Märchen sind wir wohl alle aufgewachsen, aber das ist doch etwas länger her.“


Die Musik auf „Unheard-Of Tales“ beschreibt der junge Musiker den Lesern als ein melodisches, stellenweise aber auch mit harten Riffs gewürztes Album. „Ebenso ein Werk, das viel Abwechslung bietet und in dem eine zart gezupfte Geige im Dreivierteltakt von einem sägenden Synthie abgelöst wird.“

Im Weiteren noch zu der seiner persönlichen Ansicht nach größten Stärke der aktuellen stilistischen Mixtur von Symbiotic Systems befragt, gibt der Saitenschrubber ganz entspannt zu Protokoll:

„Da wir uns natürlich immer noch ausprobieren findet man sehr viele verschiedene Elemente bei ,Unheard-Of Tales‘, die zwar alle thematisch mit Märchen und Legenden zu tun haben, aber sich trotzdem voneinander abheben und auch gut alleine stehen können. Trotzdem wird auch das musikalische Grundkonzept nicht durchbrochen, und darin liegt wohl die eigentlich Stärke. Es passt alles zusammen, ohne langweilig zu werden! Wir haben außerdem sehr viel Wert auf die textliche Qualität gelegt, es lohnt sich also durchaus im Booklet zu blättern.“

Passend zum Thema Märchen haben die Beteiligten das neue Album etwas erzählerisch aufgebaut, so Jan.

„Bei einigen Songs findet man fast schon Musical-artige Passagen die für die nötige Atmosphäre sorgen und den Hörer zum Beispiel zunächst in einen nächtlichen Wald versetzen, bevor es so richtig losgeht. Dieser Kontrast zwischen hart und sanft, zwischen Geschichte und Melodie, und dem Harmonieren von textlichem Inhalt zur Musik, das macht uns aus.“

Das neue Material geriet der Formation aus Hannover zuweilen überraschend melodisch, hin und wieder sogar griffig. Das kommt, so der Gitarrist und Sänger, wohl von der bereits erwähnten explosiven Mischung an kreativer Energie, zusammen mit sehr viel Zeitaufwand und Zusammenarbeit.“

Jan ist in diesem Kontext auch der Ansicht, dass es schier unmöglich ist, sich nicht von anderen Bands für die eigene Musik inspirieren zu lassen. Er lässt verlauten: „Während des Songwritings haben wir viel Within Temptation gehört, aber auch Dream Theater, Rammstein und Dimmu Borgir.“

Die gemeinsame Arbeit an dem aktuellen Werk „Unheard-Of Tales“ war für Symbiotic Systems laut Aussage des Frontmanns ohnehin eine schier unglaubliche Herausforderung.

„Sich an ein festgelegtes Konzept zu halten und dabei trotzdem noch kreativ sein zu können, das war sehr spannend für uns alle. Es ging sogar soweit, dass wir das gesamte Konzept über den Haufen geworfen haben, und auf einmal hat es wieder funktioniert. Sehr spannend für uns waren auch die musikalischen Umsetzungen bestimmter Geschichten und Situationen, sowie die Wechselwirkung von Text und Musik. Meistens hatte einer von uns die Idee für eine Melodie, und dann haben wir uns überlegt zu welcher Geschichte sie passen könnte und dann wurde der Song entsprechend weiterentwickelt. Zum Schluss kam dabei stets der Text.“

Nachfolgend gezielt vom Autoren zu den jeweiligen speziellen Stärken der einzelnen Bandmitglieder befragt, konkretisiert der Sänger:

„Ich bin ja eher der kühle Kopf der Band, der es immer schafft die Ordnung ins Chaos zu bringen. Hacki wiederum ist der leicht wahnsinnige Künstler, der uns immer mal wieder mit spontan aus dem Ärmel geschüttelten wunderschönen Klavierläufen überrascht. Marcel hingegen, der Mann für Rhythmus und Tempo, ist bei Symbiotic Systems quasi der musikalische Motor. Leonie ist bei uns die Sprachfanatikerin und Designbeauftragte. Und last but not least unsere Diana, die nicht nur an den Texten beteiligt ist, sondern auch noch ein unglaubliches Gespür für Melodien und Atmosphäre mitbringt.“

Fühlte sich der Hannoveraner denn eigentlich vorab dezent nervös bei dem Gedanken, das neue Songmaterial alsbald seiner Bühnentaufe zu unterziehen? Jan:

„Ein bisschen ist man das natürlich immer, aber vor allem haben wir uns darauf gefreut, die neuen Stücke endlich auf das Publikum loszulassen. Bei all dem organisatorischen Stress vergisst man manchmal fast wofür man das alles überhaupt macht. Und wenn man dann auf der Bühne steht weiß man es wieder ganz genau. Es gibt doch nichts Schöneres als live zu spielen. Denn die Menschen, die da vor der Bühne stehen und feiern, für die lohnt sich all der Aufwand.“

© Markus Eck, 01.10.2013

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