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Interview: INGRIMM
Titel: Kräftig schlagende Metal-Herzen

Mit ihrem letzten Album „Böses Blut“ konnten Ingrimm in höchste Qualitätsregionen des Genres vordringen.

Die fünf bekanntlich sehr beflissenen Mittelaltermetaller bewerkstelligten darauf eine perfekte musikantische Symbiose aus historisch anmutendem Ambiente und herrlich fetzigen Metal-Energien.

Und offenbar war das Publikum der diese Veröffentlichung flankierenden Konzertreise dermaßen angetan vom Liedgut dieser Donauritter, dass für das Regensburger Donnerschergen-Quintett um Vokalist Stephan alias Fenris kein Weg an der Veröffentlichung einer Live-DVD vorbei führte.

„Die Idee zu einer Live-DVD war schon seit längerer Zeit im Gespräch, doch die Umsetzung war eher eine spontane Aktion, da wir von unserem Plattenlabel eigentlich erst kurz vor dem Konzert erfuhren, dass ein Kamerateam vor Ort sein würde um den Gig aufzuzeichnen. Somit ist das, was auf der Scheibe zu hören und zu sehen sein wird, Ingrimm ‚live on stage’ mit sämtlichen kleinen technischen Problemen, die während eines Live-Gigs jederzeit auftreten können“, weiß Meister Fenris, von Ehrlichkeit durchzogen, aus dem Bandcamp zu berichten.

„Leider hatten wir keinen Einfluss auf die Auswahl des Materials, das auf der DVD veröffentlicht werden wird. Auch hatten wir keine Möglichkeit, das Bildmaterial vorher zu sichten oder die Tonspuren zu bearbeiten, so dass wir uns selbst überraschen lassen müssen, was unser Label da zusammengestellt hat.“

Kennt diese Band denn mittlerweile überhaupt noch so etwas wie Lampenfieber? Fenris freut sich sichtlich:

„Da wir nun schon einige Jahre auf den Bühnen unterwegs sind, wurde das anfängliche Lampenfieber vor jedem Auftritt mehr und mehr durch eine Vorfreude auf den Gig ersetzt. Ganz verlassen hat es uns dennoch nicht und bei ganz besonderen Auftritten oder wenn neue Songs zum ersten Mal gespielt werden, begleitet uns nach wie vor das typische Kribbeln im Bauch. Ein weiterer Grund hierfür sind unsere Fans, denn wir spulen nicht stoisch das ewig gleiche Programm ab, sondern arbeiten und interagieren mit unserem Publikum, woraus sich immer sehr spontane und witzige Situationen ergeben. Und der Spaß auf der Bühne ist das sprichwörtliche Brot des Künstlers, genau wie der Applaus.“

Befragt man den Frontmann nach den seiner Ansicht nach größten Stärken von Ingrimm auf der Bühne, entfährt ihm: „Zuallererst würde ich unsere nach wie vor ungebrochene Spielfreude aufzählen. Da wir von Anfang an bis heute mit dem gleichen Enthusiasmus hinter der Sache stehen, springt bei jedem Auftritt der Funke auf das Publikum über. Auf der Bühne fühlen wir uns wohl und haben eine diebische Freude daran, unsere Fans zum Schwitzen zu bringen und den Leuten immer wieder zu zeigen, was wir unter Metal verstehen.“

Er fährt dazu fort: „Wir stecken derzeit unsere gesamte Energie in die Entstehung unseres vierten Albums, so dass wir uns entschieden haben, dieses Jahr nur auf einigen ausgesuchten Festivals und eine Clubtour zu spielen. Eines der Highlights in diesem Jahr wird sicherlich das Feuertanz-Festival auf Burg Abenberg sein. Neben dem Sammeln und Ausarbeiten von neuem Material sind wir zurzeit ohnehin sehr stark mit der Suche nach einem neuen Label beschäftigt. Hierzu waren viele Gespräche zu führen, Papierkram zu erledigen und Entscheidungen zu treffen. Es stehen im privaten wie auch im beruflichen Sektor eines jeden Einzelnen bei uns Veränderungen an, was natürlich auf die Zeitplanung für Ingrimm Einfluss nimmt.“

Wie das erwähnte Album „Böses Blut“ offenbarte, hat sich bei der Gruppe dafür ein „neuer“, auffallend eingängiger Stil entwickelt. Fenris erläutert:

„Unser Stil ergab sich durch die diversen musikalischen Einflüsse, die jedes Bandmitglied einbrachte. Wir wussten von Anfang an, wie unsere Musik klingen sollte. Hart, rau aber ehrlich mit groovigen Rhythmen, eingängigen Melodien und der sprichwörtlichen ‚Schippe Dreck’ in der Produktion. Je länger wir zusammen musizieren, desto weiter verfeinern wir den uns eigenen Stil. Auf „Böses Blut“ haben wir uns auf unsere Wurzeln besonnen und viele Elemente aus dem Hardrock und dem typischen 80er Jahre- Heavy Metal mit einfließen lassen. Auf unserer kommenden vierten Scheibe werden wir dem Ganzen noch einen drauf setzen.“ 


Ingrimm selbst waren auf die Resonanzen zu ihrer dritten Albumscheibe sehr neugierig, so der Sänger im Anschluss, da auf „Böses Blut“ viele für die Band eigentlich bisher untypische Klänge zu vernehmen waren. Mehr: „So ist es bei jedem neuen Album immer wieder spannend, wie die Neuerungen und musikalischen Weiterentwicklungen von Fans und Presse aufgenommen werden. So freuten wir uns sehr über die positiven Reaktionen auf ‚Böses Blut’, was uns darin bestätigte auf unseren Bauch zu hören und musikalische Kreativität nicht zu sehr zur Kopfsache zu machen.“

Hört der Autor die Songs von „Böses Blut“ beziehungsweise deren Texte, fragt er sich, was dazu an symbolträchtiger Botschaft wohl genauer dahinter steckt. Aber ich denke, die Texte zielen schon eindeutig darauf ab, dass der Großteil der Menschheit damals wie heute von niederen (egoistischen) Trieben gesteuert wird etc., oder, Fenris? Die Antwort:

„Damit liegst Du gar nicht mal so falsch. [grinst] Der alte Sinnspruch ‚der Mensch ist des Menschen Wolf’ besitzt eine unsterbliche und fatale Gültigkeit, wie uns die Geschichte unzählige Male und stets aufs Neue beweist. Während auf ‚Böses Blut’ die Abgründe des menschlichen Geistes thematisiert wurden, werden auf dem neuen Album die zwielichtigen Gestalten, heute wie damals, behandelt werden. Unsere Fans erwartet diesmal ein farbenfrohes musikalisches Spektakel mit Geschichten aus der Halbwelt von Gauklern, Strolchen, Söldnern und Scharlatanen, die in der Gosse mit gewitzten Einfällen ihr Leben bestreiten.“

Die Erfahrungen und Entwicklungen der letzten Jahre sind nicht spurlos an Fenris vorüber gegangen, wie dieser den Lesern noch anvertraut:

„Ich habe an meiner Gesangstechnik gearbeitet und mir viel neues Wissen angeeignet, da ich die Finger ohnehin von keinem Musikinstrument lassen kann. Auch auf technischer Ebene wurden von meiner Seite aus einige Anschaffungen getätigt, die mir das Leben auf der Bühne mit den verschiedensten hauseigenen Systemen vor Ort künftig erleichtern sollen. Abgesehen davon ist mein Kopf immer noch voll von neuen Ideen, die, fleißig auf Papier gebannt, darauf warten vertont zu werden.“

Eigentlich ist der Trupp mit „Böses Blut“ deutlich genreübergreifend am Wirken. Bekommen die Regensburger Mittelaltermetaller beispielsweise schon Zuschriften von Heavy- und Power Metal-Fans, die sich nun für Ingrimm-Songs erwärmen können? Wir erfahren:

„Es kommt sehr oft vor, dass wir im Internet und nach Auftritten von Leuten angesprochen werden, die ja eigentlich mit der Mischung aus Mittelalter und Metal bisher nichts anfangen konnten, aber von unserer Musik auf Anhieb begeistert waren. Ich denke, die anfängliche Verknüpfung von mittelalterlichen Klängen und romantischer Gefühlsduselei, untermalt von Flöten und Fideln, hat die Gehörgänge der meisten Leute inzwischen übersättigt und ihnen Lust auf derbere Kost bereitet. Und diese haben wir mit Ingrimm auf der Tageskarte stehen“, gibt mir der Gesangsmann lachend zu Protokoll.

Überhaupt, was genau erwartet die Hörer künftig auf musikalischer Ebene bei Ingrimm? Geht es so toll weiter? „Davon darfst Du ausgehen! Was bisher für das vierte Ingrimm-Album an Liedgut steht, würde ich als gepflegt brachial bezeichnen. Sowohl auf musikalischer wie auch auf lyrischer Ebene beschreiten wir neue Pfade und brennen schon darauf, dieses Material live zu präsentieren. Zuviel möchten wir natürlich vorab nicht verraten, aber auch die instrumentelle Bandbreite wird mit dem vierten Opus abermals um ein Stück erweitert werden. Wir hoffen, unsere Fans brennen genau so sehr darauf es zu hören wie wir, es zu spielen! Denn: Wahrer Reichtum ist, wenn man mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann. Doch die beste Art, Träume wahr werden zu lassen ist aufzustehen und einfach zu beginnen.“

© Markus Eck, 26.02.2011

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