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Interview: NIGHTMARE
Titel: Vertontes Historienbewusstsein

Die restlos überzeugende Musik dieser französischen Power Metal-Großmeister ist entgegen dem Gruppennamen wirklich alles andere als ein musikalischer Alptraum.

Das exakte Gegenteil ist bei dieser elitären Formation nämlich sogar der Fall: Mit einem ausgeprägten Anteil an symphonischem Bombast versehener und abartig ausgefeilter Power Metal von fast schon als adlig zu titulierender Güteklasse, welcher mittels monumental wirkender Chöre und mitreißenden Melodien vollkommen für sich einnehmen kann.

Nightmare sind seit 1979 existent, also seit beinahe unglaublichen 22 (!) Jahren. „Cosmovision“ ist nun ihr fünftes Album. Sofort werden hier also zwei Fakten schlagartig klar: Zum einen haben wir es hier mit kämpferisch-idealistischen Überzeugungstätern von enormer Hartnäckigkeit der Zielverfolgung zu tun. Und zum anderen offenbart die Release-Historie beileibe keine Band, welche ihre kreativen Ergüsse in inflationärem Ausstoß unters metallische Volk schleudert: Fünf Alben in knapp 20 Jahren, davon eine Live-Veröffentlichung. Die lassen sich also Zeit.

Dafür sind aber eben ausnahmslos alle ihrer Erzeugnisse von dramatischer Qualität. Besser kann man in dieser Stilistik eigentlich fast nicht agieren.

Nach der damaligen Gründung mußten unsere Helden jedoch noch geschlagene fünf Jahre im Untergrund ausharren, bis sie einen Plattenvertrag in der Tasche hatten.

Die Band hatte 1983 das schicksalhafte Glück, einen Def Leppard-Gig zu eröffnen. Nightmare gaben alles und trieben 4.000 anwesende Fans zur Raserei. Das rief auch den einen oder anderen Talentscout auf den Plan und die Geschicke nahmen ihren Lauf.

Nun sind wir also in der Neuzeit angelangt und „Cosmovision“ wartet auf qualitätsfixierte Ohrenpaare. Die werden mit göttlichem Power Metal der Extraklasse verwöhnt. Der langjährige Nightmare-Basser Yves Campion erweist sich im nachfolgenden Interview als aufrechter Metalhead von echtem Schrot und Korn.

„Gerade haben wir mit großem Erfolg eine Support-Tour für Saxon absolviert. Das war ein großartiges Erlebnis für die gesamte Band“, freut sich Yves.

„Die Band besteht derzeit aus mir, unseren beiden Gitarristen Nicolas de Dominicis und Jeannot Strippoli, Sänger Jo Amore [lässiger Name; A.d.A.], seinem Bruder David an den Drums und dem Session-Keyboarder Laurent Maria, welcher uns aber lediglich nur hin und wieder und auch vereinzelt auf Tour zur Verfügung steht.“

Das aktuelle Album ist ein orgiastisches Freudenfest für jeden bodenständigen und passionierten True-Metaller. Und diese neue Veröffentlichung erzielte laut seiner Aussage bisher schon sehr gute Reaktionen:

„Aber nicht nur hier bei uns in Frankreich, wo wir mit Lob überschüttet wurden, sondern auch in vielen anderen Ländern. So auch in Norwegen; das dortige Scream Magazin gab uns glatt sechs von sechs Punkten in der Albumwertung.“

Dem Bandnamen trugen Nightmare anfangs allerdings verstärkt Rechnung.

„Er kam uns während der Gründungszeit in den Sinn. Wir dachten, er würde sehr gut zu uns als Metal-Band passen, was sich dann nachfolgend schnell als goldrichtig erwies. Zumal wir anfangs auch noch verstärkt Lyrics über Horrorstreifen schrieben.“

Davon ist diese Truppe aber mittlerweile abgekommen und hat sich neuzeitlich mehr der esoterisch-spirituellen Aufarbeitung von vielerlei unerklärbaren irdischer historischer Mysterien verschrieben. Paßt irgendwie auch besser zu ihnen, denn der musikalische Reifeprozeß ist von enormem Wachstum gekennzeichnet. Gerade ich als alter Erich von Däniken-Anhänger halte „Cosmovision“ für einen überaus interessanten Albumtitel.

Yves pflichtet mir bei: „Auf dem neuen Album geht es hauptsächliche um die Geheimnisse, welche die Kultstätten des alten Peru umgeben. In den nebulösen Visionen und Überlieferungen der damals und heute in den Anden lebenden Menschen finden Historiker auch heute noch unzählige Rätsel, denen immer neue und Aufsehen erregende Funde antiker Kultstätten immer neues Kraftfutter geben.“

Zweifellos: Immer wieder übereinstimmende Querverweise von sprachlos machender Genauigkeit zwischen der modernen Astrologie und der des Altertums peruanischer Indianer lassen auch nach der Jahrtausendwende keinen Archäologen kalt.

„Die überlieferten Sagen der Inkas zeigen uns aber auch gleichzeitig die Zukunft auf. Und vieles ist schon genau so eingetreten. Das ist die `Kosmovision`, welche uns zum Titel unseres neuen Albums inspirierte.“

Gänsehaut erzeugende und gleichzeitig hochinteressante Ansichten, die bestimmt jeden intelligenten und historisch interessierten Metal-Fan binnen kurzer Zeit auf die Seite dieser genialen Band ziehen werden.

„Dies ist dann auch das Hauptthema auf `Cosmovision`“, läßt Yves mich weiter wissen.

„Aber wir haben auch noch andere interessante Songtexte verfaßt, welche sich allesamt um solcherlei bisher ungelöste Rätsel der menschlichen Historie befassen. Zum Beispiel die der Tempel und Pyramiden des alten Ägyptens, welche mit ihrer ungeheuren Genauigkeit der Bauweise selbst heute in der Moderne noch nicht restlos zu erklären sind.“

Da sieht man mal wieder: So schlau wie früher sind „sie“ heute also doch nicht. Doch zurück zu Nightmare.

„Das Album wurde in den bestens bewährten südfranzösichen Soundsuite Studios unter dem norwegischen Großmeister Terje Refsnes aufgenommen. Wir waren ganze sechs Wochen dort zugange und ich muß sagen, Terje trägt seinen guten Namen völlig zurecht. Er hat unglaubliches geleistet und uns einen Hammer-Sound gezaubert. Wir hatten aber auch zudem noch den riesigen Vorteil einer dreimonatigen Vorproduktion der Stücke. Anfangs hatten wir 20 Songs zur Auswahl, die dann einer selektiven Auswahl unterzogen wurden.“

Die zehn besten davon finden die Hörer nun auf „Cosmovision“, einem der allerbesten Alben dieser Richtung seit sehr langer Zeit.

© Markus Eck, 07.11.2001

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