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Interview: SIRENIA
Titel: Überwältigende Gefühle

Musikalisch bekannt geworden ist er zum einen als Künstler mit absoluter Linientreue. Doch ohne großes Talent und intuitives Gespür für kompositorische Zeitlosigkeit hätte es Sirenia-Mastermind Morten Veland im symphonischen Gothic Metal niemals so weit nach oben geschafft.

Für den aktuellen Nachfolger zum 2015 erschienenen Album „The Seventh Life Path“ ging es die norwegische Konstante deutlich düsterer und melancholischer an. Doch all die typisch prächtig arrangierten, opulent orchestrierten Trademarks wurden in „Dim Days Of Dolor“ erneut edel eingewoben.

Die neu auf den Posten gerückte, adlig vokalisierende Frontdame Emmanuelle Zoldan vollendet die Lieder zu dämmrig funkelnden Prunkstücken. Morten, der Sirenia 2001 gründete, zeigt sich ebenso stolz wie erleichtert.

„Wie immer bislang habe ich auch für die neue Platte die ganze Seele und das volle Herz eingebracht. Manchmal gibt es bestimmte Dinge und Elemente in der Musik, die einem als Composer und Arrangeur nicht wie gewünscht antworten im Arbeitsprozess, ganz egal, wie hart und beflissen man es auch jeweils versucht“, lässt der seit 1996 in dem Genre Aktive wissen.

„Doch diesmal fühlte ich relativ schnell, dass alles genau den Weg nimmt, der mir vorschwebte und den ich mir innig erhoffte. Und das fühlt sich großartig an! Ich hoffe inständig, dass Fans und Medien die Machart und Konzeption von ‚Dim Days Of Dolor‘ auch genauso verstehen, wie ich es dafür im Sinn hatte. Spannend.“

Über all die Jahre hat sich sein persönlicher Bezug zur eigenen Kunst niemals geändert, beteuert der Gitarrist und Vokalist aus Stavanger mit glaubwürdigen Worten. „Musik zu machen lässt mich fähig fühlen, etwas zu vermitteln, das mir und anderen Menschen viel bedeutet. Jedesmal, wenn ich an einer neuen Komposition, an einem Riff oder einer frischen Idee feile, die ich wirklich mag, löst das große Gefühle in mir aus. Und dies bringt immer wieder Energie und Enthusiasmus in höchstem Maße mit sich! Ich verspüre es insgesamt als einen speziellen Antrieb, der seit jeher bei mir vorhanden war. Es fühlt sich einfach auch heute noch genauso stark an wie damals in den Anfängen. Musik ist etwas, das in meinem Leben stets eine enorme Rolle spielte und immer spielen wird.“

Insgesamt schrieb und tüftelte der passionierte Ästhet circa 16 Monate an den neuen Stücken, wie er resümiert. „Ich begann mit dem neuen Material bereits vor Veröffentlichung von ‚The Seventh Life Path‘. Das läuft zeitlich eigentlich immer so ab bei mir, daher ist es für mich völlig normal. Aber seit einiger Zeit befinde ich mich in einer sehr inspirierten und produktiven Periode meines Lebens. An neuen Ideen mangelt es mir nämlich zu keiner Zeit“, gibt er mit einem sanften Lächeln zu Protokoll.

„Und meine größte Herausforderung ist es meistens, die besten Ideen herauszupicken. Letztlich ein Luxusproblem, würden die meisten Leute dazu wohl sagen. Mir aber bereitet dieser Umstand jedenfalls immer wieder Kopfzerbrechen.“

Beinahe weniger anstrengend empfand man die hauptgesangliche Neubesetzung mit der hörens- und sehenswerten Emmanuelle Zoldan, und das trotz eilig zu treffendem Entschluss.

„Wir trennten uns von ihrer Vorgängerin Ailyn mitten in der Produktion zum neuen Album. Es musste daher rasch gehen. Emmanuelle war die erste, die uns in den Sinn kam. Ich war immer ein Verehrer ihrer Stimme, egal, bei welcher Band sie über die Jahre bislang mitwirkte. Im bandeigenen Sirenia-Chor war sie sowieso seit 2003 dabei, es ging dem also eine längere und erfahrene Zusammenarbeit voraus.“



Morten selbst hätte zunächst überhaupt nicht erwartet, wie er mit berührter Miene offen zugibt, dass sich Emmanuelle für solch eine fixe Rolle in der Formation entscheiden würde.

„Schließlich hatte sie bereits auch eine tolle Karriere im Opernbereich vorzuweisen. Als wir die Gespräche angingen, gab es natürlich zunächst mal sehr viel über Musik an sich etc. zu reden. Ich war allerdings überrascht, wieviel wir beide auf diesem Gebiet doch gemeinsam haben. Wir mögen viele gleiche Bands und wir sind im musikalischen Bereich geistig sehr offen. Diesmal war es also sehr leicht, eine neue Sängerin zu finden. Fast schon wie ein Wunder“, staunt er.


„Sie ist über unsere spezifische Art von Metal hinaus eine sehr vielfältige Sängerin, die wirklich mit einer ganzen Menge an ziemlich differierenden Stilen umgehen kann, sei es nun Klassik, Oper oder modern bis hin zu eben Rock und sogar Jazz.“

Dass „Dim Days Of Dolor“ trotz aller vordergründigen und vermeintlichen Düsternis so überaus stimmungsvoll und weitläufig klingt, liegt laut Morten primär daran, dass er sich beim Komponieren völlig frei und ohne jeden Erwartungsdruck fühlte.

„Eine sehr gute Kombination, wenn ich an die lyrischen Inhalte denke. Im Kern drehen sich die neuen Nummern darum, wie es wohl ist, wenn man tot ist und sich lebendig fühlt beziehungsweise wenn man am Leben ist und sich wie tot fühlt. Ein Konzeptalbum ist es dennoch nicht, in keiner Weise. Jeder Song durfte und konnte sich auch textlich in die Richtung entwickeln, die ihm individuell am allerbesten zu Gesicht steht.“

© Markus Eck, 25.10.2016

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