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Interview: HEATHEN FORAY
Titel: Liedgut aus dem Herzen

Setzt man sich heutzutage der immer ameisenhafter werdenden Hektik beziehungsweise dem ansonsten auch weitgehend recht sinnlos gewordenen Narrentreiben der immer oberflächlicher werdenden Menschheit aus, fühlt man sich nicht gerade gut. In der sich auffällig ständig noch weiter zuspitzenden Gesamtheit ist dieser ganze Zirkus ehrlich zugegeben ja kaum noch auszuhalten.

Zu schlecht, zu böse, zu entartet, zu pervertiert, ja, zu irre und letztlich viel zu dumm scheint die Welt da draußen mittlerweile geworden beziehungsweise gezielt gemacht worden zu sein. Alles in allem ein sich leider wohl ewig wiederholender Kreislauf von Machthunger und Eitelkeiten, man denke da nur mal an die Antike. Schäbige Drogen als kurzzeitige Trostbringer? Finger weg, sage ich! Da gönnt sich der überlegt und bewusst lebende Niveau-Charakter doch viel lieber erlesene Spartenklänge zur ergötzlich wonnigen Stimulation der Sinne. Gut geeignet ist dafür die lebendige Musikkunst dieser Österreicher, welche sich für hochmelodischen Pagan Metal begeistern und diesen auch selbst tatkräftig zelebrieren.

Überhaupt, Begeisterung, ein immens wichtiges Stichwort: Denn wer im Leben das Glück hat und diese tief in sich zu verspüren imstande ist, der lebt letztlich trotz aller Widrigkeiten leichter. Um euren Genre-Enthusiasmus also noch zusätzlich seriös zu kultivieren, dafür steht das Grazer Quintett Heathen Foray. Dabei begann ihre Gruppengeschichte für eine Metal-Truppe eher untypisch, wie mich Gitarrist Jürgen Brüder informiert.

„Das Ganze vollzog sich in einer Bierlaune. Meine alte Band Plethora hatte sich gerade aufgelöst und ich war auf der Suche nach etwas Neuem. Ich saß da also mit einem anderen Plethora-Kollegen, Daniel, und trank. Dabei kam uns die Idee endlich etwas in Richtung melodischen Metal zu machen. Gesagt, getan. Ein neues Bandprojekt war geboren. Wir schworen uns aber, dass wir alte Fehler aus der Vergangenheit diesmal vermeiden wollten und dass wir nicht eher nach anderen Mitgliedern suchen würden bevor wir nicht genug exzellentes Material geschrieben hatten. Danach ging es dann auch recht schnell los mit dem Songwriting für das neue Projekt. Während dem Schreiben der Lieder kristallisierte es sich schnell heraus, dass wir eingängigen Melodien und heroischem Flair den Vorzug geben wollten. So entstand wohl der „Ur-Heathen Foray“-Sound. Nachdem wir genug Material zusammen hatten machten wir uns auf die Suche nach anderen Mitgliedern. Vorsatz hier war es jedem Mitglied die gleichen Rechte einzuräumen und hier wirklich als Einheit zu funktionieren. Heute bin ich persönlich sehr froh über die Entscheidungen die wir trafen. Die Band hätte kein besseres Line-Up erwischen können. Robert (Vocals), Mark (Bass) und Michael (Drums) sind großartige Musiker und ebenso großartige Menschen mit denen sich im Laufe der Zeit eine enge Freundschaft entwickelt hat. Eben ganz so wie es in einer Band sein sollte. Nachdem das Line-Up dann komplett war verlies Daniel aus persönlichen Gründen die Band. Das war damals für uns alle, und besonders für ihn, sehr schwer. Ersatz wurde bald gefunden und nachdem auch dieses Mitglied sich entschied die Band zu verlassen kam dann Gitarrist Bernd in die Band. Auch hier haben wir einen Glückgriff gemacht. Mir ist selten ein so engagierter Musiker und begabter Gitarrist begegnet. Nachdem endlich das stabile Line-Up stand spielten wir eine Vielzahl von Auftritten in ganz Österreich. Darunter auch zwei Band-Wettbewerbe, bei welchen wir einmal den ersten und einmal den zweiten Platz in den Publikumswertungen belegen konnten. Danach ging es auch schon ins Studio für die Demoaufnahmen. Das war im Frühling 2007. Der Veröffentlichung des Demos im September 2007 folgten auch wieder mehrere Auftritte, unter anderem im legendären Escape in Wien. Und jetzt sitze ich hier und unterhalte mich mit dir über die letzen zwei Jahre.“

Am Anfang wollte Jürgen immer sehr eingängigen Metal machen. Er erinnert sich: „Ich stellte mir primär Kompositionen mit Ohrwürmern und Mitsingpassagen vor. Natürlich war es ein Ziel diese Band so professionell wir für uns möglich zu betreiben. Wir schworen uns außerdem nie etwas zu machen oder zu veröffentlichen, dass nicht zu 100 % unseren Qualitätsvorstellungen entspricht. Das alles sind Ziele, die wir heute erreicht haben. Und wir sind mehr als zufrieden mit der bisherigen Bilanz. Ich hätte am Anfang nie gedacht, dass wir überhaupt genug Leute finden, um je eine brauchbare Besetzung zusammenzustellen.“

Und der Grazer Gitarrist hat sich schon als Kind für Musik interessiert. „Metal war das dann natürlich damals noch nicht. Mein damaliger bester Freund spielte mir irgendwann eine Böhse Onkelz-CD vor. Ich war damals wohl acht Jahre alt. Diese Musik hatte ganz klar einen starken Einfluss auf mich. Von meinem Vater bekam ich auch immer eine gesunde Portion an Led Zeppelin, Deep Purple und Black Sabbath ab. Irgendwann fing ich an Keyboard zu spielen und stellte nach ein paar Jahren fest, dass dies nicht das geeignete Instrument für mich war. Da begann ich dann härtere Sachen á la Metallica zu hören. Mit dem extremeren Metal dauerte es dann aber bis ich mit dem Gitarrenspiel anfing. Man kann also sagen, dass ich meinen Härtegrad immer wieder gesteigert habe. Ich würde also die Onkelz und meinen Vater als meine persönlichen Tritte in die härteren Musikgefilde nennen. Obwohl es lustig ist, dass ich meinen Vater nun sozusagen wieder beeinflusse und seinen Musikgeschmack ein wenig präge.“ So soll es sein.

Ich wollte nachfolgend wissen, was es für den Saitenmann aus der Alpenrepublik überhaupt bedeutet, selbst eigene Musik machen zu können beziehungsweise Tonträger zu veröffentlichen. Er freut sich: „Siehst du, das ist mal eine Frage die mir noch nie jemand gestellt hat. Für mich ist Musik eine Möglichkeit mich selbst auszudrücken und etwas zu machen, dass nicht jeder dahergelaufene Typ auf der Straße in ein paar Tagen erlernen kann. Es ist in erster Linie ein Hobby mit großen Stellenwert und der Möglichkeit, sich kreativ zu verwirklichen. Gerade Schulterklopfer und Lob für die harte Arbeit entschädigen natürlich extrem. Leute mit seiner Musik zu beeindrucken und zu fesseln ist ein wahnsinnig großartiges Gefühl. Das ganze dann auch noch aufzunehmen und Menschen jederzeit zugänglich zu machen, ist für mich ebenso großartig.“

Jürgen ist ein großer Bewunderer der Genres Black-, Folk- und Pagan Metal, wie er vor mir bekennt:

„Obwohl ich selbst zugebe, die Grenzen zwischen diesen nicht immer klar zu erkennen. [lacht] Ich glaube, das hört man auch in unserer Musik. Ich würde Heathen Foray in keine der drei Schubladen stecken und trotzdem kommen so viele Einflüsse in unserer Musik daraus. Was ich an allen drei Musikrichtungen bewundere, ist das Gefühl, dass man hier bekommt. Alle diese Genres vermitteln in den gebotenen Texten das Gefühl von Freiheit und einer Rebellion gegen alle, die einen unterdrücken möchten. Jeder dieser drei Musikstile hat aber einen anderen Zugang dazu, wie sie diese Botschaft übermitteln. Die Botschaft bleibt aber dieselbe: Lebe frei, mach´ das Beste aus dir und deinem Leben und behandle andere Menschen so wie du selbst behandelt werden möchtest. So sehe ich das zumindest. [Und das sieht er ganz richtig; A.d.A.] Was mir allerdings in letzter Zeit sehr sauer aufstößt, ist der „Trend“ in Richtung Wikinger. Mir begegnen sehr viele Menschen mit Thorhämmern um den Hals, welche der Ansicht sind, im Folk- und Pagan Metal ginge es nur um Odin und Wikingerschiffe.“

Daher wehrt sich Jürgen zumeist gegen die Viking Metal-Schublade für Heathen Foray: „Andererseits ist das Interesse an Bands mit mittelalterlichen Melodien und heroischen Texten auch wieder nicht schlecht für uns. Selbst höre hier sehr gerne Moonsorrow und Bathory. Aber auch vor eher bekannteren Bands wie Ensiferum, Equilibrium und Turisas schrecke ich nicht zurück. Ein weiterer Favorit ist natürlich Falkenbach. Wo wir unseren Bandnamen her haben muss ich nun ja wohl nicht mehr großartig erklären. [lacht] Ich bin, was Metal angeht, ohnehin nicht sehr wählerisch. Solang die Songs gut sind, höre ich beinahe jede Art von Metal.“

Die Reaktionen in ihrer Heimat auf die erste Demo-Scheibe waren bisher überwältigend, so Jürgen. „Wir hätten so gute Reaktionen sicher nicht erwartet. Besonders an den Orten, an denen wir bisher gespielt haben, nehmen die „Fans“ sie sehr gut auf. Wir haben nach gut drei Monaten, in denen das aktuelle Demo jetzt auf dem Markt ist, genug Geld eingenommen um ein komplettes Album aufzunehmen. Daher kann man also von einem sehr großen Erfolg für uns sprechen. Unlängst begegneten mir zwei – vielleicht 15-jährige – Jungs, die sich über Heathen Foray unterhielten, ohne zu wissen dass ich dabei war. Das beeindruckt natürlich. Einer von ihnen hatte sogar unser Lied `Dragon’s Eyes` als Klingelton in seinem Handy“, gibt Jürgen lachend zu Protokoll.

Von den Nachbarländern hörte man dagegen bisher nicht besonders viel über das Schaffen der Band. Jürgen hierzu: „Hier und da mal ein Review oder ein Interview aus Deutschland gab es bisher. Die Tschechen scheinen allerdings einen Narren an uns gefressen zu haben. Daher wollen wir versuchen nächstes Jahr ein paar Auftritte in Tschechien zu spielen. Auch Deutschland steht auf unserem Reiseplan – sofern sich genug Gelegenheiten dazu ergeben. In und um unsere Heimatstadt Graz herum haben wir öfter die Gelegenheit live zu spielen. Leider ist die Anzahl der dortigen Auftrittsmöglichkeiten schon sehr gering. Wir versuchen aber mit anderen Bands Kontakte zu knüpfen, um somit mehr in Österreich herum zu kommen. Durch das aktuelle Demo steigt aber das Interesse der Leute an uns und unserer Musik. Das merken wir auch bei den Auftritten. Denn da kommen in letzter Zeit viele Menschen, nur um uns zu sehen. Das bewegt uns natürlich.“

Was das Schreiben der Lieder anbelangt, da haben Heathen Foray laut Aussage des Gitarristen keine Geheimformel. Wir erfahren:

„Sollte sie aber jemand gefunden haben, soll man sich bitte bei uns melden! [lacht] Da wir allesamt an den Songs schreiben, gibt es natürlich die verschiedensten Herangehensweisen. Ich starte meist mit einer sehr guten Melodie und experimentiere damit. Bei manchen Songs ist man dann an einem Nachmittag fertig, bei manchen anderen dauert es gar Monate. Was bei mir allerdings immer zuerst in den Sinn kommt, ist die Musik an sich. Ich schreibe zwar den Refrain und die Verse mit einer gewissen Gesangsmelodie im Hinterkopf, der Text kommt aber erst am Schluss dazu. Bevor ein Song fertig ist, wird er ohnehin erstmal den anderen Bandmitgliedern vorgespielt. Dann kommen von jedem von uns noch Ideen dazu – und am Ende hat man dann meist einen ganz anderen Song. [lacht] Aber das ist schon gut so. Ich neige dazu, einen sehr starren Blick auf eine Idee zu richten. Daher weiche ich dann meist nicht viel davon ab. Wenn dann aber jemand anders sagt: „Hey, da könnten wir dieses und jenes noch machen!“, dann kommt immer dieser „Warum hab´ ich nicht gleich daran gedacht“-Moment. Daher schätze ich die Zusammenarbeit mit den anderen so sehr. Das gibt unseren Songs viel mehr Seele und Struktur. Bei den Texten setzen wir uns meist zusammen und texten alle gemeinsam. Das Thema steht meist schon am Anfang des Songs fest. Da lassen wir uns dann von Mythologie und Fantasy beeinflussen. Ich selbst interessierte mich schon von Kind für alte Kulturen, das Mittelalter und den Fantasy-Bereich. Es war daher also ganz natürlich, dass ich Einflüsse daraus ziehe. Unser Vokalist Robert Schroll ist selbst Schauspieler und Mittelalter-Fan. Da kommt also einiges zusammen.“

Jürgen selbst braucht dabei aber stets einen „kreativen Tritt“, wie in Erfahrung zu bringen war. „Ich kann mich nämlich nicht einfach hinsetzen und sagen: „So, jetzt komponiere ich mal was!“. Ich brauche eine Melodie oder eine Idee an der ich arbeiten kann. Die kommen meisten während dem Einschlafen oder wenn ich unterwegs bin. Da gibt’s dann zum Glück Diktiergeräte, denen man dann schnell diese „Melodie“ vorsingen kann.“

Über die schlussendlichen Inhalte der Texte entscheidet allerdings dann Sänger Robert. Jürgen stellt dazu klar: „Aber wir nehmen unsere Texte in Gegensatz zu anderen Bands doch sehr ernst. Wir wollten unseren Lyriken von vorne herein ganz besonders viel Aufmerksamkeit widmen. Allerdings beeinflussen uns da meistens keine aktuellen Geschehnisse. Wir erzählen gern Geschichten und machen Leute gern nachdenklich. Somit schreiben wir unsere Lyrics nicht immer ganz so offensichtlich. Was mir aber am wichtigsten ist, ist die Melodie, mit der diese Texte dann gesungen werden sollen. Die schönsten Texte bringen einem nichts, wenn sie unrhythmisch und emotionslos vorgetragen werden.“

Gegenwärtig versenden Heathen Foray ihre aktuelle Demo-CD bereits zu diversen Labels. Hierbei sucht der Fünfer aber nicht nach dem großen „Mega-Deal“, der sie mit Geld zuschüttet, so Jürgen, sondern gezielt nach Platten-Labels, die wirklich hinter den Musikern stehen und besonders in Richtung Promotion viel bewegen wollen. „Da sind uns auch kleine Labels recht. Sollte sich also ein Label dazu entscheiden unser Album zu veröffentlichen, haben wir bereits ausreichend Songs und Ideen, um das Ganze in ein paar Monaten einzuhämmern. Man darf also gespannt sein, was das neue Jahr 2008 für uns bringt. Ich bedanke mich bei dir für die Möglichkeit des Interviews, Markus! Ein großes Lob von uns an dieser Stelle für dein Engagement und deinen professionellen Stil. Allen Lesern lege ich ans Herz, mal auf unserer Homepage www.heathenforay.com vorbeizuschauen und vielleicht ein Demo zu erwerben. Wer uns gleich für die Bühne buchen möchte, der findet dort natürlich auch alles was er benötigt“, beschließt der Gitarrist lauthals lachend den Dialog.

© Markus Eck, 07.01.2008

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