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Interview: PRIMAL FEAR
Titel: Hochgradig motiviert

Mit dem neuen Studioalbum „Unbreakable“ zeigen Tieftöner Mat Sinner, Goldkehle Ralf Scheepers, die beiden Gitarristen Alex Beyrodt und Magnus Karlsson mitsamt Schlagzeug-As Randy Black der Power Metal-Welt wieder mal, was ein Kraftakt ist. In wie gewohnt sehr produktiver und ergiebiger enger kreativer Zusammenarbeit haben diese langjährig erfahrenen Vollprofis ein anspruchsvolles Kraftstahl-Werk zusammengenietet, dessen immens belebende Frische nicht zuletzt durch einen immensen Ideenreichtum der Beteiligten absolut garantiert ist.

„Musik ist für mich noch immer der grösste Teil meines Lebens. Und ich bin sehr dankbar, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Ich bin noch immer sehr gern auf Tour und auch super-gerne im Studio zugange. Ich habe über die ganzen Jahre nichts an meiner Passion für die gesamte Rock-Musik verloren. Und wenn ein fettes Riff oder eine gute Melodie meinen Nerv trifft, ist das noch immer unschlagbar“, proklamiert Bassist und Sänger Mat Sinner.

Und so nimmt gerade das Befassen mit Primal Fear im tagtäglichen Leben des Blonden einen riesigen Stellenwert ein, wie er mir berichtet.

„Es kommt natürlich immer gerade darauf an, welches Projekt im Moment Priorität hat, aber Primal Fear ist immer präsent. Sei es durch Songwriting, Produktion oder Tournee-Vorbereitung, irgendetwas ist hierbei immer zu diskutieren und zu organisieren. Schliesslich ist Primal Fear die Band, mit der ich weltweit auf Tournee bin und mit der ich die schönsten und exotischsten Plätze der Welt erleben durfte. Nun kommt die neue CD! Die Vorbereitung ist erledigt und wir hoffen natürlich auf fantastische Resonanz, denn die Produktion hat schliesslich sechs Monate meines Lebens gekostet“, gibt der Mann impulsiv zu Protokoll.

Als Musiker hat den guten Mat bislang ideell primär die Tatsache am Leben erhalten, wie er im Weiteren noch offenbart, dass ihm das Musikmachen in allen Arten unglaublich viel Spass macht und dies auch ganz klar seine große Passion ist.

„Ich bin ja auch musikalisch flexibel und produziere CDs für grossartige Künstler wie Jimi Jamison und Bobby Kimball. Und ich habe durch meine Bands Primal Fear, Sinner und Voodoo Circle ein tolles Spektrum an verschiedener Metal- und Rock-Musik zu komponieren, zu spielen und zu produzieren. Auch habe ich mit Rock Meets Classic und einer Kombination aus Rockband, Symphonie-Orchester und legendären Sängern die Verantwortung für eine grosse Tournee jährlich übernommen. Ich arbeite mit sehr talentierten Musikern zusammen und ich kooperiere im Business-Bereich mit tollen Partnern. Es gibt keinen Grund etwas zu ändern, sondern es gilt viel eher für mich, positiv nach vorn zu schauen und neue spannende Aufgaben anzugehen.“

Mat ergänzt voller Enthusiasmus, dass die aktuelle Primal Fear-Besetzung erfreulich stabil und harmonisch im Miteinander ist.

„Ich habe zu Ralf eine supertolle Partnerschaft, Randy ist ein grandioser Drummer und ein toller Typ und zu unseren beiden Gitarristen verbindet mich eine sehr kreative, loyale Freundschaft. Wir alle wissen ganz genau, was wir aneinander haben. Es herrscht Respekt vor der gegenseitigen Kompetenz. Die letzten Primal Fear-Shows waren musikalisch unglaublich tight, bissig und insgesamt einfach grossartig. So kann es gerne weiter gehen. Auf der anderen Seite sind wir erwachsen und müssen immer Kompromisse an das Privatleben der einzelnen Musiker machen. Wir sind alle Profis und haben Familie. Darauf muss man Rücksicht nehmen, aber alles in allem ist es für mich die ausgeglichenste und kreativste Besetzung die wir bislang hatten.“

Je offener und friedlicher in der Band über Unstimmigkeiten diskutiert wird, umso schneller sind solche Belange laut Aussage des Tieftöner aus der Welt zu schaffen. Mat:

„Es bringt nichts, mit etwas nicht einverstanden zu sein und das still in sich reinzufressen, um dann dabei letztlich immer noch unzufriedener zu werden. Da muss man die Eier in der Hose haben und ganz offen damit umgehen. Man fühlt sich schnell besser, wenn die Wolken am Himmel verschwinden. Es gibt für jedes Problem eine Lösung und einen Kompromiss, nur muss man ganz straight damit umgehen!“

Wir gingen zum neuen Plattentitel über. Fühlt sich Mat persönlich auch oftmals „Unbreakable“, also unzerbrechlich, gerade nach so vielen harten Jahren im „Biz“? Die Antwort kommt besonnen und durchdacht:

„Niemand ist ,Unbreakable‘ und man muss sich bei einem grossen Arbeitspensum auch mal Pausen gönnen. Sonst fährt der kreative Motor irgendwann mal ohne Sprit oder man knallt selbst gegen die Wand. Ich habe Spass an meiner Arbeit und deswegen kann ich auch mehr Dinge realisieren als wie ein Angestellter, den es schon ankotzt, am Morgen die Türe seiner Firma zu sehen. So sollte man meiner Ansicht nach immer versuchen, etwas über den Tellerrand zu schauen, aber immer den Respekt davor behalten, dass der eigene Körper kein Roboter ist und dass es jede Sekunde zu einem Crash kommen kann. Aber ich arbeite gern und viel, und ich hoffe, dass es auf diesem Motivations-Level noch eine Weile bei mir passt.“

Zu den neuen Lyriken auf dem aktuellen Primal Fear-Album „Unbreakable“: Wir sprachen darüber, ob der Bassist einige Songtexte beziehungsweise Passagen daraus von der inhaltlichen Tragweite auch in seinem persönlichen Dasein vorfinden kann. „Na ja, irgendwie findet man sich wohl immer in seinen eigenen Lyrics wieder. Bei mir persönlich trifft das aber eher auf die Sinner-Songs zu. Primal Fear hat nicht diese Art von bodenständigen Stories im textlichen Programm, sondern es dreht sich dabei mehr um Fantasy, Future und Mystik etc.“

Sogleich darauf drehte sich unser Gesprächskontext um eine sehr persönliche Frage: Was ist einem Menschen und Musiker wie dem Primal Fear-Bassisten eigentlich das Heiligste auf dieser Welt? „Meine Familie, mein Haus, meine Visionen“, konstatiert der Befragte augenblicklich in aller Offenheit.

Bands, welche das spielfreudige Quintett für die neuen Songs auf „Unbreakable“ beeinflusst haben oder dies noch immer tun, gibt es zwar, aber:

„Jeder Künstler hat seine Faves die ihn immer im Unterbewusstsein beeinflussen. Das passiert aber bei uns nicht mehr offensichtlich. Wir arbeiten im Team, jeder bringt seine Ideen zu den Songs und das gibt eine tolle kreative Mischung. Klar kommt es dabei hier und da bei Primal Fear vor, dass es Parallelen zu anderen Metal-Bands gibt. Aber unser Ziel war es ohnehin noch nie, den Innovations-Preis zu bekommen, sondern geile Metal-Scheiben zu veröffentlichen, die den Fans Spass machen und ihnen gute Vibes schicken. Auch ein Primal Fear-Konzert soll niemanden in tiefe Depressionen schicken, sondern ganz im Gegenteil - es soll den Leuten sehr viel Spass machen und sie mit einem positiven Arschtritt in den nächsten Tag schicken!“

Wenn Mat in stillen Momenten an die nagelneuen Songs von „Unbreakable“ denkt, fühlt er sich angenehm gut, wie der Vollblutmusiker unumwunden dazu konstatiert.

„Ich bin dabei sehr froh, dass wir zum grössten Teil unser Ziel erreicht haben. Ich bin ein ziemlicher Perfektionist. Und das ist auch zum Teil ein Fluch, weil ein so genanntes ,Bullseye‘ fast unmöglich für mich ist. Auf der anderen Seite ist das auch ein guter Antrieb. Wir haben es mit ,Unbreakable‘ gepackt, wieder unsere absoluten Roots mit unserer Vision 2012 zu verschmelzen. Nämlich dahingehend, wieder ein ganz anderes Album produziert zu haben als ,16.6 (Before the Devil Knows You're Dead)‘. Das Ziel dabei war, weniger Experimente, dafür wieder mehr klassische Metalriffs zu spielen und dabei doch neue musikalisch kreative Highlights zu kreieren. Diese grosse Hürde haben wir übersprungen und ich bin mit dem Vibe, der Power und der Ambition unserer neuen Musik unglaublich zufrieden. Wenn ich die ersten Töne des Album-Openers ,Strike‘ höre, dann hab ich gutes Gefühl und weiss, dass wir alles gegeben haben.“

So sind den an dieser Power Metal-Band Beteiligten laut Statement des blonden Bassisten nachvollziehbare und griffige Melodien in den Primal Fear-Liedern nach wie vor ganz wichtig. Wir erfahren Weiteres dazu: „Das ist ohnehin ein prägender Teil an jeder Produktion, an der ich arbeite. Melodien sind für mich der Schlüssel zur Musik und diese werden daher auch immer ein relevanter Part meines Schaffens zu sein. Und deswegen verstehe ich mich auch mit unserem Gitarristen Magnus Karlsson so gut, weil wir beide diesbezüglich genau auf einer Linie schwingen. Es ist eigentlich ja fast schon unglaublich, dass wir uns gefunden haben, weil unser Geschmack, gerade was Melodien angeht, fast schon identisch ist. So etwas kommt nicht oft vor.“

Das Wichtigste für ihn persönlich betreffs des neuen Primal Fear-Releases ist, so Mat, dass die Fans dieses Album von Herzen lieben und viel Spass damit haben werden. Der Bassist reißt die Augen weit auf:

„Auch hoffe ich sehr darauf, dass unsere Fans wieder mit Freude die kommende Primal Fear-Tour besuchen werden, um vor allem die neuen Songs bei unserer Show zu erleben. Ich freue mich schon auf die in 2012 anstehenden Sommer-Festivals, und darauf, Freunde aus anderen Bands zu treffen etc. Ich möchte mit der Band dann auch wieder die USA und Kanada betouren und auch einen Abstecher nach Südamerika machen, das für uns als Metal-Truppe ja immer wieder eine tolle Plattform ist. Russland und Asien darf es für unsere künftigen Live-Shows gerne auch mal sein. Und ich war noch nie in Australien. Da möchte ich mit Primal Fear auch mal live auftreten. Also ich bin zu 100 % motiviert, die geile Produktion des neuen Albums auf die Bühne zu bringen und mit meinen Freunden und unser grossartigen Crew dafür weit herum zu touren.“

Was daneben einzelne Live-Gigs mit Primal Fear angeht, auf die sich der umtriebige Tieftöner schon jetzt ganz besonders freut, so lässt Mat die Leser noch ganz entspannt wissen:

„Ich sehe das eher global. Für mich persönlich sind die Stimmung und der Vibe im Venue entscheidend. Ob das nun Helsinki, Bochum, Tokio, New York oder Buenos Aires ist, das ist mir eigentlich schnurz und egal. Denn wenn der Funke überspringt und der Laden kocht, dann ist es wirklich egal, wo man gerade auf der Bühne steht auf dieser Welt. Hauptsache es rockt und tritt in den Arsch!“

© Markus Eck, 04.01.2012

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