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Interview: DEEP INSIDE MYSELF
Titel: Erfrischende Unverbrauchtheit

Mit ihrem nachhaltig überzeugenden Debütalbum „At A Late Hour“ beweisen diese mit großem musikalischem Enthusiasmus vorgehenden Verzweiflungsmusikanten Mut zu ebenso neuen wie innovativen Songstrukturen. Das stets auf Abwechslung bedachte Passionstrio aus der Oberpfalz vereint darauf gleichermaßen ausgeprägte Emotionalität wie auch gitarrenorientierte Wehmutsklänge und opulent inszenierte Sehnsuchtsschübe höchst verlangender Natur.

Die stellenweise überaus eingängigen Songs auf „At A Late Hour“ bewegen sich im ständigen überraschenden Wechselspiel zwischen melodiösem Gothic Metal und betont dunklem Rocksound.

„Mit der Musik trage ich meine erlebte Sinneswelt nach außen und somit decken die Songs ein ziemlich breites Spektrum an Gefühlen ab. Es ist aber nicht nur ein Ausdrücken oder ein Verarbeiten. Vielmehr dreht es sich hierbei um einen Teil unserer Leben. Und gerade diese Offenheit ist bezeichnend für Deep Inside Myself“, legt Gitarrist und Sänger Marco Bauer die Philosophie seiner Band dar.

Er verfasst auch sämtliche Lyrics für Deep Inside Myself, wobei ihm Authentizität viel wichtiger zu sein scheint als imaginative Traumtexte:

„Den Songtexten liegt eine gehörige Portion Ehrlichkeit zugrunde. Mit jedem Text reagiere ich auf Erlebnisse und Begebenheiten, die sich so oder so ähnlich in meiner Umgebung abgespielt haben. Dabei ist es mir wichtig, dem Zuhörer Platz für eigene Interpretationen zu lassen. Es würde mir nichts geben, wenn ich über Dinge schreiben würde, von denen ich keine Ahnung habe. Mir ist es lieber, wenn ich meine Erfahrungen wiedergebe, auch wenn sich so mancher negativ dazu äußern könnte.“

Anschließend nennt Marco noch sehr selbstbewusst Impressionen für sein Songwriting.

„Ich finde die Art des Songwritings der 70er und 80er ziemlich genial. Damals gab es noch genügend Spielraum für unverbrauchte Musik. Heute ist es dagegen schwer, sich irgendwo noch von anderen Bands abzuheben. Und genau das ist meine Motivation. Ich mag es nicht sonderlich, wenn wir mit anderen Bands verglichen werden. In meinen Augen haben wir es geschafft, eine doch sehr eigenständige Klangwelt aufzubauen.“

Das kann man wohl sagen, schließlich musizieren Deep Inside Myself laut Marco in erster Linie aus kreativer Freude heraus. „Wir haben keine Band oder eine spezielle Musikrichtung als Vorgabe. Wir möchten ganz einfach Musik machen, mit der wir uns identifizieren können. In meinem Plattenschrank kann man (außer `Partymusik`) die unterschiedlichsten Musikrichtungen finden und einige Bands wie z.B. Led Zeppelin haben mich schon in früher Jugend fasziniert. Doch ich kann keine Band nennen, mit der wir uns vergleichen würden. Am ehesten lässt sich unsere Musik wohl mit Dark Rock und Gothic Metal umschreiben.“ Oder mit einer Kreuzung aus genau diesen beiden Stilen.

Der Bandname Deep Inside Myself entstand nicht nur aus seinem zum Nachdenken anregenden Wortsinn heraus, er reflektiert auch die nachdenkliche Person Marco Bauer vollständig, wie dieser berichtet.

„Hinter dem Namen steht die Tatsache, dass ich in meinen Songs meist sehr persönliche Themen aus meinem direkten Umfeld verarbeite. Der Zuhörer hat die Möglichkeit, sich darin wiederzufinden, da das Material zu den Songs aus dem Leben gegriffen ist. Somit passt der Name nicht nur gut zur Band, sondern auch zu den Denkweisen einiger Zuhörer selbst.“ Und mit den geschriebenen Stücken verbindet ihn mehr als man anfangs noch annehmen möchte.

„Mir sind eigentlich alle Songs besonders wichtig, da es sich jeweils um eine Momentaufnahme meiner Gedankenwelt handelt. Ich denke aber, dass es mir beim Stück `What You May Say` sehr gut gelungen ist, Vergangenes in einem Song festzuhalten. Sehr intensiv finde ich auch `Early Autumn`, da sich momentan der Hintergrund zu dem Song in einigen seiner Ansätze auf tragische Weise zu wiederholen scheint.“

Da Deep Inside Myself sowieso eine überaus durchdacht ans Werk gehende Formation sind, entstand auch „At A Late Hour“, der Titel des neuen Albums, nicht von ungefähr.

„Der Albumtitel kann auf unterschiedlichste Art ausgelegt werden, wobei der wahre Beweggrund für die Auswahl des Titels recht einfach ist. Das Songwriting und die Aufnahmen zu `At A Late Hour` lagen zwar zeitlich etwas auseinander, doch eines haben die Recording-Sessions und das eigentliche Stückeschreiben gemeinsam: Die Tageszeit, in der der größte Teil davon entstand. Es hat sich herausgestellt, dass wir bei Nacht am produktivsten sind und bei der Suche nach einem Albumtitel haben wir darauf geachtet, dass der Titel wirklich zu den Umständen und zu den Gegebenheiten passt, welchen wir während der Arbeiten zu dem Album unterlagen. Nicht selten haben wir bis in die frühen Morgenstunden an dem Werk gearbeitet und daher finde ich den Titel treffend.“

Marco war aber nicht seit jeher den aktuell favorisierten Klängen in solchem Maße zugetan, wie von ihm zu erfahren ist. „Zu Anfang meiner Tätigkeit als Bandmitglied stand der Thrash Metal im Mittelpunkt unseres Schaffens. Im zarten Alter von 15 Jahren habe ich in einer Thrash-Band als Gitarrist angefangen. Bands wie Kreator oder auch Slayer liefen endlos auf meinem Plattenteller und unsere Musik ging damals auch in diese Richtung. Heute hat zwar unsere Musik nicht mehr viel mit solchen Bands gemeinsam, aber so hat nun mal alles angefangen.“

Doch nicht nur im Studio, sondern auch auf den Bühnen können Deep Inside Myself überzeugen: „Wir waren schon immer eine begeisternd spielende Live-Band. Es gibt keinen Song auf `At A Late Hour`, den wir nicht auch live umsetzen können. Schon beim Songwriting wird auf eine `Live-Tauglichkeit` geachtet. Das nächste Highlight ist unser Gig beim diesjährigen Summer Breeze-Open Air 2002. Die ständig aktualisierten Dates gibt es auf unserer Website unter www.deepinsidemyself.de“

So ungewöhnlich sich die gespielte Musik anhört, so normabweichend ist auch die Bühnenpräsentation des Trios.

„Ich denke nicht, dass wir uns sehr von einer `normalen` Band unterscheiden. In Sachen Songreihenfolge sind wird durch die Programmierung aber etwas eingeschränkt. Die Reihenfolge wird zwar für fast jeden Gig neu festgelegt, doch viel Platz für Spontanität bleibt nach der Programmierung nicht mehr. Für uns ist es schon Alltag geworden, mit einem Drum-Computer Gigs zu spielen. So mancher Zuhörer wird sich aber erst daran gewöhnen müssen.“

Marco glänzt zudem mit realistischer Bodenständigkeit, was den Blick in die Zukunft der Band angeht.

„Die meisten Reaktionen auf `At A Late Hour` waren bisher recht positiv und ich denke, dass man auf dieses Album gut aufbauen kann. Es ist aber kein Leichtes, sich auf dem überschwemmten Markt auf Dauer zu etablieren. Doch die gute Unterstützung von Silverdust lässt uns für die Zukunft hoffen, einen festen Platz im Musikgeschehen einnehmen zu können. In Sachen Musikpublikum gibt es meines Erachtens keine generelle Linie. Ich kenne sehr viele Leute denen unsere Musik gefällt, obwohl diese sich sonst nicht diese Art von Musik reinziehen. Den Dark Rock-Fans wird das Album auf jeden Fall gefallen.“

Die Zukunftspläne der Jungs sind sehr erfreulich zu wissen: „Ich wünsche mir einen eisernen Zusammenhalt innerhalb der Band. Außerdem hoffe ich, dass wir auch bei den nächsten Alben auf eine Zusammenarbeit mit Silverdust nicht verzichten müssen. Dieses Label ist mehr als kompetent und auch der menschliche Aspekt kommt nicht zu kurz! Eine Tour ist noch in Planung und momentan verbringen wir viel Zeit im Proberaum. Das Album `At A Late Hour` soll auf jeden Fall einen würdigen Nachfolger erhalten, es ist jedoch noch zu früh, um auf nähere Details eingehen zu können. Es gibt aber schon Überlegungen, vielleicht einen `fleischlichen` Drummer in die Band aufzunehmen.“

© Markus Eck, 29.07.2002

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