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Interview: SOLEFALD
Titel: Impulsive Harmonie

Experimentierfreudig waren diese beiden Norweger Individualisten aus Kristiansand ja schon immer.

Ihre stark avantgardistische Version von dunkler Musikphilosophie bezog schon auf dem 1997er Debütalbum „The Linear Scaffold“ ihren Reiz aus allerlei genreungewöhnlichen Gestaltungselementen, welche sich auf einem vorherrschenden Black Metal-Fundament ausleben dürfen. So zogen ihre Veröffentlichungen bisher immer jeweils sehr extreme Reaktionen nach sich: Entweder Liebe oder Haß.

Neuen Ideen gegenüber auffallend offen und daher musikalisch stets sehr wandelbar, lassen Solefald nun auch auf ihrem neuen und vierten Album „In Harmonia Universali“ eine abermals modifizierte Soundlandschaft in voller obskurer Blüte erstrahlen.

„Der Titel unseres neuen Albums ist auf vielerlei Weise zu sehen. Vordergründig soll er jedoch eine universelle Harmonie darstellen, welche sich auf eine ganze Reihe an Dingen bezieht. Einerseits steht er dafür, daß wir alle unseren Frieden mit den Dingen finden sollten, welche uns unmittelbar umgeben und welche uns wichtig sind. Andererseits bedeutet er für uns, sich selbst aus einer losgelösten Distanz zu sehen und als Beobachter der eigenen Person zu fungieren. Dann merkt man oftmals erst, wie klein man eigentlich im Zusammenhang mit der Welt ist und lernt, sich in einem viel kritischeren Licht zu sehen. Dieser Prozeß der Harmoniefindung ist ein manchmal überaus komplexes und recht schwieriges Unterfangen“, läßt mich Solefald-Sänger, Synth-Spieler, Hammond-Organist, Pianist und Drummer Lars alias Lazare wissen.

Für den Multiinstrumentalisten ist der Albumtitel auf dem Front-Cover des aktuellen Hörexempels sehr gut verdeutlicht worden. „Das Bild repräsentiert einen Teil der Albumtitelaussage. Wir sind als Menschen einem ständigen Prozeß der Veränderung unterworfen, was unendlich weitergehen wird. Und können uns aber die Unendlichkeit nicht einmal annähernd vorstellen. Das sollen die verfremdet und surreal dargestellten Körper sowie die Zahnräder auf dem Gemälde darstellen.“

Meiner in diesem Kontext nachfolgenden Frage, ob Lars bei solch intensiver Beschäftigung mit derlei Selbsterfahrung in Harmonie mit sich selbst lebt, entgegnet der Norweger:

„Auf jeden Fall. Ich führe ein sehr harmonisches Leben. Solefald ermöglicht mir durch das Verarbeiten allerlei tiefgründiger Thematiken eine sehr harmonische Beziehung zu meinem Ich. So lebe ich allein schon dadurch in universeller Harmonie.“

Ebenso harmonisch leite ich nachfolgend zur Bedeutung des Bandnamens über, und Lazare erläutert:

„Solefald ist ein altes nordisches Wort, es bedeutet Sonnenuntergang. Mein Bandpartner Cornelius und ich wollten mit diesem Namen den ewigen Kreislauf der Dinge repräsentieren. Alles, was auf diesem Planeten geschieht, ist einer gewissen Linearität unterzogen.“

Betont philosophisch, dieses Statement. Aber auch sonst schreiben die beiden Künstler keine oberflächlichen Lyrics.

Die ständig präsente und tief schürfende Philosophie in den Songtexten von Solefald rührt laut Lazare von Cornelius´ Doktortitel in Philosophie her.

„Cornelius absolvierte sechs Jahre an der Philosophischen Fakultät in Norwegen, er hatte schon immer eine Ader für solcherlei Ausdrucksformen.“

Deswegen werden Solefald wohl auch immer ein Duo bleiben, wie Lazare bekundet. „Cornelius und ich sind vollkommen ineinander verschweißt. Es wäre unmöglich, unser Denken und unsere Musikalität einer dritten oder gar vierten Person auch nur annähernd näher zu bringen.“

Und diese ausgeprägte Verbundenheit beginnt schon beim Komponieren der Stücke für Solefald.

„Wir machen sehr spezielle Musik, welche wir immer nach einem gewissen Schema ausarbeiten. Das Grundgerüst wird von mir mit dem Piano und von Cornelius mit der Gitarre in Gemeinsamkeit erstellt. Das hat sich bisher für jeden Song unserer Alben bestens bewährt, denn ich kann mich am besten auf dem Piano und er sich am besten auf der Gitarre ausdrücken. Unsere Lieder entstehen immer auf sehr impulsive und emotionale Weise. Hinzugezogene Personen würden diese für uns beide von immenser Wichtigkeit künstlerische Intimität empfindlich stören und den Zauber des jeweiligen Momentes rauben“, schmunzelt Lazare.

Nur zu verständlich. Der im Interview sehr redselige 26-jährige begann laut eigener Aussage bereits im zarten Alter von zehn oder elf Jahren mit dem Pianospielen.

„Mein Vater hörte damals sehr viel progressive Sounds wie beispielsweise King Crimson, Jethro Tull oder frühe Pink Floyd, was mich natürlich sehr beeinflusste.“ Und das hat sich bis heute in Lazares Geist erhalten: „Deswegen muten viele unserer Songs sehr progressiv oder mitunter gar psychedelisch an.“

© Markus Eck, 15.03.2003

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