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Interview: MELECHESH
Titel: Aufwühlender Spiritualismus

Seit so einigen Jahren schon sorgen sie mit ihrem ganz speziellen Sumerian Thrashing Black Metal für Furore bei den Jüngern brutalpräziser Okkultklänge.

Und Melechesh, hebräisch für „König des Feuers“, verfeinerten ihre wirkungsvolle magischmusikalische Dunkelrezeptur mit jedem Album immer noch mehr.

Nun drängt das fünfte Langspielspektakel energisch darauf, endlich von der dicken Kette gelassen zu werden: „The Epigenesis“. Auch darauf zelebriert die einst im israelischen Jerusalem gegründete Gewitterformation tosende Gitarrenorkane der furiosesten Sorte, und das auch noch dynamischer und variantenreicher als je zuvor!

Die elf neuen Song-Kugelblitze dieses granitharten Donnerdiskus mit dem reizvollen assyrischen Klangambiente wurden im neu gebauten, technisch erstklassigen Babajim Studio in Istanbul aufgenommen, von Reuben de Lautour gemischt und von Pieter Snapper gemastert.

Und, wie mir Bandseele, Gründer und Gitarrenguru Ashmedi voller Enthusiasmus zu berichten weiß, diente die geschichtsträchtige orientalische Umgebung ihm und seiner Gruppe zudem auch als optimale Inspirationsquelle während des dortigen Aufenthaltes.

„Es war sehr anstrengend diesmal, das Ganze zu vollenden, das muss ich schon sagen. Wir nahmen eigentlich ja schon den ganzen April und den ganzen Mai auf; anschließend flogen wir zurück nach Holland, um mit der Band für einen anstehenden wichtigen Live-Auftritt in den USA zu proben und danach ging es wieder zurück in die Türkei ins Studio.“

Doch alle diesbezüglich aufzuwendenden Schweißtropfen und Mühen waren es dem leidenschaftlichen Philosoph, Hobbyhistoriker und Saitenmeister Ashmedi letztlich doch vollauf wert, wie er stolz verkündet.

„Beinahe jede Band aus dem Metal-Bereich nimmt ihre Veröffentlichungen doch im Westen auf, was letztlich zwar einen gewissen hohen klanglichen Standard ermöglicht. Doch am Ende klingt das Meiste dann doch ziemlich gleich. Daher wollten wir unser aktuelles Album eben unbedingt nicht in westlichen Gefilden produzieren lassen!“

Denn, so der Frontmann mit dem blitzend kahlgeschorenen Haupt und dem großen Selbstwertgefühl, Melechesh sind schließlich Melechesh:

„We practise what we preach!“, entfährt es ihm mittels zackigem Tonfall, und der erzählfreudige Kerl fügt sogleich noch an: „Unsere Musik ist eine Mischung aus östlichen und westlichen Kulturen. Und gerade Istanbul war für viele Jahrhunderte eine sinnbildliche Brücke des Ostens in den Westen und umgekehrt. Zudem existiert hier auch seit so einigen Dekaden eine gut ausgeprägte Szene für Rockmusik. Zwischen den Aufnahmen der Songs tauchten wir immer wieder ein in den uralten Geist dieser wunderbaren Stadt, was uns sehr gute Stimmungen und Impulse verleihen konnte.“

Gegenüber seiner Wahlheimat Holland würde mein Gesprächspartner aber auch sonst jederzeit Istanbul den Vorzug geben, wie in Erfahrung zu bringen ist.

„Mann, diese Stadt rockt einfach! Es gibt hier rund 30 Rock-Bars und bestimmt mindestens vier Heavy Metal-Clubs. Es geht 24 Stunden pro Tag so richtig ab hier. Unter den Millionen Menschen in der Stadt gibt es Abertausende von Headbangern sowie unzählige entsprechende Platten- und Merchandise-Shops wie wir gesehen haben; nur noch fantastisch, ich liebe das! So ist Istanbul von der einen Seite her sehr historisch und spirituell, von der anderen Seite her aber auch sehr lebendig und rebellisch.“

Guter Stichpunkt, um zur Bedeutung des neuen Albumtitels überzugehen.

Ashmedi konkretisiert hierzu mit scharf gesprochenen Worten:

„Die so genannte `Epigenesi` gilt als die Spitze beziehungsweise der absolute Höhepunkt spiritueller Erleuchtung. Daher entschlossen wir uns, das neue Melechesh-Album genau so zu benennen.“

Da sich der weitere Dialog um die negativen Auswirkungen des weltweit leider tendenziell ansteigenden Verlustes spiritueller Wahrnehmungsmöglichkeiten drehte, preschte der Gitarrist und Sänger plötzlich mit rigider Stimme vor:

„Ganz genau deswegen habe ich einen ganz speziellen Song dazu geschrieben: `The Magickan And The Drones`. Viele Menschen der Moderne sind wie Drohnen, wie Zombies, und die vielfältig fähigen Magier des heutigen Zeitgeschehens weisen ihnen allesamt den zugedachten Weg. Der überwiegende Teil der heutigen Menschheit rennt wie hypnotisiert durchs Dasein, die Gehirne wurden schlafen geschickt. Genau darum geht es in meinem Text des betreffenden Songs: Er ist wie eine Botschaft an die heutige kranke Zeit, wie eine Botschaft aus der uralten Vergangenheit.“

Der an Ashmedi im Weiteren herangetragenen Bitte des Autors, bei dieser Gelegenheit doch mal einen prophetischen Blick in die nähere Zukunft zu wagen, genauer gesagt, eine Dekade voraus, wird prompt stattgegeben.

„Ich denke, in zehn Jahren wird alles noch schlimmer sein, als es derzeit ist. Die allerwenigsten Menschen auf diesem Planeten werden sich durch spirituelle Erleuchtung aus dem gefährlich bösen Kreis der massenmedialen Manipulatoren herauslösen können. Denn es dauert schon einige Zeit, bis man als Mitglied der gegenwärtigen Gesellschaften durch intensives gedankliches Studium dahinter kommt, wer einem welche Lügen als Wahrheiten auftischt und wer einem welche Beeinflussungen als `Wohltaten` andreht etc.“

© Markus Eck, 28.07.2010

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