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Interview: DARK FORTRESS
Titel: Rebellischer Existenzialismus

Mit ihrem wirklich grandiosen Albumdebüt „Tales From Eternal Dusk“ ist der deutschen Formation Dark Fortress schon ein beachtenswerter Erstschlag in das Antlitz eines jeden qualitätsfixierten Black Metal-Verehrers gelungen.

Die in meinen Augen beziehungsweise Ohren ausnahmslos brillanten Songs dieses eternalen Werkes besitzen allesamt die seltene Gabe, im Geist des Hörers eine breite Vielfalt an emotionalen Abgründen der Seele aufzutun. Mittels zahl- und zeitloser gänsehauterzeugender Melodien, welche einem ansonsten vorherrschenden Reigen an wundervollen Gitarrenlinien würdig und auch kongenial zu kontrastieren wissen, ist diese Hammer-Scheibe ohne Zweifel als einer der allerbesten und beeindruckendsten Releases dieses reizvollen Genres zu werten.

Das amerikanische Label, auf dem Dark Fortress also ihren Erstschlag veröffentlichten, bemühte in den simultan zum Release geschalteten Anzeigen immer wieder die schwedische Legende Dissection zum musikalischen Vergleich heran. Das mag ansatzweise und bis zu einem gewissen Grad auch stimmen, doch agieren Dark Fortress um Längen melodischer und vielseitiger als die zitierten Schweden. „Tales From Eternal Dusk“ erhielt zudem noch ein zauberhaft atmosphärisches Frontcover aus der begnadeten Hand des belgischen „Grandmaster Of The Dark Arts“, Kris Verwimp.

Auch das wundervolle Bandlogo von Szpajdel ist eines der bisher besten des ebenso aus Belgien stammenden und in der Szene mittlerweile doch sehr bekannten Logo-Designers. Beste Referenzen also für Dark Fortress und ihr Debüt. Shouter Azathoth ist ein echter Könner seines Fachs. Im nachfolgenden Dialog ließ sich der Frontmann von mir in die schwarzen Karten schauen und bringt seine besessene Horde etwas näher.

„Das neue Line-Up besteht aus mir, Azathoth (Gesang), Asvargr (Gitarre), Santura (Gitarre), Draug (Bass), Paymon (Keyboards) und Seraph (Schlagzeug). Das Line-Up hat sich seit den Anfangstagen 1994/95 extrem verändert, da ja von den Gründungsmitgliedern nur noch Asvargr und meine Wenigkeit übrig geblieben sind.“

Das Hauptproblem, so der Sänger, ist eigentlich immer, Leute zu finden, die sich mit der Musik, und der damit verbundenen Lebenseinstellung identifizieren können, und das vor allem über einen längeren Zeitraum hin:

„Das war eigentlich der Grund, warum in der Vergangenheit so viele Leute die Band verlassen mußten oder freiwillig gingen, weil einfach nach einer gewissen Zeit keine Motivation mehr vorhanden war. So etwas hält einen natürlich auch nur auf, und dann ist es wohl das Beste getrennte Wege zu gehen. Auch wenn ich dazusagen muß, daß wir mit keinem der ehemaligen Mitglieder ein schlechtes Verhältnis haben. Auf der anderen Seite hält es natürlich extrem auf, immer wieder neue Leute in die Band einzuarbeiten; immer und immer wieder die selben alten Songs zu erklären. Ist halt jedes Mal ein Leidensprozeß, weil man ja nichts Neues machen kann. Sondern den Leuten erst mal die alten Songs beibringen muß. Aber bisher hatten wir dennoch immer Glück, und haben schon nach Kurzem immer neue Leute gefunden. Was wahrscheinlich daran liegt, daß die Metalszene hier sehr klein ist – und jeder jeden kennt. Besonders die Musiker, die noch spärlicher gesät sind. Aber das neue Line-Up, welches wir seit Anfang 2001 haben, ist meiner Meinung nach das Stärkste, das wir je hatten. Dark Fortress hat sich dadurch in eine musikalische Richtung entwickelt, wie ich es mir immer vorgestellt hatte – aber ich dachte es wäre wohl ein Wunschtraum. Mittlerweile ist unser Sound einfach mehr Black Metal als früher. Aber man erkennt dennoch, daß es Dark Fortress ist – auch wenn das Keyboard bei den neueren Songs eine tragende Rolle spielt. Aber genau das verleiht unserem Sound einen mystischeren, dunkleren Touch, womit ich sehr zufrieden bin.“ Das sieht der Sänger völlig richtig; dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Azathoth, aus welcher Gegend stammt ihr denn genau? „Man kann sagen, daß die `Bandzentrale` eigentlich hier in Landshut ist, weil sowohl Asvargr als auch ich – und neuerdings auch Paymon – hier wohnen. Die anderen sind so im Umkreis von ungefähr 50 km verstreut, was das Arbeiten natürlich auch nicht gerade erleichtert. Bekannte Bands gibt oder gab es hier wenige. Die einzigen waren wohl im Death-Metal-Sektor anzusiedeln, und das waren Absurd Existence und Path Of Debris. Allerdings existieren beide Bands mittlerweile auch nicht mehr. Die Szene hier ist aber wieder einigermaßen am Wachsen. Und so gibt es seit einem knappen Jahr auch wieder eine hoffnungsvolle Death-Metal-Combo namens Encrusted, die wirklich geilen, groovigen Old-School Death-Metal spielen.“ Das hört man doch gerne, wünsche auf diesem Wege alles Gute.

Azathoth legt nach: „Dark Fortress wurde ursprünglich von Asvargr gegründet. Und zwar im Jahr 1994, nachdem sich seine damalige Band Carnage aufgelöst hatte – welche eher eine Mischung aus alten Kreator und Death etc. machten. Allerdings ging auch die Black Metal-Welle an ihm nicht spurlos vorüber. Da er gleichermaßen wie ich von Anfang an von diesen Emotionen, die den damaligen Black Metal ausmachten, gefesselt war. Es war so, als wäre man jahrelang auf der Suche nach etwas gewesen, daß dem eigenen Wesen entspricht. Im Black Metal fand er eben dann seine Erfüllung. Was dann auch das Ausschlaggebende war, um eine solche Band zu gründen. Richtige `Ziele` hatten wir eigentlich nie. Da von Anfang an für uns das Wichtigste war, daß wir unseren Emotionen in dieser Band freien Lauf lassen können; daß wir sie durch Dark Fortress kanalisieren können. Und das ist uns seit jeher gelungen. Auch wenn es natürlich im Laufe der Zeit immer besser wurde. Denn je befähigter man an seinem Instrument ist, desto mehr kann man logischer Weise seine Emotionen zum Ausdruck bringen.“ Exakt! Und dies ist bei Dark Fortress in hohem Maße der Fall.

Was hat die Band wohl damals bewogen, diesen Bandnamen zu wählen? Und was bedeutet er eigentlich für sie selbst? „Nun, wir suchten einerseits einen Bandnamen, der leicht zu merken ist. Zum anderen wollten wir auch einen Bandnamen, der zu unserer Faszination für das Mittelalter paßt. Und der gleichwohl symbolischen Charakter hat und Stärke repräsentiert, da jedes einzelne Bandmitglied wichtig ist. Und da kamen wir auf den Namen Dark Fortress, da eine Festung jedem Ansturm widerstehen kann. Und wie wir im Laufe der Jahre dann gemerkt haben, gab es sehr viele Leute, die diese Festung zum Einsturz bringen wollten. Aber letztendlich gescheitert sind, weil wir uns nicht von unserem Weg abbringen lassen. An dieser Stelle möchte ich auch gleich mal klarstellen, daß wir zum damaligen Zeitpunkt nicht wussten, daß Dimmu Borgir ebenfalls dunkle Festung bedeutet. Weil uns nun schon des öfteren vorgeworfen wurde, wir hätten den Namen nur geklaut, was aber nicht der Wahrheit entspricht. Und zu dem Zeitpunkt als wir es erfuhren, kannten uns eben schon einige Leute im Underground. Und da wollten wir unseren Namen eben auch nicht mehr ändern, weil er für uns auch zu wichtig ist.“

Verständlich und auch leicht nachvollziehbar. Wenn man den aktuellen Stücken so lauscht, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Dark Fortress viel Zeit, Energie und leidenschaftliche Hingabe in die künstlerische Entwicklung der Band investiert haben. Azathoth bejaht: „Musikalisch haben wir uns natürlich enorm weiterentwickelt. Wir haben allerdings die permanente Melodik und die Fusion aus Aggression und Melancholie nie verloren, da es seit jeher ein Markenzeichen von Asvargr's Songwriting war. Und solange er in der Band ist, wird sich das mit Sicherheit auch nicht ändern. Zum Einen, da ihm Abwechslung auch sehr wichtig ist, und zum Anderen ist das auch auf emotionaler Ebene erklärbar, da es keinen Menschen gibt, der nur Hass empfindet. Sondern eben auch Trauer und Schmerz. Diese Gefühle lassen wir alle in unsere Musik einfließen. Ohne Rücksicht auf Verluste, da wir immer schon das gemacht haben, was wir für wichtig halten und das auch in Zukunft so beibehalten werden.“

Das wollen wir auch hoffen, Azathoth! Der geheimnisvolle Titel des Debüts, „Tales From Eternal Dusk“, regt gleichermaßen zu vielerlei Interpretationen als auch Spekulationen an. Wir erfahren: „Nun, ich assoziierte zum damaligen Zeitpunkt mit `Tales From Eternal Dusk` einfach meine Erzählungen aus dem Jenseits. Und meine Visionen, aber auch meine Hoffnungen, die ich damit verbinde – weil ich glaube, daß die menschliche Seele hier einfach nur für einen gewissen Zeitraum in diesem fleischlichen Gefängnis gefesselt wird, um sich nach dem Tod zu entfalten.“

Klingt interessant. Azathoth geht auch näher auf die Texte der Lieder ein: „Wie ich in der vorigen Frage schon angedeutet habe, sind es meine Visionen vom Tod, da mich dieser ungemein fasziniert. Und mein tägliches Leben bestimmt, da ich nur sehnsüchtig auf den Tag der Erlösung warte! Der Tod fasziniert mich aber auch deshalb, weil es wohl das Einzige hier auf Erden ist, was diese arrogante und zugleich materiell verseuchte Menschheit nie gänzlich erforschen können wird. Und es mich mit Freude erfüllt zu sehen, wie sie deshalb alle Angst vor dem Tod haben. Weil es schlicht und einfach die Angst vor dem Unbekannten ist. Ich möchte mit meinen Texten aber auch zum Ausdruck bringen, daß es für mich persönlich völlig egal ist, was nach dem Tod mit mir geschieht. Da es in jedem Fall für mich eine Erlösung von diesem befristeten Dasein unter verlogenen Existenzen ist.“

Im Nachfolgenden listet der oftmals dunkel und abgründig philosophierende Sänger auch die Songlist von „Tales From Eternal Dusk“ auf und kommentiert die Stücke:

„Also, das Album beginnt mit `Pilgrim Of The Nightly Spheres`. Dieser Song handelt davon, wie sich jemand auf Grund dieser kranken Gesellschaft immer weiter vom irdischen Dasein entfernt, indem er sich seine eigene dunkle Traumwelt aufbaut und immer wieder in diese flüchtet, bis er eines Tages nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann. Und letztendlich den Selbstmord wählt, um für immer in seine Welt zu gelangen. `Twilight` handelt ebenfalls vom Selbstmord: Von jemanden, der sich auf Grund dieser unendlichen Einsamkeit das Leben nimmt. Weil es für ihn kein Leben mehr darstellt, sondern lediglich ein tägliches Dahinvegetieren und ihn die Einsamkeit innerlich auffrißt. Tag für Tag, Nacht für Nacht. Mit dieser Einsamkeit meine ich hierbei aber nicht Liebe. Sondern auch die Einsamkeit, die man empfindet, wenn man sich die Menschen auf der Strasse so ansieht, und einem immer wieder bewußt wird, daß man einfach ganz anders ist, als sie, obwohl sie im Endeffekt auch aus Fleisch und Blut bestehen. Aber ihr intrigantes Verhalten dennoch nur befremdend ist. Und in diesem Moment wird einem bewusst, wie allein man eigentlich dasteht. Aber zurück zu `Twilight`: Nach dem Tod geht das Leid in verstärkter Form für diese Person weiter. Weil er einfach durch seine ganzen Erinnerungen, den Schmerz und die Trauer der Hinterbliebenen an das Diesseits gebunden ist – und somit zwischen Dies- und Jenseits gefangen ist. Gepeinigt von der Trauer und der Erinnerung. Bei `Apocalypse` ist eigentlich der Titel schon Erklärung genug. Wobei ich hierbei eigentlich auch den Zusammenhalt innerhalb der Black Metal-Szene fördern wollte, weil man nur gemeinsam stark ist und man sinnbildlich für die gleiche Sache kämpft. Die Rebellion gegen das Christentum, aber auch gegen sämtliche anderen Religionen steht hierbei im Vordergrund. Auch wenn diese im Text geschilderte Ausrottung natürlich ebenfalls sinnbildlich zu sehen ist, da ich realistisch genug bin, um zu wissen, daß es einfach nicht möglich ist, sämtliche Religionen auszulöschen. Aber daß wir Ihnen durch unsere Musik und durch unsere Texte zeigen können, daß wir niemals dazu bereit sind aufzugeben und ihrem Weg zu folgen!

Danach folgt die Trilogie „Immortality Profound“, die laut Aussage des Shouters auf den ersten Blick wohl wie eine billige Tolkien-Kopie erscheinen mag. „Aber ich habe hier in Wirklichkeit versucht auf dem Epos `Der Herr der Ringe` basierend meine eigene Geschichte zu entwickeln – indem ich Parallelen von dieser fiktiven zur realen Welt ziehe. Die Geschichte handelt hierbei von einem Nazgul, der gebunden durch seinen Fluch der einzig Überlebende auf dem immer mehr verfallenden Mittelerde ist – und ihm diese Welt einfach nur kahl und trist erscheint; er einfach ausgelaugt und auch lebensmüde ist. Dennoch muß er jede Nacht zurückkehren an diesen Ort. Von einem inneren Drang getrieben nach etwas zu suchen, das ihn erlöst von diesem Dasein. Obwohl er im Endeffekt nicht mal genau weiß, nach was er auf der Suche ist und er keinen sehnlicheren Wunsch hat als endlich zu sterben.“

Und die Parallele, die er hierbei gezogen hat, so Azathoth, ist, daß er sich selbst schon sehr oft so gefühlt hat wie besagter Nazgul in seiner Song-Geschichte: „Da ich mir auch oft zu diesem Dasein verdammt vorkam und von einem inneren Drang getrieben wurde, nach etwas zu suchen, das Erlösung bereitet. Das glücklich macht und das einem Sinn für dieses Dasein gibt. Doch irgendwann kommt man zu der schmerzhaften Erkenntnis, daß diese Suche nie erfolgreich sein wird. Weil man es nie finden wird. Und man lediglich auf den Tag der Erlösung warten muß – da man darüber keine Macht hat und sich dem Schicksal fügen muß. Der nächste Song auf `Tales From Eternal Dusk` ist `Misanthropic Invocation`, was man als eine Art Abrechnung mit einer bestimmten Person sehen kann – aber damit auch zugleich mit einem Großteil der Menschheit. Weil diese Person genauso intrigant und materiell verseucht ist, wie für mich der größte Teil der Menschheit, die sich aus reinem Geltungsbedürfnis gegenseitig von einem Trend in den nächsten jagen, ohne dabei zu merken, daß dadurch jeden Tag ein Stück ihrer Einzigartigkeit stirbt. Denn meiner Meinung nach ist jeder Mensch bei seiner Geburt einzigartig und eben noch nicht von dieser Gesellschaft verblendet. Doch leider gelingt es nur sehr wenigen Menschen im Laufe der Zeit nicht zu einer Kopie der Kopie zu mutieren. Durch `Misanthropic Invocation` möchte ich darlegen, daß nach dem Tod erneut abgerechnet wird – und dass mein Haß sie stets begleiten wird für all ihre trügerischen Taten. Danach kommt `Crimson Tears`, wobei es hier wieder um Selbstmord geht – um jemanden, der durch den Selbstmord der Leere, welche diese Dimension für Ihn darstellt, zu entfliehen versucht. Aber nur um danach festzustellen, daß nach seinem Ableben eine weitere Leere auf ihn wartet und seine Wunschträume von innerem Frieden mit ihm gestorben sind.“

Anschließend kommt dann der Titelsong, so der Sänger: „`Tales From Eternal Dusk`. Hierbei geht es um jemanden, der sich das Leben nimmt, weil es für ihn ohne seine verlorene Liebe sinnlos erscheint. Deshalb will er durch die Selbsttötung zu ihr gelangen – wissend, daß er sie nur für einen kurzen Moment wiedersehen wird. Aber er nimmt dafür den Tod in Kauf – um sie anschließend wieder zu verlieren. Und dann nachfolgend dazu verdammt ist niemals zu ruhen, ständig rastlos in ewiger Dunkelheit zu vegetieren. Zum Schluß kommt das Akustikstück `Moments Of Mournful Splendour (At The Portal To Infinity)`, welches wohl am realitätsnahsten ist – da ich die in diesem Text geschilderte Situation schon des öfteren erlebt habe. Diese handelt von diesen depressiven Momenten – die einem zuerst die Luft abzuschnüren scheinen, und man in die Tiefe gezogen wird. Aber wenn man ganz unten ist, erkennt man erst die Herrlichkeit dieser Momente. Man genießt dann förmlich die Einsamkeit und sieht bestimmte Erscheinungen mit anderen Augen. Man gewöhnt sich so sehr an dieses Dasein, das man förmlich süchtig danach wird – süchtig nach dieser Pracht, die gleichzeitig aber auch die Selbstzerstörung bedeutet.“ Hat Azathoth Faves auf der Scheibe? „Meine Favoriten sind definitiv `Misanthropic Invocation` und `Crimson Tears`, aber auch da hat jeder von uns so seine eigenen Favoriten.“

Azathoth ist der alleinige Texter und Nachtpoet bei Dark Fortress, während beim Songwriting stellenweise Arbeitsteilung herrscht. „Die meiste Musik hat wohl Asvargr geschrieben, ein paar Sachen stammen aber auch von Crom. Und einige sogar noch von unserem alten Bassisten Njord, welcher in der Anfangsformation mitwirkte. Die Texte stammen alle aus meiner Feder, das ist richtig.“ In welcher Stimmung schreibt Azathoth wohl die besten seiner Texte? „Wenn ich total in Gedanken versunken bin – meistens eben, wenn ich total von Haß erfüllt bin. Oder Trauer und Schmerz empfinde. Manchmal stehe ich aber auch des Nachts auf, weil mich ein Traum so beschäftigt hat, daß ich ihn zu Papier bringen muß. Und dabei muß ich dann gar nicht lange nachdenken, da die Gedanken einfach förmlich aus mir herausquellen – und im Endeffekt erst zum Schluß einen Sinn ergeben.“

So geht es bestimmt vielen von uns, egal ob Musiker, Fan oder auch Denker. In welcher Stimmung kommen die besten Songs für Dark Fortress zustande? In weltschmerz-getränkter Verfassung: Voller Sehnsucht nach längst vergangenen Zeiten? „Ja, genauso ist es. Aber wie gesagt auch in Situationen, wo wir alle ziemlich gefrustet sind von unserem täglichen Dasein und der Wut einfach freien Lauf lassen können.“ Der Songwriting-Prozeß für das Debüt zog sich über einen längeren Zeitraum hin, was man den Tracks aber auch anhört. Denn sie wirken für ein Debüt schon außerordentlich ausgereift. „Das waren ca. 4-5 Jahre.“ Das Albumcover ist wie schon erwähnt eine richtige Wucht. Es gefällt auch der ganzen Band ganz besonders gut. „Ja, wir sind sehr zufrieden damit. Besonders ich, da ich die Idee für dieses Cover hatte – und Kris nahezu perfekt meine Visionen in diesem Bild reflektiert. Ja, auch das nächste Cover wird von Kris Verwimp angefertigt werden – besser gesagt, er ist momentan gerade mittendrin es anzufertigen. Es wird wohl bei weitem blasphemischer und aggressiver ausfallen, damit es auch zur Story des nächsten Albums paßt. Mehr wird aber an dieser Stelle noch nicht verraten.“ Das macht neugierig. Wir werden sehen... Wie sieht die Band ihre Scheibe denn im direkten Vergleich mit der doch mannigfaltigen Konkurrenz? Azathoth überrascht mit sympathischer Bescheidenheit und bekennt stellvertretend für Dark Fortress: „Nun, wir wollen uns hier nicht über andere stellen oder so etwas. Es soll einfach jeder das machen, was er für richtig hält. Wir kümmern uns da nicht um andere. Ich denke aber, bei uns ist es ein entscheidender Faktor, daß die Abwechslung nicht zu kurz kommt. Was bei einigen anderen Scheiben doch eher immer wieder vernachlässigt wird.“ Keine Widerrede von meiner Seite.

Was hören sich solche begnadeten Atmospheric Epic Black Metal-Songwriter eigentlich privat an? Nennenswerte Faves? „Das ist eigentlich so das Übliche bei uns. Wir hören uns im Metal-Bereich so alles querbeet an, wie beispielsweise Dio, Warlock, Stormtrooper, Cirith Ungol, Slayer, Kreator, Morbid Angel, Pestilence, Entombed, Dismember, Pungent Stench, Dissection, Naglfar, Vinterland, Unanimated, Darkthrone, Bathory, Mayhem, Satyricon, Burzum, Shining, Silencer aber auch z.T. Sachen wie alte Ulver, In The Woods, Anathema, Katatonia oder auch Green Carnation.“ Eine erlesene Auswahl. Wie gliederte sich die metallische Laufbahn? Mit welchen Bands des Genres haben Dark Fortress eigentlich angefangen, diese zeitlose Musik zu lieben und welche Acts haben die Band wohl am nachhaltigsten beeinflußt? „Auf den Black Metal bezogen waren es sowohl bei mir als auch bei Asvargr Alben wie `Under A Funeral Moon` von Darkthrone, Immortal´s `Diabolical Fullmoon Mysticism`, Mayhem´s `De Mysteriis Dom Sathanas`, Satyricon´s `Dark Medieval Times` und die erste Attacke von Emperor. Zum Metal allgemein kam ich durch Helloween's `Keeper Of The Seven Keys Pt. 2`, welche immer noch einen gewichtigen Platz in meinem Herzen hat.“ Schön zu erfahren, das geht mir nicht anders; auch wenn ich damals bereits ab der genialen Debüt-Mini-LP den Hamburgern völlig verfallen war. Heute sind sie leider zur Bedeutungslosigkeit verkommen, was sich schon mit dem Reinfall `Pink Bubbles Go Ape` manifestiert hat. Doch zurück zu Dark Fortress und dem immer wieder interessanten Vergleich der metallischen Gezeiten. Azathoth resümiert: „Ich denke, früher war mehr Zusammenhalt da, während man sich heutzutage untereinander bekriegt – weil jeder heute anscheinend Elite sein will. Was absoluter Schwachsinn ist in meinen Augen. Die Kommunikation dagegen ist heutzutage mit Sicherheit besser, weil einfacher.“ Im Ländervergleich schneiden wir gut ab: „Ich denke, daß Deutschland eine gute bis sehr gute Metalszene hat. Mit der Ehrlichkeit dagegen scheint es allerdings teilweise nicht soweit herzusein, wie wir schon des Öfteren am eigenen Leib erfahren mußten. Meiner Meinung nach gibt es in sehr vielen unterbewerteten Ländern auch gute Metalszenen, wie beispielsweise in Brasilien, Mexiko und Japan. Aber auch aus Finnland kommen beispielsweise immer mehr hervorragende Black Metal-Bands, die leider auf Grund schlechter Promotion nur wenige hier kennen.“

Wann sind Dark Fortress das letzte Mal live aufgetreten? War es ein Erfolg? „Der letzte Gig war erst vor ein paar Wochen im November 2000 mit Resurrected, die eigentlich Headliner machen sollten. Allerdings hatte der Sänger wohl einige gesundheitliche Probleme. Und so machten wir eben Headliner – und das scheinbar mit Erfolg. Denn bei uns in der Gegend ist es leider Gang und Gebe, das bei der letzten Band vielleicht höchstens noch die Hälfte der Leute anwesend sind. Bei uns waren aber noch alle da – und einige sind sogar regelrecht ausgerastet, was natürlich die eigene Performance noch energiegeladener macht.“ Wo sieht die Band ihre Stärken und wo die Schwächen in alltäglichen Bestrebungen, das Dasein zu meistern? „Ich kann hier nur von mir reden. Wie es bei den anderen aussieht, weiß ich nicht genau. Mich ekelt das ganze `Leben` an; `Spaß` gibt's nur im betrunkenen Zustand – was auch nicht selten ist.“ Recht so, Hoch die Tassen, mein Freund! Red Stream – das Plattenlabel der Horde – lieferte bisher einen ganz passablen Job für Dark Fortress ab. Azathoth: „Wir sind sehr zufrieden mit ihnen, da sie gute Promotion machen und das maximalste aus ihren begrenzten Möglichkeiten herausholen. Das Wichtigste ist für uns, daß wir wissen, daß sie uns 100%ige Freiheit lassen, voll hinter uns stehen und an uns glauben. Und das ist der Fall, da sie in erster Linie Fans unserer Musik sind – und uns nicht als ein Produkt ansehen, mit dem man Kohle machen kann. Was ja leider bei einigen Labels Gang und Gebe ist. Und bei einem solchen Label würden wir auch nie unterschreiben. Aber was die Zukunft in dieser Hinsicht bringt kann ich jetzt noch nicht sagen – da ich in den letzten Jahren gelernt habe, daß es im Endeffekt immer anders läuft wie geplant und man das Ganze einfach auf sich zukommen lassen sollte.“ Eine ebenso kluge wie weise Voraussicht.

Wie sieht die musikalische Zukunft aus? Das nächste Album ist ja schon in den Vorbereitungen: Aufnahme im legendären Grieghallen Studio etc. „Ja, wir sind schon wahnsinnig nervös, da es wirklich eine große Ehre für uns ist, im Grieghallen aufnehmen zu dürfen, zumal auch der dortige Producer Pytten ein großer Fan unserer Musik ist und er der Aufnahmesession ebenso entgegenfiebert wie wir. Musikalisch wird es diesmal etwas schneller zur Sache gehen. Was wir aber im Vorhinein schon wussten, weil wir schon seit längerer Zeit das textliche Konzept hatten, welches ein guter Kumpel von uns verfasst hat. Dennoch wird die Abwechslung nicht zu kurz kommen. Neben den schnellen eher `norwegisch` angehauchten Songs werden unter anderem auch ein melancholischer Song der Marke alte Katatonia oder Estatic Fear, sowie ein Song, der eher an Samael zu `Blood Ritual`-Zeiten erinnert und auch wieder ein paar `schwedische` Songs sein. Für Abwechslung ist also gesorgt. Erstmals werden wir auch Frauengesang bei einem Song haben; was allerdings aber nur deshalb geschieht, weil es die Geschichte des textlichen Konzeptes so verlangt.“ Die Spannung auf den Album-Nachfolger scheint unerträglich.

Letzte große Worte an die Fans? „Dank an alle, die an uns glauben und uns unterstützen, speziell auch an Dich Markus! Never forget: Life creates the doorway - Death holds the key!” And he always wins. Azathoth´s Lebensphilosophie ist 100 % Black Metal. Memento Mori. Das scheinen zu viele heutzutage vergessen zu haben, die sich aufgrund zusammengerafften materiellen Reichtums für etwas Besseres halten. Aber das letzte Hemd hat nun mal keine Taschen.

© Markus Eck, 09.02.2001

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