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Interview: MOONSPELL
Titel: Beseelte Düsterlieder

Die ebenso beständigen wie seit ihrem damaligen Überwerk „Wolfheart“ stetig erfolgreichen portugiesischen Dunkelmetaller fahren mittels ihres neuen Studioalbums „Memorial“ überraschend schwere Geschütze auf: Dermaßen hart und wuchtig und dabei so eingängig melodisch und vollatmosphärisch hat man Moonspell viel zu lange nicht mehr erlebt.

Was also zuvor noch als harter Gothic Rock durchging, erhebt nun endlich wieder schwerste Metal-Ansprüche. Und ich habe „Wolfheart“ zu Beginn nicht ohne Hintergedanken erwähnt: Denn „Memorial“ zollt dieser herrlichen Platte nicht selten adäquaten musikalischen Tribut. Der – nicht nur auf stimmlicher Ebene – sehr charismatische Vokalist Fernando Ribeiro plauderte gerne wieder mal ein wenig mit mir, diesmal zum neuen Produkt.

„Ich bin sehr enthusiastisch, was `Memorial` anbelangt. Moonspell geriet ja über all die Jahre zu einer musikalisch sehr vielfältigen Band, von daher wurde es immer schwieriger, alle unsere stilistischen Vorlieben in den Kompositionen zu verwirklichen. Doch mit dem neuen Werk haben wir zweifelsohne eine famose Formel gefunden, dies annähernd zu verwirklichen“, gibt der Sänger zu Protokoll.

Und für dieses neue Vollzeitwerk gilt laut Fernando ebenfalls:

„Alles darauf wirkt wie aus einem einzigen kreativen Guss. Selten waren wir alle in der Band uns so sehr einig, was die klangliche Erscheinung unserer Stücke betrifft. Uns kam dabei zugute, dass wir vorab bereits ein ganz klar definiertes Bild vor dem geistigen Auge hatten, wie das Album genau werden soll. Dadurch konnten wir den kompositorischen Dingen auf ganz natürliche Art und Weise, möglichst locker und unverkrampft, künstlerisch völlig freien Lauf lassen. Die Konzentration, nicht nur auf das Wesentliche der Songstrukturen, konnte sich somit jederzeit voll entfalten. Auch für die Feinheiten war ordentlich Zeit vorhanden, was man dem Album auch vollauf anhört.“

Wie Fernando mir im Weiteren berichtet, schlug sich diese entfaltungsfreudige Art des Arbeitens auch im Studio bestens nieder. „Als wir die Stücke bei euch in Deutschland aufnahmen, konnten wir ebenfalls von dieser ganz speziellen, gelockerten Gesamtstimmung zehren. Etwas besseres kann einer Band doch eigentlich gar nicht passieren!“

Aufgrund dessen enthält der aktuelle Silberdeckel auch nur erstklassiges Moonspell-Material, und keinerlei eher belanglose Auffüll-Songs, so der Sänger. „Wir sind davon überzeugt, ich insbesondere, dass wir es endlich mal wieder geschafft haben, genau das auf einer Platte zu verewigen, was unsere Band einst so erfolgreich und berühmt gemacht hat. Jedes unserer neuen Lieder ist nicht nur erfrischend originell und überaus kraftvoll sowie faszinierend atmosphärisch, sondern sie haben vor allem eines in sich: Eine Seele. Mich macht das immens glücklich. `Memorial` ist also eindeutig eines der besten Alben, welches wir nach `Wolfheart` und `Irreligious` je aufnahmen. Und das will was heißen.“

Das kann man getrost unterschreiben. Fernando gibt in diesem Atemzug zu, dass Moonspell sich in den vergangenen Jahren nicht selten viel zu sehr von der gemäßigten und primär romantischen Gothic-Schiene vereinnahmen ließen:

„Ja, aber dazu stehen wir im Nachhinein auch vollauf. Veränderung und Progression sind schließlich nicht zu unterschätzende Faktoren in der musikalischen Laufbahn einer Band. Jeder Zeit eben ihr ganz spezielles Moonspell-Album. Momentan herrscht eben wieder die pure Lust am düsteren Schwermetall bei uns vor, und das kosten wir natürlich auch voll aus.“ Recht so, da habe ich nicht das Geringste dagegen.

© Markus Eck, 03.04.2006

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