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Interview: FELSENREICH
Titel: Tanz auf der Gefühlsklaviatur

1998 gegründet, erarbeitete sich diese Chemnitzer Band mit der Zeit einen sehr eigenwilligen Stil, der bis heute eine eindeutige Kategorisierung nicht gerade leicht macht. So beinhaltet das Geschehen im musikalischen Felsenreich Stilelemente aus den Bereichen Gothic, Rock und Elektro, und auch zu hymnischen Balladen ist die Formation ergiebig befähigt.

Prägnant erscheint die Einbeziehung von Trompetenspiel, auch markant umgesetzte Anklänge an diverse Musicals sind zu vernehmen. Auf dem neuen und vierten Album „Tanz auf dem Bilderberg“ rockt sich das ostdeutsche Quartett wieder durch allerhand interessante Song-Ideen.

„Jeder wächst ja mit musikalischen Einflüssen auf. Doch schon immer hatte ich das Bestreben, mich mit eigenem Schaffen dahingehend mitzuteilen. Musik ist für mich Entspannung, Frust-Abbau und beinhaltet die Möglichkeit sich kreativ zu betätigen und sein eigenes musikalisches Reich zu schaffen“, erörtert Mathias Sohn, bei Felsenreich zuständig für Gesang, Keyboard und Trompete.

Beim Bandnamen Felsenreich steht das „Felsen“ für die Steine, welche einem im täglichen Leben in den Weg gelegt werden, so der Musikus. Weiter:

„Das ,Reich‘ darin hingegen steht für den Lohn der Arbeit, wenn man etwas geschaffen hat und deswegen Glück empfindet.“

Seine gesamte Seele lässt der Mitbegründer der Gruppe in die Musik von Felsenreich fließen, wie er darlegt.

„Gibt es mehrere Teile einer Seele? Ich schreibe die Musik immer nach meiner Gefühlswelt, von traurig bis fröhlich über melancholisch, liebend oder hassend. Durch die Seele fließt dann die Kreativität aus mir heraus und manifestiert sich in Musik.“

Laut entsprechendem Eintrag bei Wikipedia spielen Felsenreich Gothic Metal. Im Metal-Bereich sehen sich die Beteiligten selbst aber nicht, so Mathias hierzu, da Gitarren bei der Band nicht immer und ständig im Vordergrund stehen, sondern viel mehr die elektronischen Sounds unterstützen und oder verstärken.

„Ganz allgemein würde ich unseren Stil dem Gothic zuordnen, da wir in der Szene gross geworden sind. Dann ist es auch Rock, da wir live klassisch mit Drum, Gitarren und Bass auftreten und dann natürlich Elektro, da alle Songs mit Keyboards, Synthesizern und Samplern entstehen. Also Gothic Elektro Rock.“

Nachfolgend auch noch nach nennenswerten Einflüssen befragt, welche zu den neuen Stücken seiner Gruppe beigetragen haben, blickt der Felsenreicher angeregt auf und erzählt voller Leidenschaft:

„Definitiv Soundtracks, eine meiner ganz großen Leidenschaften. Zu diesem neuen Album sind wohl am ehesten Klaus Doldinger mit seinen Filmmusiken wie beispielsweise zu ,Das Boot‘ und ,Die unendliche Geschichte‘ zu erwähnen, welche ich seit meiner Jugend in Dauerrotation habe, und welche vor allem die Instrumental-Tracks beeinflusst haben.“

Coldplay und Muse hingegen haben ihn, wie Mathias im Weiteren offenbart, bei der Instrumentierung der Songs inspiriert, so wie es Amy Macdonald und Escape With Romeo in diesem Kontext mit ihren Melodien getan haben.

„Auf der Elektroseite waren es Bands wie Northern Lite mit ihren Basslines oder Combichrist mit ihren Noisesounds, welche dem aktuellen Album den gewissen Hauch Industrial gaben. Thematisch wirkten aber auch Einflüsse wie beispielsweise das Befassen mit einer vom Kommerzgedanken verseuchten Gesellschaft, mit ihren neoliberalen Systemen an der Spitze, und Ängste um eine vor dem ökologischen Zusammenbruch stehende Welt ein.“ 


In Sachen Songwriting weiß der Mann noch zu berichten:

„Ich schreibe nach wie vor die Songs, stelle diese Romy und Renato vor. Diese nehmen die Stücke mit nach Hause und lassen sich inspirieren für einen Text. Wohin der Text vom Inhalt her geht wird meist gemeinschaftlich entschieden, damit dieser dann auch optimal zum Song passt. Gesangsmelodien werden von einzelnen entwickelt und gemeinschaftlich entschieden ob das so gut oder schlecht ist und dementsprechend verändert. Höhenflüge gab es, wenn ein Titel an einem Tag nach meinen Empfindungen beim Bearbeiten richtig gut klang, und tiefe Rückschläge, wenn der gleiche Titel sich am nächsten Tag dann, mit Abstand betrachtet, doch als richtig schlecht erwies.“

© Markus Eck, 24.10.2012

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