Top
Interview: SILENT FORCE
Titel: Alles andere als stille Kräfte

„Infatuator“, das neue und gleichzeitig zweite Album dieser deutsch-amerikanischen Power Metal-Band kann nicht nur nahtlos an den superben 2000er Vorgänger „The Empire Of Future“ anknüpfen.

Sondern es perfektioniert auch den darauf ohnehin schon ziemlich ausgereiften Melodic Metal sogar noch um ein Vielfaches. Härter mal schneller ist melodischer: Auf diese einfache aber aussagekräftige Formel kann man das neue Album der talentierten Formation bringen.

Mit „Infatuator“ dokumentiert die Gruppe um den ehemaligen Royal Hunt-Sänger DC Cooper und den ehemaligen Primal Fear-Gitarristen Alex Beyrodt ihre enorme Weiterentwicklung als homogene Einheit, welche durch die ereignisreiche Vergangenheit spürbar noch enger zusammen gewachsen ist.

Bassist Jürgen Steinmetz gibt mir zu Protokoll:

„Die Lage innerhalb der Band ist sehr gut, spätestens seit wir das neue gemasterte Album gehört haben. Seit Mitte letzten Jahres bin ich als Bassist am Start. Die Tour mit Stratovarius war also meine erste `Amtshandlung`. Mein Vorgänger `Fleisch` hatte einfach nicht mehr die Zeit für den Job. Er ist ja Tourmanager und daher immer auf Achse. Was ich sehr schön finde ist, daß es da nie irgendwelchen Streß gab.“

Der Hauptteil der Truppe stammt aus dem Ruhrpott:

„Alex, André und Totte kommen aus dem Einzugsgebiet des Potts wie beispielsweise Krefeld, Rescheid und Wuppertal, und dort ist natürlich eine Menge Metal geboten. Nicht zuletzt auch durch Rage, deren Gitarrist Viktor Smolski ja auch den Gesang auf der neuen Scheibe produziert hat.“

Jürgen selbst stammt aus der Nähe von Heidelberg. „Da ist nicht wirklich viel los. Erst wieder in Stuttgart, mit Primal Fear beispielsweise, und unser Barde DC stammt aus Pittsburgh.“

Das Gründungsdatum der Truppe kann mir der Tieftöner überhaupt nicht sagen.

„Ich war ja nicht dabei. Aber das war sowieso etwas verworren, irgendwann um 1999 herum. Da gab es die Band The Signet, mit Alex und André und einem D.C.Cooper, der gerade sein erstes Soloalbum machte. The Signet haben sich dann nachfolgend aufgelöst. Somit standen Alex und André ohne Band da. Zum Glück standen alle beteiligten Parteien bei Bottom Row unter Vertrag. Die Vermittlung verlief sehr erfolgreich“, freut er sich.

Für ihn hat der Bandname sehr viel mit dem Wiederkommen des Metal zu tun: „Denn der Metal hat als `Stille Kraft` sozusagen alles überlebt und er wird weiterleben. Das ist die einzige Wahrheit!“ Und wir erfahren weiter: „Nachdem bei der ersten Scheibe das musikalische Zusammenwachsen gefragt war, kam dann auf der Tour und vor allem bei der Tourvorbereitung die zwischenmenschliche Zerreißprobe, die eigentlich überhaupt keine war. Denn es gab nie Probleme. Ich bin somit echt froh, daß ich seit der ersten Tour mit dabei bin. Mit der Entwicklung ist auch alles gut gelaufen. Wir sind alle sehr schnell richtig gute Freunde geworden und wir haben auch schon D.C. in den USA besucht und dabei gleich eine tolle Show in Pittsburgh gespielt. Musikalisch gesehen läuft es genauso gut. Einfach mal das neue Album anhören, dann weiß jeder genau, was ich meine!“

„Infatuator“ ist ein Wort, so mein Gegenüber, das bisher nicht existierte. „Es ist vom Verb `to infatuate` abgeleitet, was soviel heißt, wie `in den Bann ziehen`. Zu eventuell auftretenden Spekulationen: Die neue Scheibe ist ein Infatuator! Sie behandelt vom Inhalt her eher nicht so die typischen Metal-Klischees. D.C. ist ein Gefühlsmensch, was man auch an den Texten sehr deutlich sieht. Wir haben auch eine Trilogie auf dem Album, welche vom alten Rom handelt. Diese Trilogie ist komplett von Alex, vom Rest des Albums ist auch viel im Proberaum entstanden. Die Songtexte sind komplett von D.C.“ Die neue Scheibe ist im direkten Vergleich mit dem Albumvorgänger seiner Meinung nach reifer und auch auf jeden Fall härter, was auch eher der Live-Performance der Band entspricht.

Es ist wieder mal soweit, wir kommen nun einmal mehr zum für Metalmessage wohl schon traditionellen Vergleich der heutigen Metal-Szene mit früheren Zeiten:

„Ich glaube mit `besser` und `schlechter` kommt man bei der Frage nicht gerade sehr weit. Die Szene ist einfach anders geworden. In den 80ern war Metal zum Teil Hitparadenmusik, in den 90ern war er dann auch mal zeitweise richtig tot und all das hat die heutige Metal-Szene natürlich geprägt. Durch die Kommunikationsmöglichkeiten ist natürlich auch vieles einfacher geworden, aber es sind dadurch auch viel mehr geworden, die sich am großen Kuchen bedienen.“

Weise gesprochen. Bleibt noch der länderübergreifende Vergleich der metallischen Mentalitäten: „In Frankreich und südlicheren Ländern sind die Fans schon sehr impulsiv, was natürlich bei Live-Konzerten echt geil ist. Aber bei uns ist es schon auch genial, gerade, was die beschriebene Szene anbelangt. Die Metal-Presse in Deutschland ist echt der Hammer, wovon die Szene natürlich auch profitiert. Die besten Erfahrungen für uns waren sicherlich die in Frankreich, aber das liegt hauptsächlich an der superben Promotion dort. Und daran, daß wir die meisten Shows mit Stratovarius in Frankreich gespielt hatten.“

Das letzte Mal haben Silent Force am 17.08.2001 im deutschen Städtchen Castrop Rauxel im dortigen Spectrum live gespielt. Mehr:

„Wo wir das nächste mal auftreten steht noch nicht fest, aber wir werden auf jeden Fall im Frühjahr eine ausgedehntere Tour machen. Bei dieser werden dann auch mehr Deutschland-Shows dabei sein als das letzte Mal. Wir haben als Band einfach einen Riesenspaß auf der Bühne, dazu groovt es auch noch wie Sau und das fühlen die Fans vor der Bühne und geben es uns zurück. Das ist das Geilste, das es gibt. Vor allem D.C. bekommt das zu spüren, der ist mittlerweile ein echter `Crowd-Surf-Profi`“. Na, das hört sich ja richtig sportlich an.

Und die musikalische Zukunft sieht gut aus für die Jungs:

„Wir wollen nun erstmal auf Tour gehen, den Fans da draußen richtig einheizen und Songs für das nächste Album schreiben. Ich denke, wir sind musikalisch auf jeden Fall auf dem richtigen Weg und den werden wir auch weitergehen.“ Letzte Worte an die Fans? Klar: „Danke für Eure Unterstützung! Und Sorry noch mal wegen Wacken! Wir werden das auf jeden Fall mit mehr Deutschlandkonzerten auf der Tour wieder gutmachen. Und bleibt so wie Ihr seid, denn ihr Metalfans seid die Größten!“

© Markus Eck, 21.10.2001

[ zur Übersicht ]

Advertising

+++

+++


+++

+++