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Interview: RELIQUIAE
Titel: Vereinigte Vielfalt

Mit ihrem vorhergehenden 2011er Langspielwerk „Audi Vide Tace“ konnten diese beflissenen Osnabrücker Spielleute so einige zugeneigte Ohrenpaare erreichen. Reliquiae zeigten sich darauf bewusst vielfach beeinflusst, was der Gruppe auch einen angenehm ausgewogenen Variantenreichtum ermöglichte.

Zu Anfang des Jahres 2009 gegründet, und nachfolgend ebenso emsig wie kontinuierlich am Weiterentwickeln des eigenen musikalischen Universums tätig, titulieren die Musikanten ihre Stilistik mittlerweile „Mediaeval World Folk“. So veröffentlichen die Beteiligten dieser Tage den Album-Nachfolger, geheimnisvoll „Pandora“ betitelt.

„Wie der Titel ,Pandora‘ schon vermuten lässt, haben wir in der griechischen Mythologie gestöbert und einiges davon aufgegriffen. Es finden sich dort Themen, die auch heute noch aktuell sind und das war für uns Anlass genug für uns, beide Augen darauf zu werfen“, offenbart Davulspieler und Schlagwerker Zsolt.

Was den Kompositionsprozess zum neuen Album Pandora anbelangt, so war der Einstieg dazu laut Geigerin Filia von Museberg zunächst sehr gemütlich:

„Wir haben Ideen zusammengetragen und angefangen die ersten Songs in einer Vorproduktion aufzunehmen. Nachdem das erste Material gesichert war, hatten wir im Sommer 2012 ein paar schöne kreative Stunden in Italien verbracht und haben dort weitere Ideen und Inspirationen zu neuen Stücken gesammelt.“

Sackpfeifer Morti Lokison weiß seine Kollegin zu ergänzen:

„Wir arbeiteten auch diesmal immer an zwei bis drei Liedern gleichzeitig, das hat sich bei uns bewährt. Dann werden die Nummern eingespielt und nach einigen Wochen noch einmal nach Schwächen durchsucht, die uns im Arbeitsprozess zunächst entgangen sind.“

Vokalist und Instrumentalist Bastus der Graf bringt sich plötzlich auch noch zu dem Kontext ein:

„Irgendwann hatten wir mehr als genug Material für unser neues Album zusammen und haben uns für die Stücke entschieden, die ihren Weg auf ,Pandora‘ finden sollten.“

Geschrieben wurden die neuen Stücke primär von Meister Bastus und Davulspieler und Perkussionist Comatus dem Geistreichen, so letzterer. „Oft existiert eine grobe Textidee, die dann von Bastus und mir umgesetzt und ausgeschmückt wird. Aber das ist von Song zu Song unterschiedlich“, und Bastus fügt dem wertschätzend an: „Comatus ist ein Experte für fast alle Sprachen, die wir verwenden, und er hat außerdem sehr viel mit seinem Wissensschatz über die griechische Mythologie zum Album beigetragen.“

Reliquiae haben sich laut Filia für eine Richtung entschieden, die wegführt von der reinen Pipe And Drum-Musik. „Unser Stil bleibt vielseitig, wir haben uns jedoch eine klare Linie gesucht, die zu gesungenen Liedern tendiert. Es wird sehr viele selbst geschriebene Songs auf diesem Album geben und keine Instrumentalstücke. Live wird es diese aber natürlich auch weiterhin zu hören geben.“ Blitzartig hängt sich Zsolt dran: „Die neue Platte wird auf jeden Fall eine Spur rockiger, aber die E-Gitarre ist dennoch im Schrank geblieben. Wir haben für die Hörer auf alle Fälle einen neuen, interessanten Sound im Gepäck!“

Und, wie Bastus dem gut gelaunt noch anzufügen weiß, liegt die Instrumentalisierung meist eh schon irgendwie in der Beschaffenheit der neuen Songs.

„Wir haben uns bewusst entschieden, diesmal einiges anders zu instrumentalisieren, als es auf unserer letzten Platte der Fall war. So bringen wir diesmal die Abwechslung ins Spiel. Auch die sonst im Mittelalter-Genre so gängige Tonart A-Moll haben wir bewusst sehr selten eingesetzt.“

Das Gespräch geht im Weiteren zu Einflüssen und Inspirationen über, welche für die neuen Kompositionen als inspirative Paten verantwortlich zeichnen. Zsolt wird dynamisch:

„Von allem etwas! Wir haben die Idee zum Album ohnehin aus einem ,Brainstorming‘ heraus entwickelt. Ich glaube aber, niemand von uns ist noch exakt dazu in der Lage, ganz genau sagen zu können, wer nun das Wort ,Pandora‘ letztlich ins Spiel gebracht hat. Da aber nun mal die diesbezügliche Idee an allererster Stelle stand, haben wir natürlich alles aufgesogen, was irgendwie damit zu tun hat.“

Comatus hingegen nennt dabei hauptsächlichen die klassischen Werke von Hesiod, Homer, Diodor, etc., in denen die alten Mythen erzählt werden. Er lässt verlauten:

„Sicher haben auch deren Renaissance-Interpretatoren Einfluss auf mich gehabt. Unterbewusst wird wohl einiges mehr eine Rolle spielen, aber bewusst habe zumindest ich persönlich keine weiteren Einflüsse verwendet.“

Vom Autoren nach speziellen Stärken auf der Bühne befragt, prescht Schalk Comatus mit breit grinsender Miene vor:

„Wir haben einen schnuckeligen Sänger, eine hübsche Geigerin, einen monumentalen Sacker und ein Tier am Schlagwerk. Besser kann es doch nicht sein ... abgesehen davon machen wir auch noch geile Musik!“

Und Zsolt konstatiert: „Wir haben alle Spaß an dem was wir tun. Der Rest kommt von allein! Auch wenn unsere Töne ernster sind, so erfreut es einen innerlich, dass es Leute gibt, die dafür ein offenes Ohr haben. Diejenigen, die schon einmal an einem Konzert von uns teilhaben durften, bei dem das Publikum nicht so zahlreich war, wissen aber auch, dass wir für jeden Quatsch zu haben sind. So kommt es, dass dann mit einem Mal das Bühnenequipment um einen lila Campingstuhl erweitert wird, oder die gesamte Band - außer mir, ich bin ja quasi am Schlagwerk gefesselt - die Tanzeinlage in unserem Live-Track ,Anan Oro‘ vor die Bühne verlegt und unserem Techniker einen Besuch abstattet. Wir versuchen jeden zu begeistern. Dass dies nicht immer geht wissen wir auch, aber wir werden nicht müde, uns die Mühe zu machen!“

Der nachfolgenden Fragestellung, welche Musikgruppen die Osnabrücker Formation von Anfang an bis heute massiv beeinflusst haben, kommt Zsolt wie folgt nach:

„Privat höre ich doch eher Rock und Metal mit allen möglichen Unterkategorien, aber auch viel Pop und Classic. Bei einer solchen Bandbreite kann man leider nicht immer differenzieren, wo der Einfluss her kommt“, und Filia setzt dazu gleich noch nach: „In meiner Teenagerzeit war das auf jeden Fall Subway To Sally. Heute gehört auf jeden Fall Rammstein zu unser aller Hörvorlieben. Wir hören allgemein eher Musik, die weit von unserem Genre entfernt ist. Es sind wahrscheinlich die verschiedenen Richtungen und Stile, die einen stimmungsabhängig durch den Tag begleiten und dann letztendlich auch beeinflussen.“

Reliquiae sind mit einer sehr aufwendigen Vorproduktion, welche die Gruppe im KammerTon Studio in Osnabrück gemacht hat, nach Hamburg gefahren und haben das neue Album beim dortigen Session In Progress Studio aufgenommen, wie Morti Lokison zu dem Kontext erzählt. Zsolt erinnert sich auch gerne daran zurück:

„Es ist schönes Studio mit freundschaftlichem Flair, also alles dabei, was man sich wünscht. Wir alle haben die dortige Arbeit mit Herrn Twele als Produzenten sehr genossen.“

Darüber, wer von ihren Freunden und Bekannten nun stets ganz genau das musikalische Treiben von Reliquiae verfolgt, hat Filia laut eigenem Bekunden keine große Übersicht. Sie tut kund:

„Klar, manchen gefällt es, andere wiederum wissen mit der ganzen stilistischen Richtung gar nichts anzufangen. Aber diejenigen, die uns nahe stehen, wie die Familie, bekommen vieles mit, stehen hinter uns und unterstützen uns, wo sie nur können - und ganz besonders ohne meine Eltern wäre mir vieles gar nicht möglich gewesen.“

Seine Eltern sind beide sehr musikalisch, wenn sie auch selber keine Instrumente spielen, eröffnet Zsolt dazu.

„Von meiner Mutter bekomme ich ein sehr klares Feedback, sie schlüsselt mir auf, was ihr gefällt und was nicht. Mein Vater hält sich da eher zurück. Mein Freundeskreis verfolgt mit Begeisterung unsere Entwicklung, er kann aber dadurch, dass sie nicht in der Szene sind und kaum musikalische Vergleiche haben, eher wenig Feedback geben. Dennoch nehme ich mir jede Kritik, ob positiv oder negativ, zu Herzen und versuche diese immer im Kopf zu behalten. Freunde und Familie sind mir da sehr wichtig, da ich von Ihnen das ehrlichste Feedback zu erwarten habe.“

Bastus knüpft daran auch noch einige Worte an:

„Mir ist es wichtig, Rückhalt bei meiner Familie und auch bei meinen Freunden zu finden. Im letzten Jahr hat sich oft gezeigt, wer echte Freunde sind und auf wen man sich blind verlassen kann. Dazu zähle ich auch diverse Musikerkollegen, die mir in der Saison 2012 viel Rückhalt geboten haben, als ich ihn brauchte. Wenn man all seine Kraft in die Musik steckt, dann ist es schön, etwas davon auch zurück zu bekommen. Ich schätze es sehr, mich von meiner Familie und guten Freunden beraten zu lassen wenn ich Ideen habe.“

Für 2013 hofft Comatus, wie er verkündet, dass die neue CD seiner Gruppe allen Hörern so gut gefallen wird wie der Band selbst und dass sich noch einige Fans der Reliquiae-Familie anschließen werden. „Außerdem wünsche ich mir viele spannende Auftritte und natürlich ganz viel Spass!“


Gevatter Zsolt möchte, wie er nicht ohne schelmisches Grinsen im Gesicht vorgibt, ganz klar Platz Eins des neuen Albums in den Charts erleben. Der Mann lässt es völlig ungehemmt raus:

„Also in Deutschland, Großbritanien, den USA, Russland, China, Japan und damit natürlich auch im Rest der Welt. Das wird ja auch kein Problem, denn mit unseren Fans ist alles möglich. Und ganz nebenbei haben wir auch noch eine geile Platte für die Leute dabei! Ich erhoffe mir, dass wir weiterhin mit viel Spaß bei der Sache sein können und dass wir wieder neue Leute von unserer Musik begeistern können. Wenn dann auch noch alle brav zum 5.4.2013 unser Album bestellen, dann kann ja nichts mehr schief gehen!“

© Markus Eck, 27.02.2013

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