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Interview: RITUAL CARNAGE
Titel: Thrash-Alarm!

Eine in allen Belangen verdammt reife Leistung ist das neue und vierte Studioalbum dieser Thrash-Biester aus Nippon geworden.

Ihre kleine Auszeit tat den Jungs hörbar gut. Denn trat anfangs primär noch das Trachten um derbe Extremität in den Vordergrund, fand die selbsttreue Hammertruppe mit jedem Jahr mehr und mehr zu ihrer eigentlichen Destination, nämlich der klassischen Vorgabe dieser Stilistik.

Zahlreiche eiserne Verehrer alter Legenden des Bay Area-Thrash werden „I, Infidel“ mit Sicherheit lieben. Die beiden furiosen Lead-Gitarristen Eddie van Koide und Wataru Yamada, Folter-Tieftöner Hiroyuki Ishizawa sowie Schlagzeug-Taifun Naoya Hamaii leben in Japan.

Die amerikanische Vokal-Sirene Damian Montgomery, welcher bei der Formation unter dem Pseudonym Danny Carnage agiert, ist inzwischen jedoch von dort aus in seine Heimat zurückgekehrt, wie er berichtet.

„Mit einer der Gründe dafür war, dass ich hier endlich wieder das College in Vollzeit besuchen konnte. Leicht ist mir die Rückkehr wirklich nicht gefallen, wie man sich vorstellen kann. Doch ich erhielt hier endlich mein angestrebtes Diplom und bekam dadurch auch einen anständigen Job. Keiner von uns in der Band wird schließlich jünger und wir alle müssen für die Zukunft entsprechend planen“, rechtfertigt der wuchtige Shouter die vollzogene Rückkehr.

Und Schreihals Danny ist wie der Rest des ungestümen Japan-Kommandos überaus zufrieden mit dem neuen Alu-Deckel.

„Ja, wir sind wirklich sehr glücklich mit allen Aspekten der neuen Scheibe, ganz besonders aber mit der Qualität der Aufnahmen und den Songs an sich. Alles verlief perfekt nach unseren vorangegangenen Vorstellungen.“

Ritual Carnage sind richtige Arbeitstiere, wie immer wieder zu erfahren ist. Danny verkündet hierzu: „Wir können wirklich es kaum erwarten, am nächsten Album zu arbeiten. Ich habe bereits einige Songs dafür geschrieben. Weil ich sehr viel gute Musik höre, reißt mir der Faden der Inspiration auch so schnell nicht ab. Derzeit ziehe ich mir so einiges rein; was Thrash Metal angeht, am liebsten die alten Kult-Sachen wie Forbidden oder Vio-lence. Auch die aktuelle Scheibe von Death Angel finde ich echt erfrischend. Daneben leihe ich Bands wie Dream Theater, Symphony X und Vader mein Ohr. Doch ich mache auch heutzutage nicht den Fehler und kaufe mir zu viele CDs. Gerade erst habe ich mir allerdings die neue Scheibe von Bruce Dickinson zugelegt.“

Der umfangreiche Kompositionsprozess für „I, Infidel“ verlangte auch dem neuerdings verstärkt in hohen Tonlagen vorgehenden Sänger so einiges ab, wie er resümiert.

„Mir gingen stellenweise viel zu viele Gefühle durch den Bauch. Bei den Lyrics hatte ich echt keinerlei Probleme, aber das Komponieren von zwei neuen Songs war stellenweise doch ziemlich frustrierend.“

Nur allzu oft schmiss er dabei seine Gitarre hin und betrank sich danach einfach, wie er schonungslos preisgibt.

„Denn unsere neuen Songs sind ja viel technischer als unsere frühen Sachen, und so wollte ich es auch haben. Weil ich nicht annähernd so gut an den sechs Saiten bin wie meine Bandkollegen Eddie und Wataru, tat ich mich verständlicher Weise schon sehr schwer. Das zog mich ganz schön runter. Doch ich blieb dran und habe es dann doch noch nach meinen Vorstellungen hingekriegt.“

Etwaige namhafte Produzenten hatten keinen Zugang zu „I, Infidel“, wie noch zu erfahren ist. Obwohl Danny sich schon manchmal einen wünschen würde, wie er ganz offen zugibt.

„Ja, wir haben alles im Alleingang gemacht, und es war wirklich eine Mordsarbeit. Wir nahmen alle Instrumente in den Moopies Studio im japanischen Hachioji auf, wo auch der Mix erledigt wurde. Meine Vokal-Linien hingegen wurden in Orange Park, Florida, aufgenommen.“

© Markus Eck, 07.07.2005

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