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Interview: OCTAVIA SPERATI
Titel: Orientierungsfreie Individualkunst

Im Jahr 2000 in der einschlägig bekannten norwegischen Küstenstadt Bergen gegründet, war den beteiligten Musikern von Octavia Sperati zunächst einmal die gemeinsame große Vorliebe für Schwermetallklänge zueigen. Die Mädchen wollten nicht mehr länger nur Tonträger hören und zu diversen Gigs ihrer Vorbilderhelden pilgern, sondern solcherlei Stilistik auch selbst erzeugen.

Über die letzten Jahre entstand im Zuge neugieriger künstlerischer Selbstfindung eine Art tiefemotionaler Dark Metal mit dramatisch-melancholischen Grundzügen und prägnanten harten Gitarrenlinien.

Das aktuelle zweite Album „Grace Submerged“ bietet Freunden sphärischer und härterer Rocksounds ein breites Spektrum an auffallend gefühlvollen Intermezzi.

Derart besinnlich, wie sich die skandinavische Sechsergruppe in ihren ernsthaften Liedern zuweilen gebärdet, geriet das anregende Interviewgespräch mit Piano- und Stromorgelfrau Tone Midtgaard jedoch nicht.

„Viele halten uns noch immer für eine reine Mädchenband, doch mittlerweile fand sich in Form von Ivar ein männlicher Schlagzeuger bei uns ein. Der hat sich auch gut eingelebt, die Zusammenarbeit funktioniert recht reibungslos. Wir sind ehrlich gesagt sehr froh über die Mitwirkung von Ivar, denn mit weiblichen Drummern hat das bei Octavia Sperati bis jetzt noch niemals so recht geklappt“, lässt die zierliche Person mich herzhaft lachend wissen.

Geht es darum, die einzigartige Tränen drückende Musik der fünf Norwegerinnen und ihrem Stöcke schwingenden Landsmann zu kategorisieren, tun sich nicht wenige Musikjournallisten immer wieder sehr schwer. Auch Tone ist dies beileibe nicht verborgen geblieben. Sie überlegt kurz und diktiert mir dann in den Block:

„Dass all die Schreiberlinge da draußen so dermaßen große Schwierigkeiten mit der stilistischen Einordnung von Octavia Sperati haben, befremdet uns schon seit längerer Zeit. Dies liegt aller Wahrscheinlichkeit daran, dass wir schlicht gesagt genau die Musik kreieren, die wir selbst auch gerne hören. So kümmern wir uns während der Entstehung der Lieder nicht mal ansatzweise darum, welchem Metier sie letztlich wohl zugehörig sein werden. Denn wir machen nicht Musik, um sie irgendwelchen Genre-Schubladen zu widmen. Wir machen unsere Musik. Sonst nichts. Ich beziehungsweise wir sind davon überzeugt, dass nur auf diese Art und Weise wirklich unverfälschte, ursprüngliche und unverbrauchte Kunst erschaffen werden kann. Eben einmalig und vor allem individuell. Wir halten nichts von Duplikaten, wir wollen Originale haben und auch selbst eines sein.“

Letzteres wurde zweifelsohne mit sprichwörtlicher Leichtigkeit erreicht. Und das auch noch so gut, dass selbst ausgedehnte progressive Ausuferungen in den Songstrukturen von „Grace Submerged“ den beruhigenden Hörgenuss der eindringlichen Platte nicht trüben können. Tone hierzu:

„Das ist immer wieder sehr interessant – obwohl unsere Songs ziemlich ineinander verschachtelt wirken, geht das Komponieren bei uns relativ einfach von der Hand. Weil wir uns wie erwähnt an nichts und niemandem orientieren, gewähren wir den besten Ideen völlig freien Lauf und koppeln sie unverkrampft aneinander zu Liedern. Man merkt das am besten, indem man die neue Scheibe öfter hintereinander anhört: Man kommt dann vergleichsweise leicht, mit jedem Durchlauf mehr und mehr an die Stücke ran.“

© Markus Eck, 23.07.2007

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