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Interview: SARKOM
Titel: Restlos dunkel

Dieser norwegische Höllendreier erschuf mit seinem offiziellen Debüt-Teller „Aggravation Of Mind“ ein wahres Monsterbiest von einem Black Metal-Album.

Mittels endlos rauer Old School-Attitüde können die drei gierigen Lichtschlucker geradezu beängstigende Atmosphären von erst lähmender, dann verschlingender Erscheinung freisetzen. Keyboards? Fehlanzeige, hier nicht.

Dafür gibt es so einige instrumentelle Relevanz zu erlauschen, die Garant für anspruchsvollen Hörgenuss ist. Relevanz mithin, welche glücklicherweise ohne spielerische Egotrips serviert wird, jedoch mit diversen erlesenen Melodiken.

Hört sich nach einer feinschwarzen Mischung an. Und genau so ist es auch.

Schreihals Erik Unsgaard, der bei den Osloer Sarkom schlichtweg als Unsgaard firmiert, trat an mich heran, um Kunde zum neuen Album seiner bitterbösen Misanthropen-Horde zu geben.

„Mein allererstes selbst gekauftes Black Metal-Album war „Nattferd“ von Ragnarok, und das hat mich damals gleich total weggeblasen. Ich wusste von dato an, dass Schwarzmetall genau mein Ding ist“, vertraut mir der Vokalist an.

Der Bandname der Norweger hat eine schaurige Bedeutung:

„Er steht für eine bestimmte Art von Krebstumor, der für die Betroffenen meistens unweigerlich tödlich endet. Ein geradezu perfekter Name für meine Band, wie ich finde.“

Krass. Bleibt nur zu hoffen, dass die Begegnung mit der großartig dunklen Schwarzmucke der Truppe weniger gefährlich für die Hörer ausartet.

Überhaupt, bei Unsgaard handelt es sich zweifellos um einen aufrechten Überzeugungstäter, der für seine Sache glatt durchs zügellos lodernde Höllenfeuer gehen würde:

„Ich beziehungsweise wir haben bislang eine Unmenge an Black Metal-Bands gehört und mit der Zeit verdichtete sich die Erkenntnis, dass wir das mindestens genauso gut hinkriegen könnten, wenn nicht noch besser. Zweitens ist Black Metal an sich ein sehr interessanter und kraftvoller Musikstil, in dem man überaus kreativ sein kann, wenn man nur will. Diese spezielle Sorte Musik ist es meiner Auffassung nach für eine Vielzahl von Leuten wert, mal reinzuhören, nicht nur für Metal-Hörer. Ich gehe sogar so soweit zu behaupten, dass wer sich gut mit Komponieren und instrumenteller Darbietung auskennt, gar nicht drum herum kommt, Black Metal als überlegene Kunstform anzuerkennen.“

Wer so spricht, dessen Seele brennt ja geradezu inbrünstig für pechschwarzes Hassmetall.

Ich frage daher nach, welchen inneren Visionen Unsgaard beim Zelebrieren seiner Kehlenkünste ausgesetzt ist. Und wir erfahren:

„Darüber Auskunft zu geben, ist eigentlich nicht mein Ding. Nur soviel: In mir vollzieht sich während meiner Darbietung etwas, was restlos dunkel und außer Kontrolle ist. Kommt wahrscheinlich auch ganz darauf an, wie man das erklären würde.“

Als läuternde Selbsttherapie würde Unsgaard sein Vorgehen jedoch nicht umschreiben.

„Nein, eine Therapie würde ich mein Mitwirken bei Sarkom nicht nennen. Therapien sind für Menschen, die Hilfe brauchen. Mir aber geht es gut, auch bei meinem Tun in der Band. Ich tituliere mein Wirken da viel lieber als dunkle Kreation, welche mich stimuliert und meine innersten Visionen bestens reflektiert.“ So soll es sein.

© Markus Eck, 03.04.2006

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