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Interview: ORANGE-CODE
Titel: 100 % Leidenschaft

Stimmbandchef Stephan Alt, Gitarrentalent Marius Haupt, Tieftöner Tim Mair und Trommler Tobias Nagl zählen mit ihrer Erfrischungscombo Orange-Code eindeutig zu der ganz speziellen Sorte von Genregruppen, bei denen die Musik direkt aus dem Herzen zu kommen scheint.

Dass die vier bajuwarischen Rock’n’Roll-Söhne dabei in ihren Nummern auch noch großen Wert auf griffige Tonleiterkünste und erfreulich variantenreiche Strukturen legen, kommt gut – denn das macht ihre sprunghaft quirlige Eigenständigkeitsmischung aus kernig gezockten Alternative- und Indierock-Grundzügen samt schwungvollen Funk- und kantigen Jazz-Anleihen zu einer ziemlich interessanten Sache.

Die Bandmitglieder hausen zwar verteilt in Nürnberg, Regensburg, Würzburg und Landsberg am Lech, doch dieser nur scheinbare geographische Missstand ist für die Jungs kein Drama. Denn Leidenschaft verbindet – und so erbebt der gemeinsame Landsberger Probenraum in schöner Regelmäßigkeit.

Und dort entstanden auch die teils verdammt bewegungsfreudigen Lieder des neuen Demonstrationstonträgers von Orange-Code, den der Vierer aktuell in beharrlicher Eigenregie auf die Beine stellte.

Eine in vielen Belangen wirklich ganz außergewöhnliche Orangenscheibe, die den Hörer auch völlig ohne die viel zitierten C-Vitamine bei bester Laune und vor allem mentaler Gesundheit hält.

„Wir haben lange und breit überlegt, wie wir unsere Musik in einem kurzen und prägnanten Bandnamen beschreiben und auf den Punkt bringen können. Da unsere Musik von vielen Stilen geprägt ist, war dies natürlich kein leichtes Unterfangen. Unsere Idee war es, den Leuten eine Art "Entschlüsselungscode" für unsere Musik zu geben, um Ihnen Eintritt in unsere Welt zu verschaffen“, weiß Topsänger Stephan zu berichten.

Damit hätten wir also schon mal den zweiten Teil des Bandnamens erklärt. Und da der Mensch laut Stephan bekanntermaßen ein Augentier ist, wollten die Beteiligten ihrem Image eine signifikante Farbe verpassen.

„Die Wahl fiel hier ziemlich schnell auf Orange, da diese unserer Meinung nach den, hauptsächlich durch Marius´ Gitarre geprägten Klang widerspiegelt. Eine nicht zu verzerrte und mit Jazzelementen geschmückte Gitarre, mit Facetten aus Alternative Rock und einer Prise Funk, mit Anlehnung an die guten alten Helden wie Hendrix & Co. Im Weiteren steht die Farbe Orange in der Psychologie für Kontaktfreudigkeit und die Bereitschaft Neues zu entdecken. Diese Merkmale treffen auf jeden einzelnen von uns Vieren zu. Der Name war geboren: Orange-Code“, so der begabte Vokalist aus der schönen Lechstadt Landsberg.

Seit er vor circa zwölf Jahren das erste Mal die Bühnenbretter betreten hat, hat ihn der Virus Musik unheilbar befallen, so Stephan.

„Und ich bin sehr dankbar dafür. Denn einen besseren Ausgleich für mein Leben kann ich mir nicht vorstellen. Stell’ dir einen überdimensionalen seelischen Katalysator vor, in den du all deine Freude, dein Leid, deine positiven als auch negativen Erlebnisse werfen kannst und alles sogar noch zu einem fertigen Song gefiltert wird. Ich bin durch die Musik ein noch mehr ausgeglichener und zufriedenerer Mensch geworden.“

So soll es sein, genau darum geht es. Stephan singt ja nicht erst seit gestern. Ich erkundige mich in diesem Zusammenhang bei dem sympathischen Hünen, wie sehr sich seine Stimme seiner Ansicht nach mit den Jahren verbessert hat.

„Natürlich steckt da ein gewisses Training dahinter, dass man nach einer sechsstündigen Marathon-Probe keine Knoten in den Stimmbändern bekommt. Allerdings formt meiner Meinung nach erst die menschliche Reife eine richtig gute Stimme. Erst wenn du einiges erlebt hast, kannst du einem Text die exakte emotionale Note verpassen. Ich hätte beispielsweise die Ballade "Beautiful Circumstance" unserer aktuellen Scheibe vor zehn Jahren unmöglich in diesem Feeling singen können. Auf diese Nuancen wäre ich nicht einmal ansatzweise gekommen, obwohl es doch so einfach und klar klingt.“

Idole beziehungsweise Vorbilder nennt er mir gerne, als ich ihn danach frage.

„Ja, da gibt es schon ein paar persönliche Helden. Aber ich würde mich auf Freddie Mercury (Queen), Brandon Boyd (Incubus), Chris Cornell (Soundgarden, Audioslave) und Scott Wieland (Stone Temple Pilots, Velvet Revolver) beschränken. Diese Stimmen haben mich sehr geprägt.“

Das Schönste an der Musik überhaupt ist für den Mann mit der typisch amerikanisch klingenden Stimme laut eigener Aussage, dass sie für ihn auch Freizeit bedeutet.

„Aber neben der Musik bin ich auch ein absoluter Kino- und Theaterfan. Die Idee, bei einem Theaterstück mitzuspielen, schwirrt mir schon seit Jahren im Kopf herum. Und wäre mir die Musik nicht sozusagen "in die Quere gekommen", dann würde ich heute vielleicht als Theaterschauspieler über die Bühne wandeln. Hauptsache auf die Bretter!“

Ich erkundige mich als nächstes nach seiner Meinung zur lokalen und überregionalen Musikszene seiner Heimatstadt.

Gibt es also Rockbands, die Stephan aufgrund hoher gebotener Qualität hier empfehlen kann beziehungsweise möchte?

„Ja, sicher. Gerade die Landsberger Musikszene birgt ein enormes Potential an talentierten Nachwuchsmusikern. Da sind einige Schätze vergraben und warten darauf gefunden zu werden. Ein sehr gutes Beispiel sind unsere Freunde Blurrd Minds, die den guten alten Crossover mit neuen Elementen aufpeppen.“

Früher war mein Gesprächspartner ein großer Fan des noch immer sehr etablierten Metal Hammer-Magazins. „Die Rezensionen und Interviews dort waren immer mit einer ordentlichen Prise Herzblut geschrieben. Das hat sich meines Erachtens aber geändert. Woran das wohl liegen mag? Vielleicht wird inzwischen mehr diktiert als recherchiert, wer weiß. Als Internet-Benutzer vom "alten Schlag" habe ich mich inzwischen, nach anfänglicher Abwehr, auch doch sehr mit Myspace angefreundet. Hier findet sich ein Bandpool, der fast schon erschlagend groß ist. Heutzutage ist Myspace das Infoportal Nummer eins, sogar für Plattenlabels, und wohl jeder Band ans Herz zu legen.“

Nachdem Orange-Code mit den Standorten Landsberg am Lech, Nürnberg, Regensburg und Würzburg die laut Stephan „wohl bayerischste Band des Bundeslandes“ sind und oft unter der Woche voneinander getrennt sind, haben sie gezwungenermaßen ihr ganz eigenes Prinzip der Vorbereitung und Probe entwickelt.

Der Vokalist expliziert hierzu: „Sämtliche Songideen werden in der Bandprobe mitgeschnitten und anschließend an alle im Mp3-Format gesendet. Nun wird der Song "vorproduziert", da heißt, Tobi spielt in Nürnberg auf seinem E-Drumset erstmal die grundlegende Schlagzeugspur ein. Danach geht die betreffende Datei weiter an Gitarrenmeister Marius nach Würzburg und anschließend an Tieftöner Tim nach Regensburg. Schlussendlich singe ich in Landsberg über meinen Laptop die Gesangslinien ein. Damit haben wir dann auch meist schon die perfekte Voraussetzung für eine Produktion im Studio geschaffen. In der nächsten Probe nehmen wir dann gemeinsam Verbesserungen vor und fertig ist der neue Song. Glücklicherweise setzt sich durch diese Vorgehensweise jeder von uns schon daheim intensiv mit dem neuen Material auseinander. Dadurch können wir die reine „Übungszeit“ im Proberaum auf ein Minimum beschränken und uns intensiver dem Songwriting widmen. Poster? Ist doch klar dass unser Probenraum das Gütesiegel "Rock´n´Roll" mit der Note Eins besteht. Wir haben sogar ein David Hasselhoff-Poster! (Das erklärt die verzweifelt zornigen Passagen bei Orange-Code; A.d.A.) Darauf sind wir besonders stolz. Und wir sind der Meinung, dass er sich zwischen den leicht bekleideten Mädels an den Wänden (Aha, daher also die beschwörenden Gesangslinien; A.d.A.), die hier namentlich nicht erwähnt werden wollen, ganz gut macht.“

Das unglaublich Schöne bei Orange-Code ist aber auch, so der Frontmann, dass die Beteiligten aufgrund ihrer langjährigen Freundschaft schon fast eine kleine Familie sind.

„Allein mit unserem Bassisten Tim habe ich vor über zehn Jahren meine erste Rockband Headliners gegründet. In dieser damaligen Band spielte unter anderem auch Tobi für ein Jahr am Schlagzeug. Wir kennen uns alle schon sehr lange. Irgendwie muss es Schicksal sein, dass wir uns nun zu dieser Band gefunden haben. Somit muss ich, denke ich, nicht viel über die Kooperation erzählen. Jeder zieht, jeder gibt Gas.“

Ziel der Alternative Rocker war und ist es dabei, hochwertige und eigenständige Rockmusik zu machen.

„Hat diese Richtung erst einmal fest auf dem Kompass angeschlagen, kann jedes Ziel auf dem Plan stehen. Als ganz großes Ziel haben wir uns natürlich die erfolgreiche Suche nach einem für uns geeigneten Plattenlabel in den Kalender geschrieben.“

Hier haben sich also vier Leute gefunden, deren Vorstellung von Musik so verdammt gut zusammenpasst, dass jeder seinen festen Part in der Entwicklung neuer Songs hat. „Natürlich benötigt man einen zündenden Kreativschub in Form eines ersten genialen Gitarrenriffs. Unser Marius scheint mehr kreative Ideen zu haben, als er jemals auf Scheibe bannen könnte. Wir drei anderen kommen teilweise schon nicht mehr mit dem Sichten seiner Gehirnergüsse nach. Die Auswahl der fünf Songs zur aktuellen Scheibe ist uns natürlich nicht leicht gefallen. Am liebsten hätten wir sowieso alles an Material aufgenommen und eine Doppel-CD mit Live-Bonus-DVD draufgepackt. [lacht] Aber man muss immer schön auf dem Teppich bleiben. Das wirklich Schöne an diesen fünf Nummern ist, dass jeder von uns sich zu gleichen Teilen eingebracht hat, und genauso soll es doch sein. In dieser Orangenscheibe stecken 23 Minuten Wohnzimmeratmosphäre. Und wir laden jeden ein, die Lampe anzuschalten und es sich auf der Couch gemütlich zu machen.“

Fühlt sich die Gruppe nach Veröffentlichung des Demos nun von einem großen Druck befreit?

„Überhaupt nicht. Durch diese Studioproduktion hatten wir die Möglichkeit unsere Songs auf Herz und Nieren zu prüfen. Jede Note haben wir zehnmal umgedreht um zu sehen, ob dahinter nicht doch noch ein Staubkrümel liegt. Die Arbeit im Studio lässt dich als Musiker jedes Mal ein paar Stufen mehr steigen. Live wird vieles verwaschen. Im Studio muss jede Note sitzen und nur hier zeigt sich dann, ob dein Song wirklich Potential hat.“ So spricht ein echter Vollblutmusiker.

In meinen Lauschern konnte das Stück „Dig It, Baby!“ von Anfang an rasch zünden. Woran könnte das liegen, Stephan?

„Erstaunlich, dass es sich hierbei um den unserer Meinung nach schwersten Brocken aufgrund seiner musical-ähnlichen Vielzahl an verschiedenen Parts handelt. Was wir wohl etwas unterschätzt haben, ist der Wiedererkennungswert und Ohrwurmcharakter der Grundmelodie von "Dig It, Baby!". Dieser Song scheint sich tatsächlich in die Trommelfelle der Hörer zu brennen, und das ist der absolute Hammer! Wir freuen uns sehr darüber.“

Für die Aufnahmen ihrer fünf Songs haben sich die Kerle sechs Tage Zeit genommen. Der Kehlenkönner resümiert:

„Zuvor hatten wir natürlich schon unseren Plan gesteckt und intensiv an einer Vorproduktion der Songs gearbeitet. Der Plan stand also, dass es von der ersten Minute an im Studio zur Sache gehen konnte. Natürlich war es schweißtreibend und hat auch einige Nerven gekostet. Wir wollten die Songs natürlich zum einen mit exakter Genauigkeit und zum anderen mit voller Emotion einspielen. Diese zwei Welten lassen sich verdammt schwer kombinieren. Selbst wenn du eine Maschine bist, hast du noch immer kein Gefühl in den Song gepackt. Ich denke, dass uns dieser Spagat wirklich gut gelungen ist.“

Die gesamte Band ist mit vorliegendem Endresultat überaus zufrieden. „Diese Scheibe vermittelt beim Hören so ziemlich genau die Emotion, die wir damit auch zum Ausdruck bringen wollten. Natürlich sind wir nicht unfehlbar, aber genau hier nun anzusetzen und alle Fehler klinisch zu beseitigen, wäre wohl das Schlimmste was man machen kann. [Exakt! A.d.A.] Denn das gibt die nötige Farbe und gesunde Prise "Dreck", die für eine authentische Rockscheibe meiner Meinung nach nötig ist. Natürlich reden wir hier von Fehlern mit "Charme". Intonation und Tightness sollten schon absolut passen.“

Wir gehen zu verantwortlichen Einflüssen und Inspirationen für das aktuelle Demowerk über.

„Direkt kann ich dir da natürlich keine einzige Band nennen. Der Traum und Ansporn einer jeden Band ist wohl, einen eigenen nicht zu vergleichenden Sound zu erschaffen. Aber sind wir doch mal ehrlich, nach Bands wie beispielsweise Led Zeppelin oder den Beatles gibt es doch fast nichts Neues mehr, ohne dass irgendeiner sagt "das klingt doch nach...". Ich denke, eine gesunde Dosis an Einflüssen tut der eigenen Kreativität als Musiker sehr gut. Und wenn wir dann wirklich Bands als Inspiration nennen wollten, dann wären das wohl Incubus, The Mars Volta oder auch Red Hot Chili Peppers.“

Mich interessiert nachfolgend, worum genau sich die neuen Liedertexte von Stephan denn so drehen – und woher sein Interesse dafür kommt. Impressionen des täglichen Lebens? „Ja, das trifft die Sache schon ziemlich genau. Mir ist es sehr wichtig, dass ich mit meinen Texten keine Maske aufsetze. Ich hatte keine miese Kindheit, hatte nie richtig große Probleme in meinem Leben. Da würde ich mir doch selbst ins Gewissen lügen, wenn meine Texte von solchen Themen handeln würden, die ich nie durchlebt habe. Stattdessen liebe ich Lyrik, die sich mit den alltäglichen Problemen der Menschen befasst und die Ecken und Kanten unserer Gesellschaft zum Vorschein bringt. Einer Gesellschaft, in der es hauptsächlich darum geht der Bessere, Schnellere, Klügere zu sein, den oftmals bequemeren Weg zu gehen und nur zu gern das nachzubrüllen, was einem diktiert wird. Oder etwa doch nicht?“ Die Antwort liegt hier bereits in der Frage.

Mit den zugrunde liegenden Thematiken seiner neuen Liedertexte hat sich der Landsberger sehr tiefgehend beschäftigt, wie er im Weiteren offenbart.

„Diese Texte spiegeln meine ganz persönliche Betrachtungsweise unserer neuen Welt wider. Ob es sich nun um das von außen in Szene gesetzte "eingefangene Lächeln" eines zutiefst depressiven Menschen, oder die vergebliche Suche nach einer soliden und vollkommenen Harmonie handelt, es steckt immer eine gewisse Hinterfragung an uns selbst dahinter und wie wir unsere doch sehr begrenzte Zeit auf diesem Planeten nutzen. Nur der Song "Too Much Coffee" war lediglich ein Erlebnisbericht und der lustige Denkansatz, wie weit einen die Koffeinsucht doch treiben könnte.“

Dann erzählt mir der Große vom eigentlichen Antrieb in der Band. „Ich denke das ist die Ruhe in uns selbst. Diese gewisse Grundzufriedenheit mit sich selbst und seinem Leben einfach glücklich und im Reinen zu sein. Dazu gehört natürlich immer, sich stets zu hinterfragen. Aber grundsätzlich fühlt sich jeder von uns vieren einfach bei sich selbst angekommen und ich denke, dass genau dies der Brunnen ist, aus dem der Orange-Code-Flair sprudelt.“

Live-Aktivitäten von Orange Code: Die gibt es laut Stephan, und zahlreicher sollen sie werden.

„Wir sind mit unserer neuen CD nun natürlich sogar mehr denn je auf der Jagd nach sämtlichen Gigs, die wir im schönen Bayern und mittelfristig auch außerhalb ergattern können. Ob Support-Show oder Headliner, wir wollen einfach nur raus und spielen. Das ist das Größte für uns!“

Und zu einem gepflegten Orange-Code-Konzert gehört eigentlich auch immer ein Humpen des Kräuterlikörs namens Jägermeister, gibt der Überzeugte preis.

„Gerade in der kälteren Jahreszeit sehr zu empfehlen! Eliminiert den Schnupfen präventiv sofort im Anfangsstadium.“

Kerngesund und belastbar muss er nämlich schon sein, der gute Stephan. Denn: „Neben der Musik und meinem Beruf als Mediengestalter betreibe ich noch ein Kleinunternehmen als Mediengestalter. Ich liebe es, kreativ sein zu können. Somit steckt auch hinter meinem Beruf 100 % Leidenschaft. Hauptsächlich geht´s hier um die Gestaltung von Printsachen, also Flyer, Plakate, aber auch Bildbearbeitung und Webdesign. Vielen Dank für das angenehme Interview, es hat mir sehr viel Spaß gemacht!“ Dito.

© Markus Eck, 13.11.2008

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