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Interview: NAGLFAR
Titel: Vom Tod

Schier kaum mehr auszuhalten schien es für die Legionen der Fans dieser nordschwedischen Melodic Black Metal-Stürmer zum Schluss hin gewesen zu sein, auf das neue Naglfar-Album „Téras“ zu warten.

Schließlich hatte sich die ebenso legendäre wie gefragte Ausnahme-Truppe um Frontmann und Giftspucker Kristoffer ,Wrath‘ Olivius seit dem im Jahr 2007 erschienenen Langspiel-Spektakel „Harvest“ schmerzlich rar gemacht.

Doch Naglfar wären eben nicht Naglfar, wenn die Band sich nicht die ihr nötig erscheinende Zeit dafür nehmen würde, bis ein neues Werk ihren hohen Ansprüchen vollauf genügen kann.

Vollzogen wird diese triumphale Rückkehr in strammer Trio-Formation. Stilistisch bleiben sich die wölfisch stolzen Dunkelschergen aus Umeå auch aktuell erneut verblüffend selbst treu. Adlig erhabene Epik, spieltechnische Brillanzen und schockfrostende Eiseskälte so verblüffend ins Kombinat zu bringen, das obliegt nur den ganz großen Meistern der Zunft. Und Naglfar gehören nach wie vor dazu.

„Aus Naglfar wurde in den letzten Jahren ein Dreier. Es war nicht zu vermeiden, dass es so gekommen ist. Doch dieser Umstand der Besetzung hinderte uns nicht im Geringsten daran, das neue Album zu dem werden zu lassen, was es nun ist. Wir entschieden uns, den Belgier Dirk Verbeuren als Session-Drummer für die Schlagzeugspuren von ,Téras‘ zu verpflichten. Er war unsere erste Wahl, denn sein spezielles Spiel und insbesondere sein wirklich außergewöhnlicher Groove passen einfach perfekt zur Musik von Naglfar. Aufgenommen hat er seine Parts bei sich daheim in seinen eigenen Die Crawling Studios. Bisher ist Dirk vor allem als fähiger Drummer für die Schweden Soilwork und die Franzosen Scarve recht bekannt geworden“, weiß Gitarrist, Tieftöner und Keyboarder Marcus E. Norman zu berichten.

„Unsere neuen Lieder werden definitiv für diejenigen Hörer ganz besonders attraktiv sein, die sich bereits seit unseren Anfängen mit uns auseinandersetzen. Wir haben es geschafft, etwas Einzigartiges zu erschaffen, was dennoch den guten alten traditionellen Naglfar-Sound würdig repräsentiert. Doch es gibt auch so einige neue Elemente bei uns zu hören; Ideen, die eher neu für unser Klangbild anmuten. ,The Monolith‘ ist dafür ein großartiges Beispiel: Dunkler und böser im Anspruch, ist das Lied wahrscheinlich nicht der typische Naglfar-Song. Aber im Einklang mit den anderen Stücken ergibt dieser sehr spezielle Track eine wirklich perfekte kompositorische Sinnigkeit. Persönliche Favoriten unter den Stücken kann ich jedoch nicht nennen, da sie mir alle von gleich großer Wichtigkeit sind. Unser oberstes Hauptziel für ,Téras‘ war es jedenfalls, ein solides Album zu kreieren, das unseres Erachtens nach schlussendlich so nahe an der Perfektion wie nur irgend möglich steht. Ob wir dies letztlich hinbekommen haben, sollen aber nun die weltweiten Naglfar-Fans entscheiden.“

Der Entstehungsprozess zum neuen Höllenauswurf in Albumform vollzog sich erneut in seinem eigenen Aufnahmestudio, so erzählt Marcus im Anschluss.

„Hier haben wir auch schon die letzten Longplayer der Band ausgearbeitet. Der Mix wurde in den Toontrack Music Studios bewerkstelligt. Genauso haben wir es schon beim Vorgänger ,Harvest‘ gemacht, was sehr funktioniert hat. Ich bin mehr als zufrieden mit dem aktuellen Ergebnis. Lieder Aufnehmen ist für uns wirklich eine sehr persönliche Prozedur, die in den Räumen bei mir einfach noch immer am allerbesten funktioniert. Hier haben wir es relativ einfach, verschiedenste Ideen und Arrangements auszuprobieren. Es ist nämlich auch immer wieder eine große musikalische Herausforderung für uns, das Ganze einen Schritt weiter gehen zu lassen. Schließlich wollen wir uns niemals wiederholen. Naglfar soll beziehungsweise muss sich klar weiterentwickeln. Es sollen Barrieren überwunden werden und neue musikalische Felder entdeckt werden. Dennoch soll der ,Kern‘ des Naglfar-Sounds, wie ich es gerne nenne, davon immer unberührt bleiben.“

Und es stellt, wie der Gitarrist, Bassist und Tastenspieler im Weiteren zu erläutern weiß, stets aufs Neue eine sehr große Belohnung für ihn und seine Horde dar, das Erreichen solcherlei Zielsetzung miterleben zu dürfen.

„Enorm befriedigend gestaltete es sich daher auch, die vielen einzelnen Puzzle-Stücke erfolgreich zu einem Ganzen findig zusammenzufügen. Das allergrößte Glücksgefühl stellte sich jedoch ein, als wir realisierten, dass wir fertig waren mit der ganzen aufwändigen Arbeit. Es ging dem Ganzen eine lange und teils sehr seltsame Reise voraus, um diese Platte fertig zu bekommen. Ich hoffe, die Hörer werden ,Téras‘ gut aufnehmen und sie werden all die harte Arbeit zu schätzen wissen, die nötig war, um die hohe Qualität dieses Monsters überhaupt zu erreichen.“

Noch wortkarger als sonst verhält sich der eigenwillige Kerl dann, als es im Gespräch schließlich an die Songtexte von „Téras“ geht. „Sämtliche Lyriken auf der neuen Veröffentlichung behandeln auf diese oder jene Weise den Tod.“ Sprichts und macht den Mund nicht wieder auf.

© Markus Eck, 10.03.2012

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