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Interview: IMPERIOUS
Titel: Aus tiefster Seele

Sehr viel Mühe mit der auf historischen Fakten basierenden Konzeption ihres Debütalbums haben sich diese bayerischen Epic Black Metal-Protagonisten gegeben.

So spiegelt das aktuelle Langspielwerk „Varus“ auf lyrischer Ebene allerlei Gegebenheiten und Erlebnisse der berühmten damaligen gleichnamigen Schlacht wider, welche sich laut Überlieferung in der zweiten Hälfte des Jahres Neun im dichten Teutoburger Wald zutrug. Dabei erlitten Machtgier und imperiale Arroganz des römischen Reiches bekanntlich einen sehr herben Dämpfer, als Arminius, der ebenso listige wie mutige Fürst der Cherusker, drei römischen Legionen samt Hilfstruppen und Tross unter Publius Quinctilius Varus in Germanien eine vernichtende Niederlage bereitete.

Und das Bayreuther Idealistenquartett Imperious achtete glücklicherweise sehr darauf, seinen Kompositionen eine ebenso kriegerische und aufrechte Anmut zu geben, wie sie dem heldenhaften und siegreichen Streiter Arminius zueigen war.

„Am besten lässt sich unsere Musik wohl mit der Bezeichnung "Epic Black Metal" beschreiben, obwohl ich nicht so auf Schubladen stehe. Natürlich gibt es immer musikalische Einflüsse, welche sich von den Bandmitgliedern auf die Musik übertragen, welche bei uns wohl hauptsächlich Black- und Doom Metal sind. Musikalisch wichtig ist uns vor allem die Gitarrenarbeit, denn wir wollen Atmosphäre erzeugen ohne Keyboards oder ähnliche Klänge. Mein Hauptziel war immer eine "Gitarrenwand" auf dem Album zu kreieren, welches wir meiner Meinung nach mit den Mitteln die uns zur Verfügung standen erreicht haben. Ebenso war uns ein "unmoderner" Sound wichtig. Die allseits beliebte "Nähmaschinen-Bassdrum", welche ja mittlerweile fast jede neue Produktion schmückt, ebenso wie seelenlose Hochglanzproduktionen sind uns gänzlich zuwider. Der Großteil der Band ist in den späten 1980ern und frühen 1990ern zum Metal gekommen, was wohl auch diesen klangtechnischen Geschmack erklären könnte. Ansonsten haben wir während des Arrangierens darauf geachtet, dass die Musik auch das lyrische Konzept unterstützt und die Handlung musikalisch widerspiegelt. Dabei ist es mir besonders wichtig, dass man die Vokalisierungen auch verstehen kann und sie dabei einen Erzählcharakter einnehmen“, weiß Sänger und Bassist Sertorius zu berichten.

Und Hintergrund für die Entscheidung, das Album „Varus“ im A5-DVD-Case zu veröffentlichen, war laut seiner Aussage, etwas entgegen des Standards machen zu wollen; etwas, dass nicht jeder macht.

Sertorius hat das Thema Varusschlacht ohnehin schon immer interessiert, wie er nachfolgend verlauten lässt.

„Insbesondere die historischen Fakten um Personen, Handlungen und Geschehnisse. Ich wollte das lyrische Konzept so nah wie möglich an diesen Fakten anlehnen, ohne Glorifizierungen oder Heldenverehrungen. Dazu orientierte ich mich zum einen an wissenschaftlichen Abhandlungen zum Thema Varusschlacht, welche sich näher mit den Protagonisten und den militärhistorischen Gründen der Niederlage Roms beschäftigten, zum anderen an den Büchern von Cassius Dio, welcher den Ablauf der Varusschlacht in zeitgenössischen Berichten schildert. Die Texte des Songs "The Battle Of The Teutoburg Forest" basieren fast ausschließlich auf den Schriften von Cassius Dio.“

Wir sprechen im Weiteren über den Bandnamen Imperious und dessen Bedeutung. „Wir wollten einen kurzen, präzisen und starken Bandnamen haben, welcher sowohl die Musik als auch die Lyrik repräsentiert. Imperious kann mit "gebieterisch" oder "befehlshabend" übersetzt werden, was gut zum historisch ausgelegten Konzept und zur episch monumentalen Musik der Band passt.“

Die Stücke des Debütalbums sind nach Ansicht des Autoren für eine relativ junge Band wie Imperious bereits sehr umfangreich und gehaltvoll ausgerichtet. Mein Gesprächspartner konstatiert:

„Jung ist eigentlich nur die Existenz von Imperious. Der Großteil der einzelnen Bandmitglieder bringt mehr als zehn Jahre Erfahrung aus verschiedenen Bands mit, was sich natürlich auch auf das Songwriting auswirkt. Jeder bringt seine Kreativität und Ideen ein und wir gehen dann zusammen darauf ein. Jeder Vorschlag wird gehört, ernst genommen und ausprobiert. Von uns will und muss sich niemand etwas beweisen, wir schreiben Musik von der Seele weg ohne irgendwelche Zwänge oder Richtlinien. Wir verfolgen keine Trends und wollen auch nicht in irgendwelchen kommerziellen Strömungen mitschwimmen. In erster Linie muss uns die Musik gefallen. Wenn sie dann auch anderen gefällt, freut uns dass natürlich umso mehr.“

Wie noch zu erfahren ist, haben Imperious ihre künstlerischen Ziele für den vorliegenden Debütteller hoch angesetzt, da das Konzept und das behandelte Thema laut Sertorius natürlich eine gewisse Qualität verdienen.

„Ich wollte ein komplexes Konzeptalbum schreiben, welches sich an oben genannten Vorlagen orientiert und diese größtenteils objektiv betrachtet. Auf keinen Fall sollte es zu pathetisch oder heroisch werden. Dass gefallene germanische Krieger von Walküren nach Walhall gebracht werden, haben vor uns schon genug Bands erklärt. Während des Abmischens hatten wir vor allem das Ziel, dass das Album "kopfhörer-tauglich" wird. Wir wollen, dass sich der Hörer bewusst mit dem Material auseinandersetzt und in die Geschichte eintaucht. Das geht unserer Meinung nach am besten mit dem Kopfhörer und einer guten Portion Zeit.“

Und sieht Sertorius persönlich diese Ziele nun aktuell mit dem neuen Album „Varus“ erfüllt? „Wir haben sehr viel Zeit und Herzblut in dieses Album investiert und ich kann hier mit Fug und Recht behaupten, dass wir mit den uns zur Verfügungen gestandenen Mitteln, das Beste herausgeholt haben. Natürlich gibt es auch Dinge, die wir das nächste Mal anders machen werden. Aber dazu sind diese Erfahrungen ja da.“

Als der Bassist Imperious gegründet hat, wie er mitteilt, hatte er das Album in seiner ursprünglichen Version bereits fertig: „Es musste quasi nur noch als Band eingeübt werden. Während den Proben haben die anderen jedoch auch Ideen und Verbesserungsvorschläge eingebracht, die in die Songs einflossen. Meine Mitmusiker konnten somit das Album zuerst als Hörer wahrnehmen und überlegen, was ihnen besser gefallen könnte. Letztendlich erhielt das Album im Proberaum dann von uns allen den letzten Feinschliff.“

Wir gehen zum Kompositionsprozess an sich über. Sertorius resümiert hierfür: „Ich habe mich damals hingesetzt und ein paar Ideen zuhause aufgenommen. Anfangs ist es in der Regel ein Riff, welches ich nach Kräften versuche auszuschmücken. An diesem hängt man dann den nächsten usw. Ich lasse Musik gerne geschehen und probiere viel aus. Wenn ich der Meinung bin, dass Riffs gut zusammenpassen, versuche ich diese zu kombinieren und zu variieren. Teilweise ist das komponieren bei mir wie ein Puzzle: Man hat anfangs viele Teile zur Auswahl, aber nur ganz bestimmte passen zusammen. Man probiert dies und das und am Ende hat man ein Ganzes. Dieses fertige Ganze nehme ich dann mit in den Proberaum, die anderen hören es sich an, wir gehen nochmals darüber und drehen, tauschen oder verzieren manche Teile bis jeder mit dem Ergebnis vollends zufrieden ist.“

Und Imperious harmonieren sehr gut zusammen, was das Komponieren angeht:

„Jeder bei uns in der Gruppe hat das gleiche Mitspracherecht. Ich liefere die Ideen, wir arbeiten zusammen daran und formen sie. So haben wir das von Anfang an getan, es war und ist für jeden einzelnen zufrieden stellend und effektiv.“ Die Aufnahmen für „Varus“ haben die vier Kerle in Eigenregie absolviert, so Sertorius. „Gemischt und gemastert wurden die Kompositionen von Roman Kazmerovsky von Noize_Foundation, einem kleinen aber feinen Studio in der Nähe von uns.“

Das Konzept und die Musik von Imperious soll Hörer ansprechen, die in unserer heutigen, schnelllebigen und reizüberfluteten Welt noch die Fähigkeit besitzen, sich mit Musik bewusst auseinandersetzen zu können, so der singende Tieftöner.

„Wir selbst gehören in der heutigen Welt ja auch dazu. Dem Ganzen liegt eine tiefgehende Leidenschaft zu Geschichte, Epik und Mythologie zugrunde, welche wir den Konsumenten möglichst detailgetreu näher bringen wollen. Einer bestimmten Subkultur oder Szene des Metal mit deren Erwartungshaltungen und Regeln über von Musik wollen wir uns allerdings nicht hingeben, dies ist nicht unser Ziel.“

Geschichte hat auf Sertorius schon immer eine große Faszination ausgeübt, wie dieser mich anschließend gerne wissen lässt. „Denn sie zeigt uns auf, welche Entwicklungen unsere Kultur und Gesellschaften hinter sich gebracht haben und warum der Mensch letztendlich so ist wie er heute ist. Die meisten der Menschen heutzutage kennen wichtige welthistorische Ereignisse aus allen Epochen. Mich interessieren aber vor allem die Umstände und Hintergründe, die Details und Zusammenhänge, die diese Ereignisse erst möglich gemacht haben. Ich finde es spannend, mich mit historischen Persönlichkeiten und ebenso mit epischen und mythischen Figuren beziehungsweise Charakteren näher auseinander zu setzen und mehr von ihnen zu erfahren als uns Schulgeschichtsbücher vermitteln können. Wenn man die menschlichen Beweggründe hinter der Geschichte erkennt, verliert diese plötzlich ihre Abstraktion und rückt etwas näher an uns selbst heran.“

Ich frage dazu ganz gezielt nach, was bekennend „moderne Menschen“ von den uralten Weisheiten beziehungsweise den naturreligiösen Werten der Vorväter und alten Philosophen auch noch heute lernen können. Sertorius bekundet:

„Werte an sich und das Bewusstwerden dieser. Wenn in unserer momentanen Gesellschaft von Werten gesprochen wird, dann sind doch größtenteils fadenscheinige Lippenbekenntnis ohne jegliche Überzeugung gemeint. Nur noch wenige werden sich ehrlich bewusst darüber, was ihnen selbst im innersten ihrer Seele wichtig ist und wie man als Individuum danach handeln und leben kann. Begriffe wie Respekt, Ehrgeiz oder Sozialkompetenz treten immer weiter in den Hintergrund. Ich denke, dass der eine oder andere Mensch wieder zu diesen Werten zurückfinden sollte. Wer erfahren will, welche Werte uns einmal wichtig waren, findet dies beispielsweise im Havamal der Edda beziehungsweise Codex Regio oder in antiker griechischer Prosa von Homer.“

So ist der Bassist laut eigener Aussage, wenn er die Zeit dazu findet, leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, was für ihn eine gewissermaßen reinigende Funktion vom Alltags-Stress hat.

„Und dies gerne auch mit Menschen, die diese Leidenschaft teilen. Im Weiteren ist Musik an sich natürlich auch eine meiner Leidenschaften. Gute Musik genieße ich gerne bewusst ohne mich von Handy, Telefon etc. ablenken zu lassen. Einfach Kopfhörer aufsetzen und entspannen.“

Was Live-Auftritte des historienfreudigen Vierers 2011 auf Bühnen vor Publikum anbelangt, so ist bis jetzt leider noch nichts bestätigt. Jedoch: „Was nicht heißen soll, dass wir Live-Auftritten abgeneigt sind. Wer uns gerne auch live kennen lernen will, kann uns natürlich jederzeit kontaktieren. Bis jetzt haben wir nur zwei Konzerte gegeben, deshalb gibt es da ohnehin nicht viel zu berichten. Wichtig ist uns, dass wir es schaffen, auch live die Stimmung der aktuellen CD wiederzugeben.“

Imperious haben daneben gerade mit der Arbeit an einem weiteren Studioalbum begonnen, welches Homers Odyssee zum Thema haben wird. „Wo dabei der musikalische und stilistische Fokus liegen wird, kann ich an dieser Stelle noch nicht sagen. Es soll auf jeden Fall wieder episch werden und eventuell wird die Musik das lyrische Konzept noch intensiver unterstützen als auf "Varus".“

Für den verbleibenden Rest des aktuellen Jahres erhofft sich Individualist Sertorius, dass Imperious mit ihrem aktuellen Album viele Leute erreichen. „Leute, welche die Zeit haben beziehungsweise sich die Zeit nehmen, sich mit der Geschichte, dem Konzept und der Musik auseinander setzen zu können. Und über Möglichkeiten, unsere Musik auch live zu präsentieren, werde ich mich natürlich auch sehr freuen.“

© Markus Eck, 28.06.2011

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