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Interview: EPITOME OF FRAIL
Titel: Freude am Lärmen

Dieses Baden-Württemberger Baller-Kommando wurde 2001 in ein hartes Leben gerufen, um sich fortan mit brachialsten Todesstahlklängen musikalisch an die grenzenlose Zerstörungswut des Menschengeschlechts anzupassen.

Die Gruppe mit der aufrüttelnden Botschaft entstand damals in einem wilden Frühjahr aus einer spontanen Jam-Session heraus. Musikalisch mischten diese krassen schwäbischen Rhythmus-Knechte laut eigenem Bekunden seit jeher so ziemlich alles, worauf sie gerade Bock haben.

Dabei fußen die fetten Wurzeln der Song-Auswürfe aber eindeutig im Todesblei-Bereich. Anfangs ließ sich der Sound des Haufens noch grob in die Metalcore-Ecke stecken. Die fähige Formation hat jedoch das Spektrum ihrer Musik über die Jahre stark erweitert, wie man neuerdings deutlich sehr hören kann. Und seit ihren Anfängen arbeiten Epitome Of Frail beständig daran, ihren individuellen Stil und ihr Können zu verbessern und beides vor allem auch bei den Hörern weiter in die Breite zu treiben. Die ersten dröhnenden Ergebnisse der deutlich qualitätsfixierten Band kamen ab dem Jahr 2004 heraus.

Um dem bisherigen kruden Treiben noch adäquat ordentlichen einen drauf zu setzen, wurde 2012 ein weiteres Album namens „Society“ veröffentlicht. Dieser aktuelle Album-Brecher bietet erfreulich geistesoffen lyrisierten Modern Death Metal. Ein fulminant tosender Erdbeben-Soundtrack, der einem bei entsprechender Lautstärke glatt den Boden unter den Füßen wegreißt.


Erstmal danach befragt, was in ihm so alles vorgeht, wenn er das aktuelle Album „Society“ Resümee vor seinem geistigen Auge passieren lässt, gibt Bassist Dieter Oswald vor:

„Viel Arbeit. Tagelang im Proberaum Songs schreiben um sie dann wieder zu ändern etc. Der Entstehungsprozess des Albums ,Society‘ war alles andere als einfach! Ich habe noch nie so viel an neuen Songs feilen müssen. Da wir dann auch den Plattendeal bekommen haben war das dann nochmals schwieriger. Die Plattenfirma hat sich aber aus dem Prozess rausgehalten beziehungsweise haben wir keine Auflagen bekommen. Aber alles in allem kann man sagen, dass wir mit dem Ergebnis extrem zufrieden sind.“

Von den Hörern und Medien im Metal-Bereich wurde die Musik seiner Combo sehr unterschiedlich aufgenommen, so der Tieftöner im Weiteren.

„Unsere zugeneigten Hörer und Fans waren und sind begeistert! Die Medien sind da zweigeteilter. Die einen finden, dass wir nicht innovativ genug sind und nichts Neues machen, und auf der anderen Seite werden wir in den höchsten Tönen gelobt. Wir fragen uns, was die Medien letztlich eigentlich genau wollen? Den neuen Super-Mega-Act, der die Musik neu erfindet? Worin sich alle aber einig sind, und das macht uns stolz, ist die musikalische Qualität. ,Sie beherrschen Ihre Instrumente und das hört man.‘, so schreiben es die Medien!“

Wie viel hängt für diese Baden-Württemberger Donnerknechte persönlich überhaupt vom Erfolg oder Misserfolg ihres aktuellen Albums ab? Dieter zuckt zunächst mit den Schultern:

„Darüber haben wir uns nie Gedanken gemacht. Wir machen Musik weil es uns Spass bringt. Ob das Album jetzt ein Megaerfolg wird ist egal. Wir müssen nicht von der Musik leben. Unser Traum ist es aber definitiv, in größeren Hallen aufzutreten und auch mal eine Tour zu spielen. Welche Kapelle träumt da nicht davon?“ [lacht]

Das Line-Up des extrem intensiv aufspielenden Prügel-Trupps änderte sich bis heute einige Male, aber die grenzenlose Brutalität und unerschöpfliche Energie im Sound von Epitome Of Frail wurde von diesen Änderungen nur positiv beeinflusst. Was man eben vor allem auf „Society“ sehr deutlich heraushören kann.

„Wir mussten wieder einen Wechsel an der Gitarre verkraften. Aber das war im Nachhinein das Beste was uns passieren konnte! Der Andreas ist ein Klasse-Mann mit vielen Ideen und Kreativität. Insgesamt läuft es wieder saugut seit dem Wechsel. Das hat uns sehr motiviert.“

Bis heute hat ihn und seine Mitmusiker auf ideeller Ebene eben vor allem der Spaß an der Musik am Leben gehalten, so der Bassist. „Sowie die Szene, in der wir uns bewegen und die Freundschaft untereinander.“

Der aktuelle Albumtitel „Society“ inspiriert in Verbindung mit der gebotenen wütenden Sound-Orgie nicht wenig dazu, bei dieser Band hinsichtlich massenmedial konzertierter Massenverdummung heutiger Tage nachzufragen. Dieter gibt sich locker:

„Mich pisst da nichts wirklich an! Jeder soll machen wir er will. Und bei so einem Treiben muss ich nicht mitmachen. Ich habe nur den einen Wunsch, dass die Leute wieder anfangen ihr Hirn zu benutzen. Jeder hat es doch letztlich selbst in der Hand, ob er ein gutes Buch liest oder ob sich ,Frauentausch‘ oder ,Deutschland sucht den Superstar‘ anschaut!“

Wir beide kommen schließlich auch noch auf die Liedertexte des aktuellen Langdrehers zu sprechen. Gibt es einen oder mehrere Tracks, welche meinem Gesprächspartner lyrisch ganz besonders nahe am Herzen liegen? Und, ja, einen gibt es tatsächlich, so der Mann. Heftiger Hintergrund:

„Der Song heißt ,Kevin‘! Ich hatte vor elf Jahren nach einem Konzert einen schweren Verkehrsunfall. Mit im Auto saß auch unser damaliger Sänger. Der Typ hatte 1,6 Promille im Blut und hat uns von der Strasse geschossen. Unser Sänger und ich waren schwer verletzt. Bei mir hat es über sechs Monate gedauert bis ich wieder arbeiten konnte. Und dieser Typ hieß eben Kevin!“

Gegenwärtig schreiben Epitome Of Frail gerade an ihrem nächsten Album, wie noch in Erfahrung zu bringen ist. „Eine Tendenz, in welche Richtung es geht, ist derzeit noch nicht zu sehen. Ich glaube es wird melodiöser.“

© Markus Eck, 27.03.2013

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