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Interview: DILUVIUM
Titel: Zauberhafte Klangkreationen

Mit ihrem schlichtweg ergreifenden Debütalbum „Aurora” ist dem Sextett Diluvium ein nicht alltägliches Werk tiefgründiger und sehnsüchtig spiritueller Musizierkunst gelungen.

Ihr anmutiger und gotisch inspirierter Dark Metal ist von stark dramaturgischer Ausrichtung. „Aurora” ist eine echte Perle dieses Genres, von welchen die edelsten und allerschönsten bekanntlich aus erst aus großen Tiefen an die Oberfläche geholt werden.

Überhaupt, Diluvium sprechen eine ganz eigene und sanfte musikalische Sprache, welche von der Band in vollendeter Perfektion beherrscht wird.

Mittels unzähliger verträumter Melodien in ihren schwärmerischen Stücken schaffen sie es scheinbar mit spielerischer Leichtigkeit, die Sinne der Konsumenten auf lange imaginäre Reisen in emotionale Gedankenwelten zu schicken.

Gefühl scheint hier sowieso tragendes Gerüst zu sein: Die Gitarrenharmonien werden niemals zu hart inszeniert, die anschmiegsam erscheinenden Kompositionen bewegen sich ausschließlich in Slow Motion und auch die Arrangements wurden stellenweise butterweich und sanft aneinandergereiht.

Ein nicht enden wollender Reigen an herrlichen und herzzerreißenden Melodien sowie die beseelte Sopranstimme von Sängerin Milica Plavšić ermöglichen mittels des neuen Albums gar weitreichende imaginäre Entdeckungsreisen ins Innere der eigenen Seele.

Der verträumt agierende Sechser legt daher deutlich hörbar sehr großen Wert auf vielschichtige Gefühlsebenen innerhalb seiner durchdacht wirkenden Kompositionen, welche trotz des noch jungen Alters der Band schon bemerkenswert ausgereift klingen und geradezu zu verzaubern wissen.

Härtefanatiker wird die Band sowieso nicht anziehen.  

Alle Metaller mit Hang zu melancholischen Stunden werden jedoch großen Gefallen und Erfüllung an „Aurora“ finden. Mit den Keyboards können Diluvium zudem auch sehr versiert umgehen; denn denen entlockt Keyboarder Aleksandar Stevanovic stellenweise sakrale Kirchenorgelklänge, welche die mentale Verlorenheit der Hörer in diesem reizvollen Album noch forcieren können.

Aurora war die römische Göttin der Morgenröte, was als gute Einstimmung auf das Album und seinen reizvollen Inhalt dienen kann. Lead-Gitarrist Milorad ist mit Recht stolz auf sein stark emotionales Ensemble.  

„Wir sind nun schon seit längerem zu sechst am Ball und es funktioniert einfach hervorragend mit dieser Besetzung; fünf Musiker und unsere Sängerin Milica. Der Rest der Band setzt sich aus dem Rhythmusgitarristen Andreja Pesic sowie unserem Trommler Vladan Bozilovic, mir und den Brüdern Stevanovic zusammen, von denen Aleksandar die Keyboards übernommen hat und Miodrag als Tieftöner fungiert.“  

Ein harmonisches Bandgefüge findet Milorad bei seiner Art von Musik auch ganz besonders wichtig, wie er sagt.

„Denn jedwede Disharmonie wäre in den Songs sofort zu spüren und die Hörer könnten dies auch sofort nachvollziehen. Unsere Songs sollen aber ein Höchstmaß an innerer Harmonie ausstrahlen.“

Das stark nach emotionalen Aspekten arbeitende Ensemble ist genauso wie Milorad natürlich schon sehr neugierig auf die globalen Reaktionen von Presse und Fans auf „Aurora“.

Nach einer kurzen Einweisung in die Besetzungsliste von Diluvium schwenkt er somit schnell über zur anstehenden Albumveröffentlichung:

„Ich bin wie auch der Rest der Band wirklich schon sehr neugierig auf die weltweiten Reaktionen. Wir haben soviel Arbeit und Hingabe in `Aurora` investiert; hoffentlich wird das Album ausreichend zur Kenntnis genommen und entsprechend gewürdigt. Trotzdem sind wir recht bodenständige Realisten und erwarten uns daher auch natürlich nicht zuviel von der anstehenden Veröffentlichung, aber eine Bestätigung unserer Bemühungen durch breitenwirksames aufkommendes Interesse würde uns schon wirklich glücklich machen.“   

Was für eine selten ehrliche und auch irgendwie liebenswert schüchterne Aussage.

Ich komme hier deswegen nicht mehr umhin, vorsichtig einen kleinen Bandvergleich anzubringen: Und zwar zu Tristania, den elitären Majestäten des einfühlsamen Gothic Metal. Deren an Emotionalität nämlich auch stellenweise schier nicht mehr zu steigernde Kompositionen wandeln auf ähnlichen Pfaden wie diejenigen von Diluvium.

Allerdings mit einem ganz gravierenden Unterschied: Diluvium ist eine noch junge Truppe, der jegliche Routine abzugehen scheint. Dies macht sie in meinen Ohren – von der Situation bedingt – sogar noch reizvoller, da sämtliche Songs direkt aus den bebenden Herzen der Urheber zu stammen scheinen. Jeder ein Tränenstrom für sich, ohne bewußtes Kalkül.

Natürlich haben beide Gruppen ihren ganz eigenen spezifischen Reiz, aber ich denke, man versteht, was ich damit vermittelt haben will. Milorad knüpft an: „`Aurora` ist das lateinische Wort für den Sonnenaufgang oder besser -untergang. Für uns stellt es eine Metapher in Bezug auf unsere Musik dar. Wie der Morgen der Beginn eines neuen Tages ist – und vielleicht auch der Beginn eines neuen oder veränderten Lebens sein kann – so wollen wir mit unseren Songs ein Bewußtsein für die Wichtigkeit eines manchmal erforderlichen Neuanfangs wecken.“  

Gut gewählt, stellt man fest, hört sich die Musik der Band doch auch wie eine Erneuerung beziehungsweise Veränderung der Seele zu positiverer innerer Stimmung an.

„Aurora“ wurde in den österreichischen CCP Studios produziert. Diluvium waren dort zwei Monate zugange.

„Die Arbeit lief reibungslos ab und die gesamte Band ist auch sehr zufrieden mit der Produktion.“  

Man muß ihm Recht geben. Die Songs rutschen nicht zuletzt wegen der adäquaten Klangreinheit nur zu leicht in die Gehörgänge, um sich darin festzusaugen.

Milorad hat auch ziemlich an den Stücken gefeilt, wie er zugibt. Und er hat fast alle Songs auf „Aurora“ im kreativen Alleingang komponiert:   

„Für die Songs benötigten wir eine relativ lange Ausarbeitungszeit, da wir schon gleich beim `ersten Mal` alles richtig machen wollten. In Ausnahmen half mir Rhythmusgitarrist Andreja Pesic, der tatkräftig und unverdrossen an meiner Seite stand.“

Das kenne ich irgendwoher. Meistens erwies sich solcherlei Vorhaben, vor allem in jüngeren Jahren, als unmöglich.

Von daher freut es mich für unsere Helden sehr, daß alles nach ihren Vorstellungen geklappt hat. Wie der Lead-Gitarrist weiter berichtet, arbeitet die Band die Stücke jedoch dann letztendlich in Gemeinschaft aus:  

„Auch dies ist bei unserer gespielten Stilistik von enormer Wichtigkeit. Jeder von uns soll sich mit einem Song vollständig identifizieren können und ihn von daher mit aller Kraft seines Herzens lieben. Nur dann verschmelzen wir als Musiker miteinander und sind in der Lage, atmosphärische Dichte zu erzeugen.“  

Genau das haben bisher nur sehr wenige, leider viel zu wenige Vertreter dieses Metiers ausreichend kapiert beziehungsweise ergiebig umgesetzt. Ein weiterer Grund also, diese feine Band einmal tiefgehend anzutesten und sich mit ihren wirklich bewegenden Stücken etwas Gutes zu tun.  

Der nachtschwärmerische und begabte Visionär verfaßte auch sämtliche Lyrics für „Aurora“, wie er im Weiteren berichtet. „Wobei mir die anderen aber auch nachträglich enorm halfen, diese zu perfektionieren.“ Kann er in der Nacht am effektivsten komponieren, so ist es mit dem Texten ebenso, wie er zu Protokoll gibt.

Seiner Meinung nach ist der musikalische Style seiner Band mit Gothic Metal nicht ausreichend umschrieben.

„Das wäre der Musik, die wir spielen nicht gerecht, da wir uns doch sehr von den gängigen Strickmustern solcher Bands unterscheiden, die doch allesamt mehr oder weniger das Gleiche machen. Wir haben einige Elemente in unseren Songs, die uns vom Gros der Branche unterscheiden.“   

Und diese Songs sind auf lyrischem Level von sehr interessanter Natur.  

„Meistens dreht es sich um die Liebe oder um imaginäre dramatisch tragische Ereignisse. Gerade der erste Song des Albums, `Like A Saint In A Velvet Rags`, reflektiert dies gleich in aller Deutlichkeit.“

Der Gitarrist ist überzeugter metallischer Traditionalist und kann mit der heutigen Metal-Szene nicht mehr so viel anfangen:  

„Gerade in den letzten Jahren haben diese mannigfaltigen – und von der Musikindustrie kreierten – Trendstilistiken den Markt dermaßen überflutet, daß gerade die weniger bekannten Newcomer fast keine Chance mehr haben.“  

Und seiner Meinung nach ist die ganze Sache auch von einer enormen Oberflächlichkeit und Schnelllebigkeit durchzogen worden.  

„Welche Band steht denn heutzutage schon noch vollkommen hinter ihrem Konzept oder den Inhalten ihrer Songs?“, fragt er vollkommen zurecht.   

Denn er steht auf ehrliche Bands wie My Dying Bride, die er wirklich respektiert. Oder die Schweizer Goth Rocker Lacrimosa, die für Milorad gar die beste Gothic Band überhaupt darstellen. Und The Gathering, Nightwish, The Third And The Mortal, aber auch Lacuna Coil gefallen ihm sehr gut.  

Was die Live-Aktivitäten in unserer Heimat anbelangt, so will die Band definitiv schon gleich bei der ersten Einladung in Deutschland spielen. „Wir lieben es live zu spielen und gerade das deutsche Publikum ist weitreichend dafür bekannt, eine besonders gute Stimmung während der Konzerte aufkommen zu lassen.“  

© Markus Eck, 05.10.2001

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