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Interview: SUMMONING
Titel: Wiedererweckte Klangwelten

Ihre aktuelle Nachtveröffentlichung „Lost Tales“ enthält zwei bisher unveröffentlichte Summoning-Hymnen namens „Arcenstone“ und „Saruman“.

Ersterer entstammt ursprünglich einem damaligen Musikprojekt namens Mirkwood, während „Saruman“ ein übrig gebliebener Track ihres überragenden „Dol Guldur“-Albumwerkes ist.

Genannte Kompositionen wurden von den beiden passionierten Wiener Tolkientributanten Silenius und Protector ganz bewusst in den originalen Aufnahmeversionen belassen, um sie nicht ihrer ursprünglich intonierten Authentizität und Wirkungseffizienz zu beschneiden.

Hochatmosphärisch schwelgend und vor allem dunkelimaginativ einzigartig anregend, stellen sowohl „Arcenstone“ als auch „Saruman“ überragend dargebotene Mystikpostulate von schier grenzenlos verträumter und eindringlich epischer Klanganmut dar.

Um informativen Zugang zu den aktuellen Gegebenheiten von Summoning zu erhalten, spüre ich Silenius und Protector nach einiger Suche erneut in den weiten Reichen von Mittelerde auf.

Meine Einleitungsfrage bezüglich der derzeitigen Stimmungslage bei den beiden nimmt sich Protector an. Scheint ja nicht gerade der Bär los zu sein, wie es aussieht:

„Eigentlich wollte Silenius diese Frage beantworten, aber aus Mangel an interessanten Erlebnissen in letzter Zeit hat er darauf verzichtet und mich mit der Beantwortung der Frage beauftragt. Ich habe allerdings auch nicht viel zu berichten außer dass ich momentan mit der Einrichtung meiner neuen Wohnung recht beschäftigt bin. Ich habe eine Arbeit als Programmierer, welche einen Grossteil meiner Zeit einnimmt. Trotzdem schaffe ich es öfters, frühzeitig aufzustehen um noch vor der Arbeit Musik zu machen. Momentan arbeite ich gerade an neuen Songs für mein Darkwave-Projekt Die Verbannten Kinder Evas.“

Silenius ergänzt seinen Mitstreiter hierzu nun doch noch:

„Momentan beginne ich mit den Arbeiten zu einer neuen Kreuzweg Ost-CD, sowie mit einer ersten Ideensammlung zur nächsten Summoning-Veröffentlichung, welche voraussichtlich Mitte nächsten Jahres das Licht der Welt erblicken soll. Da ich aber noch in einem frühen Stadium bin kann ich noch nichts Näheres dazu sagen.“

Meine anschließend geäußerte Neugier über ihren Musikkonsum der vergangenen Monate lockt meine Gesprächspartner auch nicht sonderlich aus der Reserve. Protector bekennt:

„Momentan habe ich keine Zeit Musik anzuhören, da ich wie gesagt einer geregelten Arbeit nachgehe und gleichzeitig Musik machen muss; aber wenn ich mal Zeit dafür habe, höre ich mir eher düstere elektronische Musik wie Leatherstrip an.“ Silenius fügt dem an: „Meine drei zuletzt gekauften CDs waren `Peryt Shou` von Inade/Turbund Sturmwerk, das Buch `Heroes And Traitors` mit der Musik von `Last Days Of Trumpet Call` sowie `Die Schlangenkönigin` von His Divine Grace.“

Nun zum neuen Werk „Lost Tales“ – ich bringe meine Verwunderung darüber zum Ausdruck, dass nur zwei Songs ihren Weg darauf fanden. Silenius resümiert daher:

„`Arkenstone` war der beste Song des `Mirkwood`-Demos, die anderen drei Lieder davon waren einfach zu experimentell und für Summoning-Verhältnisse unpassend – während `Saruman` der letzte noch ausstehende Song aus `Dol Guldur`-Zeiten war, welcher durchkomponiert war. Ansonsten gab es nur noch eine Unzahl von losen Riffs, welche es aber nicht wert waren näher bearbeitet zu werden. Das macht unterm Strich zwei Lieder, welche wir für angemessen halten veröffentlicht zu werden und die als Sammlerstück für Die-Hard-Fans gedacht waren.“

Nachvollziehbar. Trotzdem bleibt die Frage, warum diese beiden Songs bis jetzt noch nicht veröffentlicht wurden. Silenius schafft nun Klarheit:

„Der Grund warum sie bisher nicht veröffentlicht wurden war, weil sie lange Zeit nur noch auf einem Tape gespeichert in Vergessenheit geraten waren und erst so ca. vor einem Jahr beim Durchstöbern wieder das Licht der Welt erblickten. Da diese Stücke beim Durchhören Erinnerungen an die alten Aufnahme-Sessions weckten und sie mir nach wie vor gut gefielen, wollten wir sie unbedingt veröffentlichen; nicht nur als Sammlerstücke gedacht, sondern auch als Überbrückung zum nächsten Album – welches jedoch noch eine Weile auf sich warten lassen wird.“

Das Bild im dargestellten Spiegel des aktuellen Frontcover-Artworks stammt laut Protector von einem altenglischen Landschaftsmaler, wie er sich erinnert.

„Auch das Backcover der neuen CD stammt von ihm; leider haben wir seinen Namen vergessen. Sein Malstil ist aber fast identisch ist mit dem von Caspar David Friedrich. Silenius hat ihn in einem Buch über J.R.R. Tolkien entdeckt.“

Ich persönlich als Summoning-Verehrer der ersten Stunde bin mit der graphischen Umsetzung des aktuellen Frontcovers nicht ganz zufrieden. Gerade bei Summoning-CDs sind mir die Cover immer sehr wichtig, denn sie tragen einen großen Teil zur Gesamtstimmung bei. Das waldige, verträumte Tal innerhalb des Spiegels gefällt mir sehr, aber der Bilderrahmen sieht doch etwas kitschig dargestellt aus.

Hierbei hätte man sich meiner Meinung nach sicher mehr Mühe geben können. Protector konstatiert entschieden dagegen:

„Erstens ist es nicht leicht, ständig neue Bilderrahmen zu finden. Zweitens sind die Bilderrahmen meistens dass kitschigste Element des Covers, während das eigentliche Motiv eher von klassischen Malern wie beispielsweise Caspar David Friedrich stammt. Ich bin nicht der Meinung, dass der Rahmen von `Lost Tales` welcher von einem Foto eines historischen Rahmens genommen wurde, kitschiger ist als der Drachenrahmen unseres Albums `Dol Guldur.`“

Ansichtssache. Themenwechsel: Seit längerem interessiert mich auch schon der Bandname beziehungsweise seine Bedeutung in den Augen der beiden dahinter stehenden Musiker.

„Prinzipiell messen wir dem Bandnamen keine allzu große Bedeutung bei; weder heute noch damals. Ich glaube das ausschlaggebende eines Bandnamens ist heutzutage, dass er kurz und prägnant ist und von der Beschaffenheit her dem Betrachter ins Auge springt; sich vor allem nicht mit dem zittrigen Gekritzel anderer Black- und Death Metal-Bands deckt. Natürlich ist bei uns mit den Jahren der Black Metal-Aspekt immer mehr in den Hintergrund getreten, aber was soll’s“, erläutert Silenius, um anschließend die Beibehaltung des genialen Bandlogos zu attestieren:

„Selbstverständlich behalten wir es bei. Ich halte es nach wie vor aus der Masse anderer Bandlogos hervorstechend, ungeachtet dessen ob es einem gefällt oder nicht.“

Protektor hat es damals kreiert, wie er in Erinnerung ruft: „Eigentlich habe ich es nur so nebenbei, innerhalb von wenigen Minuten entworfen und wäre nie auf die Idee gekommen, dass es unser endgültiges Logo werden sollte. Aber da es bei der Band gut angekommen ist, wurde es schließlich als Summoning-Logo verwendet.“

Unbedingt muss ich noch den Erscheinungstermin des kommenden Albums aus den beiden herauskitzeln. Laut Protector existieren aber zum derzeitigen Zeitpunkt keine neuen Summoning-Songs:

„Wie immer haben wir auch diesmal noch keine Pläne, wie die nächste CD zu klingen hat. Der jeweilige Stil entsteht immer von selber, ohne Planung. Nach jeder Veröffentlichung einer Summoning-CD gibt es zuerst einmal eine lange Pause, in der wir uns mit unseren anderen Projekten beschäftigen. Ich beispielsweise habe bereits 90 % einer neuen CD meines erwähnten Projektes Die Verbannten Kinder Evas fertig gestellt. Ich halte diese langen Pausen für notwendig, damit die Musik nicht langweilig wird.“

Seinem Bandkollegen kann ich dann noch ein Statement zum kommenden Frontcover abringen: „Die Wahl eines passenden Covers wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Ganz einfach deshalb, weil es so wenig Fantasy-Malereien gibt, die nicht kitschig wirken. Somit beginne ich schon jetzt intensiv mit der Suche nach passenden Motiven, um nicht in einem Jahr mit einer fertigen CD, aber keinem Cover dazustehen. Auf keinen Fall würden wir uns von irgendwelchen Malern ein exklusives Cover anfertigen lassen, welches man dann zähneknirschend und händeringend verwenden muss.“

Das 1994er Summoning-Debütalbum „Lugburz“ zählt, so Protector im Anschluss, sicher nicht zu seinen Favoriten.

Er bereut aber trotzdem nicht, dass diese Platte veröffentlicht wurde:

„Es stellt einfach die Zeit von Summoning dar, in welcher wir unseren Stil noch nicht gefunden hatten und dadurch aber wiederum auch wieder freier und konfuser als heute gearbeitet haben. Während wir damals beispielsweise die Vocals spontan ohne Konzept und Gedanken eingesungen haben, sind wir heute wesentlich perfektionistischer.“

In diesem Kontext möchte ich von ihm noch wissen, ob er sich menschlich durch die intensive künstlerische Betätigung bei Summoning in irgendeiner Weise über die Jahre verändert hat.

„Ich glaube nicht sehr – und außerdem ist es mir nicht möglich zu bestimmen, ob diese Veränderungen aufgrund der künstlerischen Betätigung oder aufgrund der verstrichenen Zeit entstanden sind.“

Weiterhin plaudert Silenius noch über die aktuellen „Herr der Ringe“-Filme von Regisseur Peter Jackson, welche ihm und Protector außerordentlich gut gefallen, wie in Erfahrung zu bringen ist.

„Es stört uns in keiner Weise, dass die Bücher stellenweise verfremdet bzw. gekürzt wurden, weil dass im Vornherein doch sowieso jedem klar war. Peter Jackson hat es in hohem Maße verstanden, sämtliche Bilder und agierende Figuren so aussehen zu lassen, wie man sich das als Leser der Tolkienbücher schon immer vorgestellt hat. Natürlich auch unter der Beeinflussung der beiden bekanntesten Zeichner John Howe sowie Allan Lee. Mir persönlich hat der erste Teil ein wenig besser gefallen als der zweite, da sich in diesem die Handlung langsam zu einem Höhepunkt hinarbeitet und die Bilder viel mehr den von Gemälden gleichen. Er ist einfach viel stimmungsvoller und atomsphärischer als der zweite, welcher dann eher einer Materialschlacht gleicht. Einzig die Soundtracks sind langweilig.“

Und abschließend gab er mir deutlich zu verstehen, dass von Summoning auch zukünftig keinerlei Live-Auftritte geplant sind: „Nicht nur wahrscheinlich nicht, sondern sicher nicht.“

© Markus Eck, 11.02.2003

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