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Interview: HERALDER
Titel: Ausgesprochene Epiker

In entsprechend spiel- und klangstarker Oktett-Formation, also gleich zu acht geht dieses enorm ambitionierte Epic Metal-Ensemble aus dem saarländischen Hochwald vor.

Unter dem überdachenden Gruppennamen Heralder haben sie sich laut eigenem Bekunden der Vertonung von allerlei Mystik und Dramatiken verschrieben: „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, mit unseren Texten Szenarien einer Welt von Geistern und Dämonen, Abenteuern und Schlachten aufzubauen und diese musikalisch umzusetzen.“

Passend eingepackt in inbrünstig geschmetterte Schwermetall-Hymnen huldigen die inniglichen Kompositionen des Achters dieser Prämisse nach allen Kräften. Davon erschöpfend überzeugen können sich Interessierte auf dem aktuellen Debütalbum „Twilight Kingdom“.

Und die beiden Stromgitarren-Gebrüder Volker Andres und Benny Schamper sowie Tieftöner Thomas Laux bilden zusammen mit Trommelmann Philipp Fonk das musikalische Grundgerüst. Ihnen assistiert auf „Twilight Kingdom“ ein fingerfertiger Tastenspieler namens Marco Hacket.

Vielfältig besungen werden die stark emotionalen Heralder-Epiken gleich von drei erbebenden Kehlen: Nämlich denjenigen von Tina Henschel, Björn Hacket und Steffi Gratz.

Front-Brüllbarde Björn bezeichnet sich selbst als zuverlässig, stur und zielstrebig in einem.

Passt, denn seine musikalischen Interessen seit der damaligen Gründung der Gruppe sind eigentlich fast gleich geblieben.

„Und was die musikalischen Ziele angeht, so steht für mich ganz klar die Weiterentwicklung mit der Band im Vordergrund. Ich halte Weiterentwicklung für sehr wichtig. Wenn man ständig auf der Stelle tritt kann man das Ganze eigentlich gleich an den Nagel hängen. Aber das muss ja letztlich jede Metal-Truppe für sich selbst entscheiden.“

Die dunkelhaarige Vokalistin Tina legt da gleich nach und euch im Folgenden gerne die wichtigsten Stationen des bisherigen Werdegangs von Heralder dar. Die amazonenhaft dreinblickende Vollblut-Furie holt dafür schön weit aus.

„Also, da wäre zu Beginn das Jahr der Bandgründung erwähnenswert – 2001 haben sich Björn, Volker und meine Wenigkeit dazu entschlossen Heralder zu gründen. Unser Interesse bestand in erster Linie darin, Musikideen in Form von Aufnahmen festzuhalten. So erschien die erste Demo-Kassette 2002: „The Prophecy“. Hierzu gab es übrigens eine recht rustikale Veröffentlichungsfeier mit Lagerfeuer. [lacht verschmitzt] Der Wunsch unsere Musik auf der Bühne zu präsentieren stieg stetig an – und so machten wir uns auf die Suche nach geselligen Musikern. 2002 kam somit Thomas, 2003 Steffi und ein Jahr später stieg Philipp bei uns ein. 2004 kamen aber auch Nico und Marco dazu. Die ersten Konzerte spielten wir Anfang 2005 – und ich würde mal behaupten, das war ein grandioser Start. Im Mai 2005 entschieden wir uns zur Produktion der Promo-CDR „Battleground“, die wir dann im Proberaum in eigener Regie erstellten. Im November kündete Gitarrist Nico seinen Austritt bei Heralder aus zeitlichen Gründen an. Benjamin löste ihn dann im Dezember ab, auf unserem damaligen Jahresabschlusskonzert. Im Februar 2006 beteiligten wir uns mit dem neu produzierten Lied „Battleground“ am Saarland Underground-Sampler. Aber auch in Sachen Konzerte tat sich 2006 einiges bei uns: Wir teilten die Bühne deutschlandweit unter Anderen mit Horden wie beispielsweise Riger, Lyfthrasyr, Equilibrium und Desaster. Im März 2007 begaben wir uns nach Eppelborn ins Midlife Media Studio, um dort unter Anweisungen von Nanto Meiser das aktuelle Debütalbum „Twilight Kingdom“ einzuspielen – welches dann nachfolgend am siebten September veröffentlicht und mit einer kleinen Saarlandtour abgerundet wurde. Nach der Tour kündeten Axtmann Benjamin und Trommler Philipp ihren Ausstieg aus zeitlichen Gründen an. In diesem Jahr hatten wir wirklich die Serie der Ausstiege. [lacht] Einen potenzieller Nachfolger an der Klampfe konnten wir mittlerweile schon ausfindig machen. Derzeitig suchen wir noch einen geeigneten Schlagzeuger, der uns möglichst lange erhalten bleibt. Mehr Infos dazu kann man auf unserer Homepage www.heralder.de einsehen.“

Einen Hang zu dramatischer Tragikermusik kann man bekanntlich nicht für Geld kaufen, man muss ihn schon tief in sich spüren.

Auch Tina erlebt laut eigener Aussage regelmäßig Höhen und Tiefen.

„Ja, es gab schon harte Momente in meinem Leben. Trotzdem bin ich richtig ausgeglichen. [lacht] Nein, Spaß beiseite; wenn ich an auswegslose Augenblicke in meinem Leben zurück denke, fallen mir als erstes alle meine guten Freunde und Freundinnen als Retter in der Not ein. Freundschaften stehen bei mir an erster Stelle und werden auch tatkräftig gepflegt.“

Heralder ist auch so eine Freundschaft, wie sie anschließend daran noch berichtet.

Gitarrist Volker Andres erläutert den Gruppennamen Heralder, und bestätigt damit meine Vermutung. „Es ist ein alter Falkenbach-Song. Björn und ich hatten ihn auf dem ersten „No Colours“-Sampler gehört und dann spontan beschlossen uns so zu nennen, weil wir den Song so toll fanden. Die Version auf dem Sampler gefällt mir auch heute noch am Besten. Mit der Namensdeutung „Herold“, als „Überbringer“, passt mir der Name allerdings auch heute noch bestens, um unser Wirken zu benennen.“

Ich frage anschließend nach, welche Einflüsse und Inspirationen für diese theatralisch agierenden Saarländer bei der Erstellung des neuen Albums von Relevanz gewesen sind. „Die Ideen auf „Twilight Kingdom“ sind zum Teil bis zu zehn Jahre alt, da kommt also Einiges an Einflüssen zusammen. In erster Linie ging es uns darum verschiedene Stimmungen umzusetzen oder auch epische Szenarien darzustellen. Das ist unsere Leidenschaft, und die wollen wir auch entsprechend rüberbringen. Vor allem bei Konzerten lodern wir da so richtig auf. Was mich persönlich sehr stark inspiriert hat und es noch immer tut, sind skandinavische Bands aus den 90ern wie beispielsweise Ulver, Borknagar sowie Satyricon und noch einige andere. Dieser Einfluss ist aber mehr in die jeweiligen Stimmungen auf dem Album eingeflossen als jetzt die speziellen Spielstile dieser Bands. Privat höre ich eigentlich fast alles an, so lange es gut und mit Leidenschaft gemacht ist“, so Volker hierzu.

Beim Schreiben der Heralder-Texte versucht Volker so authentisch als möglich genau das in Worte zu fassen was ihm das jeweilige Lied an Stimmung herüber bringt. Er verkündet:

„Ich bin da sehr selbstkritisch und versuche ständig noch tiefer in die Stimmungen einzutauchen. Um mal kurz einen kleinen Abriss über die Themen auf dem Album zu machen: Wir empfangen den Hörer an der Pforte, führen ihn hinab in die Katakomben einer alten Festung, lassen ihn von der Schneekönigin verführen, schicken ihn von Schlacht zu Schlacht und lassen ihn das Geheimnis der Stille ergründen. Und zu guter letzt verscharren wir ihn dann im Wald. Mal sehen, was uns auf der nächsten Platte noch so alles in den Sinn kommt.“

Stromorgelspieler Marco scherzt wie seine Kollegin Tina auch ganz gerne und nennt mir als seinen größten ideellen Antrieb voller Lachen ganz eindeutig Bier. Jedoch:

„Scherz beiseite. Einen Antriebsmotor gibt es bei mir eigentlich nicht. Ich bin mein eigener Antriebsmotor, der mich immer wieder zu neuen Songideen antreibt. Der Erfolg von anderen Bands in ähnlichen musikalischen Genres zeigt auf, dass heutzutage im Metal stilistisch und instrumentell sehr viel möglich ist. Und wenn andere Bands es weit bringen, wieso sollen wir das dann nicht auch packen? Genau daraus schöpfe ich die Hoffnung für die Zukunft. Wenn man hart genug arbeitet wird man früher oder später belohnt – und genau dafür lohnt sich die Mühe.“

Bassist Thomas wiederum hasst Metal-Klischees, da ist er ganz ehrlich. Wir erfahren von ihm: „Wer mich nicht gerade auf einem Konzert mit Heralder in vollem Bühnenoutfit sieht, würde mich wahrscheinlich nicht mal für einen Metaller halten. Ich glaube, das Einzige, was mich neben der Vorliebe für alle Arten von Metal von einem „Normalo“ unterscheidet, ist meine Neigung gegen alles Mögliche zu rebellieren – wenn man das als Klischee bezeichnen kann. Das äußert sich bei mir zum Leidwesen meiner Bandkollegen auch in gruppeninternen Angelegenheiten. Ich kann da halt auch nicht anders. Ich muss alles in Frage stellen und kritisieren. [lacht] Die Metal-Szene hat mich in der Hinsicht schon entscheidend geprägt, denn früher war ich eher ein zurückhaltender und ruhiger Typ.“

An allererster Stelle sieht Thomas den Erfolg seiner Band in ihrer Verbundenheit.

„Zusammenhalt, den ich in meinen vorherigen Gruppen so nie bisher erlebt habe. Plattenverkäufe und gut besuchte Konzerte sind zwar schön, aber für mich eher zweitrangig. Für mich persönlich ist Heralder ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens, auch wenn es mal in anderen Bereichen nicht so gut läuft – so kann ich immer auf die Band zählen, und auf unseren Konzerten und Proben ist mir alles andere egal. Das bedeutet für mich persönlich den Erfolg der „Mission“ Band, was ich auf keinen Fall missen möchte.“

Im Anschluss befrage ich Sängerin Steffi aufgrund der altepischen Klänge ihres Trupps, welche historische Persönlichkeit sie gerne gewesen wäre. Keine, wie sie schelmisch grinsend meint.

„Ich habe halt weder eine historische noch sonstige Personen, mit denen ich mich identifizieren kann. Ich halte ohnehin nicht viel von Vergleichen mit anderen Menschen, da ich eine einzigartige Persönlichkeit bin“, gibt sie spaßig zu Protokoll. Na, das werde ich wohl dann mal bei einem persönlichen Treffen überprüfen müssen.

An der modernen Zeit mag Steffi eigentlich soweit alles, wie sie sagt, vor allem aber ihr Auto. Auto? Sie klärt auf: „Da ich in Frankreich zuhause bin, habe ich halt eine sehr weite Anfahrt zur Band oder auch zu meinen Freunden. Hassen? Nein, hassen tue ich nichts an der heutigen Zeit – da es viele Dinge gibt, die mir das Leben doch sehr erleichtern.“ Eine Aussage, welche mit einem Grinsen einhergeht.

Aha, interessant. Damit in „zivilisierten“ Zeiten, also innerhalb der so „schönen neuen Welt“ überhaupt niemand mehr irgendetwas verabscheut, genau dazu wurden solche alles Mögliche immer mehr erleichternden „Dinge“ ja letztlich auch erfunden beziehungsweise so massiv in die Breite getrieben.

Denn: Glückliche Sklaven sind der Freiheit Tod.

So können die einzelnen, führenden Staaten dieser Erde mit den Leuten immer mehr genau das machen, was sie wollen.

Bahnbrechende, geschweige den umstürzlerische Revolutionen wird es jedenfalls nicht mehr geben, solange „moderne“ Menschen modernes „Brot und Spiele“-Konsum-Programm in ihren Köpfen haben.

Doch weiter im Heralder-Text: Wie Sänger Björn aussagt, war der erste Heralder-Auftritt in Wadern im dortigen Jugendclub eine besonders gute Live-Erfahrung.

„Das Teil war mit 200 Leuten rappelvoll und die Stimmung war fantastisch. Weitere gute Konzerte waren das Wacken Metal Battle 2006 und unser Gig in Berlin im Knaack anlässlich der „10 Jahre Riger Party“ mit Equilibrium und Riger. Schlechte Erfahrungen gab es leider auch schon für uns, jedoch zum Glück nur wenige. Mir fällt gerade der Gig in Hahn ein: Da musste unser Gitarrist Volker kurzfristig absagen, da ihm was wirklich Wichtiges dazwischen kam und wir standen dann nur mit sieben Leuten auf der Bühne. Zudem war der Sound dort mehr als schlecht – und lediglich 15 (!) zahlende Gäste in einer Halle, in die eigentlich so circa 300 Leute reinpassen, sind halt auch nicht gerade das gelbe vom Ei. Da lief seitens der dortigen Organisation so einiges schief.“

Künftige Live-Pläne gibt`s natürlich auch, so Björn im Weiteren. „Wir wollen im nächsten Jahr unseren Bekanntheitsgrad ein wenig steigern – und ich hoffe sehr mit einem Label wie Twilight, bei denen wir gerade unterschrieben haben, wird uns das auch gut gelingen. Wir wollen mal aus unserer Gegend raus. Schließlich gibt es ja noch andere Clubs in Deutschland. Wenn möglich, wollen wir dann auch ein paar kleine Festivals mit unserer Anwesenheit beehren. Ich hoffe das klappt.“

Sonstige Pläne von Heralder verkündet die gute Tina abschließend noch. „Zukunftspläne haben wir andauernd, allerdings überrascht es uns immer wieder, wie schnell alles bei uns voran schreitet. Vor einem Jahr noch hatten wir uns noch als großes Ziel einen Plattenvertrag vorgestellt. Niemand hätte sich erträumt, dieses Ziel so schnell zu erreichen. Ein weiteres Ziel ist unser zweites Album – und viele neue und kreative Ideen für die zukünftigen Songs. Ansonsten wollen wir mit Heralder noch lange, lange, lange Zeit Spaß und Freude am gemeinsamen Musizieren haben.“ So sei es.

© Markus Eck, 12.12.2007

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