Top
Interview: NEGATOR
Titel: Kraftvolle Hingabe an die Finsternis

Sänger Nachtgarm, Gitarrist Trolfbert, Bassist Berthelm und Schlagzeuger Tramheim riefen Negator 2003 ins Leben. Und ihr aktuelles Debütalbum „Old Black“ bietet beileibe keinen altbackenen Schwarzstahl, sondern melodiösen und peitschend stürmischen Black Metal der bitterbösen Oberstufe.

Daneben überzeugt ihr begeisternd düsteres Image und die sich interessant vom sonstigen Genre-Einerlei abhebenden Pseudonyme.

Ich blicke mit Klampfer und Maincomposer Trolfbert hinter die standfesten Klangkulissen seiner norddeutschen Dunkelhorde. Das Wort Anspannung trifft die Stimmung innerhalb der Band derzeit wohl am allerbesten.

„Zum einen können wir derzeit nur abwarten, wie die Reaktionen auf unser Album ausfallen; was ja nicht ganz unwichtig auch für die weitere Resonanz ist, und wir ab diesem Moment einfach keinen Einfluss mehr auf das Geschehen um Negator haben. Zum anderen haben wir noch den Auftritt zur Release-Party vor uns. Da der Anlass für uns ein Besonderer ist, wollen wir natürlich auch möglichst ein gutes Konzert abliefern.“

Die Mitglieder von Negator sind allesamt in diversen Black Metal-Bands tätig, wie ich erfahre, also durchaus als ambitioniert einzustufen.

„Was mich dabei betrifft, fehlte mir bisher der Bezug zur simplen, ursprünglichen Kraft der Musik. Der Drang, etwas anderes zu machen – Musik, die genau das ausdrückt, weshalb wir damals zum Black Metal kamen, ließ uns Negator gründen. Kurzum: Im Februar 2003 begannen wir mit Proben, im Juni fand der erste Auftritt statt. Im August nahmen wir „Old Black“ auf, der Rest hat sich dann ergeben.“

Für Axeman Trolfbert sind nach wie vor die Black Metal-Scheiben der frühen 90er Jahre maßgeblich, wie er mir bekennt.

„Auch wenn aus heutiger Sichtweise einige Platten sound- und spieltechnisch überholt scheinen, so haben sie doch alle das besondere Etwas, dass mich damals auch zum Black Metal gebracht hat. Wenn ich Dir einige Bands nennen soll, so fallen mir spontan Mayhem, Immortal und Emperor ein, vor allem deren früheren Werke, in denen Du die ganze Kraft und Hingabe des Black Metal spüren kannst. Etwas, das heute leider viel zu oft fehlt.“

„Negator declares war!!!“ Und wem genau? „Negator stehen dafür ein, Black Metal in seinen ursprünglichen Werten zu spielen. Dies ist vor allem eine Kampfansage für den alten Spirit des Black Metal. Man kann es aber auch als eine Kampfansage an alle Subjekte und Elemente verstehen, die in dieser Szene nichts verloren haben. Hier kann man eine Menge interessanter Leute treffen, die ihren eigenen Weg gehen, ebenso stößt man immer wieder auf wirklich gute Bands. Auf der anderen Seite gibt es aber auch sehr viele Idioten und Bands, die einfach nur Scheiße sind. Was mich wirklich stört, ist, dass sich im Underground zunehmend politisch orientiert wird. Ansonsten beschränke ich mich heute auf den norddeutschen Underground, weil es insgesamt viel zu unübersichtlich geworden ist. Hier hat man ganz gute Kontakte, es gibt gute Bands und ab und an gute Konzerte. Zum Rest kann ich nicht mehr viel sagen.“

Ich mutmaße hinsichtlich der Bedeutung des Bandnamens, dass er wohl im Sinne von „komplett negativ“ zu verstehen ist. Trolfbert hierzu:

„Im Italienischen gibt es das Wort „negare“, was soviel heißt wie „verneinen“. Das trifft es sicherlich besser. „Negator“ steht für einen prinzipiellen Skeptizismus beziehungsweise für die Ablehnung all dessen, was uns Ideologien oder Gesellschaft als normal oder moralisch verkaufen wollen. Wenn man einen positiven Gehalt aus Negator ziehen will, so kann man darin den Individualismus sehen, ein eigenes Leben mit einer eigenen Weltanschauung zu führen, was sich bei uns im Black Metal äußert. Der Begriff bedeutet auch, durch eigenes Denken zum eigenen Handeln zu kommen, was eine Loslösung von gewissen Normen erfordert.“ Dann bin ich wohl eindeutig auch ein Negator.

Das Logo von Negator hat ein Freund der Band gezeichnet, den Trolfbert in dieser Hinsicht für sehr talentiert hält. „Ursprünglich hatten wir uns bereits auf ein anderes Logo geeinigt, aber dieses Logo passte vor allem bei der Covergestaltung wie die Faust aufs Auge.“

Mir gefallen die Pseudonyme der Musiker bei Negator, da diese schon gleich vorab einen ganz eigenständigen Umgang mit der ganzen Sache signalisieren. Wir erfahren in diesem Kontext:

„Die Entstehungsgeschichte der Pseudonyme kann ich unmöglich rekapitulieren. Ihre Bedeutung gewinnen sie hauptsächlich aus ihrem Klang, der für mich eine gewisse Ästhetik beschreibt, welche auch für das generelle Schaffen von Negator essentiell ist. Aber Du hast recht, wir haben unsere eigene Auffassung von Black Metal; vielleicht muss man uns kennen, um zu verstehen, wie alles im Einzelnen gemeint ist, was man auf der Platte zu hören und zu sehen bekommt. Das sind aber Dinge, die ich hier kaum auf die Schnelle beschreiben kann.“

Was den Gesamtsound auf „Old Black“ betrifft, so hat Produzent Eike, bei dem Negator aufgenommen haben, laut Trolfbert sehr großen Anteil daran.

„Vor allem, was die Gitarren betrifft, war ich wirklich von seiner Arbeitsweise begeistert. Ich habe die Gitarre mit fast keiner Verzerrung eingespielt, und im Endergebnis gibt es wirklich einen brutalen Druck – das hätte ich mir selbst nicht vorstellen können. Was die von dir angefragten Einflüsse betrifft, so hatten wir uns lediglich einen rohen Sound gewünscht, Eike hat unsere Erwartungen dann definitiv übertroffen.“

Mit dem aktuellen Albumtitel „Old Black“ würde Trolfbert am liebsten den gesamten Stil von Negator umschreiben. „Also Black Metal, wie er vor gut zehn Jahren zu hören war. Wir besinnen uns auf das unserer Meinung nach Wesentliche, Ursprüngliche der Musik. Und da man auf dem Album auch nichts anderes geboten bekommt, war der Titel nur folgerichtig – mehr gibt es da eigentlich auch nicht mehr zu sagen.“

Und die intensiven Nachtlieder auf „Old Black“ erzählen von dem, was Black Metal für die Band bedeutet.

„Hingabe, Ekstase, Todessehnsucht. Titel wie „Science Of Nihil“ oder „Vernunft 1.0“ handeln von Entmenschlichung beziehungsweise nur allzumenschlichen Trieben, auch in Anlehnung an Philosophen wie beispielsweise Hobbes. Black Metal an sich steht nun mal für Tod, Verderben und Vernichtung, und das sind genau die Dinge, mit denen wir uns auseinandersetzen.“

Wenn die Leute beim Hören der Musik von Negator genau das fühlen, was die Band beim Machen ihrer Musik empfindet, dann ist für Trolfbert sicherlich das Wichtigste erreicht. „Der Hörer wird die Kraft, die Finsternis und die Hingabe spüren, mit denen die Songs gemacht wurden.“

Welche negativen Erfahrungen mit Menschen haben ihn als Charakter besonders geprägt, besonders stark gemacht? „Spontan fällt mir dabei das Sprichwort ein: „Trau schau wem.“ Zu wissen, dass auf einen selbst und auf seine Freunde Verlass ist, ist wertvoll. Darüber hinaus sollte man nicht vergessen, bei anderen Menschen Vorsicht walten zu lassen. Gerade in der Musikszene tummeln sich Leute, die auf den ersten Blick gut drauf zu sein scheinen, sich im Nachhinein aber als ziemliche Säcke entpuppen. Solche Leute können aber nur hoffen, einem nicht ein zweites Mal zu begegnen.“

Die Bühnenshow von Negator wird sich auf das Wesentliche beschränken. Und das ist live vor allem eines: Energie. „Überflüssigen Krempel wird es nicht geben. Wir machen Black Metal, insofern gibt es live einfach nur was auf die Ohren.“ Zukünftig wollen Negator in Sachen Gigs alles mitnehmen, was geht. „Altersmäßig sind wir wohl fast ein bisschen spät an einen Deal gekommen. Insofern wollen wir vor allem live spielen und so langsam beginnt auch schon das Songwriting für ein weiteres Album.“

© Markus Eck, 14.02.2004

[ zur Übersicht ]

Advertising

+++

+++


+++

+++