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Interview: DEMONAZ
Titel: Eiserne Treue

Als langjährig eingeschworenen Immortal-Gitarristen Demonaz Doom Occulta kennen ihn die allermeisten der weltweiten Black Metal-Jünger.

Und auch als Cheflyriker machte der Bergener Musikfanatiker Harald Nævdal, wie er für das bürgerliche Leben genannt wurde, bei den norwegischen Schwarzmetall-Galionsfiguren bislang eine sehr gute Figur. Vor einiger Zeit trug er seiner länger gehegten Entscheidung dann Rechnung, ein Soloalbum auf die Beine zu stellen, und scharte drei Kollegen um sich. Kein Zweifel: So sollte, ja, so musste es sein.

Denn nicht einmal von seiner langwierigen Sehnenscheidenentzündung ließ sich Idealistenseele Nævdal abhalten, das Demonaz-Ding mitsamt Tieftöner Abbath, dem zweiten Gitarristen Ice Dale sowie Drummer Armagedda durchzuziehen.

So stellte der vierköpfige Haufen jüngst das Debütalbum „March Of The Norse“ fertig: Eisiger, melodisch-epischer und betont heroischer Black Metal spielkulturell sehr edel tradierter Machart, mit nicht geringem Bathory- und Manowar-Einschlag.

Wobei Songtitel wie beispielsweise „A Son Of The Sword“ oder „Where Gods Once Rode“ auch eine deutliche Sprache sprechen.

Gesprochen wird dazu noch mehr, und zwar von Metalmessage mit dem Mann hinter Demonaz.

„Ich habe gerade sechs Gigs mit Immortal hinter mir, was sehr gut gelaufen ist. Fast alle Konzerte waren ausverkauft und wir hatten großen Spaß an den Auftritten. Es war mal wieder großartig zu erleben, wie viele Leute noch immer hinter Immortal stehen“, freut sich der Kerl, der nach wie vor emsig hinter den Kulissen von Immortal und nun auch als Sänger an seiner Solokarriere arbeitet.

Der leidenschaftliche skandinavische Songtexter ergänzt dazu: „Selbst in meinen gesundheitlich schwierigsten und problematischsten Zeiten blieb ich Immortal treu. Und Immortal blieben mir treu. Da lernt man, was es heißt, sich durchzubeißen. Und da ich mich aufgrund meiner Armerkrankung noch tiefer in die Songtexte von Immortal rein hing, und merkte, wie gut dies von der Hand ging, wollte ich irgendwann auch eigene Songs kreieren, spielen und letztlich veröffentlichten. Demonaz als Band waren geboren. Mit der Zeit wuchs dann die Anzahl meiner Kompositionen und ich konnte auf drei wackere Mitstreiter zählen. Zusammen spielten wir ‚March Of The Norse’ ein und freuen uns nun auf den Release der Scheibe. Ich erhielt den Plattenvertrag als Band Demonaz dazu ja ohnehin schon vor einiger Zeit. Somit konnte ich meiner musikalischen Vision vor einem entsprechend stabilem Hintergrund bestmöglichen Ausdruck verleihen.“

Was nun die textlichen Inhalte der neuen Demonaz-Track anbelangt, so der Meister, so tragen diese seine typische lyrische Handschrift.

„Ich habe bekanntlich eine ganz bestimmte Art und Weise, Liedertexte zu verfassen. Sie sind daher wohl so geworden, wie man es auch von mir erwartet. Allerdings ging ich, im Gegensatz zu den Texten für Immortal, hierfür viel direkter vor, und stellenweise auch, sagen wir mal, ‚primitiver’.“

Und dass Songs und Texte auf „March Of The Norse“ so dermaßen „Old School“-lastig sind, hat natürlich schon seinen Grund.

Demonaz bekennt: „Ich höre persönlich überhaupt keine neueren, keine ‚modernen’ Sachen aus dem Metal-Bereich. Mein Herz schlägt für die guten alten Bands, für die Kulttruppen. Eben Bathory etc. Und ich bin ein riesiger Vinyl-Freak, der diese schwarzen großen Scheiben sammelt wie verrückt. Ich habe über die Jahre daher wahre Unsummen für seltene und exklusive Platten ausgegeben. Ich liebe meine Sammlung. CDs reizen mich ehrlich gesagt gar nicht.“

Der Norweger gibt sich zwar im Gespräch beinahe durchgehend betont nordisch cool, kann aber dennoch seine Freude über die vollzogene künstlerische Entwicklung nicht verbergen.

Mittlerweile ist auch der einst so übel entzündete Arm des versierten Saitenknechtes wieder in besserem Zustand und wir erfahren weiter:

„Mit Immortal probten wir in Spitzenzeiten ziemlich oft, und auf der Bühne standen wir in der Regel bei Live-Gigs circa 90 Minuten. Das konnte ich natürlich dann fürs Erste abhaken, doch an der Gitarre hing ich noch immer. Ich spielte ohnehin die ganze Zeit während des Krankheitsverlaufs. Ich kann sowieso nicht anders. Doch übertrieben habe ich es natürlich nicht. Mit der Zeit ging es mir daher glücklicherweise besser, und ich konnte forciert an meinen Solo-Songs arbeiten. Das gab und gibt mir viel Kraft.“

Ob letztere auch ausreichen wird, um den spielfreudigen Gitarristen mit seiner frischen Demonaz-Truppe auf irgendwelche Bühnen zu kriegen, darüber lässt sich nichts Definitives in Erfahrung bringen.

„Keine Ahnung, ob ich jemals wieder live auftreten werde. Bislang bekam ich sehr viele Anfragen diesbezüglich, aber ich lehnte allesamt kategorisch ab. Die Zukunft wird zeigen, ob ich mich je wieder auf Bühnenbrettern präsentieren werde, im Moment zieht es mich dort jedenfalls nicht hin.“

© Markus Eck, 04.03.2011

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