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Interview: HELLSAW
Titel: Heißschwarzes Herzblut

„Für ein Hellsaw-Mitglied gibt es wohl nur eine Variante und zwar die Verbrennung. Exhumierung somit ausgeschlossen“, entgegnet mir Vokalschinder Aries kurz und knapp auf die Frage, wie er sich seine Beerdigung einmal vorstellt.

Er, der aufrechte österreichische Idealist und sein oberkrudes Black Metal-Kommando haben sich für die Aufnahmen zum neuen und dritten Vollzeit-Teller „Cold“ ganz besonders ins pechschwarze Zeug gelegt.

Ihre hervorragend miteinander verschmolzene Stilistiksymbiose aus bitterbösem Old School-Schwarzmetall, stimulierend kraftvoll tradierten Metal-Elementen und einer gehörigen Portion an Eigenständigkeit präsentieren die fünf grimmigen Knallbolzen aus der Steiermark zudem auf technisch anspruchsvollstem Niveau.

Ja, so hört es sich an, wenn lodernde diabolische Leidenschaften dunkel schillernd erblühen.

Genau wie ihre hochgradig Black Metal-kompetenten Landsmänner Asmodeus genießen auch unsere steirischen Teufelsbraten selbst nach Jahren der Bandexistenz leider noch immer nicht die verdient breitenträchtige Popularität.

Den Rottenanführer lässt das vollkommen kalt.

„Ehrlich gesagt mache ich mir über solche Dinge keine ernsthaften Gedanken. Die Frage nach Ruhm stellt sich mir nicht.“

Trotzdem, der Bekanntheitsgrad des aggressiven Wüterichtrupps aus der Alpenrepublik wird sich jedoch aufgrund neuer Labelsituation demnächst massiv steigern. Aries raunzt hierzu:

„Napalm arbeiten mit jeder Band sehr gut und jede Band dort hat perfekte Voraussetzungen um sich international etablieren zu können. Grundvoraussetzung ist aber immer noch die Musik und nicht die Werbung. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das neue Album `Cold` auf viele offene Ohren stoßen wird. Das ist meine Erwartungshaltung.“

Pure Bodenständigkeit also. Wer nun gegen das Treiben seiner Hasskapelle oder gar gegen ihn selbst ist, der erreicht bei Aries keinerlei Aufkeimen von Zweifeln. „Ich habe so viel Selbstvertrauen, dass ich das wohl mit einem Lächeln abhaken kann. Ich weiß genau, was hinter diesem Album steckt, wenn es andere nicht hören oder hören wollen sei ihnen das doch verziehen.“

Hellsaw sind, so Aries, ohnehin eine Zusammenkunft, die sich über solche Dinge nie den Kopf zerbrechen wird. Sein Statement:

„Wozu auch?“ Ebenfalls geht es ihnen gelinde gesagt komplett am Hinterteil vorbei, ob ihre Mucke von Spaß-Fans konsumiert wird oder von ernsthaften Dunkeljüngern. „Außerdem sind wir als Personen selbst keine solchen `Spaß-Fans` oder beschäftigen uns mit diesem Genre und seinen Protagonisten an sich zu sehr. Musik ist der wichtigste Teil in unserem Leben. Ob sich nun Leute darüber den Kopf zerbrechen, wie wir unsere Leben führen oder wie wir uns mit der Kunstform Musik beschäftigen, kümmert uns nicht. Die Meinungen von Metalfans, die dieses Gefühl nicht in sich haben, welches Musik, in unserem Fall eben Black Metal, hervorrufen kann, sind für mich sowieso oftmals nicht nachvollziehbar. Sei es wie es sei. Zum Glück haben wir in unserem Freundeskreis sehr viele Leute, die einen ernsten Bezug zur Musik an sich haben. Mit denen man sich gut auseinandersetzen und sinnvolle Gespräche führen kann.“

Die Entstehung von „Cold“ ist und war für den Kreischsänger laut eigenem Bekunden eine einzigartige Erfahrung. Er resümiert:

„Wir haben 2007 in der aktuellen Besetzung damit begonnen für die Tour mit Shining und Skitliv zu proben und begannen danach mit dem Songwriting. Der erste Song der entstand war `A Suicide Journey`, welcher eigentlich Richtung weisend für alle anderen neuen Songs zu sehen ist. Wir bemerkten, dass in der Band und unter dieser Konstellation ein enormes Potential steckt und schöpften das bis zum Tiefpunkt aus; `Ache` beispielsweise war der letzte Song im Entstehungsprozess. Für mich persönlich hat sich die Band mit diesem Album in eine Richtung verändert die sehr schwer zu beschreiben ist. Das Gefühl, welches jedes Mitglied zu jeder Probe mitbringt ist unbeschreiblich. Das Herzblut und die Ehrlichkeit, auch wie wir miteinander umgehen und Musik komponieren, ist für mich ebenfalls großartig. In diesem neuen Album steckt so viel Energie, soviel Schmerz, Leid und Verzweiflung, sodass ich noch immer von diesen Emotionen gefangen bin.“

Die Stimmungen in den einzelnen Liedern sind den Österreichern eben sehr wichtig.

„Egal was wir im Proberaum machen, es ist wie ein Ritual zu sehen, mit vielen Kerzen und dunklem Licht. Das äußere Umfeld ist uns sehr wichtig, damit man sich in dieser Zeit voll und Ganz auf die Musik konzentrieren kann. Ich kann das nur als unbeschreiblich intensiv erklären; so, als wenn man sich vollkommen fallen lässt und dabei in einen tranceähnlichen Zustand gerät.“

Fürs Songwriting sind die beiden Gitarristen Isiul und Malthus sowie er selbst verantwortlich, so Aries.

„Ausgefeilt werden die Songs dann zusammen. Eine perfekt funktionierende Symbiose. Bei uns existieren auch keinerlei Rivalitäten oder Auseinandersetzungen. Es würde nicht zu uns passen.“

Für das Recording von „Cold“ brauchten die Beteiligten acht Tage. Eine unvergessliche und sehr intensive Zeit laut dem Sänger, geprägt von Brainstorming und der vollsten Hingabe zur Musik.

„Die Arbeiten zu `Cold` werden wohl niemanden von uns so schnell loslassen, eine unvergessliche Zeit. Eine Zeit, auf die man sich an miesen Tagen gerne zurückerinnert, um wieder neue Energie aus seinen Gedanken zu tanken. Wir waren jeden Tag circa zehn bis zwölf Stunden im hauseigenen Studio beschäftigt und konnten zum zweiten mal mit V Santura zusammen arbeiten, wohl einem der verständnisvollsten und fähigsten Produzenten in diesem Genre.“

Zum ersten Mal mit harter Musik ist Meister Aries damals um 1994 herum in Berührung gekommen, wie er wissen lässt. Er erinnert sich: „Es war, als ich in einem Plattenladen in meinem Heimatort eine Iron Maiden-CD sah. Das Frontcover hat mich dazu bewogen, mir das Album anzuhören und mir anschließend auch zu kaufen. Seitdem bin ich der Rock- und Metal-Musik und im Speziellen seit circa 1996 dem Black Metal restlos verfallen.“

© Markus Eck, 13.02.2009

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