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Interview: MELECHESH
Titel: Kompositorischer Absolutismus

Bandboss, Sänger und Gitarrist Ashmedi samt seine Furiosen haben das scheinbar Unmögliche mal wieder möglich gemacht: Sich keinesfalls zu wiederholen und dennoch unbändig wild, frisch und frei zu erklingen.

Erleben darf man das Spektakuläre als verschworen zugeneigte Black Thrash Metal-Seele auf dem neuen Superalbum „Enki“.

Dass derlei mesopotamisch getränkter, ansteckend quirliger Riff-Okkultismus nicht ohne fatal bleibende Vitalisierung von Geist und Gliedern an einem vorbeigeht, sollte im Vorfeld bitte tunlichst bekannt sein. Seit dem 2010er Album „The Epigenesis“ absolvierte diese einst morgenländische Gesandtschaft ganze acht Touren, so Ashmedi mit angestrengter Miene. 


„Das verschlang eine Unmenge an wertvoller Zeit. Da ich ja neben meinen ganzen Managementaktivitäten beinahe auch alles für Melechesh im Alleingang komponiere, musste ich mir die Momente dafür nach dem letzten Longplayer stets aufs Neue regelrecht freischaufeln. Zum Glück klappt innerhalb der Band alles ganz gut, was meinem Engagement für uns immer wieder sehr förderlich ist.“

Als die Vorproduktion im Sommer 2013 startete, gestaltete sich ein stabiles Line-Up noch eher schwierig, wie der Frontmann des mittlerweile in den Niederlanden residierenden Sumerian Thrashing Black Metal-Quartetts resümiert.

„Nur der zweite Gitarrist Moloch blieb bei mir. Neu dabei sind nun Bassist Scorpios und Drummer Lord Curse“, so Ashmedi. Es war zunächst wirklich nicht leicht, eine funktionierende Besetzung hinzubekommen, wie er sich erinnert.

„Diverse Blender, Selbstdarsteller und Illusionisten scheiterten an ihren eigenen, ärgerlich überzogenen Ansprüchen. Wer bei uns mitmacht, der muss sich mit viel Talent schon voll und ganz in den Dienst von Melechesh stellen, ohne Kompromisse, sonst wird man scheitern. Ich persönlich hasse diesen ganzen Line-Up-Mist sehr, denn ich will mich jederzeit 100 % als Composer verwirklichen können. Und dafür brauche ich einen absolut freien Kopf, um meine eigenen Vorstellungen vollständig zu entsprechen.“

Sehr viel lieber geht der von ausgeprägtem Selbstwertgefühl durchzogene Kahlköpfige mit hellwacher Rhetorik da schon zum eigentlichen Geist der allerneuesten Melechesh-Platte über.

„Eine sehr wütende und auch ziemlich leidvolle Scheibe, die jedoch voller Gerechtigkeit und Stolz steckt. ,Enki‘ sühnt auf erhabene Art, ohne aber dumpf rachsüchtig zu sein. ,Enki‘ tadelt, ohne dabei selbst mit Vorwürfen berührbar zu sein.“

Und seine taufrischen Kompositionen legen es voll und ganz auf Diversität an, wie der ewige Dunkelmeister noch angeregt zu ergänzen weiß.

„Wir hatten für ,Enki‘ die ganze Zeit über ohnehin eindeutig ein enorm facettenreiches Resultat im Sinn.“

Eben ganz und gar so, wie zeitlose Liedersammlungen in Albumform aus dem gehobenen Bereich der harten Musik eben wirklich sein sollten, so Beschwörungsvokalist und Griffbrettvirtuose Ashmedi.

„Auch auf lyrischem Terrain geht es auf unserer neuen Langspielveröffentlichung betont anspruchsvoll, bewusst erlesen und wie zuvor erwähnt eben auch aufrecht stolz zu. Exakt dafür sind wir eben Melechesh. Einfach beziehungsweise einfach zu erfassen ist das Ganze jedenfalls am Ende wirklich nicht geworden, das steht zweifellos fest!“

© Markus Eck, 17.01.2015

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