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Interview: KORPIKLAANI
Titel: Voller Variantenreichtum

,Was lange währt, wird endlich gut‘, sagt der Volksmund schon seit ewigen Zeiten. In diesem Falle muss ,endlich gut‘ jedoch eindeutig in ,immer besser‘ umbenannt werden.

Denn die finnischen Fidelen um Sänger und Gitarrist Jonne Järvelä, bereits seit 2003 unter dem Namen Korpiklaani höchst aktiv, veröffentlichen seit diesem Zeitpunkt Album um Album – und lassen dabei nicht im Geringsten nach, innigliche musikalische Freude zu zeigen und zu geben. Der manisch beschwingte Folk Metal der sympathisch beständigen Spielmann-Metaller profitiert von solcherlei ehrlichen Ambitionen in künstlerisch hohem Maße.

Aktuell erfreuen sie ihre zahlreichen Hörer mit dem neuen und bereits fünften Langspielfest „Korven Kuningas“, einer weiteren überaus spritzigen Abfeier-Scheibe der hocheingängigen Sorte. Übersetzt bedeutet der neue Plattentitel „König der Wälder“, und, wie Bassist Jarkko in allerbester Erzähl-Laune zu entlocken ist, ist er mit dieser Veröffentlichung so zufrieden und im Reinen wie es schon lange nicht mehr der Fall war.

Und dieses gute Gefühl lässt sich der backenbärtige Tieftöner auch nicht von den ihm nun bevorstehenden Promotion-Aufgaben schmälern:

„Der von uns vollzogene Wechsel zum einem Major-Label trägt schon jetzt die erhofften Früchte – während wir also früher zur Veröffentlichung eines neuen Korpiklaani-Albums ein Maximum von 14 Telefoninterviews zu absolvieren hatten, stehen uns jetzt circa 100 [!] davon bevor. Das ist eine riesige Veränderung im positiven Sinne für uns. Aber auch sonst ist die Arbeitsweise unserer neuen Vertragsfirma in vielen Bereichen gänzlich anders, als wir das bisher gewohnt waren – was auch die für uns positiv zu erlebende Anhebung der persönlichen Komponenten mit einschließt. Auf jeden Fall erfahren und lernen wir viel Interessantes, was nur gut für die Belange unserer Band sein kann“, so Jarkko mit entspannter und besonnener Stimme, wohlgemut in die Zukunft blickend.

Riskiert man einen ausgiebigen und eingehenden Blick auf das neue Cover-Artwork des taufrischen Korpiklaani-Silberlings, fallen einem bereits vertraute graphische Zutaten auf: Anmutige Naturschönheit, dargestellt in prächtig leuchtenden Kolorierungen sowie der wiederholt vertretene alte (Schamanen)Mann mit dem Rentiergeweih auf dem Haupt. Jarkko erläutert zu diesem Thema:

„Ja, der gute Alte ist mittlerweile zu einer Art `Maskottchen` von Korpiklaani geworden. Diesmal ist er in Ausübung einer uralten finnischen Holzfäller-Tradition zu sehen: Dem aufrecht stehenden und nicht ungefährlichen Herunterfahren eines Stromes flussabwärts auf einem frisch gefällten Baumstamm zum Bestimmungsplatz der Lagerung oder Verarbeitung. Wir sehen darin einen weiteren romantischen Tribut an die guten alten Zeiten, als dies für die Menschen noch gang und gäbe war. Man benötigt dafür wirklich ein absolutes Höchstmaß an Körperbeherrschung und Geschicklichkeit, wofür dem Fahrenden ein langer Stock zum Halten der Balance dient. Auch einige neue Lieder auf `Korven Kuningas` zollen solcherlei unserer Sehnsüchte nach längst vergangenen Zeiten wieder angemessenen Tribut.“

Lyrisch ist also im Großen und Ganzen glücklicher Weise alles beim Alten geblieben im kreativen Lager der beliebten Finnen, was sich auf musikalischer Ebene gegenüber dem eher schwachen Vorgängeralbum „Tervaskanto“ jedoch nicht sagen lässt.

Jarkko stimmt dabei erfreut zu:

„Exakt! Auch ich bin nicht müde geworden, den anderen in der Band das immer wieder zu sagen, und auch in Interviews habe ich mich damit nicht gerade zurückgehalten – diese Scheibe war auf kompositorischem Sektor insgesamt viel zu gleichförmig ausgefallen, und zu wenige wirklich gute Ideen wurden viel zu lange ausgedehnt. So was führt doch ganz automatisch zu eher langatmigen Passagen, welche mit viel zu wenig Wiedererkennungswert behaftet sind. Auch in Sachen Spielgeschwindigkeit bewegt sich `Tervaskanto` vom Anfang bis zum Ende in beinahe einem einzigen gleichförmig schnellen Tempo, auch das hat mir nicht geschmeckt. Letztlich war aber die Mehrheit der Band dafür, was also sollte ich denn machen?“

Was sie dazu nun schreiben sollten, wussten offenbar auch viele der oberflächlichen Nachwuchs-Rezensenten nicht, denn ich las zu „Tervaskanto“ bisher wirklich nicht wenig vom „bisher besten Korpiklaani-Album überhaupt“. Die ,Fachpresse‘ also mal wieder in aller gewohnten Professionalität.

Umso glücklicher ist der urige Bassist nun also verständlicher Weise darüber, dass solcherlei Makel auf „Korven Kuningas“ der Vergangenheit angehören, wie er bekundet:

„Die neuen Nummern dagegen gehen allesamt sehr schnell ins Ohr, und sind dazu voll von traditionell angelegten Melodiken – eben ganz genau so, wie es sich für Korpiklaani auch gehört, das sind wir unseren Anhängern doch schuldig! Auch im relevanten Bereich Variantenreichtum gibt es da aktuell eigentlich nichts mehr zu bemäkeln, denn keine Komposition auf dem Album beziehungsweise kein Rhythmusmuster gleicht dem anderen, ständig passiert etwas Neues, etwas Spannendes.“

Wie Jarkko abschließend noch zu berichten weiß, rissen sich Vokalist und Saitenmann Jonne sowie Akkordeonspieler Juho beim Songwriting für „Korven Kuningas“ mächtig am Riemen.

„Die beiden mussten irgendwann zugeben, dass der Albumvorgänger eben nicht das Gelbe vom Ei war, was ihnen dann aber umso größeren und umso konstruktiveren Eifer für die neuen Lieder abringen konnte. Resümierend muss ich noch eindeutig sagen, dass das neue Korpiklaani-Werk wohl nicht so gut und abwechslungsreich geworden wäre, wenn `Tervaskanto` nicht so derart, na, sagen wir mal `zu wenig überlegt`, gewesen wäre.“

© Markus Eck, 01.03.2008

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