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Interview: PRETTY MAIDS
Titel: Voller Selbstvertrauen

Die sympathischen Dänen mit der ungemein melodischen Fußnote in ihrem ansonsten jederzeit druckvollen Sound veröffentlichen dieser Tage ihr mittlerweile 14. Album, welches mit „Carpe Diem“ (lateinisch für „Nutze den Tag“) sinngemäß auch völlig treffend tituliert wurde. Jederzeit kreativ und besessen von Visionen, welche sich im Songwriting gar prächtig widerspiegeln, haben die Jungs den Titel ihres neuen Melodic Metal-Blockbusters scheinbar zum programmatischen Motto ihres Alltags gemacht.

Was die Songs dieses abermalig Begeisterung erzeugenden Werkes an kompositorischer Beschlagenheit und Vielfalt offenbaren, ist auch 18 (!) Jahre nach der Bandgründung der „Hübschen Mädchen“ wieder einmal Respekt abringend geworden.

Zwar habe ich Weltklasse-Shouter Ronnie Atkins und seiner talentierten Formation noch nie unter die Röcke schauen können, um den Bandnamen auf seinen Wahrheitsgehalt zu untersuchen. Dieser Umstand tat jedoch meiner Bewunderung für die Klasse der zeitlosen und superben Alben, welche die Band seit damals eingespielt hat, keinerlei Abbruch.

Als Pretty Maids 1982 gegründet wurden, begannen sich im fernen Skandinavien im Zuge der global grassierenden Flutwelle härteren Musizierens eine große Anzahl von Metal-Bands zu formieren, darunter Oz, Torch, Europe, Mercyful Fate oder auch beispielsweise Crystal Pride, um nur einige der bekannteren zu nennen.

Nun, die Zeit ging ins Land und die Jahre brachten hervor, wer von den damalig mit größtem Enthusiasmus gestarteten Metal-Bands wirklich an sich glaubte. Soweit ich mich entsinne, ist da neuzeitlich außer von King Diamond beziehungsweise Mercyful Fate nichts Größeres beziehungsweise Kontinuierliches zu vernehmen. Was ich damit eigentlich ausdrücken will, ist, daß mir neben der genialen Musik der Maids auch ihr unerschütterlicher Kämpfergeist und ihre ungebrochene Liebe zum Metal außerordentlich imponiert. Ein unabdingbarer Grund, mir von Stimmwunder Ronnie Band-News und persönliche Ansichten vermitteln zu lassen.

Ronnie, eure beiden Werke „Red, Hot And Heavy“, also das Debütalbum, sowie der Überflieger und Jahrtausendkracher „Futureworld“ sind meiner natürlich völlig unmaßgeblichen Meinung nach die besten Maids-Scheiben! Er ist bester Laune und entgegnet:

„Das freut mich doch sehr. Auf jeden Fall waren diese Alben der Weg an eine breite Öffentlichkeit. Aber unser Album „Spooked“ besitzt ähnlich machtvolle Songkiller und sollte auf jeden Fall im Kontext mit den anderen beiden Tondokumenten genannt werden! Auch stehe ich voll hinter allen anderen Releases unserer langjährigen Karriere! Aber du hast schon recht, die Songs des „Futureworld“-Albums werden live immer am stürmischsten vom Publikum verlangt.“

Wer zeichnete sich denn für die Entstehung der wirklich grandiosen Songs auf „Futureworld“ verantwortlich? Ronnie erzählt: „Die Tracks stammen von mir und Kenny. Wir waren damals dermaßen hungrig und voller Tatendrang, was du auch ganz genau heraushören kannst. Auch die damalige Chemie in der Band war wirklich hervorragend. Solche Sternstunden an Kreativität hat man nur, wenn wirklich alles paßt und wenn man zu 100 % motiviert ist. Nicht, daß wir heute nicht mehr mit großem Spaß spielen, aber 1987 war eben auch im Metal vieles sehr viel anders. Der Idealismus und die damalig in uns allen lodernde Flamme war einfach riesig! Ich werde schon manchmal leicht nostalgisch, wenn ich mich zurück besinne. Aber der Stolz auf dieses Album verleiht mir auch heute noch sehr viel Kraft, wenn ich mal eine kleine schöpferische Flaute durchmache.“

Genau so soll es auch sein. Ich kann diese Aussage vollständig nachvollziehen. Auch mir geben alte Metal-Hymnen und die nostalgischen Erinnerungen an das damit Erlebte jederzeit die Kraft, die man im sonst so tristen Alltag benötigt, um sich mental am Leben zu erhalten.

Wie bekommt man denn dermaßen griffige Melodien zusammen, die ja nun schon mittlerweile ein signifikantes Trademark der dynamischen Dänen geworden sind? Wir erfahren:

„Ich habe immer irgendwelche Melodien im Kopf. Ich bin also ein permanenter Songwriter. Meistens trage ich ein Diktaphon mit mir herum, in das ich die jeweiligen akustischen Geistesblitze hinein summe oder manchmal auch gleich singe. Das funktioniert mitunter am besten beim Fahren mit meinem Auto über längere Strecken oder auch beim Relaxen mit einem oder mehreren Glas Rotwein, was auch eine sehr, sehr gute Inspiration darstellt.“ [lacht]

Ein Thema, das ich natürlich unbedingt anschneiden muß, ist der Plattenfirmem-Wechsel der Nobelrocker, der sich in der Desertation von der CBS Sony-Music, bei der man doch einige Jährchen in Lohn und Brot stand, zu Massacre Records vollzog. Ronnie:

„Nun, der Grund war der seinerzeitige Grunge-Boom auf der einen Seite, welcher mit der Death-Metal-Welle andererseits einher ging. Die großen Companys schielen doch immer nach dem Ertrag, den eine Band einbringt; das ist es, was für die zählt. Da waren wir damals mit unserem doch etwas antiquierten Klangbild klar im Rückstand, so daß die Zusammenarbeit für beide Parteien nicht mehr fruchtbar war. Wir entschieden uns daher, nach einer neuen Plattenfirma Ausschau zu halten. Wir sandten aus diesem Grund ein Tape an verschiedene Labels, darunter auch Massacre Records, die uns gleich einen Deal anboten, der uns wiederum auch am besten zusagte. Resultat dieser Kooperation waren die ab 1995 dortig erscheinenden Alben. Der Vertrag läuft mit dem aktuellen Album allerdings aus.“

Ist man denn mit den Bemühungen der Abstätter Stahlhütte bezüglich der Band zufrieden; wird man den Kontrakt verlängern? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Wir sind sehr zufrieden mit Massacre! Das Label besitzt logischerweise nicht die Größe von CBS, tut aber wirklich viel für uns. Ich würde sogar sagen, Massacre tun ihr Bestes, um uns zu unterstützen, das ist es, was für uns zählt. Und hinsichtlich des Deals kann ich im Moment noch gar nichts sagen! Wer weiß schon, was das Morgen mit sich bringt. Ich bin kein Mensch, der mit halbgaren Voraussagen, die nicht eintreffen, negativ von sich reden macht.“ Oberkorrekt, der Gute.

Der Titel der neuen Scheibe ist mit „Carpe Diem“ außerordentlich positiv gehalten. Was hat One Of Denmark's Finest dazu bewogen? „Wir wollen damit aussagen, daß man sein Leben in die Hand nehmen soll, anstatt sich in Träume und Surrealismus zu flüchten. Lebe dein Leben so gut wie möglich und mache das Beste daraus! Nutze den Tag, um gute Dinge zu tun, die dir und deinen Mitmenschen Freude bereiten!“

© Markus Eck, 02.10.2000

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