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Interview: NIGHTMARE
Titel: Virtuelle Visionen

„Cosmovision“, ihr letztes Album, konnte die erlesene Power Metal-Kunst dieser beständigen französischen Könner erstmals in angemessen breitem Rahmen unter die Fans bringen.

Nun haben Nightmare ein neues Werk am Start, den Albumnachfolger „Silent Room“, womit sie zum wiederholten Male durch einem bestechenden Grad an musikalischer Individualität aus der Masse ähnlicher Formationen herausragen.

Bassist, Texter und Songwriter Yves Campion nimmt sich gerne abermalig die nötige Zeit für ein aktuelles Interviewgespräch zum neuen Release seiner Band.

„Nun, nach der Veröffentlichung von `Cosmovision` tourten wir erstmal mit Saxon, hauptsächlich in unserer Heimat Frankreich sowie in Italien. Auch spielten wir auf dem berühmten New Jersey Metal Meltdown IV-Festival in den USA, was für uns ein echt großartiges Erlebnis war. Ebenso fiel uns der Posten als französischer Support-Act für Blind Guardian im Mai 2002 zu. Und nicht zu vergessen die ganzen tollen Sommerfestivals wie Wacken, Rock Machina in Spanien als auch Skeleton Bash in Österreich. Nach all diesen Aktivitäten machten wir uns rasch an das Ausarbeiten der Konzeption als auch ans Komponieren unseres neuen Albums, was dann ganze sechs Monate bis zum Studiotermin in Anspruch nahm“, berichtet er eingangs aus dem Bandlager von Nightmare.

Anschließend muss der Bassist unbedingt Stellung zum etwas dunkler und härter gewordenen Sound seiner Truppe Stellung beziehen. Wir erfahren:

„Wir wollten die Gitarren mehr im Vordergrund haben. Auch war es unser Ziel, einen kraftvolleren Sound zu haben. `Cosmovision` war ein sehr gutes Album, auf welchem jedoch zu viele Klangeffekte den Gesamtsound unserer Meinung nach verwässerten. So legten wir unser Augenmerk darauf, fetter klingende Schlagzeugarrangements und heftigere Gitarrenlinien auf das aktuelle Album zu bekommen. Ungefähr im Stile der von Andy Sneap gemachten Produktionen, welcher bereits unter anderem Bands wie Arch Enemy und Nevermore produzierte. Dies erschien uns nicht zuletzt auch viel besser zum dunklen Konzept von `Silent Room` passend.“

Dieses neue Konzept macht mich immer noch neugieriger. Und Yves erläutert es daher:

„Der Titel steht zwar stellvertretend für die ganze dahinter stehende Story, kann jedoch trotzdem in diversen Bedeutungen von den Hörern interpretiert werden. Sämtliche Stücke sind lyrisch ineinander verknüpft. Kapitel drei und vier der basierenden Geschichte beschreiben beispielsweise Verfall und Heilung, sie veranschaulichen das vorherrschende Hauptgefühl hervorragend. Es geht um einen 14-jährigen, der süchtig nach Computer-Games und Rollenspielen im Internet ist. Irgendwann verliert er sich vollkommen darin und seine Persönlichkeit kann nicht mehr zwischen nüchterner Realität und virtueller Fiktion unterscheiden. Und das Cover der neuen Scheibe vermittelt das unheimliche Gefühl eines stillen Raumes sehr gut.“

Wie mein Interviewpartner mir im Weiteren offenbart, entsprang diese erzählte Geschichte diversen Inspirationen, welche Nightmare sich von der allgemein vorherrschenden Realität holten.

„Wenn man sich vor Augen führt, wie die Leute sich bereits heutzutage in die virtuellen Scheinwelten hineinziehen lassen und scheinbar jeden Tag süchtiger danach werden, kann man sich schon mal ganz gut vorstellen, wie dies sich in den nächsten 20 Jahren entwickeln wird.“

© Markus Eck, 02.10.2003

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