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Interview: KORPIKLAANI
Titel: So natürlich wie möglich

Mit ihrem zweiten Albumepos „Voice Of Wilderness” stampfen diese erzfinnischen Naturburschen nach dem erfolgreichen Debüt „Spirit Of The Forest“ einen weiteren Folk Metal-Meilenstein in die Erde ihrer Heimat.

Erneut ließ das bärbeißige Sextett seinem sprudelnden Ideenreichtum dafür freien Lauf und paarte unzählige kreative Geistesblitze mit traditionellen finnischen Melodiken. Enorm beschwingt, aber völlig unbekümmert lässt die Band ihr neues Liedgut samt so einigen blitzschnellen Fidel-Attacken los.

Spielkulturell scheinen sich Korpiklaani gar noch einen Tick gesteigert zu haben, wie ihre aktuellen quirligen Kompositionen binnen jeweilig weniger Sekunden geneigten Hörern offenbaren. Somit steht ein erneuter Dialog mit Schamanenbarde und Gitarrist Jonne Järvelä auf dem Plan.

„Die Folk Metal-Szene bei uns wird immer besser und stärker. Und es ist schön, mit Korpiklaani und Bands wie Moonsorrow, Turisas, Ensiferum und Finntroll ein gewichtiger Teil davon zu sein. Doch bei jeder der genannten Truppen steht wie bei uns absolute musikalische Eigenständigkeit auf dem Plan, keiner kopiert den anderen. Finntroll und Moonsorrow verwenden beispielsweise eine Menge Sytheziser und Keyboards, während Ensiferum auf starke Gitarrenlinien bauen. Unser Weg ist es hingegen, viele reale und originale Akustik Folk-Instrumente für unseren Sound zu nehmen“, weiß er zu berichten.

Wie Jonne nachfolgend ausführt, wurde das neue Korpiklaani-Werk im finnischen Tamere in den Fantom Studios zusammen mit Reglerdreher Samu Oittinen produziert:

„Samu hat auch Alben für Diablo produziert, diese Band dürften einige Leute besser kennen als seinen Namen. Wir starteten die Studioarbeiten im August 2004, und wir hatten ein wenig mehr als einen Monat an Zeit zur Verfügung. Alles lief diesmal wie am Schnürchen und so kamen wir wirklich sehr gut voran. Schnell registrierten wir, dass all die Empfehlungen für dieses Studio nicht von ungefähr kamen. So gestaltete sich das Arbeiten relativ angenehm und die ganze Band hatte großen Spaß dort. Denn niemand dort benötigte irgendwelche unserer neuen Songs vorab in Rohversionen. So hieß es vor den Aufnahmen allzu oft: `Schließt eure Augen und lasst euren Emotionen völlig freien Lauf!` Einige Songs nahmen wir gar auf traditionellem Wege live auf, als geschlossene Band, was wir wunderbar fanden.“

Wie „Voice Of Wilderness” auch eröffnet, vollzogen die sechs Finnen die eine oder andere kleine musikalische Veränderung in ihren aktuellen Tracks. „Ich stimme zu, wir sind auf dem neuen Album heavier denn je zuvor. Und nicht nur das. Auch die schnellen Songs sind schneller als unsere älteren. Ebenso brachten wir viel mehr Folk-Parts ein, als dies noch auf `Spirit Of The Forest` ohnehin schon der Fall war. Vielleicht liegen all diese Neuerungen nicht zuletzt daran, dass wir nach der Veröffentlichung des Debüts eine ganze Latte an Gigs bestritten, bei denen wir genau mitbekommen haben, welche unserer Songs am besten beim jeweiligen Publikum ankamen. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass sich die zuvor genannten spezifischen Merkmale bei mir als Hauptkomponisten für Korpiklaani immer noch weiter ausprägen werden.“

Für meinen Gesprächspartner ist die Musik, die er mit Korpiklaani macht, daher so voll von Folk-Elementen, wie Metal nur sein kann:

„Ich denke niemals an irgendwelche stilistischen Direktiven während ich die Songs für Korpiklaani schreibe. Ich lasse die Lieder kommen wie sie mir eben in den Sinn kommen. Auch vermeide ich es stets tunlichst, zuviel an den Kompositionen herumzufeilen. Die Stücke sollen schließlich so natürlich wie nur irgend möglich bleiben. Die einzige wirkliche Vorgabe, die ich mir als Künstler und Komponist selbst mache, ist die, mich immer tief in die Wälder Finnlands dabei hineinzudenken. Denn ich bin was ich bin: Ein Landjunge von Kopf bis Fuß.“

So erklärt er auch die Bedeutung des Albumtitels: „Er steht für die tiefste Wahrheit hinter Korpiklaani. Wir sind die Stimme der Wildnis.“

Und laut Aussage von Jonne wurden fast alle Hymnen für die neue Scheibe direkt im Anschluss an die Veröffentlichung des Debüts kreiert.

„Der Song `Beer Beer` hingegen ist bereits recht alt. Der wurde früher bereits als `Vuola Lavlla On` auf dem `Shamániac`-Album veröffentlicht, als wir uns als Band noch Shaman nannten. Ich wollte ihn jedoch mit unserem Violinisten und Flötisten Hittavainen erneut aufnehmen, um dazu noch seine estische Sackpfeife sowie seine Mundharmonika einzubringen. Ebenso schon ein wenig älter ist auch der Song `Spirit Of The Forest`. Dieser hätte eigentlich der Titelsong auf unserem vorherigen Album sein sollen. Ich war früher aber nicht ganz so glücklich mit seinen Arrangements, doch ich blieb am Ball und nach der entscheidenden Idee dafür fiel der Entschluss, das Lied auf das neue Album zu packen.“

Die mitunter raue Schönheit der finnischen Natur, das dortige reichhaltige Waldleben sowie das ganze Drumherum dienen der sympathischen Blockhüttenhorde laut Jonne´s Bekunden als prägender lyrischer Einfluss. Der bekennend leidenschaftliche Biertrinker schließt in diesem Kontext ab:

„Wir sind alle auf dem Land, nahe der großen Wälder und Forste aufgewachsen, sodass auch alle unsere Texte sich ausschließlich darüber drehen. Trotzdem fiel es mir in der Vergangenheit eigentlich relativ schwer, diese ganz speziellen Lyriken für Korpiklaani auszuarbeiten. Für das nächste Album haben die anderen in der Band jedoch zugesichert, mir dabei ein wenig zur Feder zu gehen, was mich sehr freut.“

© Markus Eck, 02.02.2005

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