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Interview: IMMORTAL
Titel: Söhne des Zorns

Immortal waren als eine der ersten norwegischen Black Metal-Berserker überhaupt aktiv und können getrost zu den ursprünglichen Originatoren dieser bizarren Musikrichtung gezählt werden.

Sie blicken auf eine beispiellose Karriere in diesem Metier zurück, von der manche der nachfolgend gestarteten Acts nach wie vor nur träumen können. Die außergewöhnlich beständige Band – Immortal sind seit geschlagenen zwölf Jahren eine feste Bastion in diesem Genre – mußte sich anfangs jedoch noch mit allen erdenklichen Mitteln durchsetzen.

Es war also ein immens harter Kampf, um die favorisierten Klänge inklusive aller heute zu einem Massentrend gewordenen Stilmittel wie Corpsepaint, Weaponposing etc. voranzutreiben. Und über die Jahre zur Reinkultur zu kultivieren.

Ans Aufgeben war dort niemals auch nur ansatzweise gedacht worden. Denn die haßerfüllte Horde um Bandleader, Axeman und Frontknurrhahn Abbath war schon seit jeher ein eingeschworener Männerbund, der eisern an seiner Philosophie festhielt. Selbst dann, wenn es wieder mal schier nicht weiterging.

Die selten linientreue Band liefert nun mit „Sons Of Northern Darkness“ ihr bereits siebtes Album ab.

Der Titel der Scheibe ist vollauf berechtigt. Auf der neuen CD halten gegenüber den Vorgängern vermehrt reinrassige und ursprüngliche Heavy Metal-Einflüsse Einzug.

Und doch, keine Band klingt so wie diese unbeirrbaren Norwegerkrieger.

Mein erneuter verbaler Schlagabtausch mit Abbath reflektiert die stählernen Grundsätze der Bergener Disharmoniker in Perfektion.

Als – kleinerer – Kritikpunkt wird sich das Albumfrontcover von „Sons Of The Northern Darkness“ erweisen, auf dem unsere Helden erneut in voller Montur gegen alle Winde trotzen. Es wird schätzungsweise nicht nur Freunde finden.

Denn da die Band schon auf dem Albumvorgänger „Damned In Black“ in ähnlicher Pose zu sehen war, werden viele Fans mäkeln.

Meister Abbath sieht das zwar grundlegend anders, erzählt mir aber auch gleich gern von der Herkunft der Furcht erregenden Waffen auf dem aktuellen Cover, welche neu im Arsenal der Norweger sind.

„Nein, im Gegenteil. Wir sind wirklich sehr zufrieden mit dem Albumcover. Und entgegen dem Cover des fünften Albums `At The Heart Of Winter` – welches der Franzose Jean Pascal Fournier gezeichnet hat – werden wir dies nun auch weiterhin so beibehalten. Und so lange wir eine fest verschweißte Einheit sind, wird man uns auch zukünftig auf den Alben vorne drauf sehen.“ Na, wenn das mal nicht eintönig wird.

Wir erfahren weiter: „Die neuen Waffen haben wir alle selbst mit Hilfe von eingeweihten Freunden angefertigt. Wir, Immortal, benötigen keinen massenhaft angefertigten Schnickschnack aus einschlägigen Shops, sondern wie unsere Musik soll auch unser Beiwerk einmalig sein. Die Dornenkeule von Iscariah habe ich ganz alleine gemacht, während meine doppelseitige Schlachtaxt vom Ehemann meiner Exfrau hergestellt wurde. Die Idee für die Waffen kam mir eines Tages, als ich im Haus meines Vaters den Keller entrümpelte. Dabei entdeckte ich einen alten künstlichen Christbaum, der mich sofort zu einer besseren und angebrachteren Verwendung inspirierte. Schließlich wollen wir unseren Fans doch immer etwas besonders bieten. In dieser Tradition sehen wir aber selbstverständlich auch unsere Instrumente als effektive Waffen.“ Recht so, selbst ist der Mann. Das ist wieder mehr als typisch für Immortal.

Doch zurück zur Musik, die auf „Sons Of Northern Darkness“ doch diesmal stellenweise massiv nach Bathory klingt.

So enthält die Platte noch mehr episch-langsamere Passagen als ihr Vorgänger „Damned In Black“, welche Immortal aber ganz hervorragend zu Gesicht stehen. Abbath:

„Es hat sich einfach während unserer Rehearsals im Laufe der Zeit so entwickelt, in diese neue kreative Richtung zu driften. Ich erstand vor einiger Zeit neues Gitarren-Equipment, so daß ich auch einen neuen Sound kreieren konnte. Mir gefiel er gleich sehr gut, denn er erinnerte mich fatal an die alten Bathory-Scheiben. Also ließ ich diesmal auch vermehrt solcherlei Einflüsse in mir wirken.“ Kann man problemlos nachvollziehen, denn trotz dieser genannten Impressionen haben die nordisch-naturverbundenen Schwarzseelen ihren musikalischen Pfad auf dem aktuellen Werk zu keiner Sekunde verlassen.

Für Abbath ist seine höllische Truppe sowieso ein Stück Lebenskraft. „Immortal waren vom Start weg ein gewichtiger Teil meines Lebens. Die Band hat sich nun über die lange Zeit hinweg zu einem Teil von mir selbst entwickelt. Wir glauben mit aller Kraft an uns und halten mit Überzeugung an unseren Idealen fest. Das taten wir auch, als Death-Metal der große Trend war, und so wird es auch bleiben.“

Während eine nach der anderen Schwarzmetallkapelle also die anfängliche Maskerade ablegt, um „seriöser“ zu wirken, bleiben die Bergener Dunkelmänner also hoffentlich auch weiterhin bemalt?

„Auf jeden Fall! Warum sollten wir auch damit aufhören? Weil die Anderen es machen? Ha, niemals werden wir etwas tun, was uns jemand vormacht. Die Leute haben uns damals ausgelacht, als wir anfingen, uns zu schminken. Aber wir standen drüber. Denn wir wollten uns einfach eine eigene Identität schaffen und die Wirkung unserer Musik verstärken. Leute lachen doch aber immer über etwas, was sie noch nie gesehen haben, wenn sie keine Angst davor verspüren. Einige Jahre später lachte keiner von denen mehr. Sondern sehr, sehr viele taten es uns nach, als es zum Trend wurde. Jetzt flacht der Trend langsam wieder ab, und was für ein Zufall: `sie` hören auf sich zu schminken! Wo bleibt da eigentlich noch die gerade beim Black Metal so vielgepriesene Individualität?“

Weise Worte, die viele Betroffene sicherlich nicht gerne lesen werden. Abbath aber macht sich weiter Luft: „Sollten also jetzt wieder welche über uns herziehen, ist uns das so was von scheißegal. Wir werden unseren Weg auf jeden Fall aufrecht und stolz weitergehen, so wie es immer bei Immortal war.“ Daran ist nicht der geringste Zweifel zu hegen. Abbath kann man in dieser Hinsicht blind vertrauen.

© Markus Eck, 19.12.2001

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