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Interview: SEPTIC FLESH
Titel: Verschlingend düstere Dramatik

Was gemeinhin zum einem handfesten Lebensmittelskandal führt, das dient hier seit Anfang der 1990er als Bandname. Und nach einer längeren Pausierung melden sich die griechischen Erzdramatiker und Bombast-Fans Septic Flesh auch mal wieder mit einem neuen Album-Manifest zurück.

„Communion“ getauft, haut diese Occult Death Metal-Scheibe genau in die bisherige künstlerische Mythologie-Kerbe der hellenischen Schergen. Symphonisch mächtig zusammenorchestriert, barbarisch kraftvoll eingespielt und mit mordskruden Stimmband-Schändungen böse begrummelt, liegt ein durch und durch aufwühlendes Hörerlebnis von beängstigend albtraumhafter Anmut vor.

Gleichfalls avantgardistisch mutig wie hocheigenständig umgesetzte Gestaltungselemente aus den einschlägigen Musikspektren Black- und Dark Metal dienen den Septischen dabei als probate Ausschmückungsmittel ihrer großepischen und stockdunkel angeschwärzten Todesblei-Gießkünste.

„Ich weiß, bereits auf das 2002er Vorgängeralbum `Sumerian Daemons` hatten unsere alten Fans viel zu lange zu warten“, diktiert mir Gitarrist und Schreihals Sotiris fürs Protokoll.

„Trotzdem, eine ganze Weile sah es ja wirklich ganz danach aus, als ob wir als Band überhaupt nicht mehr weitermachen. Von daher bin ich sehr froh, aktuell überhaupt ein neues Septic Flesh-Album am Start zu haben, wenn auch leider mit einiger Verspätung. Besser spät als nie!“

Irgendwann rauften sie sich dann doch wieder zusammen, um weiter an ihrer mystischen Klangvision zur Vertonung der Glorie der alten Gottheiten zu feilen, so Sotiris in kauzigem Englisch mit typisch griechischem Akzent.

„Nachdem wir uns also 2003 als Gruppe aufgelöst hatten, konnte wieder jeder von uns seinen eigenen Neigungen in Vollendung nachgehen. Wir fühlten uns zu der Zeit so derart eingeengt durch all die Verpflichtungen mit der Band, dass die Auflösung beinahe wie ein Befreiungsschlag für mich persönlich anmutete. Hinzu kamen diverse Differenzen mit unserem damaligen Plattenlabel, die uns und unsere Musik einfach nicht genug würdigten, was das Ganze noch zusätzlich für Septic Flesh verschlimmerte. Das alles resultierte letztlich in massiven Meinungsverschiedenheiten bei uns, wie es denn stilistisch und auch sonst so weitergehen sollte. Wir konnten uns nicht einigen, und keiner von uns wollte sich über die anderen in der Band stellen. Somit warfen wir schlussendlich alles erstmal hin“, resümiert der Grieche mit einigem hörbaren Wehmut in der Stimmfärbung.

Doch wenn man über Jahre hinweg so derart beflissen bei einer Sache ist, fällt es umso schwerer, davon so richtig loszulassen. Wie der Saitenmann anschließend verkündet, hielten sich diverse Mitglieder zunächst mit Soloprojekten etc. kreativ über Wasser. Jedoch:

„Trotz des guten Gelingens solcherlei Bestrebungen: Nichts kam an die künstlerisch und menschlich so ereignisreiche Zeit bei Septic Flesh heran. Es sollte keinem von uns gelingen, die alte Magie wieder zu erzeugen, die uns zuvor jahrelang geistig ernährte. Denn immer, wenn wir zusammen mit Septic Flesh Musik schrieben oder spielten, entstand eine einzigartige, eine überragende Atmosphäre an vollkommen beseeltem Gemeinschaftsgeist. Und das bemerkten wir umso mehr, als wir uns wieder zusammentaten.“

Verantwortlich dafür zeichnen in allererster Linie die ganzen weltweiten Fans.

Der Wirkung von zahllosen Briefen, elektronischer und auch konventioneller Art, sowie sonstige mannigfaltigen Ermunterungen konnten sich die griechischen Musikanten irgendwann nicht mehr entziehen.

„In uns erwachte dadurch so etwas wie ein bringschuldiges Pflichtbewusstsein, all den leidenschaftlichen Leuten da draußen wieder das zu geben, was ihnen eigentlich zusteht. Hätten uns unsere weltweiten Anhänger also nicht diesen immensen Ansporn und Zuspruch zukommen lassen, wäre die Septic Flesh-Reaktivierung gar nicht vonstatten gegangen.“

Wie er erzählt, machte ihn die Reunion zu einem glücklichen Menschen. Trotzdem war die Pause laut Sotiris wichtig. „Dadurch konnten wir uns jeder für sich in nötiger Ruhe weiterentwickeln, und das künstlerisch wie auch charakterlich. Als wir uns dann wieder an das Erstellen neuen Songmaterials machten, bemerkte ich recht schnell, wie sehr sich unsere musikalischen Möglichkeiten gesteigert hatten. So konnte ein jeder sein Bestes geben. Ein die schöpferische Gemeinschaft stark antreibender Fakt, den wir uns sogleich zunutze machten. Den aktuellen Stücken hört man genau das auch ganz deutlich an, denke ich.“

Letzteres vernimmt der Hörer gerade bei den umfangreichen und mächtig arrangierten symphonischen Großpassagen.

Sotiris hierzu, massiv beipflichtend: „Dazu trug unser zweiter Gitarrist Christos Antoniou Entscheidendes bei. Er hat sich mit der Zeit sehr viel mit Klassik befasst, speziell den entsprechenden Orchestern. Seine Ideenvielfalt war daher schon enorm, und zusammen haben wir das Ganze dann entsprechend ausperfektioniert. Die Arbeit am Album war dabei aber nicht nur in diesem Punkt von herrlich ergiebiger zwischenmenschlicher positiver Spannung durchzogen.“

„Communion“ profitiert somit am Ende von der Verpflichtung eines realen großen Orchesters.

„Wir arbeiten dafür extra mit dem etablierten Prager Philharmonieorchester zusammen: 80 Musiker und 32 Chormitglieder sorgen also auf dem neuen Album für monumentale Momente. Ich bin sehr stolz darauf, dass unser neues Werk somit musikalisch noch um einiges tiefgründiger wurde“, so Sotiris abschließend.

© Markus Eck, 31.03.2008

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