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Interview: EMPYRIUM
Titel: Inspirative Naturliebe

Mit „Weiland“ veröffentlichen die deutschen Naturmystiker Empyrium ihr viertes Album, welches erneut eine ausgedehnte imaginäre Reise durch verzauberte Waldreiche ermöglicht.

Mittels besinnlich und entrückt anmutender Klänge, die ruhigstellen und besänftigen, geleiten einen die Lieder währenddessen an der Hand.

Nach ihrem großartigen 1996er Debütalbum „A Wintersunset“, dem ein Jahr später folgenden Fulltimer „Songs Of Moors And Misty Fields“ und dessen 1999er Nachfolger „Where At Night The Wood Grouse Plays“ hat sich das belesene Duo eine künstlerische Ausnahmestellung in der musikalischen Dunkelzunft geschaffen.

Empyrium bestehen aus Sänger Thomas Helm, der auch den Flügel spielt, und Ulf Theodor Schwadorf. Dessen bürgerlicher Name ist Markus Stock. Man kennt ihn auch schon seit längerem als fähigen Produzenten der labeleigenen Klangschmiede Studio E.

Multiinstrumentalist und Tontechniker Schwadorf hat einiges auf dem Kasten.

Er zeichnet auf „Weiland“ für akustische Gitarren, Bassgitarre, Mellotron sowie Schlagzeug und einen mystisch inszenierten Sprechgesang verantwortlich.

Meister Schwadorfs grenzenlose Liebe zur Natur, sie ist auch zentrales Thema auf dem neuen Album.

Die aktuellen Stücke entstanden wieder aus dem prägenden Haupteinfluß Naturverbundenheit sowie einem signifikanten Hang zur Tragik und Romantik, wie der Hauptinitiator von Empyrium berichtet.

„Es ging uns bei `Weiland` vor allem darum, die vielen reizvollen Stimmungen der Natur auf eine sehr konkrete Art musikalisch und textlich umzusetzen – nicht nur durch Melodieführung, sondern auch durch Arrangements und Instrumentierung der einzelnen Kapitel. Ein signifikanter Hang zur Romantik und Tragik liegt wohl in unserer Natur.“

Deswegen entstand die Direktive, die zwölf Kompositionen des neuen Albums diesmal auf drei Kapitel aufzuteilen. „Diese Idee entstand eben aus jenem oben erwähnten Grund: Durch die Natur entstandene Stimmung musikalisch überaus detailreich und sehr konkret zu reproduzieren.“

Dieses Vorhaben ist den beiden Schöpfungsspiritualisten wieder erfolgreich gelungen.

Nachfolgend erfahren wir ein wenig zur Entstehung der einzelnen Kapitel als auch einzelner Kompositionen von Schwadorf.

„`Heidestimmung` entstand als aller erstes Stück und ist wohl am ehesten mit den früheren Empyrium-Werken vergleichbar – wenn auch ausgereifter und stimmungsvoller. Es ging uns bei der Atmosphäre hauptsächlich darum, Größe und Weite, also Verlorenheit zu erschaffen. `Waldpoesie` stand als zweites Stück und ist das wohl dramatischste und theatralischste Kapitel von `Weiland`. Hier ging es uns darum, die stockdunkle Finsternis und die grandiose Schönheit eines sonnendurchfluteten Waldes zu inszenieren. An dem Stück `Wassergeister` arbeiteten wir als letztes. Es ist das stillste und in sich gekehrteste Kapitel auf `Weiland`. Vor allem durch die Verwendung des Flügels wird hier eine sehr greifbare Atmosphäre von Seen, Wasserfällen, Sagen und Mythen von jenen Orten erzeugt, die wir beschreiben.“

Der Albumtitel „Weiland“ ist laut Schwadorf gar nicht so weit hergeholt, wie man anfangs vermuten möchte. „`Weiland` ist ein deutsches, jedoch heutzutage selten gebrauchtes Wort und bedeutet in etwa `damals` oder `einst`. Es ist ein sehr schönes, sehr erhabenes Wort mit einer zu unserer Musik gut passenden Bedeutung und Klangfarbe.“

Auch der thematische Hintergrund und die jeweilige Entstehung der einzelnen Stücke sind teilweise authentischer Natur.

„`Heimwärts` ist ein Stück, das auf dem Reisebericht eines Mannes aus dem 19. Jahrhundert basiert. Der Mann, ein Ortsunkundiger, wollte am späten Abend mit seiner Kutsche die Heide durchqueren, als ihn ein Kälteeinbruch überraschte. Einheimische fanden den Mann und sein Pferd einige Tage später erfroren auf. `Fortgang` ist ein lyrisches Stück, das die Stimmung der Heidelandschaft mit eigenen Gefühlswelten verbindet. `Waldpoesie` ist ein sehr theatralisches Stück mit klassischer Märchenthematik – ein junger Mann vergißt völlig die Zeit und wird vom Einbruch der Dunkelheit überrascht. Er muß eine Nacht alleine im finsteren Wald verbringen, wobei ihm so manches durch den Kopf geht. Mit `Die Schwäne im Schilf` haben wir eine Schauermär vertont, die den romantischen, ästhetischen Freitod einer jungen Frau darstellt. Und das Stück `Fossegrim` basiert auf einem Geist aus der nordischen Mythologie, der hinter dem Wasserfall haust und dort in der Nacht auf seiner Fidel spielt – schöner und trauriger als es je zuvor ein menschliches Wesen vernommen hat. Auch das Stück `Der Nix` bezieht sich auf eine Sagengestalt in alten deutschen Mythen, welche im Wasser lebt. Er lockt junge Frauen mit verführerisch-schönen Seerosen an die Teiche und Bäche, um sie dann in die Tiefe zu ziehen und für immer in die Unterwelt zu entführen. `Das blau-kristallne Kämmerlein` schließlich stellt den atmosphärischen Ausklang des Albums. Es soll die Frage vertiefen: Was befindet sich wohl unter der dicken, blauen Eisschicht der Seen im Winter?“

Sehr interessant ist es, welche in der Natur gemachten Erfahrungen beziehungsweise von der Natur gegebenen Einflüsse die Texte von Empyrium im Speziellen widerspiegeln.

„Das intensive Erleben der Stimmungen der Natur sowie das Schwelgen in Märchen und Sagen während man sich in der Natur aufhält. Es schürt das `mythenerzeugende Brustangsterlebnis`, wie es ein Sagensammler aus meiner Heimat mal so schön ausgedrückt hat.“

Das hat Naturfreund Schwadorf gut rezitiert. Welche Gefühlsregungen wünschen sich Empyrium wohl von ihren Hörern während und nach des Hörens der neuen CD am meisten, fragt man sich. Oder überlassen sie die Hörer am liebsten ihren ureigenen jeweiligen Empfindungen?

„Wir wünschen uns natürlich, daß sich der Hörer mit unserer Musik auseinandersetzt und sich Zeit und Ruhe dafür nimmt. Dann dürfte einer Reise in eine Welt voller Mythen und Mysterien, voller Angst, Panik und Naturmystik eigentlich nichts im Wege stehen.“

Klassische Komponisten der Vergangenheit haben Empyrium seit jeher entfernt beim Songwriting beeinflusst. Schwadorf:

„Wir mögen Grieg und Schubert sehr gerne. Deswegen sind uns Griegs `Peer Gynt` Suiten und Schuberts `Winterreise` sehr nahe.“

Mit der Wahl des Frontcover Gemäldes für das neue Album haben Empyrium neben der dargebotenen Musik auch optisch sehr guten Geschmack bewiesen. Schwadorf ist zufrieden damit:

„Es ist von dem bekannten schwedischen Künstler und Musiker Niklas Sundin, der auch mit Dark Tranquillity bekannt wurde. Es paßt hervorragend zu unserer neuen Platte und deutet schon im Vorfeld gleich sehr gut an, welche Art von Stimmungen auf „Weiland“ wiedergeben werden.“

So bleibt es der Phantasie der Hörer überlassen, was darauf verschwommen um den dargestellten Mond herum tanzt.

Auf „Weiland“ arbeiteten die beiden Empyrium Mitglieder mit einer Reihe von Gastmusikern zusammen, die ihre Sache sehr gut gemacht haben, wie Schwadorf lobt:

„Da wir mit sehr talentierten und wunderbaren Musiker/innen zusammenarbeiteten, war die Arbeit mit ihnen glücklicherweise sehr streßfrei und angenehm.“

Leider ist „Weiland“ das letzte Album mit Empyrium. Doch es stehen schon einige Pläne für zukünftiges Schaffen fest. „Ich werde mit Thomas Helm noch Ende dieses Jahres ein neues Projekt ins Leben rufen, in welchem wir unsere Vorliebe für den großen, epischen Prog Rock der 70er ausleben werden.“

© Markus Eck, 19.03.2002

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