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Interview: DELIGHT
Titel: Näher am Lebenspuls

Über all die Jahre hat sich Sängerin Paulina ,Paula‘ Maślanka eine bemerkenswert vielseitige und belastbare Stimme antrainiert, was sich auf dem neuen Studioalbum ihrer Band Delight rundum positiv auswirkt. Dass man das Sextett auf musikalischer Ebene nur noch sehr schwer seinem einstigen Gothic Metal-Schaffen zuordnen kann, stört aktuell eigentlich nicht besonders.

Denn die neueste Album-Veröffentlichung der derzeit entschlossen aufstrebenden Polen, „Breaking Ground“ betitelt, bietet auf kompositorischer Seite überraschend ausgewogen erklingenden Modern Metal.

Die zwischen 1997 und 1998 unter dem anfänglichen Bandnamen Sator in Krakau gegründete Enthusiasten-Crew reicherte ihre neuen Kompositionen mit allerlei überaus emotionalen Zutaten an, welche mit intensiver dramatischer Manier geäußert werden.

Damit liegen Delight eindeutig voll im Trend der Zeit.

Und dies, ohne jedoch stets aufs Neue stilistisch angepasste Wendehälse zu sein, wie Frontfrau Maślanka entschlossen klarstellt.

„Wer uns so was nachsagt, hat unsere Entwicklung der letzten Jahre komplett verpasst. Die neuen Lieder reflektieren schlicht gesagt unsere privaten Hörvorlieben und -Gewohnheiten. Somit repräsentieren uns die Kompositionen von `Breaking Ground` als Musiker und Künstlergeister bestmöglich. Was sollten wir denn auch anderes spielen, als uns selbst am besten gefällt? Derzeit sind wir alle in der Band total heiß auf anstehende Live-Gigs, denn wir lieben die neuen Songs aus ganzem Herzen und können es kaum noch erwarten, vor gutem Publikum zu rocken“, freut sich die auffallend temperamentvolle Paulina aus vollem Herzen. Und wie sie nachfolgend eindringlich beteuert, waren die Lieder ihrer Band gar nie zuvor natürlicher angelegt.

„Natürlich bereut keiner von uns, zuvor noch Gothic Metal gemacht zu haben, aber diese spezifische Art von Klängen war uns irgendwann viel zu dunkel und auch viel zu einseitig. Auch das Genre selbst schien uns zu sehr limitiert in seinen künstlerischen Möglichkeiten zu sein. Zum Schluss hin mutete dies für uns wie ein viel zu kleiner Käfig an, in dem man sich gar nicht richtig bewegen kann. Irgendwann probten wir aus guter Laune heraus mal was ganz anderes im Übungsraum ein, und wir merkten dabei schon sehr schnell, wie viel mehr an Spaß uns das bereitete. Wir konnten sogar gar nicht mehr aufhören damit, neue Lieder zu schreiben, welche in Richtung Nu Metal gehen. Selbstverständlich wollten wir nichts bereits Vorhandenes kopieren, sondern die Sachen in der für uns typisch gefühlvollen Art konzipieren. So kreierten wir absichtlich nicht zu komplizierte Melodien, hielten die Dinge eher simpel, ohne aber belanglos zu sein.“

So fiel die Entscheidung laut Paulina über die zukünftige musikalische Direktive von Delight auch überhaupt nicht schwer:

„Ganz im Gegenteil sogar. Wir haben nun definitiv einen kreativen Abschnitt von Delight hinter uns gelassen. Und wir werden die für uns `neue` Stilistik sogar noch vertiefen, wir freuen uns jetzt schon drauf, das Ganze noch auszuweiten, denn mit solchen Songs kommen wir unseren Hörern näher als wir das je zuvor dachten. Delight wuchs mit der Zeit zu einer Gruppe heran, die vor allem gerne auf der Bühne steht und Freude an der gespielten Musik braucht.“

Immer nur melancholischen Düstersound zu fabrizieren, so die Frontfrau weiter, steht dem ja genau genommen im Wege. Paulina expliziert:

„Überwiegend gerieten unsere neuen Werke daher ziemlich positiv. Obwohl, wir haben unsere nachdenklichen Momente noch immer drin verbaut: Drei auf dem Album vertretene Balladen zeugen da auch davon. Allerdings platzieren wir sogar darin coole Elektronik-Sounds, welche überraschend gut mit den Piano-Parts harmonieren. Das hat uns selbst überrascht, denn anfangs hatten wir gar nicht erwartet, dass so was überhaupt songdienlich funktioniert. Trotzdem, wir sind uns absolut sicher, dass wir mit den neuen eingängig-melodischen Stücken und all den enorm kraftvollen Gitarrenriffs auch den hoffentlich zahlreichen Besuchern unserer kommenden Konzerte gehörige Energieschübe besorgen werden. Wir wollen schließlich endlich mal so richtig Action machen auf den Brettern und dabei auch wie die Irren herumspringen! Die Zeit der Besinnlichkeit bei Delight ist definitiv vor, das lassen wir gerne hinter uns zurück.“

Die Gute lässt sich in ihrem überschwänglichen Redeschwall kaum noch ausbremsen, was jedoch umso mehr für die Richtigkeit und Ehrlichkeit ihres Statements spricht. Auf den aktuellen Gruppenportraits zeigt sich die Vokalistin genretypisch mit weißem Männerhemd und schwarzer Krawatte. Darauf gezielt angesprochen, platzt eine erneute Mitteilungsflut aus ihr heraus:

„Mann, das meine ich aber auch so, das bin ich! Ich bin schließlich das einzige Mädchen bei Delight. Man kann sich ja nur allzu leicht vorstellen, dass es nicht immer so einfach für mich ist, mich entsprechend zu behaupten. Die Krawatte sehe ich als ein Statement, um zu zeigen, dass ich auch eine Menge Power in mir habe. Die Leute wollen von der Sängerin einer Rockband überwiegend ja doch nur ihren femininen Sex sehen, doch so was ist mir sehr zuwider. Ich verabscheue so was. Es soll doch dabei rein um Musik gehen, oder? Man sollte meiner Auffassung ohnehin nicht zuviel Wert auf Optisches legen, denn das lenkt doch am Ende nur viel zu sehr vom Eigentlichen ab.“

Man muss ihr, der Polin, die das Herz auf der Zunge trägt, in diesem Punkt zweifelsohne Recht geben. Auch beziehungsweise gerade, weil die allmächtige Musikindustrie selbst dies überwiegend natürlich ganz anders darstellt. Genau das aber macht wohltuend unverdorbene Bands wie Delight doch wiederum umso wertvoller.

© Markus Eck, 20.12.2006

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