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Interview: IMPERIA
Titel: Dem Schicksal trotzend

Bereits in frühen Kindertagen sang sie oft heimlich für sich selbst vor dem Spiegel. Und auch heute noch lebt die optisch schnell auffallende Norwegerin Helena Iren Michaelsen bekennend in ihrer eigenen kleinen Fantasiewelt. Und genau darin fühlt sich die ehemalige Frontfrau und Sängerin der norwegischen Dark Metaller Trail Of Tears auch auf kreativer Ebene am wohlsten.

Nachdem sie sich im Jahr 2000 von der Tränentrinker-Truppe trennte, beschritt die vollbusige und stimmstarke Blondine Solopfade – was auch die Gründung ihres eigenen Theatraliker-Ensembles Imperia mit sich brachte.

2004 erschien das Debütalbum namens „The Ancient Dance Of Quetesh”. Dargeboten darauf wurde bombastischer und emotional-schicksalsschwangerer Epic Gothic Metal mit opulent ausarrangierten Orchestrierungen.

Erneut massiv von eigenen Schicksalsschlägen beeinflussen ließ sich Helena auch zu den Lyriken des aktuellen zweiten Studioalbums „Queen Of Light“, welches ebenso eindringlich geworden ist wie die zugrunde liegenden Tragiken der lebensstarken skandinavischen Vokalistin.

„Ich persönlich habe das neue Album speziell meiner kleinen Tochter Angel gewidmet, welcher ich im Herbst letzten Jahres 2006 das Leben schenkte. `Queen Of Light` steht mit dem Titel stellvertretend für das Wunder der Geburt. Einige ihrer Baby-Schreie habe ich für `Queen Of Light` aufgenommen, sie sind auf dem Album zu hören. Wer genau aufpasst, wird wissen, wo“, berichtet mir Helena.

Angels Vater hat sie mittlerweile verlassen, denn er hatte ein schlimmes Alkoholproblem, welches er nicht in den Griff zu kriegen scheint. „Es war eine harte Entscheidung für mich, das kann man mir glauben. Doch mir geht das Leben und Wohlergehen meiner Tochter und mir auf alle Fälle vor“, lässt die Dralle mit dem Sexbomben-Image in aller Ehrlichkeit verlauten.

Ja, von Grund auf ehrlich ist sie, die leidgeprüfte Sängerin. Eine rare Seltenheit in diesem knallharten Geschäft mit der harten Musik. Man kann es aber auch Reife oder Abgebrühtheit nennen, denn seit dem tragischen und viel zu frühen Tod ihrer Mutter vor nicht allzu langer Zeit kann die Frau so schnell nichts mehr erschüttern. Sie berichtet Berührendes:

„Meine liebe Mutter wurde im Alter von 48 von ihrem Lebensgefährten im Streit erschlagen. Ein verdammt übler Bursche, der schon so Einiges auf dem Kerbholz hat. Er bekam dafür zehn Jahre Gefängnisstrafe aufgebrummt. Mit guter Führung kommt er jedoch erwartungsgemäß bereits nach sieben Jahren wieder auf freien Fuß. Ein viel zu mildes Urteil, wie ich finde. Doch wenn der Kerl irgendwann aus dem Knast entlassen wird, wird er bestimmt keine gute Zeit haben. Denn meine Mutter hatte viele treue und enge Freunde hier. Und die werden diese grausame Untat ganz bestimmt nicht vergessen. Ganz im Gegenteil. Niemals vergessen werde hingegen auch ich auch den damaligen Anblick meiner toten Mutter, als ich sie identifizieren musste. Dennoch, ich habe sie in liebster Erinnerung behalten und das wird sich auch nie ändern.“ Erschütternd.

Umso erfreulicher ist es daher, dass die offensichtlich außergewöhnlich willensstarke Sängerin mit dem umfangreichen Stimmvolumen im angenehmen Interview-Gespräch ständig herzhaft lacht. Sie nennt den Grund:

„Meine Mama würde es doch lieben, mich ständig lachen zu sehen. Das bin ich ihr schuldig. Daher habe ich mich entschlossen, niemals den Kopf in den Sand zu stecken, wie schwer es auch für mich kommen mag. Schließlich habe ich auch große Verantwortung Angel gegenüber: Seitdem ich mein süßes Töchterchen an meiner Seite habe, hat das Leben für mich wieder einen richtigen Sinn. Sie ist ein richtiger kleiner Schatz. Angel gibt mir die nötige Kraft, um immer wieder nach oben zu kommen. Ich bin wirklich sehr dankbar dafür, sie bei mir zu haben. Immer, wenn sie lächelt, geht für mich die Sonne strahlend auf. Daneben liebe ich auch noch meinen Hund über alles, mit dem ich mich täglich auch sehr viel befasse. Ich wohne hier sowieso mitten im Wald, abgeschieden von der Stadt und ihrer Hektik. An einen Mann binden will ich mich jedenfalls so schnell nicht mehr, da habe ich fürs Erste die Schnauze voll.“

Nicht gerade der unvernünftigste Zukunftsplan in ihrer Lage, möchte man meinen.

Ihre Band rekrutierte Helena übergreifend aus mehreren Ländern; die anderen Mitglieder leben in Finnland, Schweden und anderen skandinavischen Landstrichen.

In Natura versammelt haben sich sämtliche aktuell an „Queen Of Light“ Beteiligten das erste Mal, als es an die Aufnahmen für das neue Werk ging. Die Sängerin erinnert sich:

„Geschrieben wurden die Stücke hauptsächlich von den Musikern, ich selbst habe eher wenige instrumentelle Ideen an den Start gebracht. Ich spiele zwar Gitarre, was mir beim Ausarbeiten meiner Gesangslinien hilft, aber ich beherrsche die Saiten eben nicht so gut. Nach und nach erarbeitet haben wir die Kompositionen via Email beziehungsweise mit gegenseitig immer wieder aufs Neue zugeschickten MP3-Dateien. Das hat eigentlich sehr gut geklappt. Mir selbst ist diese Arbeitsweise sogar am liebsten, dabei kann ich in aller Ruhe alleine an meinen Gesängen herum feilen.“

Und diese äußere wie innere Ruhe scheint Helena auch wirklich zu brauchen. Denn für ihr relativ junges Leben liegt wie erwähnt bereits eine sehr bewegte Zeit hinter der Blonden, welche auf Band- und Solo-Fotos oftmals wie eine schillernde Aktrice posiert.

Sogar als Erotik-Model hat sie mal gejobbt. Sie seufzt: „Aus dieser Zeit stammen meine Silikonbrüste; ein Fehler, den ich im Nachhinein zwar nicht unbedingt zutiefst bereue, machen lassen würde ich so einen massiven Eingriff an meinem Körper jedoch heute nicht mehr.“

Eine beileibe nicht alltägliche Vita also. Man wünscht diesem Menschen daher Zuversicht, Mut und Glück gleichermaßen. Sie kann es gebrauchen.

© Markus Eck, 23.03.2007

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