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Interview: SERENITY
Titel: Mit gesundem Ehrgeiz

Erneut hat sich diese österreichische Talentversammlung erfolgreich aufgemacht, um den Freunden solcherlei Klänge ein wahrlich opulentes Symphonic Power Metal-Spektakel zu liefern.

Ebenso prunkvoll wie feinsinnig progressiv angelegte Musik der außergewöhnlich eigenständigen und anspruchsvoll arrangierten Sorte ist das vorliegende Ergebnis. Das neue und vierte Langspielfest „War Of Ages“ stellt die konsequente Weiterführung des letzten Albums „Death & Legacy“ dar. Diese Platte zeigt das immens ästhetische Schaffen der rundum souverän agierenden Band um Sänger Georg Neuhauser in taufrisch wirkender Form.

Und schien hierfür musikalisch eine weitere Steigerung nur noch schwerlich möglich, so scheinen Serenity ihre mannigfaltigen Qualitäten trotzdem noch auf vielfache Weise verfeinert zu haben. Thematisch widmet sich das aktuelle Werk diversen markanten historischen Eckpfeilern der Weltgeschichte, wofür die abgeschlossenen Studiengänge Neuhausers in Geschichte, Archäologie und Geographie vielfach hilfreich waren.

„Natürlich sind wir derzeit erleichtert, dass die Aufnahmen so gut geklappt haben und das Endergebnis in Form eines neuen Albums vor uns liegt. Wir haben wieder alles gegeben und wir können diesmal echt behaupten, auch wenn das natürlich wohl stets jede Band macht, dass ,War Of Ages‘ das beste Album ist, das wir je abgeliefert haben. Klarerweise haben wir aber momentan gar nicht wirklich Zeit dazu, um uns vom Aufnahmestress zu erholen, weil einfach so lästige Redakteure und Interviewpartner immer was wissen wollen“, eröffnet Frontmann Georg mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen.

„Druck direkt haben wir keinen während des Songwritings verspürt. Natürlich haben wir versucht die Qualität des Vorgängers mindestens zu halten beziehungsweise sogar am besten zu toppen. Aber das ist ja sowieso im Interesse der Band und deshalb kann man es nicht als direkten Druck bezeichnen, sondern mehr als Ehrgeiz. Das einzige was wir definitiv nicht wollten, war, ein komplett identisches Album abzuliefern - ,Death & Legacy Part II‘ sozusagen. Und das ist uns mit Sicherheit gelungen.“

Überraschend impulsiv übernimmt sein Kollege, Gitarrist Thomas „Tom“ Buchberger im Weiteren das Antwort-Ruder. Der Mann holt aus:

„Songwriting ist immer abhängig von sehr vielen Faktoren und ich bin mir sicher, dass die nächsten Songs wieder anders sein werden als Stücke unserer Vorgänger-Alben. Dazu ist es manchmal aber auch notwendig, wieder etwas Abstand zum Vorgänger zu bekommen indem man auch mal eine kleine Songwriting Pause macht. Diese ergibt sich meist ohnehin von selbst, da Videos geplant werden müssen, Interviews gegeben werden, Marketing erledigt wird, getourt wird etc. Genauso war es auch nach ,Death & Legacy‘. Wir haben zwar laufend Ideen gesammelt und diese auch Demo-mäßig auf Festplatte gebannt, aber es war uns einfach sehr wichtig, die Kritik der Fans anzunehmen und gleichzeitig unsere eigene Vision weiter zu perfektionieren. So kam es, dass wir aktuell bewusst mehr auf die (Chorus)Melodien geachtet haben sowie Orchester-Passagen genauso wie andere Instrumente gezielter eingesetzt haben. Auch die Songstrukturen wurden von uns eingängiger und gleichzeitig aber auch reifer gestaltetet. Und das scheint bislang auch ganz gut anzukommen bei den Hörern. Eine große Änderung ist natürlich der Einsatz von Vocals der Französin Clémentine Delauney. Setzten wir zuvor auf diverse Gastsängerinnen, so haben wir jetzt unsere eigene ,Femme Fatale‘ an der Front. Dazu kommen aber auch mehr Liebe zum Detail bei den Aufnahmen an sich. Seien es die verbesserten Gesänge, die tighteren Instrumentierungen … es passt einfach alles, wie zumindest wir finden.“ 


In den neuen Songs der Band steckt deutlich hörbar wieder literweise Herzblut und völlige Hingabe. Dafür braucht man aber sicherlich einen völlig freien Kopf, oder, Tom?

„Ja, das wäre gut! Ist aber nicht immer einfach so möglich. Gott sei Dank sind wir sehr selbstkritisch und haben vielleicht auch einen recht guten Sinn für Melodie und Eingängigkeit ohne dabei zu kitschig zu sein. Es ist also immer jede Menge Arbeit, eine riesige Menge an Versuchen diverser Melodien, Parts, Kombinationen, Instrumenten etc. Zu guter Letzt haben wir aber auch etwas Hilfe von unserem Produktionsteam, primär bestehend aus Oliver Philipps und Jan Vacik. Oliver übernimmt dabei die Orchestrierungen und Arrangements, Jan wiederum zeichnet für Mix und Mastering verantwortlich.“ 


Besagte beiden Herren sind, so der Axeman weiter, sozusagen die „Qualitätssicherung“ von Serenity.

„Und sie haben so eine Art Vetorecht, welches wir meist ohne Wenn und Aber akzeptieren. Es kommt zwar äußerst selten vor, aber es ist schon mal möglich, dass ein Song komplett umgeworfen wird oder ein Part ganz einfach wegrationalisiert wird. So ganz nebenbei finde ich auch, dass es nach 30 bis 40 geschriebenen Songs schon etwas schwieriger wird, noch frisches Material zu schreiben. Schließlich will man sich auch nicht bei jedem Song selbst kopieren. Aber es gibt ja unendlich viele Melodien und meist kombinieren wir auch die Ideen von Georg und mir. An neuen Serenity-Songs wird es also auch in Zukunft nicht mangeln.“

Die Erwartungshaltung alter und neuer Fans: Denken die Musiker von Serenity darüber überhaupt noch nach oder gehen sie mittlerweile völlig intuitiv ran, ohne an das zu denken, was andere davon halten werden?

Tom bläst zuerst etwas irritiert die Backen auf, um dann mit dynamischer Entschlossenheit zu Protokoll zu geben:

„Das ist so eine Frage … wir diskutieren manchmal darüber und es scheiden sich daran die Geister. Vor allem daran, ob man etwas mehr Mainstream einbringen sollte oder generell den Stil etwas verändern sollte. Insgesamt kann man aber festhalten, dass unserer Meinung nach die wenigsten erfolgreichen Bands aus einem Stilwechsel heraus geboren wurden. Und am Ende des Tages machen wir dann das, was uns selbst gefällt und was uns glücklich macht. Es würde einfach keinen Sinn ergeben, etwas Bestimmtes zu machen, nur weil es sich so einige Fans oder ,Noch-nicht-Fans‘ von uns wünschen. Ich habe mal eine tolle Aussage eines Videospiele-Entwicklers gelesen, welche meines Erachtens hier eventuell ganz gut passt: ,Die Fans glauben zu wissen was sie möchten, sie tun es aber nicht und man muss sie immer wieder mit neuen eigenständigen Ideen überraschen ohne dabei seine Wurzeln zu vergessen‘.“

Wir sprechen anschließend darüber, welche Bands aus dem Genre die Musik von Serenity von Anfang an bis heute massiv beeinflusst haben. Georg informiert dazu:

„Massiv beeinflusst von Anfang an haben uns sicherlich Bands aus dem Metal-Sektor wie beispielsweise Nightwish, Kamelot, Sonata Arctica oder auch Symphony X. Aber sowohl Tom als auch ich sind große Rockfans. Vor allem ältere Bands wie Queen, Toto oder Europe haben es uns angetan. Ich bin zum Beispiel gerade letztes Jahr wieder total fasziniert von einem Toto-Konzert in Wien zurückgekommen! Das war einfach unglaublich, was diese Herren, die ja auch schon ein paar Jährchen auf der Lebensskala zu verbuchen haben, live auf der Bühne abziehen. Da bleibt nur noch eines zu tun: Hut ziehen und verbeugen.“ [lacht]

Nun legt Tom zu diesem Kontext nach: „Im Metal-Bereich möchte ich hierzu klar Nightwish, frühe Sonata Arctica, Within Temptation, Metallica, Iron Maiden und Co. nennen. Neben den von Georg besagten Rockbands können bei mir aber auch viele amerikanische Pop-, Rock- und Country-Acts gelistet werden. Von Kansas über America, von Kelly Clarkson über Pink, von Johnny Cash bis hin zu den Eagles. Und natürlich Filmmusik á la Hans Zimmer, Howard Shore, usw. Ganz generell aber einfach gute Musik!“

Ich will nachfolgend von meinen beiden Gesprächspartnern wissen, worin genau sie die speziellen Stärken ihrer neuen Scheibe sehen, wobei Tom blitzschnell antwortend das Ruder übernimmt: „Eingängige Melodien, jeder Song eine Granate, facettenreiche Vokalarbeit, punchige Produktion, Liebe zur Musik!“


Wie der ansonsten sehr stimmstarke Georg danach mit aller Besonnenheit im Tonfall offenbart, wurde die Musik von „War Of Ages“ erneut, so wie auch schon für „Death & Legacy“, komplett von Tom und ihm geschrieben. Er lässt im Folgenden tiefer blicken.

„Meistens läuft es so ab, dass Tom eine instrumentale Basis aus Gitarrenriffs, programmierten Drums, Bassspuren und auch schon einigen Keyboard-Linien zusammenbaut und mir dann per Mail schickt. Aufbauend auf diese Grundlage fange ich dann an Gesangslinien zu entwickeln, die wir dann gemeinsam in unserem Studio ausarbeiten. Bei ,War Of Ages‘ war ich auch wieder etwas aktiver mit der Einbringung von kompletten Songs. Die Demos dafür nehme ich meistens mit meinem Handy auf, weil mir natürlich die besten Songideen an Orten in den Kopf kommen, wo man es eigentlich gar nicht brauchen kann. So heißt es dann, trotz großer Verwunderung und teilweise auch Verärgerung der anderen Fahrgäste im Zug das Handy zu zücken und dann zumindest schnell den Refrain und das Hauptriff darauf zu singen. Wie diese Demos dann klingen, will garantiert niemand wissen, aber es erfüllt seinen Zweck. Und die Leser müssten mal Toms Gesicht sehen, wenn ich ihm total begeistert einen neuen Song vorspiele, wo ich überzeugt davon bin, dass es ein Millionenseller wird, und man außer Krachen, Pfeifen und Quietschen fast nichts hört“, entfährt es dem vielfach fähigen Stimmbandkönner unter schallendem Lachen.

Tom lacht da gerne herzlich mit, und ergänzt seinen so ungewöhnlich ambitionierten Kompositionspartner, nachdem er sich gefangen hat, allerdings nicht ohne ein breites Grinsen im Antlitz:

„Die Beschreibung trifft in etwa zu … ich versuche mir das Ganze dann soweit zurechtzubiegen und abzuändern, dass Musik daraus wird. Das fängt beim obligatorischen Bestimmen des Tempos an, geht über die Suche nach der passenden Tonart und Vocalrange über Gitarre, Bass und Drums bis hin zur Demo-haften Keyboard-Arrangierung. Meist ist es ein recht langwieriger Prozess mit vielen Trials und Errors. Aber am Ende ist eigentlich immer alles gut, auch wenn man es selbst dann schon gar nicht mehr beurteilen kann. Und dann kommt wieder unsere zuvor erwähnte Qualitätssicherung zum Zug.“

Wir gehen tiefer hinsichtlich des vorangegangenen Kompositionsprozess zu „War Of Ages“. Auf dessen eventuelle Höhen und Tiefen angesprochen, erinnert sich Tom zurück.

„Zu ,War Of Ages‘ habe ich sicherlich sehr viele Ideen aufgenommen, die am Ende gar nicht verwirklicht wurden. Diese Ideen wären früher sicherlich allesamt zu Songs verarbeitet worden. Aber ich und auch Georg sind sicher etwas kritischer geworden und so wird eben nicht jede Idee bis zum Ende ausgearbeitet. Dennoch könnten zwei bis drei Titel ihren Weg noch auf das nächste Serenity-Album finden. Ansonsten kann ich Georg sehr gut einschätzen, kenne seine genaue Skala und weiß somit eigentlich immer ganz gut was klappen wird und was nicht. Schwieriger war es da definitiv mit Clementine. Wir haben zwar ein paar Testaufnahmen gemacht, sodass klar war, dass Sie auch im Studio überzeugen kann. Aber ihre persönliche Skala beziehungsweise ihre ,Sahneseite‘, wenn man so möchte, kannte ich nicht. Das war wirklich schwierig, aber gleichzeitig auch ein notwendiger Prozess. Die größten Tiefen trafen dann Ende des letzten Jahres auf uns, als wir den geplanten Release etwas nach hinten ziehen mussten, da wir nicht in der Lage waren die Vokalaufnahmen termingerecht abzuschließen. Das lag aber außerhalb unseres direkten Wirkungsbereiches. Und an diversen Problemchen bei einigen Aufnahmen, zumeist Sachen, wobei wir etwas Neues probiert haben. Am Ende haben sich eben doch bestimmte Vorgehensweisen bei uns bewährt. Als wir alle Songs, alle Lyrics, den Mix, das Master etc. und das geniale Artwork zum Album in den Händen hielten, war uns klar, dass wir ein echtes Meisterwerk geschaffen hatten. Und das ist ein Begriff, den wir nur sehr zögerlich in den Mund nehmen!“

Der neue Albumtitel verleitet den Autoren dieser Zeilen erstmal zum Nachdenken … tatsächlich ziehen sich noch immer, und das seit es Homo Sapiens eigentlich überhaupt in größerer Zahl auf dieser Erde gibt, weltweit Kriege durch die Geschicke der Menschheit.

Man hat offensichtlich nichts gelernt. Wollte man nichts lernen? Durfte man nichts lernen? Und: Wie sieht Georg den Kontext?

„Der Titel ,War Of Ages‘ bezieht sich eigentlich auf zwei Thematiken: Einerseits geht es um den Fakt, dass man die Zeit nicht stoppen kann, egal was man versucht. Und andererseits bezieht sich der aktuelle Albumtitel natürlich auf den Umstand, dass der Mensch aus seiner Geschichte nichts, aber auch gar nichts, gelernt hat. Durch meine Studien der Geschichte, Geographie und Archäologie ist mir immer wieder bewusst geworden, dass sich die Menschheit schon so oft in furchtbare Tragödien gestürzt hat, um dann drei Jahrzehnte später denselben Blödsinn nochmals zu veranstalten. Mein Forschungsschwerpunkt auf der Universität liegt ja in der Geschichte Mitteleuropas im 16. und 17. Jahrhundert. Da befasst man sich unter anderem auch sehr intensiv mit dem 30-jährigen Krieg – dem in meinen Augen beinahe schrecklichsten Krieg, den vor allem die Deutschen Lande je erleben mussten. Und vergleicht man die Tagebücher von Soldaten aus den Jahren 1618-48 und den Tagebüchern der Soldaten im Zweiten Weltkrieg, dann hat man das Gefühl, als ob sich gar nichts geändert hätte. Dieselben Ängste, Gefühle, Verletzungen … einzig die Waffen sind anders. Und auch die Gründe für Kriege sind immer dieselben: Religion, Rohstoffe und politische Macht. Man muss sich ganz bewusst vor Augen führen, dass in der gesamten Menschheitsgeschichte in Mitteleuropa noch nie so lange Frieden geherrscht hat wie gerade jetzt! Ich hoffe ich male den Teufel jetzt nicht an die Wand, aber vielleicht hat unsere Generation das Glück auch weiterhin die erste Generation sein zu dürfen, die keinen Krieg direkt vor der eigenen Haustür miterleben muss.“

Um an Themen wie beispielsweise Napoleon Bonaparte und seine Kriege möglichst seriös und so tiefgründig wie möglich heran zu gehen, muss man schon meterhohe Stapel an Büchern verschlingen, oder, Georg?

„Wie der Albumtitel schon vermuten lässt, handeln die meisten Texte von sehr düsteren Themen wie Krieg oder Wahnsinn. Aber auch tragische Einzelschicksale sind dabei. Ja, das stimmt, ich habe wie bereits erwähnt die Studien der Geschichte, Archäologie und Geographie abgeschlossen und bin momentan auf der Universität als Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Somit bin ich natürlich sehr in historischen Thematiken verankert, aber auch die anderen Jungs und das Mädel der Band sind sehr geschichtsinteressiert. Deshalb beschäftigen wir uns immer wieder gerne mit Themen aus der Vergangenheit. Um einige Bespiele herauszupicken: Im Song ,Art Of War‘ geht es um Napoleon, der einerseits ein Genie der taktischen Kriegsführung war und durch die Einführung des ,Code Civil‘ die zivile Gesetzgebung in Europa reformiert hat sowie andererseits um das grausame Wesen Napoleon, der keine Gnade mit seinen eigenen Soldaten und schon gar nicht mit den gegnerischen Parteien hatte. In ,Symphony For The Quiet‘ wird der langsame Prozess des Gehörverlustes von Ludwig van Beethoven verarbeitet. Ich glaube man kann sich ganz gut vorstellen, wie schrecklich es gerade für einen Musiker sein muss zu spüren, dass man sein Gehör verliert. Als drittes Beispiel sei ,Wings Of Madness‘ genannt, wo wir versucht haben die Geschichte der Elisabeth Bathory, der sogenannten ,Blutgräfin‘, neu aufzuarbeiten. Der Legende nach soll sie ja im Blut von Jungfrauen gebadet haben um ewig jung zu bleiben. Die historischen Fakten sind jedoch ganz anders zu interpretieren. Nach dem Tod ihres Mannes wurde sie zur mächtigsten Adeligen in ganz Ungarn, was natürlich den anderen Adeligen des Landes nicht geschmeckt haben dürfte, vor allem da sie eine Frau war. Deshalb hat man ihr diese Gräueltaten in die Schuhe geschoben, um einen offiziellen Grund für ihre Absetzung in der Hand zu haben. Weitere Songthemen auf dem neuen Album sind noch Alexander der Große, der römische Kaiser Nero, Heinrich VIII. von England, der nicht zuletzt durch die Fernsehserie ,The Tudors‘ wieder bekannt gemacht wurde, die Schlachten von Tannenberg, das Haus der Habsburger mit Maria Theresia und noch einige mehr.“

Tom ergänzt seinen Bandkollegen:

„Der Hörer soll sich mittels unserer neuen Musik einfach mal wieder in eine andere Welt begeben, soll abschalten können vom Alltag und einfach schöne Musik und schöne Geschichten verschlingen. Egal ob er sich nun mit dem thematischen Konzept weiter auseinandersetzt, ob er die Melodien genießen möchte oder ob er sich treibenden Metal-Rhythmus bei gefühlten 200 Dezibel in die Ohrmuscheln knallt. Es dürfte für jeden etwas dabei sein.“

Nach ihrem 2006er Debütalbum war der Band klar, so Tom bezüglich Aufnahmen der Songs, dass die von Serenity angepeilte Qualität nur erreicht werden kann, wenn unabhängig im eigenen Studio gearbeitet werden kann. Er berichtet dazu:

„Das Studio ist also zu einem sehr großen Teil nach wie vor mein kleines Büro zu Hause. Inzwischen mit allerlei High Tech vollgepackt, sind wir so in der Lage mit Top-Studios mitzuhalten und können jederzeit an Material arbeiten. Man sieht es dem ,Räumchen‘ mit seinen circa zwölf Quadratmeter nicht an, aber wenn man weiß wie, ist alles möglich. So sind am Ende alle Gitarren, die meisten Vocals, die gesamten Editierarbeiten und auch die gesamte Vorproduktion in diesem Studio im wunderschönen Zillertal in Tirol entstanden. Fabio hat sein eigenes Studio in Italien und hat dort den Bass beigesteuert. Weitere Aufnahmen wie Clementines Vocals, Backings und Arrangements wurden bei Oliver Philipps in Deutschland gemacht. Auch ein sehr kleines ,Heim‘-Studio, aber Oliver ist einfach spitze! Und bei den Drums arbeiten wir immer mit Jan Vacik in München und editieren danach selbst. Jan hat im Übrigen auch als ,objektive Aussenstelle‘ den Mix beigesteuert, der aber auch von uns direkt vor Ort in München noch gehörig geändert wurde.“

Wie Tom dem Gesagten noch anfügt, spielen die Musiker der Band einen Song eigentlich nicht am Stück ein, um die bestmögliche Qualität zu erzielen. Mehr:

„Wir haben das bei unserem Debüt praktisch alles live eingespielt, dies war aber aufgrund der Komplexität neuerer Stücke einfach nicht mehr möglich. Nachdem wir bereits die Vorproduktion quasi in einer Qualität aufnehmen, in der andere Bands ihre Alben veröffentlichen, gehen wir Song für Song, Part für Part durch und machen eben so lange weiter bis es fetzt. Das kann beim ersten Take ein ganzer Song sein und sofort passen, das kann aber auch mal zehn oder 15 Takes je Part benötigen. Das hängt aber fast immer davon ab, wie gut man sich vorbereitet. Das eigene Studio lädt da sicherlich schon etwas zur Nachlässigkeit ein, á la ,Ich kann das ja ein paarmal probieren … dann wird’s schon passen … kostet ja nix‘“, entfährt es dem Gitarristen grinsend.

Es wird sicherlich jedes Jahr noch schwerer für die Mitglieder von Serenity, gerade als Anspruchsmusiker, ihre Ideen und Visionen im Studio so perfekt als möglich umzusetzen. Apropos, setzt sich Tom eigentlich intensiv mit moderner Studiotechnik und den damit verbundenen, immer größeren Möglichkeiten auseinander?

Es folgt schnell ein lautes „Ja!“ sowie:

„Ansonsten tut dies auch noch Fabio, der in Italien sein eigenes Studio leitet. Ich bin ein absoluter Verfechter von einfachen Mitteln. Das Equipment muss schon passen, das ist klar. Es muss aber auch nicht immer das Teuerste und Allerbeste sein. Eines ist aber fix: Ich habe keine Lust dazu, tagelang an einer Line zu tunen bis alles ohnehin nur noch künstlich klingt. Das machen wir nicht. Es wird sozusagen einfach aufgenommen bis es passt. Alle technischen Hilfsmittel sind dann nur zur einen oder anderen Schönheitskorrektur bei sowieso schon extrem perfekten Menschen zugelassen.“ [grinst]

Zum nahenden Schluss des Gespräches gehen wir dazu vor, worauf sich ein Musiker und Mensch wie Tom am meisten freut, was den restlichen Verlauf des aktuellen Jahres anbelangt.

Gerade der für das Schaffen von seiner Band Serenity so wichtige Musikmarkt, wie der Gitarrist abschließend seine Sichtweise erörtert, insbesondere im Bereich Metal, Rock & Co, hat bedauerlicher Weise schon seit so einigen Jahren mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen.

„Man kann es sehen wie man möchte, aber die Technologie hat uns vermutlich den ,Job‘ gekostet. Diese Entwicklung war aber in Anbetracht der heutigen technischen Möglichkeiten ganz klar und auch nicht abwendbar. So müssen wir eben alle unseren Vollzeitjobs nachgehen. Die Kreativität bleibt etwas auf der Strecke und auch unsere Tourneen und Veröffentlichungen können nur in bestimmten Abständen vollzogen werden. Ich wünsche mir somit ganz klar, dass die Leute wieder mehr den Wert von Musik anerkennen. Daher hoffe ich auf einen erfolgreichen Start von ,War Of Ages‘ auf der ganzen Welt und auf den einen oder anderen Verzicht der Hörer eines illegalen Downloads. Schließlich möchten wir auch nächstes oder übernächstes Jahr wieder für Interviews Rede und Antwort stehen dürfen.“

© Markus Eck, 05.03.2013

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