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Interview: MINDCRIME
Titel: Bewusstsein für das Dunkle

„Tourniquet Sleep“, das neue Album dieser jungen Siegener Donnermänner, stellt einen betont eigenwillig melodischen, aber atmosphärisch tiefdunklen Mix aus Thrash-, Power- und Speed Metal-Bestandteilen dar. Von der 1999 gegründeten Band wird diese klanglich variantenreiche Mischung kurzerhand mit Dark Melodic Power Metal umschrieben. Die stilistische Bandbreite des ideenreichen Quintetts scheint dabei ebenso enorm zu sein wie die wohltuende Unverkrampftheit der stimmlichen Erscheinung von Sänger Christoph Weller.

„Es waren eigentlich keine speziellen musikalischen Gründe am Anfang, sondern eher die Suche nach einer geeigneten Freizeitbeschäftigung, die zur Gründung von Mindcrime führte. Aber das hatte sich schnell erledigt. Als wir gemerkt haben, dass man auf diversen Bühnen das Interesse der Leute gewinnen kann und auch noch Lob dafür einheimst, war es kein Hobby mehr für uns. Als wir dann einen Besetzungswechsel hatten geriet das ganze deutlich intensiver für uns: Denn mit Drummer Jens und Gitarrist Bastian Brühl kam nochmals eine gesunde Portion Metal in die Band. Doch sind wir musikalisch gesehen keinen Zwängen unterlegen, es muss lediglich ordentlich rocken“, beschreibt Christoph eingangs mit kurzen Worten die Entstehung seiner Band bis hin zum aktuellen Geschehen.

Die dunkle Seite ihrer Musik ist dem Fünfer von außerordentlicher Wichtigkeit, wie er mich zudem wissen lässt.

„Denn die hebt uns von all dem Metal-Trallala ab und verleiht uns eine eigene, vielleicht sogar eigenständige Note. Wir versuchen auch ganz bewusst solche Stimmungen zu schaffen, damit die Musik mit den Texten harmoniert. Wir setzen also stark auf das Dunkle.“

Bis dato sind die Reviews für „Tourniquet Sleep“ sehr positiv ausgefallen.

„Wir sind echt zufrieden. Im Moment warten wir noch auf verschiedene Besprechungen von Magazinen und Webzines. Mit dem Verkauf lief es regional schon recht gut, wir werden abwarten wie es im Bundesgebiet läuft. Dazu müssen wir aber erstmal auf uns aufmerksam machen, das ist momentan unser Ziel.“

Laut nachfolgender, durch mich erfragte Ansicht von Christoph sehen die Siegener ihre musikalischen Stärken darin, dass sie alle Metal Stilrichtungen verwursten, egal welchem Stil ein Part angehört; wenn er passt wird er genommen. „Wir sind nicht fixiert und daher flexibel in dem was wir tun. Ich finde allerdings dass jeder Hörer für sich selbst herausfinden sollte, welche Stärken und Schwächen eine Band hat. Denn das ist doch alles sehr subjektiv.“

Ich frage angesichts dermaßen ausgeprägten künstlerischen Selbstwertgefühls nach, was für die Jungs ein Grund wäre, mit dem Musikmachen aufzuhören. Christoph hierzu: „Wenn es keinen Spaß mehr macht ist der Drops gelutscht. Warum soll ich mich auf eine Bühne stellen oder meine Freizeit mit Musik verschwenden wenn ich da keinen Bock mehr drauf hab? Ein anderer Grund fällt mir grade nicht ein. Vielleicht wenn mich ein Auto überrollt oder ein Hubschrauber auf mir landet“, scherzt er.

Im Moment sind Mincrime schon wieder dabei, neue Songs zu schreiben. „Wir hoffen, dass wir Anfang 2006 wieder einen Silberling am Start haben, allerdings ist da noch gar nichts besprochen oder in trockenen Tüchern. Die Songs die wir bis jetzt geschrieben haben sind eine logische Weiterentwicklung von `Tourniquet Sleep` und sie sind deutlich reifer; wie ich finde auch eingängiger und moderner. Was noch so kommt werden wir sehen. Es ist ja noch alles in der Entstehungsphase.“

Die Songtexte behandeln größtenteils persönliche Eindrücke des Bassisten und Texters Mario Junker, welcher seine Erfahrungen auf ein allgemeines Bild überträgt.

„Man könnte meinen, dass er bis zum heutigen Tage nur Dreck gefressen hat. Aber das stimmt nicht, er verarbeitet normalerweise die negativen Dinge seines Lebens. Das Ganze ist eben von dunklen und traurigen Stimmungen geprägt die sich darin widerspiegeln. Auch textlich sind wir kaum gebunden.“ Es sollte allerdings nicht über Drachtöter und Hobbits gehen, fügt der Sänger an.

Mindcrime haben beim Songwriting eine Mischung gefunden bei der jeder beteiligt ist.

Mal trägt der eine oder andere mehr zu einem Song bei, aber das ist von Lied zu Lied unterschiedlich.

„Einen Monarchen haben wir allerdings nicht in der Band. Es gab immer genau ein Ziel: Uns muss der Song gefallen! Wie schon erwähnt wird von uns verwendet was uns gefällt und einen Sinn ergibt. Wichtig ist uns immer eine gute Hookline, so dass auch was von dem Lied im Ohr hängen bleibt wenn man es gehört hat. Das ist sehr wichtig für uns.“

Die musikalische Symbiose der Band kommt laut Christoph sicherlich dadurch zustande, dass jedes Bandmitglied eigentlich aus einem anderen Metal-Genre kommt.

„Ich selbst höre von Savatage bis In Flames recht viel Verschiedenes. Auch Marios Spektrum ist allumfassend, wenn er auch im Moment sehr zum Metalcore neigt. Bastian hört sehr viel Differierendes, auch an altem Progressive-Krempel. Unser Keyboarder Benjamin bevorzugt die Fraktion Nightwish und Stratovarius. Und Jens ist dunklem Gebretter verfallen. So schmeißt jeder sein Gewürz in die Suppe und es entsteht eine `Minestrone á la Mindcrime`.“

Primäres Ziel des Quintetts ist es auf der Bühne Betrieb zu machen und das Publikum einzubeziehen. „Klar überlegt man ständig wie man die Show verbessern kann und kommt da auch an Effekten nicht vorbei. In Zukunft werden wir bestimmt häufiger mit welchen arbeiten wollen. Welche das genau sind werden wir sehen.“

Mit meiner Frage nach der Bedeutung des Bandnamens hat mein Gesprächspartner nicht gerechnet. „Ich grüße an dieser Stelle Geoff Tate der netterweise ein Album nach uns benannt hat. Eigentlich gefiel uns dieses Wortspiel damals so gut, das wir gar nicht anders konnten als uns nach diesem genialen Album zu benennen. Wir möchten allerdings nicht dieselbe Musik wie Queensrÿche machen. Es ist nur dieses Wort das uns verbindet. Der Bandname bedeutet soviel wie: Ich wünschte ich könnte jetzt dieses und jenes tun, obwohl es verboten ist, wie zum Beispiel ein Schaufenster einschmeißen. Wen hat es noch nie in den Fingern gekitzelt etwas zu zerstören? Wir unterdrücken diese Gefühle und lassen Sie beim Musizieren raus.“

Zukunftspläne? „Rocken bis die Saiten rosten. Schreien bis die Kehle brennt. Was auch immer. Wir denken Schritt für Schritt und schauen jetzt erstmal auf die Nahe Zukunft mit dem Etappenzielen: Viele Live-Gigs sowie eventuell eine Tour, gute Reviews und das nächste Album.“

© Markus Eck, 22.01.2005

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