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Interview: END OF GREEN
Titel: Unverändert gefestigt

Auch mit ihrer aktuellen Veröffentlichung, dem Album „The Sick’s Sense“, bewiesen sie ihre Echtheit als Musikgruppe einmal mehr. Und die beliebten fünf schwäbischen Melancholikermannen End Of Green zelebrieren ihren nachdenklichen Dark Rock noch immer mit einer obergehörigen Portion an emotionaler Tiefe.

In der Tat, es gehört schon einiges dazu, sich mittels solcherlei spezieller Stilistik so viele Jahre bei den Hörern zu behaupten. Ist aber auch kein Wunder: Denn für das ausdauernde Göppinger Quintett mit dem auffallend beständigen Line-Up zählt die eigene Düsterkunst halt auch nach wie vor zum wichtigsten Inhalt des Daseins überhaupt.

Und seinen genreberühmten knallroten Ziegenbart trug End Of Green-Gitarrengreifer Michael Setzer alias Sad Sir auch im gerade frisch vorüber gegangenen Jahr 2008 sowieso wieder mit allergrößter Überzeugung vor sich her und auch gerne zur Schau.

Herzlich lachend resümiert der Klampfer dazu:

„Ja, den habe ich mittlerweile wohl schon seit ganzen zwölf Jahren so. Er ist ein fester Teil meiner Persönlichkeit geworden. Warum genau? Das weiß ich selbst nicht, aus modischen Aspekten heraus halte ich daran aber ganz bestimmt nicht fest. Als ich damals damit begann, war es jedenfalls total in, dass sich beinahe alle Typen die Haare blondieren ließen und das dann nachfolgend raus wachsen ließen – auch ich wollte da natürlich nicht nachstehen“, blickt der unbeirrbare Individualist zurück.

Mehr: „Mit meinen Dreadlocks wollte ich das aber so nicht machen. Also musste mein Kinnbart dran glauben. Wenn ich aber meinen Bart aufgrund seiner speziellen Konsistenz der Haare blond färbe, sieht das bei mir wie hautfarben aus, wie ich im Zuge dessen feststellen musste. Am Schluss sah das dann leider so ähnlich aus wie ein Doppelkinn – also lieh ich mir vom damaligen WG-Mitbewohner kurzerhand rote Haarfarbe aus. Tja, und dabei blieb ich bis heute“, berichtet der Saitenmann weiter zu einer seiner ganz persönlichen Vorlieben, wobei man als Außenstehender um ein Quäntchen Bewunderung dafür wohl nicht ganz herumkommt.

Apropos, seine persönliche Einschätzung zum Jahresverlauf 2008 umschreibt der Griffbrettreißer als „ziemlich turbulent“:

„Trotzdem oder gerade deswegen aber eben auch sehr befriedigend. Für mich selbst stand auch in diesem Jahr natürlich wieder mal End Of Green an allererster Stelle. Den anderen in der Band geht es da ganz genauso. So verbrachten wir auch dieses Jahr wieder mal volles Programm mit End Of Green. Wir wollen beziehungsweise könnten uns auch gar keine schönere Ablenkung vom so genannten `Restleben` vorstellen. Nicht, dass ich mit meinem Leben außerhalb der Band überhaupt nicht zufrieden wäre, aber das Musizieren mit meiner Truppe ist halt nach wie vor das Allergrößte für mich.“

So soll es sein, und so sind laut Aussage von Rotbart Michael auch all die eher stressigen Situationen im musikalischen Bereich stets bestmöglich zu meistern:

„Bei uns passt das alles. Letztes Jahr war für uns also ein sehr gutes. Wir waren wir ja mal wieder eine halbe Ewigkeit im Studio mit den Aufnahmen zur neuen Platte zugange und wir waren 2008 auch live erneut extrem viel unterwegs. So verbringen wir immer wieder enorm viel Zeit miteinander, wobei uns auch die private Freundschaft zwischen den einzelnen Bandmitgliedern immens zugute kommt. Was kann es denn Schöneres geben, als seine künstlerisch aktive Zeit mit den eigenen besten Kumpels zu verbringen?“, stellt der Sympathische nachfolgend mit aller Überzeugung in der tiefen Stimme eine kontextbezogene Gegenfrage.

Es hört sich im turbulenten Rockzirkus wirklich beinahe unglaublich an, aber die Göppinger Gefühlsspezialisten spielen nun schon seit einer Dekade (!) ohne Besetzungswechsel. Michael expliziert, angenehm freudig lachend:

„Ich selbst kam vor zehn Jahren in die Band, und bin noch immer das `neueste` Mitglied. Und sonst hat sich nicht viel getan auf dieser Ebene; in End Of Green sind eben von Anfang an immer die gleichen Kumpane am rocken.“ Prädikat: Äußerst selten.

Freigeist Setzer’s allerschönster Moment 2008 war dann auch eindeutig der für ihn unvergessliche Moment, als die neue Platte seiner Combo offiziell veröffentlicht wurde. Er spricht mit beschwörendem Tonfall:

„Wir verbrachten diesen Abend beim SummerBreeze Open Air und konnten das Ende des Countdowns an diesem speziellen Tage ehrlich gesagt gar nicht abwarten. Bis 0:00 Uhr Mitternacht haben wir uns alle fünfe regelrecht einen abgezittert, dann war der Veröffentlichungstermin endlich da. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, welches wir am darauf folgenden Tag glücklicherweise sogar noch mit unserem Live-Auftritt dort krönen konnten. Und war es nämlich enorm wichtig, unsere neuen Kompositionen endlich all den Hörern da draußen zugänglich machen zu können.“

Über 2008 persönlich durchlebte negative Gegebenheiten konnte mir der erneut bemerkenswert freundlich kommunizierende Gitarrist nichts Nennenswertes berichten, was natürlich keinen von uns beiden auch nur ansatzweise störte.

© Markus Eck, 10.01.2009

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