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Interview: ROTTING CHRIST
Titel: In den Untiefen der Weltseele

Den Titel für ihr neues Album „Rituals“ hätten die griechischen Dark Metal-Okkultisten nicht besser wählen können. Die spirituell getränkten Songs tragen allesamt einen starken esoterischen Charakter, der von diversen Ethno-Elementen noch zusätzlich wertvoller gemacht wird.

Rauschhafte Dramen, inbrünstige Beschwörungen, entrückte Anrufungen und sakral verdammende Teufeleien sind zu erleben. Und das alles auch noch in höchst origineller Fülle. Gitarrist und Vokalist Sakis Tolis hat zusammen mit seinem Bruder, Drummer Themis, ganze Arbeit geleistet. „Rituals“ zählt mit zu den interessantesten und atmosphärischsten Postulaten, die von der 1987 gegründeten Truppe bislang auf den Markt kamen.

Aufopferung
Wie Frontmann Sakis mit enthusiastischen Worten offenbart, fühlt er sich mächtig erleichtert, seitdem der aktuelle Nachfolger zum 2013er „Kata Ton Daimona Eaytoy" vollständig im Kasten ist.

„Ich habe insgesamt mehr als zwei Jahre an allem gewerkt. Es war für mich ein harter und auch sehr zeitraubender Prozess. Ich verfiel dafür oftmals in tiefe innere Meditation, was mich manchmal an die eigene Grenze geführt hatte. Noch besser geht es mir, wenn ich daran denke, wie sehr ich mit ‚Rituals‘ letztlich selbst zufrieden bin. Ich denke, es ist tatsächlich die bislang mystischste und obskurste Kreation, die je von Rotting Christ zu hören war.“

Kämpfernaturen
Als das Gespräch über den Bandnamen zur gegenwärtigen Weltsituation gelangt, reißt der griechische Idealist die Augen ganz besonders weit auf. „Religion ist das bewährte Opium für die Massen. Und wir sind immer noch voll dabei, wenn es darum geht, unsere absolute Opposition gegen jede Form von organisierter Religion und weltweiter geistiger Kontrolle auszudrücken. Wir haben uns dem Zorn und der Wut zu stellen, die durch organisierte Verbrechen der ganzen entsprechenden Organisationen entsteht. Aber wir machen weiter damit zu kämpfen, spielen unsere Musik auf dem ganzen Planeten und predigen unsere Aphorismen! Non serviam - wir werden nicht dienen.“

Inhaltliche Vielfalt
Wie der Albumtitel schon aussagt, dreht sich auf der Scheibe diesmal alles um verschiedene rituelle Gegebenheiten. Wer sich darin so richtig verliert, der kann in eine regelrechte Trance geraten. Sakis stimmt zu und holt weiter aus:

„Elf Songs, die mit elf differierenden Konzepten von weltweiten Ritualen erzählen. Okkultismus spielt eine gewichtige Rolle dabei. Je tiefer ich in diese ganze faszinierende Thematik eintauchte, desto klarer stand der Titel der Platte für mich fest. Er ist einfach aber bedeutungsvoll. Verarbeitet habe ich satanische Praktiken ebenso wie Referenzen zu den letzten sieben Sätzen von Jesus Christus am Kreuz. Letzteres habe ich in aramäisch formuliert. Die alte griechische Tragödie kommt auch vor, wie auch ein Songtext zu orthodox praktiziertem Exorzismus. Die vier Reiter der Apokalypse fanden Einzug in meine Lyriken. Selbst ein indisches Chakra wird thematisiert, auch sehr spannend, wie ich finde. Mögen unsere Fans mit dem Album in die tiefsten Abgründe tauchen!“

Für die dunkle Sache
Sehr angetan ist der Meister auch von den illustren Gastmusikern, die er für „Rituals“ gewinnen konnte. „Wir sind immer auf der Suche nach Gästen, die uns helfen. Was spricht dagegen, ab und an seinen eigenen Sound solchermaßen zu erfrischen? Mit Künstlern, von denen wir glauben, dass sie eine beachtliche Leistung abzuliefern imstande sind und die wir respektieren. Magus von Necromantia ist im Stück ‚In Nomine Dei Nostri’ zu hören. Für ‚Les Litanies De Satan‘ konnten wir Vorph von Samael verpflichten. Nick Holmes von Paradise Lost addierte seinen unverkennbaren Gesang zum Song ‚For A Voice Like Thunder‘. Und für ‚Devadevam‘ steuerte Bassist und Sänger Kathir von der Vedic Metal-Band Rudra aus Singapur etwas bei.“

© Markus Eck, 22.01.2016

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