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Interview: HARDBONE
Titel: Klare Message, keine Schnörkel!

Diese hanseatische Variante des Boogie-lastigen Hard Rock stellte sich im Jahr 2006 erstmalig auf die gut durchbluteten Hinterfüße. Nach ersten musikalischen Gehversuchen geriet den Beteiligten ihr Bierpumpen-Sound dermaßen rotzig, dreckig und energisch, dass ans Aufhören kollektiv überhaupt nicht mehr zu denken war.

Und während die allermeisten Bands die ewigen Klischees dieses stilistischen Bereiches mit vielerlei „modernem“ Beiwerk und ähnlichem aufgeblasenem Nonsens zu umgehen versuchen, konzentrieren sich Hardbone viel lieber genau darauf, einfach gute Musik zu machen.

2010 jagten die alles andere als humorlosen Hamburger Old School-Verteidiger ihr Debütalbum „Dirty'n'Young“ über den Tresen. Geboten wird darauf grundehrlich komponierter und auch handwerklich sauber aufgemachter Hard Rock, der neben echt satt dröhnender Gitarrenarbeit der Marke „Starker Arschtreter“ eindringlich vokalisierten Gesang offenbart. Nachhaltig in Erinnerung bleibende Akzente konnten gesetzt werden, die von dem enorm schmissigen 2012er Album-Nachfolger „This Is Rock'n'Roll“ massiv potenziert wurden.

„Ursprünglich hatten wir einen anderen Bandnamen, wir mussten aber feststellen, dass wir leider nicht die einzige Band mit diesem Namen waren. Wir haben uns dann entschlossen, vor unserer ersten offiziellen Veröffentlichung den Namen zu ändern, um rechtlichen Problemen aus dem Weg zu gehen. Zur Zeit der Namenssuche hatten wir unzählige, teilweise reichlich bescheuerte Namensvorschläge gesammelt. Die Idee zu dem Namen Hardbone hatte dann Jutta, die Frau von unserem Bassisten Wolle. Sie hatte damals einen Roman gelesen, in dem sich eine Figur Lieutenant Bones nannte. Sie machte daraus Hardbone und schlug uns den Namen vor. Wir fanden damals und auch noch heute einfach, dass man bei dem Namen gleich weiß, was einen bei unserer Mucke erwartet. Rock'n'Roll ohne Schnörkel! Oder würde man bei dem Namen etwa ein philharmonisches Orchester erwarten? Die sexuelle Doppeldeutigkeit ist durchaus erwünscht und passt ebenso hervorragend zu unserer Mucke“, lässt Lead-Gitarrist Sebastian Kranke wissen.

Nachfolgend dreht sich der Dialog darum, was genau diese Nordlichter bis heute eigentlich dazu veranlasst hat, die „moderne“ und „angepasste“ Art vieler heutiger Rock-Bands außen vor zu lassen, um eben stattdessen viel lieber traditionell orientierte beziehungsweise betont nostalgische und erdige Songs zu erstellen. Sebastian bringt es auf den Punkt:

„Das ist ganz einfach zu beantworten. Uns gefällt kaum etwas anderes, wir können kaum etwas anderes und wir wollen bestimmt nichts anderes! Auch wenn das Alter der meisten von uns in der Band das nicht vermuten lässt, sind wir doch mit dieser Art der Musik aufgewachsen und für uns ist dies die Essenz des Rock'n'Roll. Klare Message, keine Schnörkel. Eben no bullshit!“

Als Hardbone als Band angefangen haben, so der Saitenschrubber im Weiteren, waren sie allesamt mehr oder weniger Anfänger an ihren Instrumenten. Mehr:

„Wir waren doch ziemlich erstaunt, als wir die unerwartet hohe positive Resonanz bekommen haben. Das spornt einen natürlich an. Aber eigentlich war von Anfang an klar, dass wir einfach nur rocken wollen und nichts anderes. Und da gibt es selbstverständlich auch kein zeitliches Limit. Wir sind mit dem Herzen bei der Sache. Ich denke das merkt man uns auch auf der Bühne an wie nur wenigen Bands. Das ist es, was uns antreibt und ganz sicher auch noch sehr lange antreiben wird. Wir geben alles und schauen mal, wo es uns noch hinführen wird.“

Wir befassen uns danach mit der Überlegung, ob es wohl gewisse Übereinstimmungen personeller Natur in Hardbone gibt. Und die gibt es:

„Wie unser Sänger Tim einmal mit weisen Worten festgestellt hat: „In dieser Band sind doch alle ein bisschen schrullig!“ Das trifft es wohl ganz gut und dass ist es auch, was uns eint. Wir sind alle sehr unterschiedliche Charaktere und jeder hat seine Vorzüge und Macken. So wie es bei allen anderen Menschen auch ist. Was uns verbindet ist eben unsere Leidenschaft für Rock'n'Roll, der Spaß am Leben und eine nicht zu verachtende Portion Beklopptheit. So anstrengend der Eine manchmal für den Anderen sein mag, so sind wir doch nach jedem Zusammentreffen mit anderen, teilweise völlig spaßfreien Bands froh, dass wir einander gefunden haben.“

Mit Lästerern und sonstigen Ignoranten, welche Hardbone aufgrund von Klangbild und Staffage zynisch oder gar abwertend belächeln, haben es er und seine größtenfalls Wildwest-Schuhwerk tragenden Bandkumpane nicht immer leicht, so der Lead-Gitarrist.

„Wenn man Musik macht, dann begegnet man leider auch so einigen Spinnern. Das bleibt wohl niemandem erspart. Einer ist geiler als der andere und jeder macht dieses geile Projekt und jene heftige Tour und hängt angeblich mit sonst irgendwem ab. Dieses Gelaber hörst du an jeder Ecke. Die Neider unter Musikern sind leider oft groß. Man hat so ein paar wenige Bands mit denen man gut auskommt, der Rest gönnt einem nicht den Dreck unter den Fingernägeln. Aber damit haben wir eigentlich kein Problem. Wir haben schon immer unser eigenes Ding gemacht und wir scheißen drauf, was uns andere sagen oder auf irgendwelche Trends. Wir finden Cowboystiefel geil und deswegen tragen wir sie auch. Das ist auch kein Bühnenoutfit oder so etwas in der Art. Die werden auch im Büro oder am Strand getragen. Da geht kein Weg dran vorbei. Was wir aber wichtig finden ist, dass man sich selbst nicht zu ernst nimmt. Wenn wir wegen unserer Musik, unserer Outfits oder sonst etwas belächelt werden, lachen wir auch gerne mal mit oder setzen gleich noch mal einen oben drauf.“

Der kreative Prozess in dieser Formation ist immer sehr unterschiedlich. „Mal befruchten wir uns gegenseitig und mal hat man einfach eine Eingebung. Man sitzt in der Bahn, auf dem Klo, in der Kneipe oder sonst irgendwo. Und auf einmal fällt einem ein Songtitel, ein Riff, eine Textzeile oder auch nur eine Stimmung ein, die man in einem Song verpacken möchte. Einen richtigen Schaffensrausch hatte ich eigentlich noch nie. Es kommt, wann es kommt. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass meine größte Inspiration ganz einfach andere Musik ist. Szenen aus dem Leben geben dann meistens die Titel und Texte her. So geht es bei uns tatsächlich meist um Partys, Schnaps, Frauen, Rock'n'Roll selbst oder verwandte Dinge. Das ist sicherlich nicht besonders anspruchsvoll, aber die Art Musik die wir machen, eben erdiger Rock'n'Roll, funktioniert eben so. Der Redakteur eines kanadischen Online-Magazins hat es meiner Meinung nach einmal ziemlich treffend auf den Punkt gebracht: „These guys don't give a shit about saving the whales!“ Es soll einfach nur Spaß machen und hat nicht den Anspruch zum Nachdenken anzuregen.“

Ziel der Hamburger Gruppe war es laut weiterem Statement des Lead-Gitarristen eigentlich schon immer so weit zu kommen, wie sie es schaffen. Und dafür geben sie alles, wie er verlauten lässt.

„Eine Entwicklung gab es da eigentlich nur in der Hinsicht, dass man mit wachsendem Erfolg nur noch mehr Hunger auf den ganzen Scheiß bekommt. Die Interessen neben der Band entwickeln sich natürlich ständig weiter, was uns mitunter ein paar Kompromisse und Improvisation abverlangt, sei es durch den Job, die Uni, die Freundin beziehungsweise Familie oder andere Dinge. Zum Glück haben wir bis jetzt immer einen Weg gefunden alles unter einen Hut zu bringen und die Band nicht darunter leiden zu lassen. Das ist uns allen sehr wichtig und da muss auch jeder gleichermaßen dahinter stehen, sonst funktioniert es nicht. Musikalisch entwickeln wir uns ganz automatisch weiter. Immer mehr Bühnenerfahrung, gemeinsame Spielpraxis, aber auch das Zusammenleben in einer Band, beispielsweise auf Tour, mit allen Höhen und Tiefen bringen einen näher zusammen und somit auch musikalisch nach vorne. Individuell und in der Gruppe. Was die Geschmäcker angeht sind wir alle einigermaßen eingeschränkt und blicken nach wie vor nicht weit über den Tellerrand hinaus. Unser Drummer Caine bildet da eine Ausnahme. Als er dazu kam, hat er viel frischen Wind mitgebracht. Da tolerieren wir auch mal, dass wir uns den einen oder anderen Gravity Blast von ihm im Proberaum anhören müssen.“

Kennt eine so dermaßen gut miteinander harmonierende und so prima aufeinander eingespielte Hard Rock-Gesandtschaft wie Hardbone denn überhaupt noch Lampenfieber?

„Auf jeden Fall! Manchmal mehr, machmal weniger. Mich selbst macht es eigentlich immer deutlich nervöser, wenn viele Leute im Publikum sind, die einem wichtig sind, als wenn es einfach besonders viele Leute sind. Aber wir sind ja auch nach wie vor ziemlich weit unten auf der Karriereleiter. Deshalb sammeln wir bei fast jeder Show ganz neue Erfahrungen und da ist man auch mal aufgeregt. Teilweise sogar sehr. Der erste Gig im Ausland, die erste große Halle, das erste Festival mit mehreren Tausend Besuchern und so weiter. Da geht uns schon manchmal gehörig der Stift, auch wenn wir es nach außen hin nicht gerne durchblicken lassen.“

Natürlich achten auch Hardbone ein bisschen darauf, so Sebastian, was die Fans wohl gerne hören würden.

„Aber das kann man sowieso nie so genau wissen. In allererster Linie machen wir die Musik für uns. Wir machen Songs, die uns selber begeistern und uns beim Spielen den Kick geben. Merken wir bei der Entstehung eines neuen Songs, dass das nicht passt, wandert er direkt in den Müll.“

Ob echt oder nicht in Sachen Attitüde, diese Diskussion findet der Griffbrett-Enthusiast mitunter etwas müßig, wie in Erfahrung zu bringen ist.

„Denn woran willst du das fest machen? Ist das Gepose einer Rock-Band oder der inszenierte Auftritt einer voll kostümierten Metal-Band echt? Natürlich stehen wir alle auf ehrliche, handgemachte Musik und aufrechte Menschen. Casting-Zuchten oder ähnliches finde ich persönlich kacke, aber das wichtigste ist doch, dass man sich selber treu bleibt. Das kannst du auf jeden Bereich des Lebens projizieren und die Menschen werden es merken, ob du hinter dem stehst, was du tust. Ob sie es dann mögen ist eine andere Frage, aber man kann es nicht jedem recht machen. Man sollte es sich selber recht machen.“

Die Beantwortung der Frage nach seinem ganz persönlichen Hardbone-Lieblingssong gestaltet sich für den Vollblut-Rocker schwierig, wie er offenbart.

„Viele Songs haben ein ganz eigenes Element an sich, das mich besonders anmacht. Ich glaube mein Favorit ist „This Is Rock'n'Roll“. Die Botschaft des Songs ist Programm und gibt den Geist der Band perfekt wieder. Wenn der Song richtig Fahrt aufnimmt, wenn das Schlagzeug einsetzt, da passiert einfach was in mir. Der Song hat ein geiles, stampfendes Riff, eine gute Dramaturgie und einen Refrain bei dem man sich die Seele aus dem Leib schreien kann. Mehr brauche ich nicht.“

Seine absoluten Götter sind AC/DC, wie Sebastian proklamiert. „Ich stehe aber auch extrem auf alles von und mit Slash. Ansonsten mag ich alles, was Rock'n'Roll der alten Schule verkörpert, aber auch mal ein bisschen Metal oder Blues. ZZ Top, Motörhead, Little Richard, Chuck Berry, Rolling Stones und so viele mehr. Im Moment dreht „Dirty Dynamite“, die neue Scheibe von Krokus, ihre Runden in meiner Anlage.“ Dort ist „Dirty Dynamite“ auch definitiv bestens aufgehoben.

© Markus Eck, 11.04.2013

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