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Interview: LOREENA MCKENNITT
Titel: Anhaltend positiv gestimmt

Während die mächtige Musikindustrie auf globaler Ebene tendenziell immer mehr dazu übergeht, der Jugend in immer kürzeren Abständen neue stilistische Trends und damit verbundene „Fashion“- und „Style“-Moden aufzuzwängen, gehören ehrlich und eigenständig agierende Künstlergeister zum Glück noch nicht der Vergangenheit an. Als Paradebeispiel für diesen Umstand gilt zweifellos die kanadische Wunderstimme Loreena McKennitt, welche sich als Mystic Folk-Multitalent selbst sehr erfolgreich managt und ihre famosen Lieder zusätzlich auch noch übers eigene Plattenlabel gekonnt vertreibt.

Kürzlich beglückte sie ihre zahllosen Anhänger bekanntlich mit der neuen Albumveröffentlichung „The Wind That Shakes The Barley“, welche eine Rückkehr zu den musikalischen Ursprüngen ihres Schaffens offenbart.

„Ich bin gemeinhin gut bekannt dafür, das Leben so zu nehmen wie es kommt. Das erspart mir viel Ärger und Schmerzen. Herausforderungen und auch Veränderungen ergeben sich im Zuge dessen bei mir eigentlich ganz automatisch. So ist es für mich nicht ganz einfach, bestimmte Jahre als `gut` oder `nicht so gut` oder gar `schlecht` herauszustellen. Blicke ich nun auf 2010 zurück, so geriet dieses Jahr für mich gleichfalls herausfordernd als auch bereichernd“, berichtet mir die anhaltend populäre Vokalistin und Komponistin, die gleich auch noch höflich betont, private Belange in Interviews stets außen vor lassen zu wollen.

„Die allergrößte Herausforderung für mich im vergangenen Jahr war die nicht selten hitzige Debatte um die Kopierschutzrechte, die auch hier in Kanada sehr heftig ausgefochten wurde beziehungsweise wird. Meine persönliche Karriere und mein geschäftliches Wirken habe ich ja seit 1985 kontinuierlich ausgebaut, begleitet von fast allen Höhen und Tiefen, und ich kann mittlerweile auf ein Vierteljahrhundert Erfahrungen in vielen damit verzahnten Bereichen zurückblicken. Und darüber bin auch sehr froh, denn in Zeiten wie diesen ein idealistisch gesinnter Künstler zu bleiben, ist sehr schwer geworden, weswegen nicht wenige auch nicht zuletzt an sich selbst scheitern. Immer mehr wird Musik in digitaler Form ja über das Internet verkauft, während körperliche Tonträger dabei leider das Nachsehen haben. Eine Entwicklung, gegen die man sich nicht stellen kann beziehungsweise sollte, will man auch weiterhin erfolgreich Musik machen und verkaufen. Alles in allem habe ich aber, so denke ich zumindest im Moment, die richtigen Schritte unternommen, um als Künstlerin auch in Zukunft inspiriert kreativ bleiben zu können sowie mit meinem Label gleichfalls zeitgemäß, wirtschaftlich und auch gleichzeitig vorausschauend auf dem Markt existieren zu können. Ich blicke also auch weiterhin sehr optimistisch in die Zukunft.“ [lacht herzlich]

Anschließend nach ihrer schönsten Erinnerung zu 2010 überhaupt befragt, konstatiert die sich erneut außerordentlich liebenswert Gebende nach kurzer überlegter Redepause:

„Ich hatte so einige wunderbare und glückselig machende Momente. Aber das Größte war es doch für mich, mit all meinen Stammmusikern und den Gastmusikern die Aufnahmen zum neuen Album zu machen. Irgendwie zogen sich zwar die ganzen Vorbereitungen für besagte Aufnahmen unerwartet lange hin, aber letztlich ging dann doch alles Schlag auf Schlag. Es galt ja, die geeigneten Leute überhaupt verpflichten zu können und allesamt nachfolgend terminlich für einen gewissen Zeitraum auch noch zusammen zu bekommen, was mitunter sehr spannend war. Und die Spontaneität, mit welcher der Aufnahmezeitpunkt festgelegt wurde, übertrug sich auch auf uns: Selten sprudelten in mich und aus mir so viele Ideen, Eingebungen und Eindrücke.“

Erwartungsgemäß konnte und wollte Loreena mir laut eigener Aussage nichts zu negativen Erlebnissen oder Empfindungen zu Protokoll geben, welche sie in 2010 zu durchleben hatte. Sie offenbart zu diesem Kontext lediglich:

„Ich bemühe mich wirklich nach Kräften immer sehr, ein positiv denkender und empfindender Mensch zu sein, weswegen ich unschöne oder gar schlimme Dinge, so gut es mir möglich ist, nicht mit mir herumzutrage. Natürlich bin auch ich letztlich ein Teil des Lebens sowie der Musikszene oder heutigen gesellschaftlichen Umständen und selbstverständlich widerfahren auch mir immer mal wieder ärgerlich bis verdrießlich oder gar missmutig bis traurig stimmende Gegebenheiten. Doch all denen gilt es mit Vernunft und Reife zu begegnen, um davon nicht bestimmt zu werden, was beileibe nicht immer leicht ist.“

So sollte es uns auch abschließend um etwas Erfreuliches gehen. Die Sängerin lobt die kanadische David Suzuki-Stiftung, welche in ihrer Heimat in Sachen Umweltschutz sehr engagiert immer wieder viel Gutes tut:

„Sie arbeiten mit der Regierung und Industrie sehr eng und überaus umfangreich zusammen und wissen zum Glück darüber hinaus noch eine Menge anderer Leute mehr auf ihrer Seite. Solche Aktivisten sind für die Umwelt sehr wichtig geworden, und es freut mich sehr, es erleben zu dürfen, wie erfolgreich solche Stiftungen durch überlegtes und organisiertes Handeln sein können. Das gibt uns Menschen allen eine Menge guter Hoffnung für kommende Zeiten auf diesem Planeten.“

© Markus Eck, 07.01.2011

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