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Interview: GORGOROTH
Titel: Dunkle Philosophien

Mit ihrem brandneuen Satansmanifest „Ad Majorem Sathanas Gloriam” melden sich diese unermüdlichen Altmeister mal wieder am höllischen Glutofen der internationalen Schwarzmetallschmiede zurück.

„True Satanic Black Metal“ lautet bei den nicht wenig umstrittenen Norweger Ausnahme-Persönlichkeiten also erneut das Motto der bösen Stunde. Und auch wenn das aktuelle Studioalbum meiner Auffassung nach eher ein qualitativ zwiespältiges Endprodukt geworden ist, verdient die verdammt egozentrische Teufelstruppe trotzdem wieder alle Beachtung. Denn die Brüder ziehen ihr Ding bereits seit 1992 in aller unbeeinflussten Konsequenz durch.

Bassist King hält „Ad Majorem Sathanas Gloriam” gar für das allerbeste Gorgoroth-Werk überhaupt bisher.

„Unserer Meinung nach haben wir mit der neuen Veröffentlichung gute Arbeit abgeliefert. Diejenigen aus der Szene, die genau verstanden haben, worum es bei Black Metal eigentlich ganz genau geht, werden mir da sicher zustimmen. `Ad Majorem Sathanas Gloriam` deckt sämtliche Belange ab, die man von einem solchem Tonträger auch erwartet“, stellt der langjährige Tieftöner mit stoischer Gelassenheit im Tonfall klar.

Anfangs kommen ihm seine Worte eher zögerlich über die Lippen, mit der Zeit scheint die tiefgekühlte Schwarzseele dann aber immer mehr aufzutauen.

Gescherzt, nicht mal ansatzweise, wurde aber in diesem bemerkenswert nonkonformen Dialog zu keiner Sekunde.

Ihm, der vormals noch unter dem programmatischen Pseudonym King Ov Hell firmierte, scheint es relativ egal zu sein, was andere von den dämonischen Ejakulationen seiner hämischen Horde halten; was für Insider genau genommen auch nichts Neues darstellt.

Der komplette Aufnahmeprozess für das räudige Stück bitterböser Okkultmusik mit dem Titel „Ad Majorem Sathanas Gloriam” nahm beinahe ein ganzes Jahr in Anspruch, so King weiter:

„Es war nicht immer einfach, aufgrund der oftmals widrigen Begleitumstände alles so hinzukriegen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Manchmal wurden einzelne Teile der Tracks fertig gestellt, und lagen dann nachfolgend auf Eis. Das ganze Album wurde zudem an verschiedenen Plätzen aufgenommen und bearbeitet. Aber bei uns stimmt der Spirit, von daher ist es bei Gorgoroth keine Frage der Zeit, in welche Richtung sich unsere Lieder entwickeln und wie sie sich letztendlich anhören. Um ganz ehrlich zu sein: Wir sind sogar restlos zufrieden mit `Ad Majorem Sathanas Gloriam`, und wir halten es in personeller Geschlossenheit für das stärkste Gorgoroth-Album bisher. Würden wir das Ding noch mal schreiben und anschließend aufnehmen, es würde sich ganz genauso anhören wie das aktuelle Endergebnis, daran besteht nicht der geringste Zweifel.“

Anzumerken bleibt dem Verfasser nach diesen Statements, dass Vokalist Gaahl derzeit mal wieder aus dubiosen Gründen – Genaues weiß eigentlich keiner – eine mehrmonatige Haftstrafe verbüßt, und die Gerichtsverhandlungen sowie das restliche Gezeter darum die Band mitunter doch stark in ihrem Tun einschränkten.

„Wir haben glücklicher Weise aber trotz dieser Situation einen guten kommunikativen Draht zu Gaahl – wir können ihm jederzeit unsere Demos senden, an denen er in der Haftanstalt arbeitet. So kommt die Weiterarbeit an neuen Stücken wenigstens nicht allzu sehr ins Stocken. Und eins steht fest: Komme, was wolle – wir werden auch weiterhin alle eisern zusammenhalten.“ Fest steht auch: Wenn man einem Musiker eine mit solchem Pathos getränkte Aussage glaubt, dann wohl diesem Kerl.

Viersaitenzupfer King kann beziehungsweise will daher auch nichts Explizites zu den lyrischen Inhalten der neuen Kompositionen preisgeben.

„Wer die bisherigen Songtexte von Gaahl kennt, wird genau wissen, worum es auf `Ad Majorem Sathanas Gloriam` geht. Gaahl hat eben seine ganz persönliche und eigenwillige Sicht der Dinge, ich möchte mich darum hierzu nicht weiter äußern.“

Ich erkundige mich anschließend, ob mein Gesprächspartner einen Favoriten unter den neuen Tracks hat.

Die Antwort darauf lässt einige Sekunden auf sich warten, und nur zögerlich erläutert der selbsternannte King: „`Carving A Giant`, das zweite Stück auf dem Album, diesen Song mag ich derzeit sehr gerne.“

Für die berühmt-berüchtigten Norweger Spießgesellen ist es das erste Mal, eines ihrer Werke auf dem derzeit wie nie zuvor aufstrebenden schwedischen Label Regain Records zu veröffentlichen. Der Bassist äußert sich dazu:

„Bis jetzt sind wir sehr zufrieden mit der Arbeit dieser Firma für uns und unsere Belange als Künstler. Sie machen bislang wirklich eine sehr gute Promotion und verfügen mittlerweile über ein weltweit ausgedehntes Vertriebsnetz. Mal sehen, wie sich die Geschicke für eine Band unserer Prägung nun fürderhin entwickeln werden, wir sind jedenfalls sehr gespannt. Nun liegt es an ihnen, zu beweisen, dass sie dieses Level auch weiterhin für uns aufrecht erhalten werden. Unsere Musik ist doch sehr extrem, da bedarf es schon einiger Erfahrung und Fingerspitzengefühl, um so was in entsprechender Weise an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Aber wir haben ein gutes Gefühl bei der ganzen Sache, das zählt für uns.“

Abschließend wechseln wir noch einige Worte über das neue Albumcover, welchem ein altes Ölgemälde zugrunde liegt, wie King diesbezüglich wissen lässt.

„Das Bild stammt von einem Maler mit Vornamen William, dessen Nachnahme mir aber im Moment nicht einfallen will. Wir entdeckten das Gemälde irgendwann inmitten des Aufnahmeprozesses und fanden es perfekt zum neuen Album beziehungsweise seinem Titel samt der dahinter stehenden dunklen Philosophie passend.“

© Markus Eck, 23.05.2006

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